Muddy Waters: The Montreux Years

Muddy Waters: The Montreux Years

BMG

VÖ: 27.08.2021

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Nachdem die Veröffentlichungen von Nina Simone und Etta James ihrer Montreux Auftritte ein voller Erfolg und so brillant waren, folgt nun der nächste Streich. Mit Muddy Waters hat man sich einen ganz Großen ausgesucht. In den 70er Jahren gab der große Blueser drei legendäre Konzerte beim Montreux Jazz Festival. Zum Glück hat man die Konzerte damals mitgeschnitten. Waters steht sowieso exemplarisch für dieses Festival und seine Ausrichtung. „The Montreux Years“ vereint nun sein beeindruckendes Repertoire an Blues-Klassikern. Eine schöne Aufmachung und exklusive Liner Notes runden das Paket wundervoll ab.

 

Wie nicht anders zu erwarten, ist der Sound brillant. Hier stechen die feinen Nuancen heraus und das Munharmonikaspiel, beispielsweise beim sich langsam dahinschleppenden „Long Distance Call“, kommt dabei voll und ganz zur Geltung. Das akzentuierte Gitarrenspiel sowieso. Das Set startet mit dem ikonischen „Nobody Knows Chicago Like I Do“. Ein grandioser Einstieg, der den Meister als König seines Fachs präsentiert. „Manish Boy“ ist längst zu einem der ganz großen Klassiker der Musikgeschichte avanciert. Die hier vorliegende Version zeigt Waters noch mal auf einem Karrierehöhepunkt.

 

„Rollin´ And Tumblin´“ rollt wie eine alte Dampflok über einen hinweg. Die Stärke von Waters lag auch stets in den langsamen Bluestracks, wie das programmatische „Blues Jail“ unterstreicht. Natürlich ist auch „I´m Your Hoochie Coochie Man“ enthalten. Die Mundharmonika hat man bei der Nummer schon druckvoller gehört, dafür wird voll in die Tasten gehauen. „I´m Ready“ kommt schmissige um die Ecke gebogen. „Trouble No More“ fetzt, ist aber zu schnell wieder beendet worden. „Rosalie“ klingt, als stünde die Band knietief in den Sümpfen. Was für eine Intensität – unglaublich!

 

„Rock Me Baby“ ist lässiger Blues-Rock, während „Same Thing“ mit seiner Ruhe zu beeindrucken vermag. Lieber auch mal ein paar Töne weglassen ist das Motto. „Howlin´ Wolf“ hat ein Solo zu bieten, welches in seiner reduzierten Art und Weise trotzdem sehr spektakulär ist. „Can't Get No Grindin' (What's the Matter With the Meal)“ lässt den Blues großartig swingen. „Electric Man“ zeigt zum Schluss noch mal die ganze Klasse von Waters und seiner Band.

 

Fazit: „The Montreux Years“ von Muddy Waters dürfte ein Höhepunkt dieser Reihe darstellen. Unfassbar, was die Musiker hier aus dem Ärmel schütteln. Mit welcher spielerischen Leichtigkeit und Brillanz sie dem Blues frönen ist ganz groß. Dieses Gefühl und Timing kann man nicht lernen, das ist einfach per Geburt schon mit auf den Weg gegeben worden. Dieses Set hier sollten sich mal alle anhören, die Ambitionen haben im Musikgeschäft Fuß zu fassen. Herz und Seele liegt in diesen Songs hier und nur so kann es gehen!

 

Text: Torsten Schlimabch

Muddy Waters: Original Album Classics (3 CDs)

Muddy Waters: Original Album Classics (3 CDs)
Sony

VÖ: 22.04.2011

 

Wertung: 10,5/12

Tipp!


Auch von Muddy Waters gibt es nun eine Veröffentlichung der Original Album Classics Reihe. Wie üblich stecken die drei CDs in einer zweckmäßigen Box und werden selber jeweils von einem Pappschuber umschlossen. Selbstverständlich ist auch hier der Preis höchst attraktiv und somit bedarf es keiner großen Überlegungen, um sich diese höchst interessanten Alben in den Schrank zu stellen. Diese Phase von Muddy Waters zeigt den Mann noch mal auf einem Karrierehöhepunkt.


Natürlich geht es hier in erster Linie um Muddy Waters, aber man muss noch einen anderen Mann erwähnen, ohne den dies so sicher nicht möglich gewesen wäre. Waters befand sich bereits im Herbst seiner Karriere und da kam sein langjähriger Fan um die Ecke und nahm mit ihm vier Alben auf. Die Rede ist von Johnny Winter, der seinerzeit zu den ganz Großen des Geschäfts zählte und selber in den größten Hallen spielte. Winter überzeugte letztlich sein Label Waters unter Vertrag zu nehmen. Was dabei herausgekommen ist, zählt zu den Sternstunden des Chicago Blues.


Den Anfang macht „Hard Again". Andere Alben mögen kommerziell erfolgreicher gewesen sein, es kommt aber nicht von ungefähr, dass Waters hierfür einen Grammy erhielt. 10 Songs, 48 Minuten, alles Volltreffer, kein Ton zu viel! Muss man zu „Manish Boy" oder „Bus Driver" noch was sagen? Die Songs sind in Stein gemeißelte Monumente des Rock, vom Blues ganz zu schweigen. Interessant ist auch die Willie Dixon Komposition „I Want To Be Loved". Eine englische Band mit dem Namen The Rolling Stones hatte die Nummer übrigens auch mal als B-Seite im Gepäck. Wie sich doch so mancher Kreis schließt! Die Mundharmonika von „Little Girl" versuchten viele zu kopieren, es gelang freilich nie. Auch der Sound ist glasklar und die Abmischung allererste Sahne. Hier sitzt alles perfekt. Für viele ist dies nicht umsonst eines der besten Blues Alben der letzten Jahrzehnte!


Die Zeit mit Johnny Winter war derart kreativ, dass auch „I´m Ready" kaum abfiel. Winter hat das Album nicht nur produziert, sondern auch wieder als Gitarrist mitgeprägt. Was auch schon bei „Hard Again" positiv überraschte, ist auch auf dieser Scheibe wieder der Fall: die Stimmgewalt von Muddy Waters. Auch in fortgeschrittenem Alter hatte er nichts von seiner Gesangskraft und seinem Ausdruck eingebüßt. Und wie beim Vorgänger auch, wurden wieder einige Klassiker aus dem Backkatalog neu aufgenommen. Abermals ist es dieser satte Klang, der „33 Years", „Mamie", „Rock Me" oder „Screamin´ And Cryin´" ausmacht. Damit wurde gar ein ganz neues Publikum erschlossen. Die Generation von Rockhörern entdeckten Muddy Waters völlig neu. Schon alleine das schleppende „33 Years" ist sein Geld wert. Erstaunlicherweise klingt das auch heute noch nicht angestaubt. So geht Blues! Das ist einfach sensationell! Und selbst die beiden Bonustracks „That´s Alright" und „Lonely Man Blues" können das Niveau halten!


Das dritte Album ist „King Bee". Auch dieses Werk wurde in The Schoolhouse von Dan Hartman aufgenommen. Das ganze fand zu Beginn der 80er statt. Bei den Kritikern kam „King Bee" nicht mehr ganz so gut weg. Nach den beiden Meisterwerken zuvor war das aber auch keine große Überraschung, denn dieses Niveau zu halten war alles andere als einfach. Innerhalb der beteiligten Mannschaft soll es aber auch zu Rissen gekommen sein und es war lange nicht mehr so produktiv. Zudem machte Waters nun auch seine Gesundheit zu schaffen. Johnny Winter zeigte sich auch nicht mehr ganz so begeistert und so fielen „I Won´t Go On" und „Clouds In My Heart" schließlich gänzlich raus. Für diese Veröffentlichung hier hat man sich aber an die beiden Songs erinnert und sie nun mit drauf gepackt. Winter ging sogar soweit und nahm zwei Tracks aus den „Hard Again" Sessions und füllte mit „I Feel Like Going Home" und „(My Eyes) Keep Mee in Trouble" auf. Das sagt schon viel über die Qualität des Materials von „King Be" aus. Trotzdem ist dies kein schlechtes Album und hat durchaus seine Momente. Der Meister selber war damit auch höchst zufrieden und weigerte sich weitere Takes einzuspielen oder Overdubs zu verwenden. Vielleicht war die schlechte Stimmung der beteiligten Protagonisten schließlich dafür ausschlaggebend, dass „King Be" nicht ganz mit seinen Vorgängern mithalten kann. Andere wären froh, sie hätten ein solches Album in ihrem Backkatalog.


Fazit: Die Original Album Classics Reihe bekommt nun mit der Muddy Waters Ausgabe ein ganz feines Schätzchen dazu. Hier liegen drei der vier Alben mit Johnny Winter bei. Gerade „Hard Again" und „I´m Ready" sind absolute Meisterwerke. „King Be" fällt dagegen etwas ab. Wer nur ansatzweise etwas für den Blues - und den Chicago Blues im Besonderen - übrig hat, muss sich diese drei Alben zulegen! Da es diese Box zum schmalen Taler gibt, braucht man nicht mehr lange zu überlegen!


http://www.muddywaters.com/


Text: Torsten Schlimbach

Empfehlen Sie diese Seite auf:

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch