The Pretenders: Hate For Sale

Pretenders: Hate For Sale

BMG
VÖ: 17.07.2020

 

Wertung: 8,5/12

 

Die Pretenders legen mit „Hate For Sale“ ihr nunmehr elftes Studioalbum vor. Produziert hat die Sause der nicht minder legendäre Stephen Street. Gitarrist James Walbourne hat die Songs zusammen mit Chrissie Hynde geschrieben. Nick Wilkinson am Bass, Carwyn Ellis an den Tasten und Gründungsmitglied Martin Chambers am Schlagzeug komplettieren das Line-Up. Dies ist gleichzeitig auch die bewährte Tourbesetzung. „Hate For Sale“ hat alle Trademark-Sounds der Pretenders zu bieten und dürfte Fans ziemlich glücklich machen.

 

Das Werk ist mit zehn Songs, die ohne Umschweife auf den Punkt kommen, recht knackig ausgefallen. Mit dem lärmenden Titelsong „Hate For Sale“ geht es mit ordentlich Schmackes in Punkgefilden los. Die Nummer soll laut Chrissie Hynde eine Verbeugung vor The Damned sein. Das Mundharmonikaspiel ist dabei das Salz in der Suppe. „The Buzz“ ist eine Pretenders-Nummer wie sie im Buche steht. Die Stimme von Hynde ist sowieso unnachahmlich. „Lightning Man!“ ist die Mischung aus Reggae, Ragga und New Wave, auf die die Pretenders fast schon ein Patent haben.

 

„Turf Accountant Daddy“ lärmt wieder etwas mehr. Live kommt das vermutlich besser als auf Platte, da die Instrumente schon sehr weit in den Hintergrund gemischt wurden und die Stimme von Frau Hynde deutlich in den Vordergrund gestellt wird. Dies ist aber sowieso charakteristisch für das gesamte Album. Die Ballade „You Can´t Hurt A Fool“ ist ein schönes Ding. Die Pretenders kriegen es einfach ganz locker hin, dass der Song nicht kitschig wirkt. Der Star von „I Didn´t Know When To Stop“ ist die Mundharmonika. Auf ein eh schon schmackhaftes Eis setzt die Band so noch ein schönes Sahnehäubchen obendrauf. Gute Rocknummer.

 

„Maybe Heart Is In N.Y.C.“ dengelt etwas ereignislos dahin, hat als Ausgleich aber einen schönen Refrain zu bieten. Dafür ist „Junkie Walk“ ein Brett. Auch textlich. Chrissie Hynde hat aber ja noch nie um den heißen Brei herumgeredet. „Didn´t Want To Be This Lonely“ zitiert die vergangenen Rockdekaden unverblümt und mit dem Abschluss „Crying In Public“ gibt es eine Ballade, die leider vor Kitsch trieft und zu schmalzig ist. Als Rausschmeißer aber sicher passend.

 

Fazit: „Hate For Sale“ ist ein gutes Album. Die Pretenders lassen sich nicht auf irgendwelche Trends ein, sondern ziehen locker und lässig ihr Ding durch. Die Songs klingen keineswegs altbacken und haben auch im Jahr 2020 ihre Berechtigung. „Hate For Sale“ wird die Musikwelt nicht mehr auf den Kopf stellen, aber darum geht es auch gar nicht. Fans werden das Werk lieben und die Band hatte hörbar Spaß bei den Aufnahmen. Daumen hoch!

 

https://thepretenders.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

The Pretenders: Alone

The Pretenders: Alone

BMG/Warner

VÖ: 21.10.2016

 

Wertung: 8/12

 

The Pretenders veröffentlichen endlich wieder ein neues Album. Das letzte Werk hat ja nun auch schon acht Jahre auf dem Buckel. Eigentlich war „Alone“ als Nachfolger von „Stockholm“ - der Soloplatte von 2014 von Chrissie Hynde – geplant. Frau Hynde kam allerdings zu der Erkenntnis, dass die neuen Songs viel besser zu den Pretenders passen würden. Letztlich ist das aber nur ein Vehikel, denn „Alone“ hat im Grunde nicht viel mit der ursprünglichen Version der Pretenders zu tun. Chrissie Hynde ist ja auch als Einzige übrig geblieben. Ein Soloalbum ist es dennoch nicht geworden, denn Dan Auerbach von den Black Keys ist als Produzent, Ratgeber und Musiker auch mit dabei. Insofern ist „Alone“ im Grunde ein Album eines Duos. Auf den Pressefotos sind insofern auch Hynde und Auerbach zu sehen. Die Black Keys können mittlerweile ja auch auf eine große Fangemeinde bauen und somit wird das neue Pretenders Werk sicher noch mal eine neue Käuferschicht anlocken.

 

Man müsste mal die Veröffentlichung abwarten und dann die Kommentare der Uraltfans der Pretenders lesen. Einige dürften doch ihre Probleme mit „Alone“ haben. Es ist schon deutlich hörbar, dass Dan Auerbach seine Finger hier im Spiel hatte. Manches klingt wie The Black Keys nur eben mit dem Gesang von Chrissie Hynde. Wer sich aber auch als Pretenders-Fan auf „Alone“ einlassen kann, wird ein gutes Album vorfinden. Natürlich wurde das Album in Nashville aufgenommen und Auerbach hat auch gleich seine ganzen Buddies von seinem Nebenprojekt The Arcs als Musiker angekarrt, die dieses Album zusammen mit Johnny Cashs ehemaligen Bassisten Dave Rose und Country Rocker Kenny Vaughan einspielten.

 

„Alone“ hat diesen ursprünglichen und direkten Sound, der gut zu Chrissie Hynde passt. Das Ding rockt, hat aber auch immens viele Ballade – oder besser gesagt: ruhige Tracks – am Start. Mit dem Titeltstück „Alone“ geht es sehr gewagt los. Die Nummer klingt nämlich als würde Lou Reed „Downtown“ von Neil Young und Pearl Jam aus deren Album „Mirrorball“ sprechsingen. Mit anderen Worten: grandios! Das hat ordentlich Dampf auf dem Kessel. „Roadie Man“ schlägt einen Bogen von den 70ern in das Hier und Jetzt. Der Gesang ist verrucht und sexy, die Instrumentierung wie aus einem Western entsprungen. Das Gitarrenspiel ist sehr vielfältig und abwechslungsreich. Tolle Licks, tolle Riffs und dann wäre da ja auch noch die Pedal-Steel-Gitarre, die auf diesem Album eine wichtige Rolle spielt. „Gotta Wait“ ist ein Brett. Minimalistischer Punk der Marke Iggy Pop & The Stooges.

 

Mit „Never Be Together“ folgt ein melancholischer Song mit einer sehnsüchtigen Melodie. Der Sound bleibt roh, aber der Fuß tritt das Gaspedal nicht mehr bis nach unten durch. Das mit Country infizierte „Let´s Get Lost“ lädt zum Engtanz ein. „Chord Lord“ ist ruppig und das Gitarrensolo ist alles andere als sauber. Das soll übrigens keine Kritik sein. Es scheppert und schrammelt eben und genau das macht so viel Freude beim Hören. „Blue Eyed Sky“ ist zwar kitschig, aber auf eine schöne Art und Weise. „The Man You Are“ fängt mit feinem Fingerpicking ganz vielversprechend an, plätschert dann aber recht ereignislos dahin. Das gilt auch für „One More Day“. Das karibische Flair, welches durch die Szenerie schwebt, reißt es leider auch nicht mehr ganz heraus. In einem Tarantino-Film könnte das Stück vielleicht dennoch glänzen. Leider wird mit „I Hate Myself“ eine weitere, ruhige Nummer nachgeschoben, die letztlich aber recht langweilig anmutet. Wie es besser geht, zeigt sich mit „Death Is Not Enough“. Eine schöne Ballade. „Holy Commotion“ wird als Bonussong bezeichnet, wurde aber im Vorfeld der Veröffentlichung dazu genutzt um das Album zu promoten. Der Song hat ja auch das Zeug dazu, wie man bei Jools Holland gesehen hat. Auf der LP ist der Track nicht vertreten, aber ein Donwload Code liegt bei.

 

Fazit: Das neue Album der Pretenders ist vielmehr eine Zusammenarbeit von Chrissie Hynde und Dan Auerbach. „Alone“ hat mit der Band im Grunde nichts zu tun, weil es die Band nicht mehr gibt. Das ist aber nicht weiter tragisch, weil Frau Hynde immer noch wie eine junge Göttin singen kann und Auerbach den Songs den Sound verpasst hat, der ihn mit den Black Keys zu den ganz Großen der letzten Jahre im Musikgeschäft gemacht hat. Das ist ruppig und authentisch. In der ersten Albumhälfte wird etwas mehr auf den Putz gehauen. Die ruhigen Stücke in der zweiten Hälfte können da nicht mehr ganz mithalten. Insgesamt ist das aber eine wirklich gute Platte!

 

http://www.thepretenders.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch