Willie Nelson: First Rose Of Spring

Willie Nelson: First Rose Of Spring

Sony/Legacy

VÖ: 03.07.2020

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Willie Nelson kann auf eine unglaubliche Karriere zurückblicken. Er hat jegliches Recht auf selbige stolz zu sein. Der Mann hat einen Backkatalog im Rücken, der unfassbar anmutet. Nelson, Jahrgang 1933(!) hat 70(!!) Alben aufgenommen. „First Rose Of Spring“ ist eines davon. Der Nachfolger vom Grammy dekorierten „Ride Me Back Home“ ist ein zutiefst berührendes Alterswerk geworden. Die Texte sind sehr persönlicher Natur und gehen zu Herzen.

 

Willie Nelson möchte, dass der Hörer den Blickwinkel eines Künstlers einnimmt und die Liebe und das Leben durch dessen Augen sieht. Hört man sich die Tiefe des Albums und dessen Texte an, dann ist unschwer zu erraten, wer dieser Künstler sein soll. Nelson hat dazu mit einigen Co-Autoren gearbeitet, aber auch wieder Coverversionen aufgenommen. Trotzdem ist dies alleine durch die Stimme ein Willie Nelson-Werk durch und durch. Die Atmosphäre ist sehr beeindruckend und insgesamt strahlt das Werk eine unglaubliche Intensität aus.

 

Das düstere „Love Just Laughed“ ist beispielweise noch mal eine ganz große Nummer. Zusammen mit Buddy Cannon hat er da einen Song geschrieben, der nicht nur Country-Fans, sondern aufgrund der Instrumentierung auch Indie-Fans gefallen wird. Wer bei „Yesterday When I Was Young (Hier Encore)“ keinen Kloß im Hals hat, hat vermutlich ein Herz aus Stein. Das passt wie die Faust aufs Auge zu dem 87-jährigen Nelson. Der Song von Charles Aznavour aus dem Jahre 1964 wurde schon zigfach gecovert - von Patricia Kaas bis Elton John, aber die Interpretation des guten Willie übertrifft sie alle. Es ist eine überaus ehrliche, gar nackte und intime Darbietung.

 

Insgesamt gibt es elf neue Studio-Stücke auf dem Album. Mit dem warmherzigen Titeltrack „The First Rose Of Spring“ startet das Album wundervoll. Die Stimme ist kraftvoll, die Instrumentierung zwischen Country und Western wunderschön. Songs wie „Blue Star“ oder „Don't Let The Old Man In“ strahlen sehr viel Würde aus. „Just Bummin' Around“ macht einfach Spaß. „Our Song“ wurde von Chris Stapleton geschrieben, einem Vertreter des modernen Countrys. Nelson hatte ja noch nie irgendwelche Berührungsängste. „We Are The Cowboys“ lässt die Welt wissen, wer die wirklichen Cowboys sind. Erhabener Vortrag des Meisters. „Stealing Home“ ist abermals sehr berührend. „I'm The Only Hell My Mama Ever Raised“ ist traditioneller Country wie er im Buche steht – also genau auf Nelson zugeschnitten.

 

Fazit: „First Rose Of Spring“ ist erneut ein ganz tolles, inniges und intimes Album von Willie Nelson. Auch wenn es sich dabei um Coversongs handelt oder Stücke, die er mit anderen geschrieben hat, ist das letztlich ein Nelson-Werk durch und durch. Er gibt den Nummern die Seele und macht diese elf Tracks zu Kleinoden. Ein tolles Alterswerk! Es bleibt zu hoffen, dass dies nicht das letzte Album des 87-jährigen ist!

 

http://www.willienelson.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch