The Naked And Famous: Recover

The Naked And Famous: Recover

Somewhat Damaged Limited/Rough Trade

VÖ: 24.07.2020

 

Wertung: 8/12

 

Die Electropop-Band The Naked And Famous veröffentlicht mit „Recover“ mal wieder ein Album. Der große Durchbruch mit „Passive Me, Aggressive You“ ist nun auch schon wieder ein ganzes Jahrzehnt her. Die Zeit rast. Insgesamt ist es das vierte Studioalbum der Band aus Neuseeland. Kann man überhaupt noch von einer Band sprechen? Mit Alisa Xayalith und Thom Powers gibt es nämlich nur noch zwei Mitglieder. Das Duo konnte so zumindest die gemeinsame Vision von Popmusik verfolgen und vielleicht auch fokussierter arbeiten.

 

Es ist ein sehr persönliches Album geworden. Letztlich ist es sogar ein autobiografisches Werk, mit Themen, die unter die Haut gehen. Die beiden sind mit der entsprechenden Sorgfalt vorgegangen und haben mit sehr viel Fingerspitzengefühl die Songs auf den Weg gebracht. Oftmals überwiegt eine große Portion Melancholie und die vermeintlich heiteren Popsongs kriegen so eine Dringlichkeit verliehen, die ähnlich gelagerter Musik meist abgeht. Es geht um das große Ganze – Überleben und Sterben. Die Suche nach der eigenen Identität spielt dabei auch eine ganz große Rolle. Thom Powers hatte nach einer Blutvergiftung eine Nahtoderfahrung und somit erklärt sich dann auch eine Numme wie „(An)Aesthetic“. Musikalisch erinnert das sogar an James Blake.

 

The Naked And Famous ist ein zeitgemäßes Popalbum gelungen. „Recover“ und „Sunseeker“ könnte man sich auch von Coldplay vorstellen. Das fröhliche „Bury Us“ erinnert eher an Chrvches. „Comes As You Are“ hat natürlich nichts mit dem Klassiker von Nirvana zu tun. Man sollte allerdings auch ein ausgesprochenes Faible für die Popklänge von „Everybody Knows“ oder „Echoes In The Dark“ haben. Das ist Bubblegum-Dancepop, wie er im Buche steht. Hin und wieder wird das auch aufgeblasen wie bei „Monument“. Auf der anderen Seite gibt es keine Kompromisse und die volle Popbreitseite!

 

Fazit: Wer auf zeitgemäße Popmusik steht, kriegt mit „Recover“ die Vollbedienung. Es lohnt sich allerdings auch die Auseinandersetzung mit den Themen und Lyrics dieser Platte. „Recover“ ist nämlich gleichzeitig ein sehr persönliches Werk und der melancholische Grundton kommt nicht von ungefähr.

 

https://www.thenakedandfamous.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

The Naked And Famous: Passive Me, Aggressive You

The Naked And Famous: Passive Me, Aggressive You
Universal

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

The Naked And Famous geisterten im Dezember 2010 plötzlich durch die Gazetten und Blogs und ganz schnell entstand ein neuer Hype um die Band aus Auckland. Seitdem gibt es immer mal wieder Statusmeldungen und die Presse wird nicht müde zu betonen, dass es sich bei der Band um den „heißesten Newcomer" für das laufende Jahr handeln würde. Nüchtern betrachtet gibt es davon derart viele, dass man da ganz schnell den Überblick verlieren kann. Das Jahr ist ja noch recht jung und trotzdem haben schon derart viele Künstler ein Debütalbum veröffentlicht, welches gehört werden sollte, dass dies schon wieder der berühmten Stecknadel im Heuhaufen gleicht.

 

Man sollte die Superlative einfach mal ein bisschen kleiner ansetzen und dann passt das schon. Fakt ist jedenfalls, dass The Naked And Famous ein wirklich vorzügliches Album vorgelegt haben. Die vier Jungs und das eine Mädel haben es jedenfalls geschafft, sich vom ganzen Electro-Pop-Gedöns dieser Tage abzuheben. Es bieten sich - wenn überhaupt - dezente Vergleiche mit MGMT und Radiohead an. Ansonsten scheint Auckland weit genug von der Musikwelt entfernt zu sein, um eben nicht im alltäglichen Einheitsbrei zu verkümmern.

 

Aufgenommen wurde das Album in verschiedenen kleinen Studios rund um Auckland. Herausgekommen sind monumentale Bombasthymnen. Der epische Ansatz der Band verliert sich aber nie irgendwo im Orbit, sondern schafft es immer wieder die Kurve zu kratzen und auf den Punkt zu kommen. Es darf gerne mal ausschweifend werden oder auch einfach nur mal skizzenhaft durch den Raum flirren. The Naked And Famous sind eindeutig Studionerds, frickeln sich aber trotzdem nicht ohne Rückfahrkarte in diese Klanggefilde vor.

 

Die Band steht sowieso immer halb im Indieschrammelbereich, was sie schon mit dem Einstieg „All Of This" unterstreichen. Klar, „Punching In A Dream" oder „Young Blood" werden wieder die nächsten Synthie-Hymnen einer Generation werden. Das sind aber nur die Locksongs um die Leute an die fragilen Stücke heranzuführen. Ein düsteres Brett wie „Frayed" oder das dissonante „Jilted Lovers" sind da wesentlich schwerer zu verdauen. Auch dies scheint nur der Auftakt für eine Dampfwalze wie „A Wolf In Geek´s Clothing" zu sein. Platz da, aus dem Weg, hier kommen The Naked And Famous. Man will aber gar keinen Schritt zur Seite treten, sondern mittendrin dabei sein.

 

Letztlich sind es sowieso wieder die Refrains und die tanzbaren Melodien, die einen abholen. Da ist dann ein „Spank" auch mal ganz nahe bei den Ting Tings einzusortieren. Mit „Girls Like You" haben The Nakde And Famous zum Schluss sogar noch mal ein monumentales Epos gesetzt.

 

Fazit: The Naked And Famous übertreffen mit dem Debütalbum „Passive Me, Aggressive You" die ganzen Vorschusslorbeeren mit Leichtigkeit. Ob es sich dabei jetzt um den heißesten Newcomer des Jahres 2011 handelt, sei mal dahingestellt. Das muss jeder für sich beantworten. Fakt ist aber, dass die Neuseeländer ein verdammt dichtes, episches und sehr gutes Album aufgenommen haben. Diese großen Klangwelten und eingängigen Hooks hat man sich nicht so schnell satt gehört, denn dafür haben sie die Songs mit viel zu vielen Indie-Pop und Gitarrenwänden angereichert. Eine verdammt starke, erste Platte!


http://www.thenakedandfamous.com/?c=3

 

Text: Torsten Schlimbach

 

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