Zucchero: Discover

Zucchero: Discover

Universal

VÖ: 19.11.2021

 

Wertung: 7/12

 

Zucchero „Sugar“ Fornaciari veröffentlicht mit „Discover“ sein erstes Coveralbum. Dies ist insofern interessant, da der 66-jährige nicht unbedingt mit seinem Musikgeschmack hausieren geht. Natürlich kriegt man, wenn man sich sein Schaffen und den dazugehörigen Backkatalog anguckt, eine gewisse Vorstellung wie die Plattensammlung des Italieners aussehen könnte. Sein nun vorliegendes Album „Discover“ wird dann allerdings gleich mehrfach überraschen. Mit den vorliegenden Songs hätte man nicht unbedingt rechnen können. Müssen schon gleich gar nicht. Er selber sagt, dass es sich bei der Auswahl der Songs um jene handeln würde, die ihn ausmachen: die feinste, italienische melodische Tradition und seine tiefen afro-amerikanischen Wurzeln. Wirft man einen Blick auf die Auswahl, dann sind da aber schon gleich mehrere Fragezeichen vorhanden – besonders bei den englischsprachigen Titeln.

 

Es ist ja bekannt, dass der Ire Paul Hewson - in der Musikwelt nur als Bono bekannt - durchaus auch einen Hang zur afro-amerikanischen Musik hat, aber sein Lockdown-Song  „Let Your Love Be Known“ sicher nicht. Bono schrieb die Nummer als Hommage an jene Italiener, die sich von den Dächern und Balkonen während der Isolation gegenseitig vorsangen. Der U2-Sänger erlaubte schließlich will.i.am und Jennifer Hudson eine Version mit seinem Gesang aufzunehmen. Zucchero spielte den Song schließlich zum „Tag der Erde“ in Rom in einem leeren Kolosseum. „Canta La Vita“ wurde so geboren. Die Studioversion hier enthält nicht nur den Backgroundgesang von Bono, sondern er steigt auch noch sehr prominent und deutlich in den Hauptgesang mit ein. Es ist durchaus ein Song, der gut zu Zucchero passt und auch zu den guten Tracks auf diesem Album zählt.

 

„The Scientist“ ist um einiges reduzierter als bei Coldplay ausgefallen. Leider damit auch langweiliger, weil die komplette Magie flöten geht und Zucchero das einfach nur nett nachspielt. Selbiges gilt auch für „Wicked Game“. Letztgenannter Song gewinnt allerdings bei Zucchero sogar noch mal an Intensität dazu. Die Slide-Guitar ist toll, die Percussion perfekt. „Follow You, Follow Me“ covert er auch. Genau, jenen Langeweiler von Genesis, der in der Akustikvariante jetzt nicht gerade besser wird. Moby überrascht sicher bei der Songauswahl. Sein „Natural Blues“ passt letztlich aufgrund des Unterbaus dann doch perfekt. Das Duett mit Label-Kollege Mahmood – Erinnerungen an den ESC 2019 könnten da wach werden – mit dieser düsteren Atmosphäre macht durchaus Laune. Das Mundharmonikaspiel sowieso. „Human“ von Rag'n'Bone Man singt der Italiener im Grunde wiederum auch nur nett nach, ohne dabei überhaupt die Seele und den Ursprung des Songs zu finden – mal abgesehen davon, dass man die Nummer aufgrund der ständigen Präsenz auf Jahrzehnte sowieso nicht mehr hören kann.

 

„High Flyin´ Bird“ kommt mit Electro-Loops und mit staubtrockenen Wüstensounds ziemlich gut und ist einer der besten Interpretationen auf diesem Album. Man sollte sich da auch gleich noch mal die Version von Jefferson Airplane auf die Ohren legen. Anderes, wie beispielsweise „Amore Adesso (No Time For Love Like Now)“ plätschert recht ereignislos dahin. „Luce (Tramonti A Nord Est)“ mit Elisa gefällt durch diese besondere Atmosphäre, die verwegen und geheimnisvoll dafür sorgt, dass man als Zuhörer da gerne am Ball bleibt. „Con Te Partirò“ ist nichts anderes als die ursprüngliche Fassung von „Time To Say Goodbye“ von Andrea Bocelli. Nun ja, Klassik kann Zucchero. Wollte man das wissen? Man konnte es vermuten. „Ho Visto Nina Volare“ ist da aber die wesentlich bessere Wahl. Die Nummer hat Tiefe, Intensität, Größe! Alleine dafür lohnt sich das Album! Selbiges gilt auch für „Lost Boys Calling“ -  Score-Musik der Extraklasse. Als Bonustrack gibt es für die verschiedenen Länder „Everybody´s Got To Learn Sometime“ mit einem Duettpartner des Landes zu hören. Jetzt muss sich jeder die Frage selber beantworten, wie es um die Musiklandschaft in Deutschland aussieht, denn für den hiesigen Markt ist Ben Zucker der Partner der Wahl.

 

Fazit: „Discover“ von Zucchero hat im Grunde eine gleichbleibende Grundatmosphäre zu bieten und ist alleine dadurch sehr homogen. Trotzdem sind die Interpretationen von sehr unterschiedlicher Qualität und so ist das Niveau doch sehr schwankend. Die eine Hälfte ist durchaus sehr gelungen und lässt aufhorchen, während andere Songs wiederum nur nachgespielt werden und jegliche Idee der Neuerung oder eigenen Note von Zucchero vermissen lassen. Insgesamt ist „Discover“ nicht uninteressant und aufgrund der Songauswahl sogar überraschend!

 

https://www.zucchero.it/

 

Text: Torsten Schlimbach

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