The Beach: Sail On Sailor 1972 (2CD-Deluxe-Edition)

The Beach: Sail On Sailor 1972 (2CD-Deluxe-Edition)

Universal

VÖ: 02.12.2022

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

1972 war ein spannendes Jahr für die Beach Boys. Und ein sehr produktives noch dazu. Die 1960er Jahre waren vorbei und man machte sich auf zu neuen musikalischen Ufern. Die Band nahm mit „Carl And The Passions – „Sou Tough““ das 18.(!) Studioalbum auf. Mit Blondie Chaplin an der Gitarre bzw. Bass und Schlagzeuger Ricky Fataar wurde zudem das Line-up bereichert. Die beiden brachten frischen Wind mit und so änderte sich auch der Sound der Beach Boys. Die nun siebenköpfige Band wollte aber auch gebändigt werden und in dieser großen Runde gibt es natürlich auch mehr Befindlichkeiten, die das Gefüge schon mal durchrütteln konnten. Aufgenommen wurde das zwischen Dezember 1971 und April 1972 in verschiedenen Studios in Los Angeles. Die meiste Arbeit wurde allerdings im Privatstudio von Brian Wilson erledigt. Die Band nutzte den frischen Wind und nahm im Sommer bereits die ersten Parts für den Nachfolger auf – in einer Scheune in der Nähe von Utrecht, Holland. Das Studio war natürlich nur provisorischer Natur. Dort sollte schließlich das „Holland“-Album entstehen.

 

Fertiggestellt wurde „Holland“ schließlich gegen Ende des Jahres bei Village Recorders in Los Angeles. Dies ist insofern interessant, da die Band vorher ihr komplettes Studio zerlegen ließ um selbiges nach Holland zu karren. Dies dürfte durchaus den einen oder anderen Dollar verschlungen haben. Nach diesem Werk waren Blondie Chaplin und Ricky Fataar dann auch keine vollwertigen Mitglieder der Beach Boys mehr. Die Geschichte dieser beiden Alben erzählt nun „Sail On Sailor 1972“. Diese Veröffentlichung kann man nun in verschiedenen Konfigurationen kaufen. Eine üppige Box feiert diese 60-jährige Jubiläum ebenso, wie auch eine 2CD-Deluxe-Edition sowie die digitalen Formate.

 

Fans werden gar nicht umhin kommen sich die schöne und umfangreiche Box zu kaufen. Hier gibt es immerhin 105 Tracks und davon sind 80(!) bisher unveröffentlicht. Es geht natürlich auch eine ganze Nummer kleiner und doch ist die 2CD-Variante auch sehr lohnend, da man hier auch jede Menge unveröffentlichtes Material mit an die Hand bekommt. Auch die Live-Bonustracks sind eine wirklich feine Geschichte. Abgesehen davon ist der neue Mix wirklich ganz vorzüglich und die Songs klingen frisch und so gut wie noch nie. Man kann die Musik so noch mal ganz neu erleben.

 

„Carl And The Passions – „So Tough““ ist ein unglaublich vielfältiges Werk. „Make It Good“ schwebt fast sphärisch dahin und „Cuddle Up“ ist, trotz des recht windschiefen Gesangs, fast schon im Klassikfach zu finden. Die Arrangements gehen jedenfalls deutlich in diese Richtung. Mit „Here She Comes“ oder „He Come Down“ rocken die Herren fast wie Elton John. Das Klavier treibt die Truppe nach vorne, aber auch Schlagzeug und Bass rumpeln sehr schön. In der Bonussektion sind die A Capella-Songs wie „All This Is That“ oder „Marcella“ die heimlichen Höhepunkte. Dieser mehrstimmige Gesang ist schon toll. Sehr gelungen ist auch das Intro von „Make It Good“. In der abgespeckten 2CD-Version gibt es trotzdem einige Live-Songs. „Marcella“ macht dabei unglaublich viel Spaß. Auch die „California Saga“ kommt richtig gut. Der tolle Sound macht das alles zu einem ganz besonderen Erlebnis – auch aus der Konserve. Die Box hat natürlich noch Hits wie „Help Me, Rhonda“, „God Only Knows“, „Fun, Fun, Fun“ oder „Surfin´ USA“ aufgefahren. Geheimtipp ist hier wohl „Jumpin´ Jack Flash“ in einer wahnwitzigen schnellen Version.

 

„Holland“ ist ein überragendes Album. Es hat nicht die Hits abgeworfen, wie es noch in den 60ern der Fall war, aber dafür sehr viel Substanz. „Sail On Sailor“ ist einfach ein toller Song, der musikalisch irgendwo zwischen Tom Petty und Paul McCartney zu finden ist. „Steamboat“ ist anschließend ein Stück psychedelisch, bevor es mit dem dreigeteilten „California Saga“ schon in die Progrock-Richtung geht. „The Trader“ geht danach aber wieder den Weg des melodiösen Rocks. Die Ballade „Only With You“ ist kitschig, melancholisch, aber eben auch schön. Die Bonustracks sind mal verzichtbar, wie „I´m The Pied Piper“ als Instrumental oder ganz besonders „Magic Transistor Radio“, aber „Better Get Back In Bed“ oder „Radion King Down“ gleichen das locker aus.

 

Fazit: „Carl And The Passions – „So Tough““ und „Holland“ sind zwei Alben der Beach Boys, die sträflich unterbewertet sind. Hier sind auch nicht die großen Hits zu finden, aber dafür jede Menge herausragendes bis obskures Material. „Sail On Sailor“ lässt nun die beiden Werke noch mal in neuem Glanz erstrahlen. Die Box hält dabei jede Menge Bonusmaterial bereit, aber auch die 2CD-Version kann mit vielem unveröffentlichtem Material punkten! Tolle Songs der Beach Boys!

 

https://thebeachboys.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

The Beach Boys: Sounds Of Summer: The Very Best Of The Beach Boys

The Beach Boys: Sounds Of Summer: The Very Best Of The Beach Boys

Universal

VÖ: 17.06.2022

 

Wertung: 12/12

Tipp!

 

Die Beach Boys haben unzählige Hits geschrieben und viele andere Musiker beeinflusst. Selbst die Beatles trieben sie um und an. Jetzt feiert man das 60-jährige Bandjubiläum. Den Anfang macht die Kollektion „Sounds Of Summer: The Very Best Of“.  Diese Zusammenstellung gab es zwar schon, allerdings mit lediglich 30 Songs. Jetzt hat man sich nicht lumpen lassen und satte 80(!) Tracks auf drei CDs verteilt. Eine limitierte 6LP Box dürfte die Fans zusätzlich in Entzückung versetzen. Abgesehen davon wurde die Sause neu gemastert und den einen oder anderen neuen Mix hat man auch spendiert.

 

Zusammengestellt wurde das erweiterte Set von Mark Linett und Alan Boyd. Die Songs klangen noch nie so gut. Die heutige Technologie ermöglichte es dem Team die ursprünglichen Mono-Backing-Tracks zum ersten Mal zu trennen. 2 Stereo-Premieren und 22 neue oder verbesserte Stereo-Mixe sorgen ebenfalls für ein neues Hörerlebnis. Das 3CD-Softpack enthält ein umfangreiches, aber auch aufschlussreiches Booklet mit neuen Liner Notes. Die Fotos zur ursprünglichen Variante wurden aktualisiert. Selbige gibt es übrigens auch in einer Neuauflage – man sollte allerdings die 80 Songs käuflich erwerben, da der Mehrwert hier immens ist!

 

Es ist gerade für alle Neueinsteiger zu empfehlen „Sounds Of Summer“ in dieser Jubiläumsausgabe zu kaufen. Hier sind die größten Hits enthalten und anhand der üppigen Songauswahl kann man auch den Werdegang der Band auf wundervolle Art und Weise nachvollziehen und begleiten. Es waren ja nicht nur einfach gestrickte Songs für die gute Laune geschrieben worden, sondern auch zunehmend sehr anspruchsvolle Songs, die komplex und sehr vielschichtig sind. Der Songreigen reicht bis weit in die 80er hinein. In dieser Dekade mangelte es allerdings an der einen oder anderen zündenden Idee und die Beach Boys hatten ihren Zenit längst überschritten. Auch diese Geschichte erzählt dieses Set hier.

 

Die Songs der Beach Boys passen zur aktuellen Wetterlage natürlich perfekt. Zumindest für NRW steht auch kurz vor den Sommerferien und da bietet sich „Sounds Of Summer: The Very Best Of The Beach Boys“ schon jetzt als Urlaubsbegleitung an. Die Songs sind auffallend zeitlos und funktionieren auch im Jahr 2022 noch perfekt. Abgesehen davon verbreitet ein Großteil auch einfach gute Laune. Angesichts der Weltlage kann man das nicht hoch genug bewerten.

 

Das gesanglich sehr vielschichtige „Surf´s Up“ darf natürlich nicht fehlen. Kalifornien sowieso nicht und somit gibt es selbstverständlich auch „California Feelin´“ und das schmissige „California Girls“ auf die Ohren. „I Get Around“, „Surfin´ Safari“ und „Surfin´ USA“ hat man vermutlich noch nie in einem so guten Klanggewand gehört. „Fun, Fun, Fun“ oder „Surfer Girl“ sind weitere Belege dafür, dass seinerzeit die Beach Boys ein unglaubliches Gespür für Harmonien, Melodien und Hits hatten. „Help Me Rhonda“, das sakrale „God Only Knows“ oder das fantastische „Sloop John B“ schließen sich das wundervoll an. Man könnte hier im Grunde jeden Song nennen, natürlich darf der Jahrhundertrack „Good Vibrations“ ebenso wenig fehlen wie „Kokomo“ oder „Barbara Ann“!

 

Fazit: The Beach Boys feiern ihren 60igsten Geburtstag. Die Band hat der Welt viele, viele herausragende Songs geschenkt und so manchen Klassiker der Musikgeschichte abgeliefert. Musikalisch war da von leichter bis sehr anspruchsvoller Kost alles dabei. Die Band hat jedenfalls dafür gesorgt, dass sich durch ihre Songs die Stimmung bei den Zuhörern immer zum Positiven wandte. Es sind Songs, die ein ganz besonderes Lebensgefühl transportieren. „Sounds Of Summer: The Very Best Of The Beach Boys“ sollte in keiner vernünftigen Sammlung fehlen!

 

https://thebeachboys.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

The Beach Boys: Feel Flows – The Sunflower & Surf´s Up Sessions 1969 – 1971

The Beach Boys: Feel Flows – The Sunflower & Surf´s Up Sessions 1969 – 1971

Universal

VÖ: 27.08.2021

 

Wertung: 9/12

 

Es gibt eine Zeit vor dem Meisterwerk und eine danach. „Pet Sounds“ ist auf ewig der Meilenstein im Backkatalog der Beach Boys. Was danach musikalisch passierte wurde meist komplett unterschätzt. Da hätten wir beispielsweise „Sunflower“, sogar ein sträflich unterschätztes Album. Es war auch jenes Album, als die Band Capitol verließ und selber mit Reprise ins Rennen ging. Musikalisch war die Herangehensweise auch eine andere und der Fokus lag nicht mehr alleine auf Brian Wilson. Das Songwriting war wesentlich vielfältiger aufgestellt. Jetzt wird eine 5 CD-Box – wahlweise auch als 2 CD-Version - oder 4 LP-Box und 2 LPs veröffentlicht. Hierbei handelt es sich um „The Sunflower & Surf´s Up Sessions 1969 – 1971“.

 

Auf „The Sunflower“ sticht Dennis Wilson als Songwriter hervor und tritt dabei wieder etwas aus dem großen Schatten von Brian Wilson heraus. „Slip On Through“ und „It's About Time“ sind schöne Rocksong, die auch mal etwas forscher zu Sache gehen. „Got To Know The Woman“ ist sogar ein Griff in das Kuriositätenkabinett. Natürlich liefert auch Wilson wieder großartige Beiträge ab. „Add Some Music To Your Day“ ist abermals einer jener Songs, für die man die Beach Boys so liebt. Der Harmoniegesang ist großartig. Die Instrumentierung klingt zwar nach Hippie, aber im Herzen ist das vielleicht sogar ein Punk-Stück - nicht musikalisch, aber von der Attitüde. Mit „All I Wanna Do“ erfindet der Mann quasi im Vorbeigehen Shoegaze. „This Whole World“ mag nach einer typischen Beach Boys-Nummer aus seiner Feder klingen, der Track hat aber neben Glöckchen auch noch dieses treibende Element. Starker Song. „Sunflower“ floppte letztlich an der Kasse. Schade eigentlich, denn es ist ein wirklich gutes bis sehr gutes Album.

 

Nun wurde selbiges alleine bei der 2CD-Version um achtzehn(!) bisher unveröffentlichte Bonus Tracks erweitert. Es gibt den wundervollen „Loop De Loop“ Mix von 1969, der nach Western, Kirmes und Motorradrennen klingt – also ziemlich irre. „Susie Cincinnati“ ist grandios. Die Nummer rockt und swingt. Hierbei handelt es sich um einen Mix von 2020. „Good Time“ mit Mundharmonika oder der Rockstampfer „I´m Goin´ Your Way“ sind ziemlich lässig und zeigen die Beach Boys von einer anderen Seite. „Where Is She“ ist eine Antwort auf die Beatles jener Zeit. „Break Away“ besteht aus 17 Sekunden Backgroundgesang. „Our Sweet Love“ wiederum hat nur die Streicher-Elemten zu bieten. Von „This Whole World“ gibt es sogar eine Live-Version von 1988 zu hören. Ganz zum Schluss ist noch die ziemlich nervige Werbung zu „Sunflower“, die ähnliche Qualitäten wie Seitenbacher aufweist, untergebracht worden. Kein Wunder, dass das Album kein finanzieller Erfolg war, wenn dies die Werbung dazu war. Trotzdem interessant, dass man das hier noch mal dargeboten bekommt. Es ist ja auch ein Stück Zeitgeschichte! Insgesamt sind die Bonus Tracks eine echte Bereicherung.

 

Der Nachfolger „Surf´s Up“ ist kein Meisterwerk, aber trotzdem durchaus gut. Wenn man ganz ehrlich ist, dann ist das sogar das letzte sehr anständige Album, bevor die Beach Boys beliebig, belanglos und teilweise sogar unhörbar kitschig wurden. „Disney Girls“ ist mit Gepfeife und dem Schunkelunterbau schon sehr gewöhnungsbedürftig. Dafür gibt es mit „Student Demonstration Time“ einen Rocksong, der nicht nur zitiert, sondern auch ein bisschen den Glam adaptiert. Songs wie „Don't Go Near the Water“ und „Lookin' at Tomorrow (A Welfare Song)“ befassen sich vermutlich auch mit dem Innenleben der Band und damit war es zu diesem Zeitpunkt sicher nicht gerade zum Besten bestellt. Am Schluss lief Wilson aber noch mal zur Höchstform auf. „A Day In The Life Of A Tree“, „Till I Die“ und „Surf´s Up“ dürften von McCartney, sagen wir mal zu „Abbey Road“-Zeiten, inspiriert worden sein. Dagegen fällt „Feel Flows“ vor Langeweile über seine eigenen musikalischen Füße.

 

Auch hier gibt es wieder eine stattliche Anzahl von unveröffentlichtem Bonus Material. Das schmissige „It´s A New Day“ macht da unglaublich viel Laune. „Lady (Fallin´ In Love)“ ist atmosphärisch ganz toll aufgebaut. Einen gefälligen Song wie „Behold The Night“ nimmt man gerne mal mit, ob man den aber öfters ansteuern wird, ist dann doch fraglich. „Sweet And Bitter“ klingt wie ein Song einer UK-Band, also toll! Quatsch wie „My Solution“ ist eben ein Spiegelbild jener Tage. Ein paar Tracks, die lediglich die Backing Vocals zu bieten haben, sowie die Werbung für „Surf´s Up“ sind dann auch noch mit dabei.

 

Fazit: „The Sunflower“ und „Surf´s Up“ werden im Beach Boys-Katalog ziemlich sträflich behandelt und auch unterschätzt. Jetzt werden die beiden Werke in einer Box mit jeder Menge Bonusmaterial erneut unter die Fans und Leute gebracht. Auch die gekürzte Ausgabe mit 2 CDs lohnt sich, denn die beiden Silberlinge sind randvoll mit interessantem Material. Man kann auch hier auf große Entdeckungsreise gehen!

 

https://www.thebeachboys.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

The Beach Boys: Greatest Hits

The Beach Boys: Greatest Hits

EMI

VÖ: 21.09.2012

 

Von The Beach Boys kommt mal wieder eine „Greatest Hits“ CD in die Läden. Bitte nicht noch so eine völlig sinnlose Zusammenstellung ist man da versucht zu sagen. Ganz so einfach kann man es sich allerdings nicht machen, denn die vorliegende erscheint immerhin im Rahmen der Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bandjubiläum. Nach den ganzen Konzerten im Zuge der Feierlichkeiten, dem neuen Studioalbum „That´s Why God Made The Radio“ stellt dies den nächsten Höhepunkt dar, denn gleichzeitig werden auch zwölf Studioalben wiederveröffentlicht. Natürlich hat man den Sound noch mal auf den neusten Stand gebracht und somit sind die Scheiben allesamt digitally remastered!

 

Die einfache Ausgabe der „Greatest Hits“ richtet sich allerdings nur an all jene, die noch überhaupt nichts von den Beach Boys im Schrank stehen haben und nur die Hits haben wollen oder brauchen. Man sollte dann doch noch ein paar Euro mehr investieren und direkt zu „The Greatest Hits: 50 Big Ones“ greifen. Hier gibt es nämlich satte 29 Tracks mehr, natürlich alle remastert. Die Single „Isn´t It Time“ wurde dazu neu abgemischt. Optisch dürfte das Lift-Top-Boxset auch mehr hergeben. Das Booklet enthält zudem exeklusive Liner Notes von David Wild, Mitherausgeber des Rolling Stone. Man kann allerdings auch noch ein bisschen warten, denn später im Jahr – Hallo Weihnachtsmann! Hallo Christkind – soll noch ein umfangreiches 50th Anniversary Boxset folgen!

 

Wer hätte gedacht, dass sich Brian Wilson, Al Jardine, Mike Love, Bruce Johnston und David Marks noch mal an einen Tisch setzen und eine gemeinsame Tour als The Beach Boys planen? Richtig, auf die Idee wären nicht mal die kühnsten Optimisten gekommen. Ein neues Album schien sowieso nie ein wirkliches Thema zu sein. Und dann kam doch alles anders. Insofern macht diese Zusammenstellung dann sogar wieder Sinn, da es mit „That´s Why God Made The Radio“ auch einen Track der aktuellen Scheibe gibt. Das reicht im Grunde auch völlig aus, denn das dazugehörige Album ist zwar nett, reicht aber beileibe nicht an die Klasse der alten Songs heran – so ehrlich muss dann auch selbst der Beinhartfan sein.

 

„Surfin´ U.S.A.“, „Wouldn´t It Be Nice“, „God Only Knows“, „California Girls“ und natürlich „Good Vibrations“ (im Mono-Mix) unterstreichen nachhaltig, die besondere Klasse dieser Band. Viele Songs liegen übrigens im Stereo Mix vor, manche auch erstmalig und „Do It Again“, „Surfin´ Safari“, „Be True To Your School“ und „Rock And Roll Music“ wurden dieses Jahr gar komplett remastert. Die Songs strahlen so eine ganz neue Dynamik aus, ist allerdings auch gewöhnungsbedürftig.

 

Fazit: Die neuerliche „Greatest Hits“ von The Beach Boys ist klanglich die beste Zusammenstellung der Band. Da man hier auch neues Material vorfindet, ist es selbstredend auch die aktuellste Werkschau. Wer damit auskommt und sowieso noch nichts von den Jungs im Schrank hat, sollte hier zugreifen. Alle anderen warten dann auf das ultimative Boxset! Eine Wertung entfällt, da die Promo-CD ohne Booklet vorliegt und dies mitunter die ganze Geschichte noch mal aufwerten würde!

 

http://www.thebeachboys.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

The Beach Boys: SMILE

The Beach Boys: SMILE

EMI

VÖ: 28.10.2011

 

Wertung: 8/12

 

„SMILE“ der Beach Boys ist so ziemlich die geheimnisvollste Platte der Musikgeschichte, die niemals veröffentlicht wurde. Unzählige Berichte wurden darüber schon verfasst. Keiner wusste so genau was es mit „SMILE“ auf sich hatte, aber nach „Pet Sounds“ erhoffte und erwartete man sich ganz Großes. Mythen, Legenden und Märchen gibt es jede Menge - nur wie sieht es mit der Wahrheit, also der Musik aus? Brian Wilson, der geniale Kopf dahinter, hat ja vor nicht allzu langer Zeit schon mal musikalisch Stellung bezogen. Was fehlt ist natürlich immer noch das Originalalbum.

 

Zwischen Sommer 1966 und Anfang 1967 nahmen die Beach Boys verschiedene Songs und Fragmente für ein neues Album auf. Die Geschichte ist bekannt, das alles verschwand schließlich in den Archiven und schlummerte selig vor sich hin. Die Nachfrage nach den Songs ist seitdem allerdings ungebrochen. Mittlerweile hat man den Eindruck, dass dies alles von Generation an Generation weitergegeben wird. Das hat eine Eigendynamik entwickelt, die schon manchmal groteske Züge angenommen hat. Teile davon wurden ja sowieso für spätere Alben verwendet.

 

Nun wird gleich alles zugänglich gemacht. Ob dies nun tatsächlich auch der letzte kleine Mosaikstein ist, können die Beteiligten nur selber beantworten. Fakt ist, dass die „SMILE“ Sessions nun in allen erdenklichen Formaten erscheinen. Wer nur die rudimentären Songs braucht, die letztlich auch auf dem Album landen sollten, wird mit der Einzel-CD bestens bedient sein. Es gibt allerdings auch noch eine Box, die noch viel weiter ins Detail einsteigt. Neben Instrumental- und Alternativtracks gibt es dort sogar Gesprächsfetzen aus dem Studio zu hören. Das Artwork entstand übrigens in Zusammenarbeit mit dem Pop-Art-Künstler Frank Holmes.

 

Was sich Wilson und Van Dyke Parks hier erschaffen haben ist in höchstem Maße ungewöhnlich. Für die damalige Zeit sowieso. Das nun vorliegende Album ist eigentlich gar kein Album im klassischen Sinne. Songs gibt es nicht. Die Grenzen sind fließend und gehen ineinander über. Mit Ausnahme der Singles vielleicht. „Heroes And Villains“ und der brillante Überhit „Good Vibrations“ halten „SMILE“ in gewisser Weise zusammen. Der Rest setzt sich aus Fragmenten, Kollagen, Songteilen, Ideen und teilweise auch unhörbarem Material zusammen. Tempo- und Stilwechsel können im Sekundentakt passieren. Das ist in höchstem Maße faszinierend, aber eben auch anstrengend. Gängige Strukturen werden komplett auf den Kopf gestellt. Das Konzeptalbum hat natürlich auch den berühmten Harmoniegesang zu bieten. Trotzdem ist es nicht einfach da dran zu bleiben, da alles ineinander übergeht. Mit diesen Songs muss und wird man sich noch lange beschäftigen.

 

Fazit: Nun wird „SMILE“ doch noch veröffentlicht. Zwar dürften diese Sessionsauszüge nicht unbedingt mit dem eigentlich angedachten Album gleichzusetzen zu sein, aber der Blick hinter die Kulissen vermittelt mehr als nur einen Eindruck in diese Popoper. Das ist progressiver als so manches Album des Progrocks. Man muss sich dieses Konzept förmlich erarbeiten. Genau darin liegt ja auch der Reiz und die Brillanz blickt an allen Ecken und Enden durch. Der Mythos wird nicht zerstört, aber endlich gelüftet.

 

http://www.beachboys-smile.de

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch