The Jeremy Days: Beauty Is Broken

The Jeremy Days: Beauty Is Broken

Ghost Place/Cargo Records

VÖ: 25.03.2022

 

Wertung: 7,5/12

 

The Jeremy Days waren Ende der 80er eine ganz große Nummer. Wer diese Zeit bewusst miterlebt hat, wird die ganzen Hits der Band kennen und mitunter lieben. „Brand New Toy“ wurde dabei sogar zu einem ganz großen Klassiker. Irgendwann Mitte der 90er implodierte die Kapelle aber und hatte sich nichts mehr zu sagen. Jeder ging seine Wege, der Kontakt untereinander riss ab. Umso erstaunlicher, dass man sich Anfang 2019 nach 24 Jahren Funkstille auf die Bühne des Hamburgers Docks stellte und ein Konzert ablieferte, als wäre nie etwas gewesen. Eine Tour schloss sich an und plötzlich entdeckten die Herren, dass sie auch wieder gemeinsam neue Musik kreieren wollten. Auch während der Pandemie. Wie für so viele andere wurde Zoom ein ständiger Arbeitsbegleiter. „Beauty Is Broken“ ist nun das Ergebnis.

 

The Jeremy Days 2022 sind Dirk Darmstaedter, Jörn Heilbut, Louis C. Oberlander und Stefan Rager. Christoph Kaiser ist nicht dabei. Dabei ist allerdings der vertraute Sound der Band. Die handgemachte Popmusik mit sehr viel britischem Einschlag, lässt sofort erkennen, wer hierfür verantwortlich ist. Etwas ist allerdings anders als früher, denn jetzt konnten sich alle Bandmitglieder einbringen und Songs schreiben. Die Stimme von Darmstaedter klingt übrigens immer noch erstaunlich jung.

 

Hin und wieder sind die Songs etwas zu gesetzt und dann hört sich das teilweise wie beim späten Robbie Williams an. Mit dem treibenden Opener „Beauty In Broken“ setzt sich allerdings sofort wieder das alte Gefühl ein, welches man immer mit The Jeremy Days verbindet. Auch „For The Lovers“ ist wunderschön. Die Halbballade sorgt danach noch für eine Gänsehaut. Die Band weiß immer noch, wie man eine groß erdachte Melodie noch größer umsetzt. „Blue New Year“ ist anschließend leider in den süßlichen Robbie Williams-Topf gefallen – Zuckerwatte inklusive. Das zu Beginn düstere „Stupid November“ gefällt mit einer schönen Gitarrenmelodie, die nach amerikanischer Tradition gespielt wird. Dies gilt auch für das Solo mittendrin. Allerdings ist der Rest noch mehr süßlicher Kitsch und klingt nun auch stimmlich wie ein Robbie Williams-Song.

 

„Breathe“ kriegt aber wieder die Kurve und dengelt schön über den staubigen Highway. „Lassos Of Love“ ist vielschichtig und erschließt sich erst nach und nach. Der windschiefe Sound gefällt dabei sehr gut. „The Deep Dark Night“ ist weder Fisch noch Fleisch, aber „Behind The Sky“ dafür umso nachhaltiger. Toller Songaufbau, tolle Atmosphäre und ganz große Meldodie, die ganz formidabel instrumentiert und umgesetzt wird. „Tear Me Up“ ist mit seiner Verspieltheit eine Bereicherung und „Postcard“ fast ein Kleinod auf der Zielgeraden. Der Refrain hätte gerne etwas weniger zuckrig sein dürfen. „Lights Out“ beendet das Album noch mal sehr schön im The Jeremy Days-Style mit britischen und amerikanischen Akzenten.

 

Fazit: The Jeremy Days melden sich nach einer Ewigkeit mit „Beauty Is Broken“ zurück. Es ist ein sehr, sehr ordentliches Album, welches zwar alle Zutaten der Band zu bieten hat, aber durchaus auch zeitlos klingt. In den 80ern war die Kapelle aber ja auch anders als der Rest unterwegs. Zwei bis drei Kleinigkeiten hätten zwar nicht sein müssen, aber das liegt ja immer im Ohr des Hörers. Schön, dass die Band sich mit neuem Material zurückmeldet!

 

https://thejeremydays.com/home

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch