Daryl Hall: Before After

Daryl Hall: Before After

Legacy/Sony

VÖ: 01.04.2022

 

Wertung: 8/12

 

Von Daryl Hall gab es bisher tatsächlich noch keine Zusammenstellung. Jedenfalls nicht von ihm als Solokünstler. Die Doppel-CD „Before After“ ändert nun diesen Umstand. Dary Hall höchstpersönlich hat dieses Album zusammengestellt. Die Retrospektive umfasst 30 Songs aus seinen fünf Soloalben. Sechs bisher unveröffentlichte Tracks dürften auch seine Hardcore-Anhänger zufriedenstellen. Selbige stammen aus „Live From Daryl’s House“, einer Serie die zuerst online und später im US-TV zu sehen war. Seit 2007 musiziert Hall eben in seinem Haus mit Freunden und dies kann man dann online bewundern. Von Robert Fripp bis Dave Stewart reicht die Riege an Künstlern, mit denen Hall schon zusammengearbeitet hat. Diese Geschichte erzählt nun „Before After“.

 

„Before After“ hat viele Schätze zu bieten. Besonders die Liveaufnahmen aus „Daryl´s House“ sind da zu nennen. Zusammen mit Dave Stewart präsentiert er „Here Comes The Rain Again“. Akustikgitarre und Klavier machen aus der Nummer eine sehr reduzierte Angelegenheit, die nun komplett die Melancholie freilegt. Das fluffige „Can We Still Be Friends“, das heimelige Akustikstück „Our Day Will Come“ mit einer sehr entspannten Atmosphäre oder das rockige und sehr angriffslustige „Problem With You“, wissen da zu begeistern.

 

Daryl Hall hat so manchen Hit auf „Before After“ gepackt, den jeder kennt aber nicht unbedingt Hall zuordnen würde. Das ist oftmals in dem AOR- und/oder MOR-Fach zuzuordnen. „Dreamtime“, hier der Auftakt, dürfte nun wirklich jeder kennen. „Babs And Babs“ hat was von einem Beatles-Song, den Ringo singen würde. „Foolish Pride“ ist melodisch toll, das soulige „Can´t Stop Dreaming“ ein Ohrwurm und „Someone Like You“ eine Ballade wie sie im Buche steht. „Talking To You (Is Like Talking To Myself)“ unterstreicht, dass bei Daryl Hall der Pop nie weit entfernt ist.

 

„Sacred Songs“ lässt die Rockmusik zwischen Glam und Stones von der Leine. „NYCNY“ bringt dann auch noch eine gehörige Portion Wahnsinn mit. „What´s Gonna Happen To US“ versucht sich ein bisschen an Prince heranzutasten. „Love Revelation“ lässt dann endgültig den Funk von der Leine. Dary Hall ist musikalisch eben durchaus sehr vielfältig aufgestellt. Dazu gehören auch die großen Gesten und ganz viel Pathos wie bei „I´m In A Philly Mood“.

 

Fazit: Daryl Hall hat in seiner langen Karriere schon viele musikalische Felder beackert, dabei aber stets eine eingängige Melodie im Auge und Ohr behalten. „Before After“ erzählt nun seine Solo-Geschichte. Das ist durchaus sehr abwechslungsreich. Heimlicher Höhepunkt sind allerdings die Live-Songs, die oftmals in sehr reduzierter Natur dargeboten werden und Hall und den Hörer zum Kern der Songs vordringen lassen. Insgesamt ist das eine mehr als runde Sache!

 

https://www.hallandoates.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Daryl Hall & John Oates: Marigold Sky

Daryl Hall & John Oates: Marigold Sky

BMG

VÖ: 25.03.2022

 

Wertung: 9/12

 

Als die Alternativ Nation sich dabei war zu erneuern, lieferte das Duo Daryl Hall und John Oates 1997 ein Album ab, welches so überhaupt nicht dem Zeitgeist entsprach. Jetzt wird das 25-jährige Jubiläum als Anlass genommen „Marigold Sky“, so der Titel, noch mal in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Nun erscheint das 15. Album der beiden erstmals als Doppel-LP, sowie als erweiterte CD mit drei Bonustracks. Da die beiden in unseren Gefilden immer etwas unter dem Radar fliegen, ist diese Neuveröffentlichung eine schöne Gelegenheit „Marigold Sky“ noch mal ganz neu zu entdecken. Von dem absolut fürchterlichen Cover sollte man sich nicht abschrecken lassen!

 

Die beiden haben einfach ein feines Händchen für tolle Melodien. Die handgemachte Popmusik mag zwar unscheinbar anmuten, ist aber auf der anderen Seite durchaus zeitlos. „Romeo Is Bleeding“ ist eine tolle Nummer mit einem leichten Souleinschlag. Der Song „Marigold Sky“ hat die Form von Ohrwurmqualität, für die andere Künstler Haus, Hof und die Oma verkaufen würden. „The Sky Is Falling“ ist sogar noch besser. Irgendwo zwischen Singer/Songwriter, AOR und Mainstreampop reiht sich das ein. Der Refrain lässt einen den ganzen Tag nicht mehr los.

 

Es geht natürlich auch rockiger, wie „Out Of The Blue“ eindrucksvoll unter Beweis stellt. Die Eagles machten es in ihrer Spätphase der Karriere keineswegs besser, waren aber erfolgreicher. „Want To“ erinnert gar an Prince. Die Art des Gesangs, aber auch im Musikvortrag kommt dem kleinen Genie in den Strophen schon sehr nahe. Lässig wird es bei „Love Out Loud“ mit einer fluffigen Bläsersektion und „Throw The Roses Away“ bedient dann auch noch das Balladenfach. Das ist allerdings nicht der stärkste Moment auf der Platte. „I Don´t Think So“ erinnert von den Strukturen an die Boybands und ihren Gesang. Wohlgemerkt dürften die beiden hier selbige beeinflusst haben – nicht umgekehrt.

 

„Promise Ain´t Enough“ ist ganz nett, bevor „Time Won´t Pass Me By“ noch mal bei Soul mit Easy Listening-Einschlag vorbeiguckt. „Hold On To Yourself“ gefällt abermals mit dieser schönen Soulstruktur. „War Of Words“ beendet das eigentliche Album mit einer wundervollen Melodie. Als Bonustrack gibt es von „Romeo Is Bleeding“ den bekannten Radio Edit. Auch der Remix von „Hold On To Yourself“ ist bereits bekannt, trotzdem schön, dass er endlich auf dem Album zu finden ist. Der Hot Mix von „The Sky Is Falling“ hätte nicht unbedingt sein müssen, aber den nimmt man natürlich trotzdem gerne mit.

 

Fazit: „Marigold Sky“ von Daryl Hall & John Oates ist erstaunlich gut gealtert. Die Songs zwischen Pop und Soul sind durchaus zeitlos. Das Duo hat es stets verstanden tolle Melodien zu kreieren. Abgesehen davon vermögen es die Songs einem ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Die Neuauflage ist nun eine schöne Gelegenheit das Album noch mal ganz neu zu entdecken.

 

https://hallandoates.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch