Ozzy Osbourne: Patient Number 9

Ozzy Osbourne: Patient Number 9

Sony

VÖ: 09.09.2022

 

Wertung: 9/12

 

Der Prince Of Darkness kehrt nach Hause zurück. Natürlich wird dies auch von einem Filmteam begleitet. Ozzy Osbourne hat die Schnauze voll von den USA und will seine letzten Jahre auf der Insel verbringen. Der verlorene Sohn kommt nach Hause. Er ist schwer an Parkinson erkrankt, bringt nun mit „Patient Number 9“ aber noch mal ein Album heraus. Seine 13. Soloplatte enthält 13 Songs. Egal ob das nun Zufall oder Absicht ist, hier erweist sich die 13 jedenfalls nicht als Unglückszahl. Der 73-jährige liefert hier noch mal ordentlich ab!

 

Es mag an der beachtlichen Gästeschar der ersten Liga liegen, dass dieses Werk derart gelungen ist. Inwieweit Ozzy gesundheitlich in der Lage war, hier noch alle Fäden in der Hand zu halten, sei mal dahingestellt. Die Leute, die mit und für ihn gearbeitet haben, konnten jedenfalls derart viel gutes Material liefern, dass nicht nur die Produktion fett ist, sondern auch das Songmaterial richtig gut passt. Die für Ozzy beiden wichtigsten Männer an den sechs Saiten sind ebenfalls zurückgekehrt. Zakk Wylde braucht Ozzy im Grunde wie die Luft zum Atmen. Und auch Tony Iommi ist bei zwei Tracks vertreten. Neben den namhaften Gitarristen sind Chad Smith (Red Hot Chili Peppers), der kürzlich verstorbene Taylor Hawkins (Foo Fighters), Robert Trujillo (Metallica), Duff McKagan (Guns N’ Roses) und Chris Chaney (Jane’s Addiction) bei der großen Ozzy-Party dabei.

 

Auf „Patient Number 9“ gibt es fantastische Hooklines, die in klassischen Hard Rock, Heavy Metal und jede Menge Ozzy-Gedöns eingebettet werden. Dem Wahnsinn wird hier freie Hand gelassen und der gute Mann liefert seine beste Gesangsleistung seit mindestens 20 Jahren ab. Der fantastische Auftakt mit dem Titelsong, bei dem Jeff Beck an der Gitarre mit außergewöhnlichen Griffbrettläufen brilliert, hat einen Refrain am Start, der so manchen Jungkünstler aber ganz alt aussehen lässt. Ein Hammerbrett. Macht Laune! „Immortal“ mit Mike McCready an der Axt ist lässig und cool und kommt schneller und schnörkelloser auf den Punkt, nutzt sich aber auch schneller ab.

 

„Parasite“ hat dann erstmals Zakk Wylde mit im Boot. Was soll man sagen? Diese Verbindung ist einfach immer wieder auf ein Neues sensationell. Abgesehen davon ist das Ding ein verdammter Ohrwurm. „No Escape From Now“ klingt tonnenschwer - also nach Tony Iommi. Langsam wie ein guter Wein fließt die Nummer - ein bisschen wie eine kleine Black Sabbath-Reunion! Auf „One Of Those Days“ kommt dann endlich Eric Clapton mal wieder aus dem Quark. Auf diesem nachdenklichen Song wirkt Clapton glatt so, als wäre er in einen Jungbrunnen gefallen. Ozzy kriegt sie anscheinend alle wieder in die Spur.

 

„A Thousand Shades“ ist eine für Mr. Osbourne typische Ballade. Da gibt es auch immer viel Schmalz und Jeff Beck fällt zunächst kaum auf. Sein Solo ist natürlich abermals sehr nett. „Mr. Darkness“ fängt zunächst als weitere Ballade an, zwischendrin pflügt sich Wylde aber doch mal durch das schmalzige Dickicht. „Nothing Feels Right“ bleibt weiterhin dem Balladenfach treu, hat aber eine mitreißende Hookline und einen tollen Refrain aufgefahren. Gesanglich ist das ganz groß. Zakk Wylde rollt dem Madman dafür auch den roten Teppich aus. Beim Brett „Evil Shuffle“ drehen beide dann noch mal komplett am Rad! „Degadration Rules“ überrascht mit einer Mundharmonika. Dies ist durchaus ein schöner Kontrast zum Gitarrenspiel von Iommi. Mit „Dead And Gone“ geht es mit solider Ozzy-Kost auf die Zielgerade. Die nachdenkliche Nummer „God Onyl Knows“ sorgt noch mal für ein paar Tränchen im Knopfloch, bevor „Darkside Blues“ das Album kongenial beendet. Ozzy steht für nicht mal zwei Minuten knietief in den Sümpfen und frönt dem Blues! Grandios!

 

Fazit: Ozzy Osbourne haut mit „Patient Number 9“ noch mal ein ordentliches Album heraus. Das hätte man dem von Krankheiten gezeichneten Mann – Intensivstation, Corona im April 2022, Parkinson – so sicher nicht mehr zugetraut. Mit 73 Jahren klingt er aber auf seinem dreizehnten Studioalbum so frisch wie schon seit einer Ewigkeit nicht mehr. Die beachtliche Gästeschar mag dazu beigetragen haben, klar, aber letztlich ist das natürlich die große Ozzy-Show und die ist sehr gut! Ein würdiges Alterswerk!

 

https://www.ozzy.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Ozzy Osbourne: Diary Of A Madman (Legacy Edition/2 CD)

Ozzy Osbourne: Diary Of A Madman (Legacy Edition/2 CD)

Sony/Legacy

VÖ: 03.06.2011

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Das zweite Solo-Album von Ozzy Osbourne - „Diary Of A Madman“ - wird nun auch noch mal neu aufgelegt. Was auch schon für „Blizzard Of Ozz“ galt, gilt nun auch hier: das Album wird wieder in der Originalbesetzung vorgelegt. Das wurde ja nun auch Zeit. Diese vierer Truppe war damals ein unschlagbares Team und hat zumindest mit diesen beiden Alben Ozzy Osbourne als Solokünstler etabliert. Randy Rhoads kam kurz nach der Veröffentlichung der Scheibe leider bei einem tragischen Flugzeugabsturz ums Leben.

 

Man kann jetzt trefflich darüber streiten, ob nun „Blizzard Of Ozz“ oder doch „Diary Of A Madman“ das bessere Album von Ozzy Osbourne ist. So ganz wird man sich da wohl nie einigen können. Macht man es an den Klassikern fest, dann hat „Blizzard Of Ozz“ natürlich die Nase vorne. „Diary Of A Madman“ steht dem musikalisch aber eigentlich in nichts nach und auch dieses Werk gehört mittlerweile zum Standard des Hardrocks. Das Cover schlägt zwar sämtliche Peinlichkeitsrekorde und ist heute eher etwas für die Fremdschämfraktion, aber gut, so war es damals eben.

 

Während der Aufnahme kam es ja zum berühmten Zerwürfnis zwischen Ozzy und Bob Daisley und Lee Kerslake. Nicht wundern also, dass hier Rudy Sarzo und Tommy Aldridge als Rhythmus-Fraktion aufgeführt werden. Deren Anteil an „Diary Of A Madman“ war allerdings eher gering. Nun denn, der ganze Streit hat aber offensichtlich dazu geführt, dass die Scheibe stellenweise härter und bissiger wie das Debüt ausgefallen ist. Angepisst pflügen sich die Jungs doch ganz schön durch die Songs. Randy Rhoads hat sich hier abermals so richtig schön ausgetobt.

 

Mit „Over The Mountain“, „Believer“ und dem Titelstück „Diary Of A Madman“ gibt es aber auch auf diesem Werk Klassiker, die den Status von Ozzy Osbourne für die nächsten Jahre festigen sollten und von denen der gute Mann auch heute noch zehrt. Wenn man so will, dann ist dies endgültig das Album, mit dem er sich von seiner Black Sabbath Vergangenheit befreit hatte. Er war nicht mehr der Ex-Sänger und Frontmann, sondern wurde nun auch als ernsthafter Solokünstler wahrgenommen!

 

„Over The Mountain“ ist der schon erwähnte Kracher-Start in dieses Album. Das poppig angehauchte „Flying High Again“ hat aber auch noch genug Druck auf dem Kessel. Zudem lässt Rhoads seinen musikalischen Mitstreitern auch noch genug Raum zur Entfaltung. Insgesamt eine sehr reife Leistung. Mit der langen (vermeintlichen) Ballade „You Can´t Kill Rock And Roll“ hat Ozzy sogar sein Meisterstück auf diesem Gebiet abgeliefert. Weder vorher, noch später gab es einen ähnlichen Track in dieser Hinsicht. Abgesehen davon wird das Tempo auch mal angezogen und sehr schön variiert. Das dunkle „Believer“ beeindruckt ebenso wie der Stampfer „Little Dolls“. Gut, „Tonight“ ist etwas kitschig, aber das verzeiht man gerne, denn spätestens mit dem Schlusspunkt „Diary Of A Madman“ hat Ozzy sowieso wieder alle auf seine Seite gezogen. Hört man da gar progressive Anleihen?

 

Die Legacy Edition von „Diary Of A Madman“ hat aber noch viel mehr zu bieten. Sieht man mal vom schrecklichen Artwork ab, welches aber natürlich dem Ursprungscharakter entspricht, dann ist das fette Digipack schon eine sehr feine Geschichte. Alle Informationen die es braucht, gibt es hier bildlich und textlich. Dies ist aber noch lange nicht alles, denn auf dem zweiten Silberling darf man Ozzy und seine Mannen in Live-Hochform genießen. Aufgenommen wurden die Songs während der „Blizzard Of Ozz Tour“. Der Sound ist erstaunlich klar und druckvoll. Wer möchte nicht gleich bei „I Don´t Know“ durch die Bude bangen? Mit „Crazy Train“ geht die Fahrt dann gleich weiter im roten Bereich. Himmel, ist das gut. Da befand sich die Band auf der Höhe der Zeit und gerade Rhoads ist das Salz in der Suppe. Schön, dass sich auch Songs vom noch nicht veröffentlichten „Diary Of A Madman“ im Live-Set wiederfanden. Und Ozzy war sich seiner Vergangenheit durchaus bewusst, denn wer „Iron Man“ oder „Paranoid“ derart raus haut, ist mit sich und der (Black Sabbath)-Welt absolut im Reinen.

 

Fazit: Man kann jetzt streiten, welche der beiden Re-Editions von Ozzy Osbourne nun die bessere Wahl wäre. „Blizzard Of Ozz“ hat sicher mehr Klassiker zu bieten, aber „Diary Of A Madman“ klingt reifer und teilweise auch härter. Über die Aufmachung und den Bonusinhalt gibt es sowieso keine zwei Meinungen, denn die ist hier absolut gelungen und hat einiges an Mehrwert zu bieten. Betrachtet man dies nur unter diesen Gesichtspunkten, dann hat „Diary Of A Madman“ die Nase leicht vorne.

 

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Text: Torsten Schlimbach

Ozzy Osbourne: Blizzard Of Ozz (30th Anniversary Edition)

Ozzy Osbourne: Blizzard Of Ozz (30th Anniversary Edition)

Sony/Legacy

VÖ: 03.06.2011

 

Wertung: 8,5/12

 

Mit der 30th Anniversary Edition von „Blizzard Of Ozz“ hat der gute Ozzy nun ein großes Eigentor der Vergangenheit wieder ausgebügelt. Oder sollte man besser sagen, dass Sharon Osbourne, die hier als Executive Producer fungiert, Fehler der Vergangenheit korrigiert hat? Es ist ja kein Geheimnis, dass „Blizzard Of Ozz“ gemeinhin als Meilenstein gilt. Was macht man mit solchen Alben? Man passt sie immer wieder der Zeit an und versucht den Sound so gut wie eben möglich aufzupolieren. Was sich die Herrschaften aber schon mal mit „Blizzarf Of Ozz“ erlaubt haben, geht auf keine Kuhhaut. Für eine Re-Edition wurden die kompletten Tonspuren von Bass und Drums gelöscht um dann von Rob Trujillo und Mike Bordin neu einspielen zu lassen. Das Album wurde so komplett seinem ursprünglichen Charakter beraubt. Das hat man nun auch im Hause Osbourne eingesehen und diese Scharte wieder ausgewetzt.

 

So kann man sich bei der neuerlichen Ausgabe von „Blizzard Of Ozz“ wieder voll und ganz auf das Wesentliche konzentrieren. Dazu gehört sicher nicht das Cover, welches heute eher belustigend und putzig wirkt. Die Produktion ist zwar besser, wie noch vor knapp dreißig Jahren und das Druckventil schlägt auch noch mal eine Spur mehr in den roten Bereich aus, aber unter dem Strich ist das immer noch nicht herausragend. Dieser cleane Klang wird wohl nicht mehr mein Freund werden. Es gibt ja genug Stimmen, die genau auf diese Produktion schwören – nun denn. Sei es drum, die Songs sind immer noch großartig und zeigen, dass Ozzy Osbourne mal mehr drauf hatte, als den netten und verpeilten Rockstaropa seiner eigenen Soap zu mimen.

 

Dies lag sicher auch an der traumhaften Zusammenarbeit von Ozzy Osbourne mit dem inzwischen verstorbenen Randy Rhoads. Das erste Soloprojekt von Ozzy dürfte damals alle überrascht haben. Das Album war dann auch nicht umsonst ein glatter Selbstläufer und in den USA sehr erfolgreich. Mit diesen Songs war er endlich auch als Solokünstler angekommen und wurde ernst genommen. Unter den ursprünglichen neun Songs befindet sich so mancher Klassiker. Viele davon finden sich auch heute noch bei den Livekonzerten im Set wieder.

 

Mit „I Don´t Know“ gibt es zu Beginn gleich das komplette Rhoads Brett. Sein Gitarrenspiel ist hier so etwas wie die Initialzündung für das gesamte Album. Mit „Crazy Train“ folgt nämlich einer der besten Songs, die Ozzy je aufgenommen hat. Egal, ob es der vertrackte Aufbau zu Beginn ist, die Schreie von Ozzy oder der fast klassische Mittelteil – dieses Ding hat Klasse und rockt. Die Ballade „Goodbye To Romance“ ist allerdings erschreckend seicht. Passt aber in die erste Hälfte der 80er. Da gefällt die feine Fingerübung bei „Dee“ schon wesentlich besser. Rhoads, immer wieder Rhoads. Mit „Suicide Solution“ gibt es anschließend ja wieder ein stampfendes Ungetüm, ebenfalls längst ein Klassiker. Das düstere „Mr Crowley“ sollte mittlerweile zum Grundkurs eines jeden Hardrockfans gehören. Das lässt noch am ehesten Rückschlüsse auf die Vergangenheit von Osbourne bei Black Sabbath zu. Danach gibt es eher zwei Ausfälle zu verzeichnen, bevor es mit „Steal Away (The Night)“ noch mal die Vollbedienung gibt.

 

„Blizzard Of Ozz“ wurde um drei Bonustracks angereichert. Aufgewertet wird das Album gar durch den soliden Track „You Looking At Me, Looking At You“. Solider Hardrock, der aber durchaus Spaß macht. Den „Guitar & Vocal Mix 2010“ von „Goodbye To Romance“ hätte es zwar nicht unbedingt gebraucht, aber der Klang ist hier sogar richtig gut. „RR“ nimmt man gerne mit. Dies ist ein Outtake der Sessions und da darf Randy Rhoads alleine noch mal die Saiten hoch und runter rasen. Eine Verbeugung vor dem Mann an der Axt!

 

Fazit: Mit der 30th Anniversary Edition von „Blizzard Of Ozz“ hat man nun alles richtig gemacht. Man hat erkannt, dass die ursprüngliche Mannschaft für den Charakter des Albums verantwortlich war und hat das unsägliche Kapitel mit neuen Bass- und Drumspuren beendet! Gut so! Das Album selber gehört in jeden gut sortierten Hardrockhaushalt. Unter den neun Songs befinden sich einige wirkliche Kracher aus dem Ozzy Osbourne Katalog. Für die besonderen Momente ist sowieso Randy Rhoads verantwortlich. Da verzeiht man auch gerne die ein bis zwei schlechteren Nummern. Das Bonusmaterial ist nett, mehr aber auch nicht. Nimmt man im Zuge dieser Wiederveröffentlichung aber natürlich gerne mit. Freunde der härteren Klänge sollten dieses Album im Schrank stehen haben. Wer dort noch eine Lücke vermeldet, hat nun keine Ausreden mehr.

 

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Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch