Willie Nelson: That´s Life

Willie Nelson: That´s Life

Sony

VÖ: 26.02.2021

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Es dürfte mittlerweile ja bekannt sein, dass Willie Nelson ein großer Verehrer von Frank Sinatra ist. Es gab 2018 durchaus Musikhörer, die von „My Way“ überrascht wurden. Nelson wird ja nun auch seit vielen Jahrzehnten ausschließlich dem Country-Genre zugeordnet. Für das Album seiner Sinatra-Interpretationen erhielt Nelson sogar den Grammy in der Sparte „Best Traditional Pop Solo Album“. Mit „That´s Life“ legt er nun also noch mal nach. Er hat sich nun an elf weitere Sinatra-Songs gewagt.  „That’s Life“ wurde von Buddy Cannon und Matt Rollings produziert und teilweise in den historischen Capitol Studios in Hollywood eingespielt. Sinatra war seinerzeit der erste Künstler überhaupt, der dort aufgenommen hat und nutze die Studios im Zeitraum von 1956 bis 1961. Der Kreis schließt sich also. Die Pedernales Studios in Austin, Texas wurden ebenfalls für weitere Aufnahmen genutzt.

 

Willie Nelson wird nächsten Monat übrigens 88 Jahre alt. Dies ist insofern beachtlich, da er auf „That´s Life“ erstaunlich frisch und jung klingt. Die Songs seines vermutlich 71.(!) Studioalbums – es gibt da tatsächlich unterschiedliche Zählweisen – scheinen ein regelrechter Jungbrunnen für Nelson gewesen zu sein. Und er hat sich in Bezug auf die Phrasierung richtig ausgetobt. Dies habe er von Sinatra gelernt, teilt Nelson im Vorfeld der Veröffentlichung mit. Das hört man. Bauchgefühl und Instinkt sind viel wichtiger als die übliche Vorgehensweise.  Das „Great American Songbook“, wird so auch von Nelson ganz und gar formidabel interpretiert und dargeboten.

 

Man höre sich nur an, wie leichtfüßig er sich durch „I´ve Got You Under My Skin“ singt und spielt. Ja, auch spielt. Dieses Gitarrensolo von Nelson ist vermutlich das Lässigste, was man dieses Jahr zu hören bekommt. Im Calypso-Gewand hat man die Nummer auch noch nicht gehört. „You Make Me Feel So Young“ ist anschließend als Swing mit großem Orchester-Sound angelegt. Nelson singt dazu, als wäre er ein Jungspund. Das Mundharmonikaspiel setzt zudem gekonnt ein paar feine zusätzliche Farbtupfer und Akzente. „I Won´t Dance“ ist jazzig angehaucht. Das Duett mit Diana Krall ist allerdings auch etwas unrund, da die beiden Stimmen nicht komplett miteinander harmonieren. „That´s Life“ – der Song – ist mindestens so cool wie bei Sinatra.  „Luck Be A Lady“ groovt sehr schön und Nelson knödelt in den schönsten Schattierungen. Die Ballade „In The Wee Small Hours Of The Morning“ ist herzzerreißend. Ganz großes Kino! „Learnin´ The Blues“ und „Lonesome Road“ sprudeln über vor Musikalität. Das hat Herz und Seele. Das trifft natürlich auch auf „Just In Time“, die Ballade „Cottage For Sale“ oder den Albumabschluss „Nice Work If You Can Get It“ zu.

 

Fazit: Mit „That´s Life“ hat Willie Nelson seiner Liebe für Frank Sinatra erneut freien Lauf gelassen. Er interpretiert diese großartigen Songs ganz und gar wundervoll. Sein Gitarrenspiel ist bei dem einen oder anderen Track das Salz in der Suppe. Das Musikgewand ist zwischen Jazz und Swing sowieso ganz wundervoll arrangiert worden. Willie Nelson hat erneut ein tolles Werk abseits seines angestammten Genres aufgenommen.

 

https://willienelson.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Willie Nelson: First Rose Of Spring

Willie Nelson: First Rose Of Spring

Sony/Legacy

VÖ: 03.07.2020

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Willie Nelson kann auf eine unglaubliche Karriere zurückblicken. Er hat jegliches Recht auf selbige stolz zu sein. Der Mann hat einen Backkatalog im Rücken, der unfassbar anmutet. Nelson, Jahrgang 1933(!) hat 70(!!) Alben aufgenommen. „First Rose Of Spring“ ist eines davon. Der Nachfolger vom Grammy dekorierten „Ride Me Back Home“ ist ein zutiefst berührendes Alterswerk geworden. Die Texte sind sehr persönlicher Natur und gehen zu Herzen.

 

Willie Nelson möchte, dass der Hörer den Blickwinkel eines Künstlers einnimmt und die Liebe und das Leben durch dessen Augen sieht. Hört man sich die Tiefe des Albums und dessen Texte an, dann ist unschwer zu erraten, wer dieser Künstler sein soll. Nelson hat dazu mit einigen Co-Autoren gearbeitet, aber auch wieder Coverversionen aufgenommen. Trotzdem ist dies alleine durch die Stimme ein Willie Nelson-Werk durch und durch. Die Atmosphäre ist sehr beeindruckend und insgesamt strahlt das Werk eine unglaubliche Intensität aus.

 

Das düstere „Love Just Laughed“ ist beispielweise noch mal eine ganz große Nummer. Zusammen mit Buddy Cannon hat er da einen Song geschrieben, der nicht nur Country-Fans, sondern aufgrund der Instrumentierung auch Indie-Fans gefallen wird. Wer bei „Yesterday When I Was Young (Hier Encore)“ keinen Kloß im Hals hat, hat vermutlich ein Herz aus Stein. Das passt wie die Faust aufs Auge zu dem 87-jährigen Nelson. Der Song von Charles Aznavour aus dem Jahre 1964 wurde schon zigfach gecovert - von Patricia Kaas bis Elton John, aber die Interpretation des guten Willie übertrifft sie alle. Es ist eine überaus ehrliche, gar nackte und intime Darbietung.

 

Insgesamt gibt es elf neue Studio-Stücke auf dem Album. Mit dem warmherzigen Titeltrack „The First Rose Of Spring“ startet das Album wundervoll. Die Stimme ist kraftvoll, die Instrumentierung zwischen Country und Western wunderschön. Songs wie „Blue Star“ oder „Don't Let The Old Man In“ strahlen sehr viel Würde aus. „Just Bummin' Around“ macht einfach Spaß. „Our Song“ wurde von Chris Stapleton geschrieben, einem Vertreter des modernen Countrys. Nelson hatte ja noch nie irgendwelche Berührungsängste. „We Are The Cowboys“ lässt die Welt wissen, wer die wirklichen Cowboys sind. Erhabener Vortrag des Meisters. „Stealing Home“ ist abermals sehr berührend. „I'm The Only Hell My Mama Ever Raised“ ist traditioneller Country wie er im Buche steht – also genau auf Nelson zugeschnitten.

 

Fazit: „First Rose Of Spring“ ist erneut ein ganz tolles, inniges und intimes Album von Willie Nelson. Auch wenn es sich dabei um Coversongs handelt oder Stücke, die er mit anderen geschrieben hat, ist das letztlich ein Nelson-Werk durch und durch. Er gibt den Nummern die Seele und macht diese elf Tracks zu Kleinoden. Ein tolles Alterswerk! Es bleibt zu hoffen, dass dies nicht das letzte Album des 87-jährigen ist!

 

http://www.willienelson.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Empfehlen Sie diese Seite auf:

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch