John Coltrane: Another Side Of

John Coltrane: Another Side Of

Craft Recordings

VÖ: 20.08.2021

 

Wertung: 9/12

 

John Coltrane hat man eigentlich nicht als Sideman abgespeichert. Der Mann hat so viele großartige Dinge im Rampenlicht vollbracht und dem Jazz-Genre durchaus seinen ganz eigenen Stempel aufgedrückt, dass dabei schnell in Vergessenheit gerät, dass Coltrane davor auch von bekannten Jazzmusikern gebucht wurde. Als Sideman unterstützte er unter anderem Größen wie Miles Davis und Thelonious Monk. Das Album „Another Side Of“ widmet sich nun genau dieser Karrierephase.

 

1955 hatte Coltrane schon gut und gerne eine Dekade als Jazzmusiker erlebt, aber erst die Zusammenarbeit mit Miles Davis bedeutete seinen Durchbruch. Er war Teil des ersten Miles-Davis-Quintetts. Diese Zusammenarbeit, aber auch die mit anderen Größen jener Zeit, dürfte sicher prägenden Einfluss auf ihn als späteren Bandleader gehabt haben. „Another Side Of“ ist eine Best Of-Zusammenstellung dieser Phase.

 

Gleich zu Beginn gibt es das epische „Tenor Madness“ des Sonny Rollins Quartetts zu hören. Dieser wilde Ritt beschränkt sich nicht nur auf die Bläser, auch das Schlagzeug darf ordentlich scheppern. Nach hinten raus swingt die Nummer sogar. „Round Midnight“ ist eine zärtliche Ballade. Die Trompete von Miles Davis und das Saxofon von Coltrane harmonieren erstaunlich gut. Davis überlässt seinem Mitspieler sogar sehr viel Raum zur Entfaltung. „Oleo“ vom Miles Davis Quintett ist quasi ein Dreiklang aus Trompete, Saxofon und Piano. Spielerisch folgen sich die Instrumente, die von Bass und Schlagzeug zusammengehalten und immer wieder eingefangen werden. Bei „Airegin“ gelingt das nur noch bedingt, weil dies eine wilde Raserei ist, die sich sämtliche Freiheiten des Jazz nimmt.

 

Völlig entspannt kommt danach „Soultrane“ daher. Tadd Dameron am Piano und John Coltrane am Saxofon umschmeicheln einander und nehmen sich sehr viel Zeit zur Entfaltung. „C.T.A.“ kommt da um einiges hektischer daher. „Monk´s Mood“ mit Thelonious Monk am Piano strahlt schon eine gewisse Zärtlichkeit aus. Gemeinsam meistern sie auch „Epistrophy“ – liegt hier als alternativer Take vor. Wie schnell man sein kann zeigt sich mit „Trinkle, Tinkle“. The Red Garland Quintett griff bei „Billie´s Bounce“ auch auf die Dienste von Coltrane zurück. Das Stück geht schon als klassische Jazz-Nummer durch. Der Schluss gehört noch mal den beiden Meistern Davis und Coltrane mit dem epischen „Someday My Prince Will Come“. Ein großartiger Abschluss, der für diese Zusammenstellung ausgewählt wurde!

 

Fazit: John Coltrane war nicht nur der große Bandleader, sondern es gab auch gleich mehrere musikalische Leben davor. Er war schon gut und gerne mehr als eine Dekade aktiv, bevor er von Miles Davis noch mal ein bisschen Schub bekam, als Coltrane in dessen Band geholt wurde. Dadurch konnte er noch mehr Erfahrung sammeln. John Coltrane war in jenen Tagen ein gefragter Sidekick. Die Geschichte dazu erzählt nun die Zusammenstellung „Another Side Of“.

 

https://www.johncoltrane.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch