Prince and the Revolution: Live (2CDs+Blu-ray)

Prince and the Revolution: Live (2CDs+Blu-ray)

Legacy/Sony

VÖ: 03.06.2022

 

Wertung: 12/12

Tipp!

 

Prince wird ja von Fans und Kritikern gleichermaßen als Genie bezeichnet. So sah er sich vielleicht auch und doch war er mit dem eigenen Schaffen selten zufrieden und immer gab es etwas zu verbessern. Dazu zählt allerdings nicht das Konzert am 30. März 1985 im Carrier Dome in Syracuse, im Bundesstatt New York. Er sagte einst, dass er nichts an diesem Auftritt ändern würde und es einer der energiegeladensten Shows gewesen sei, die er je gespielt hat. Er spielte seinerzeit mit seiner Band the Revolution ein zwanzig Song starkes Set im Rahmen der „Purple Rain“-Tour. Dargeworden wurden die Songs des Albums, aber auch ausgewählte Raritäten.

 

Man hat den Konzertfilm nun entstaubt, neu gemixt und digital überarbeitet. Am Format konnte man natürlich nichts ändern und doch hat man es geschafft dieses Ereignis in das Hier und Jetzt zu übertragen. Zum ersten Mal ist das nun auf CD, Vinyl und Blu-Ray erhältlich. Zudem wurde sich bei der Aufmachung sehr viel Mühe gegeben und auch optisch macht das Set eine ganze Menge her. Das Digipack hat quasi Übergröße und ist nicht in dem bekannten kleineren CD-Format gehalten, sondern einiges größer. Man kann das feine Teil mehrfach ausklappen. Auf jeder Seite ist ein ikonisches Bild von Prince enthalten. Für jeden der drei Silberlinge ist ein eigenes Einschubfach vorgesehen. Zusätzlich wird das jeweils noch von einem eigenen Schuber geschützt. Dem feinen Booklet wurde eine eigene Tasche gegönnt.  Das Booklet selber hält viele Informationen bereit, aber auch viele Fotos. Die Aufmachung verdient sich somit schon mal die Höchstwertung!

 

Das Bild der Blu-ray im 4:3 Format kann durchaus überzeugen. Die satten Farben wirken zu jeder Zeit sehr natürlich. Die Farbe Lila dominiert aus gegebenem Anlass sehr oft das Setting und doch ist das alles sehr homogen. Da hat man sich bei der Überarbeitung richtig Mühe gegeben und somit wird das ursprüngliche Ergebnis auch nicht verfälscht. Es kamen damals ja wesentlich weniger Kameras zum Einsatz, als es heute der Fall ist. Und doch ist das ein sehr schönes Ergebnis und die Gegebenheiten wurden so eingefangen, wie sie waren. Keine hektischen Kamerafahrten und es wird auch durch den Schnitt nicht etwas vorgetäuscht, was in Wirklichkeit nicht vorhanden war. Auch hierfür Daumen hoch! Der Ton ist fein austariert und man hört jede Nuance und jeden Kiekser.

 

Prince war schon ein Ereignis. Der kleine Mann war ein ganz Großer und beeindruckte jeden bis in den letzten Winkel. Er war ja nicht nur ein großartiger Songwriter, sondern auch ein sensationeller Musiker und Sänger und zudem auch noch ein Performer von ganz besonderer Güte. Schon mit den ersten drei Songs „Let´s Go Crazy“, „Delirious“ und „1999“ zieht der Mann ein Repertoire durch, dass einem schwindelig wird. Er fegt wie ein Derwisch über die Bühne. Ein Spagat hier, ein Sprung da und eine leichtfüßige Drehung dort. Die Energie ist absolut beeindruckend und mitreißend. Selbige reißt auch bis zum epischen Finale mit „Purple Rain“ nicht ab. Die Zuschauer fressen ihm, aber auch seiner beeindruckenden Band aus der Hand. In jenen Tagen war das so ziemlich eine der besten Kapellen, die es zu bewundern gab. Prince lässt es sich nicht nehmen auch mal auf den sechs Saiten zu brillieren oder in die Tasten zu hauen. Er weiß natürlich auch, wie er sich inszenieren muss, egal ob mit Kopfbedeckung oder nacktem Oberkörper. Da wird auch mal nicht jugendfrei die eine oder andere sexuelle Handlung angedeutet. Die Show folgte eben auch einer Dramaturgie. Das Konzertgefühl ist dabei aber stets vorhanden, weil das alles so sensationell ausgearbeitet wurde.

 

Fazit: „Prince and the Revolution: Live“ ist in der vorliegenden Version ein kleines Meisterwerk. Aufmachung und Überarbeitung des Materials ist sensationell. Bild und Ton machen ordentlich Laune. Das Konzert selber ist voller Energie und zeigt Prince auf einem seiner vielen Höhepunkte seines Schaffens und Könnens. Was hier von der Band und Prince abgerissen wurde, ist brillant. Dieses Konzert sollte jeder Musikliebhaber kennen. Selbiges wird man immer wieder aus dem Schrank hervorziehen und gerne in den Player legen. Auch auf CD! Ein Muss!

 

https://www.prince.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Prince: The Movie Collection (Blu-ray)

Prince: The Movie Collection (Blu-ray)

Warner Home Video

VÖ: 06.10.2016

 

Wertung: 8/12

 

Das hat ja nicht lange gedauert. Der Prinz ist von uns gegangen, die Tränen noch nicht getrocknet, da kommt mit „The Movie Collection“ nun eine erste Veröffentlichung von vielen, die nun folgen werden, in die Läden. Prince hat in seiner Karriere drei Filme gedreht und die Regie übernommen. „Purple Rain“, „Under The Cherry Moon“ und „Graffiti Bridge“ erscheinen nun erstmals auf Blu-ray. Selbstverständlich wurden Bild und Ton überarbeitet und dem Format angepasst. Jede Menge Bonusmaterial dürfte dafür sorgen, dass Fans glänzende Augen bekommen.

 

Die Blu-ray Hülle steckt in einem Pappschuber, was zwar ganz nett ist, aber im Grunde auch schon den einzigen Höhepunkt der Aufmachung darstellt. Das nachbearbeitet Foto von Prince, natürlich „Purple“, ist der Veröffentlichung angemessen. Es wäre aber noch schöner gewesen, wenn man den Käufern wenigstens noch ein Booklet gegönnt hätte. Die drei Discs verteilen sich dann in der Hülle, sind aber jeweils gut aufgehoben. Ob das nun ein Schnellschuss war, sei mal dahingestellt, denn oftmals sind die Blu-ray-Geschichten ja nicht gerade liebevoll aufgemacht. Aus den Fehlern der Vergangenheit hat man wohl nicht gelernt. Irgendwann kann jeder Haushalt dieses Format theoretisch kopieren und dann geht das Gejammer wieder los. Ein bisschen haptischer Mehrwert wäre da schon nicht ganz verkehrt.

 

Der Film „Purple Rain“ polarisierte schon in den 80ern und wird dies sicher auch heute noch tun. Böse Zungen sprechen da gerne von einem überlangen Video-Clip. Natürlich lässt sich die Ästhetik des Jahrzehnts nicht leugnen. Wie denn auch? Prince war schließlich einer der führenden Protagonisten und Bestimmer – auch modisch. Trotzdem wird hier auch eine Geschichte transportiert. Wenn man sich mit Prince beschäftigt, dann wird man sicher nicht umhinkommen deutliche Parallelen zwischen ihm und dem von ihm verkörperten Filmcharakter The Kid zu finden. Das Kämpfen gegen die eigenen Dämonen und das Suchen nach Anerkennung ist dem Künstler sicher nicht unähnlich. Der introvertierte Kid ist im Grunde Prince. Dazu passt vielleicht auch die Haltung des Films Frauen gegenüber. Es ist schon (unfreiwillig) komisch, wenn Kid mit seinem Motorrad ziemlich dilettantisch wegbraust, nachdem er die Dame seiner Wahl – mehr oder weniger – dazu genötigt hat sich zu entkleiden. Und doch ist Toleranz auch ein Thema von „Purple Rain“. Genau wie das Suchen und Finden des Selbstvertrauens. Die Musik wurde übrigens nicht umsonst mit dem Oscar ausgezeichnet. Der Song „Purple Rain“ ist sowieso ein Jahrhundertwerk.

 

Neben der deutschen Synchronisation, die übrigens wesentlich besser wie ihr Ruf ist, sollte man dieses Werk unbedingt im Original gucken! Dazu kann man dann noch die englischen Kommentare von Regisseur Albert Magnoli, Produzent Robert Cavallo und Kameramann Donald E. Thorin einschalten, die den gesamten Film begleiten. Fans kennen das natürlich schon, da dies seinerzeit mit der Doppel-DVD veröffentlicht wurde. Dies gilt auch für das weitere Bonusmaterial, wie beispielsweise die Aufnahmen von der MTV-Premierenparty. Die acht Musikvideos von „Let’s Go Crazy“, „Take Me with U“, „When Doves Cry“, „I Would Die 4 U/Baby I’m a Star“, „Purple Rain“, „Jungle Love“, „The Bird“ und „Sex Shooter“ sind unverzichtbar. Schön, dass man diese einzeln anwählen kann!

 

Das Bild wurde zwar deutlich überarbeitet, dennoch bin ich davon etwas enttäuscht. Natürlich darf man das nicht mit heutigen Aufnahmen vergleichen und doch hat man schon ältere Musikfilme gesehen, die einen besseren Eindruck hinterlassen haben. In dieser Hinsicht ist „Purple Rain“ sicherlich kein Referenzwerk. Ein paar Kompressionsfehler und ein deutliches Graining sind da schon erkennbar. Wer einen großen Bildschirm besitzt, wird da viele Abstriche bei der Qualität machen müssen. Insgesamt ist „Purple Rain“ aber natürlich unverzichtbar und eine Bild-Verbesserung ist da schon auszumachen.

 

„Under The Cherry Moon“ war in unseren Breitengraden bisher ja eigentlich gar nicht erhältlich. Warum das so war, lässt sich bei Betrachten des Machwerks unschwer erkennen. Es ist auch nicht weiter überraschend, dass Prince dafür die goldene Himbeere erhalten hat. Das Leben an der Cote d´Azur wird einfach grottenschlecht dargestellt bzw. geschauspielert. Die S/W-Ästhetik hat aber durchaus ihren Reiz und wenn man sich darauf einlassen kann, dann wird man da auf einen tollen Nostalgie-Trip mitgenommen. Die Story passt auf einen Bierdeckel: Prince wettet, dass er eine Millionenerbin verführen kann. Selbstverständlich verliebt er sich in die Dame, die kriegt das mit der Wette raus und dann gibt es auch noch den tobenden Vater. Kitsch ohne Ende, wobei das Finale alles schlägt. Und das wurde alles in hölzerne Dialoge verpackt. Die Filmmusik ist natürlich toll! Für Fans ein Muss!

 

Mit „Graffiti Bridge“ gibt es dann auch noch das Sequel zu „Purple Rain“ auf Blu-ray zu bewundern. Um es gleich vorwegzunehmen: das Bild ist wirklich sehr gelungen. Dies ist bei den vielen Farben und bei der Ausleuchtung der Kulisse und Bühnen schon sehr angenehm zu gucken. Im Gegensatz zu „Purple Rain“ wirkt „Graffiti Bridge“ mehr wie ein Musical. Das ist auch alles wesentlich konstruierter und geplanter. Worum geht es? The Kid soll aus seinem Club gedrängt werden. Das Genie glaubt natürlich an die Kraft seiner Musik und das wird auch versucht mit den künstlichen Kulissen darzustellen. Dem Film geht aber jegliches authentisches Gefühl ab. Dafür gibt es (damals) jede Menge neue und tolle Musik zu entdecken. Ansonsten ist diese Filmkunst nur für Prince-Fans interessant.

 

Fazit: „Purple Rain“ ist Kult. Den Film sollte man als Musikliebhaber schon mal gesehen haben. In der Figur The Kid steckt vermutlich mehr vom Genie und Künstler Prince, wie es zunächst anmutet. Das Bild der Blu-ray ist in Ordnung, bleibt aber hinter den Erwartungen zurück. „Under The Cherry Moon“ und „Graffiti Bridge“ punkten hingegen hier, dafür sind die Geschichten und die Schauspielkunst grottenschlecht. Auf allen drei Discs gilt es tolle Musik und tolle Songs zu entdecken. Das Bonusmaterial ist zwar soweit bekannt, aber gerade das von „Purple Rain“ ist schon sehr sehens- und hörenswert! Da der Preis für die drei Blu-ray relativ günstig ist, kann man hier durchaus mal zuschlagen!

 

Text: Torsten Schlimbach

 

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