Quinn Sullivan: Wide Awake

Quinn Sullivan: Wide Awake

Mascot Label Group/Provogue

VÖ: 04.06.2021

 

Wertung: 7/12

 

Wäre Quinn Sullivan Fußballer, dann hätte er wohl immer noch den Status eines hoffnungsvollen Talents. Der Mann ist erst 21 Jahre jung, hat als Musiker aber schon eine Menge erlebt und darf sicherlich mit Fug und Recht als Vollprofi bezeichnet werden. In den USA ist er in so ziemlich jeder wichtigen TV-Show aufgetreten und er hat schon vom legendären Madison Square Garden bis zum Hollywood Bowl alles bespielt - was man sich eben als Musiker so erträumt. Mit so ziemlich jedem namhaften Gitarristen stand er sowieso schon zusammen im Rampenlicht. Jetzt veröffentlicht der Mann mit „Wide Awake“ mal wieder ein neues Album.

 

Sullivan hat sich in der Vergangenheit ja schon reichlich an den sechs Saiten ausgetobt. Bei „Wide Awake“ hat er den Fokus mehr auf das Singer/Songwriter-Genre gelegt – sprich Stift und Papier. Der Gitarrist wollte das Songwriting mehr herausstellen, hat dabei sein Lieblingsinstrument aber keineswegs vergessen. Aufgenommen wurde das Album mit Produzent und Kollaborateur Oliver Leiber. Die zwölf Tracks, die „Wide Awake“ bilden, sind dabei überraschend poppig ausgefallen. Leider. Natürlich ist dies kein lupenreines Popalbum, aber der Unterbau und die Politur gehen genau in diese Richtung!

 

Mit „All Around The World“ startet Sullivan mit einer luftigen Melodie in die Scheibe. Das Gitarren-Riff stammt übrigens von Produzent Oliver Leiber. Es darf auch dezent ein Solo eingestreut werden. Die Nummer drängt sich als Single quasi auf. „She´s So Irresistible“ könnte live ordentlich knallen. Die lässige Nummer besticht durch einen guten Groove und lässt zum Refrain hin erkennen, dass da sehr viel Rock unter der glatten Oberfläche schlummert.

 

„How Many Tears“ ist eine starke Ballade, die den Vibe der 60er Jahre weiterträgt – inklusive Bläser. „In A World Without You“ fängt stark an, entwickelt sich aber zu schnell in Richtung funky Popmusik. „She´s Gone (& She Ain´t Coming Back)“ – der Titel lässt es ja schon mehr als nur erahnen – ist eine weitere Ballade, die allerdings mit zu viel Zucker überträufelt wurde. Das Album verflacht ab dieser Stelle sowieso etwas. „Baby Please“ und „Real Thing“ sind ganz nett, aber das plätschert auch etwas ereignislos dahin. Songs, die seinerzeit auch gut zu „Beverly Hills 902010“ gepasst hätten. Mit dem Titelsong „Wide Awake“, der hin und wieder an Neil Young erinnert, holt Quinn Sullivan alle mit Rockherz wieder ab. „Strawberry Rain“ wirft noch ein paar Briketts ins Feuer und lässt die sechs Saiten noch mal ordentlich jaulen. „Jessica“ ist gar eine schöne Folkballade. „Keep Up“ zeigt zum Schluss mit sehr viel Pathos noch mal alle Facetten des Albums.

 

Fazit: Quinn Sullivan hat mit „Wide Awake“ ein fluffiges Album mit starkem Popunterbau aufgenommen. Da wurde ziemlich viel poliert, damit es auch in das Formatradio passen würde. An der einen oder anderen Stelle blitzt sein Können an den sechs Saiten natürlich auf. Alles in allem ist das ein solides Album, aber teilweise eben auch weder Fisch noch Fleisch.

 

https://quinnsullivanmusic.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch