DeWolff: Wolffpack

DeWolff: Wolffpack

Mascot Label Group/Rough Trade

VÖ: 05.02.2021

 

Wertung: 8/12

 

Die Niederländer von DeWolff wurden – wie im Grunde alle Bands – von der Pandemie hart getroffen. Die laufende Tour musste zu den Akten gelegt werden und die Aufmerksamkeit für „Tascam Tapes“ war somit auch hinfällig. Wieder in den eigenen vier Wänden angekommen, galt es ja auch noch die eine oder andere Abstandsregel und ein Kontaktverbot einzuhalten. Es wurde kurzerhand eine neue WhatsApp-Gruppe für neue Demos eröffnet. Das Trio konnte sich so die Bälle hin- und herschmeißen. Letztlich konnten die Herren doch wieder miteinander arbeiten. In ihrem Studiobunker in Utrecht haben die Brüder Pablo und Luka van de Poel und Robin Piso das neunte Album auf den Weg gebracht: „Wolffpack“.

 

Mit The Dawn Brothers, den Blues-Rockern The Grand East, der Sängerin und Songschreiberin Judy Blank, der Band Broken Brass, dem französischen Sänger und Songschreiber Theo Lawrence und dem Ex-Wolfmother-Bassist Ian Peres ist eine stattliche Zahl an Gaststars dabei. Da letztes Jahr auch keiner auf Tour sein konnte, saßen ja sowieso alle rum, waren aber eben nicht untätig und die Möglichkeiten dieser Zeit sorgen dafür, dass man als Musiker ja nicht zwingend in einem Raum sein muss.

 

„Wolffpack“ ist ein klassisches DeWolff Album geworden. Die drei Herren haben ihr Herz einfach an die Musik der 70er vergeben und das hört man mit jedem Ton diesem Werk an. Soul, Funk, Psychedelica und Southern Rock werden in einen Topf geworfen, gut gerührt und fertig ist ein Gemisch, welches Hüter des heiligen Musikgrals glücklich machen wird. Die Songs haben nichts, aber auch gar nichts mit dem aktuellen Musikgeschehen zu tun und das spricht wiederum für die Qualität der Songs.

 

Die Kapelle startet mit dem 70ies Rockungetüm „Yes You Do“ in das Album – Synthesizer und Hammond Orgel inbegriffen. Die Nummer groovt zudem wie Sau, dreht aber auch noch in Richtung Southern Rock ab. „Treasure City Moonchild“ holt anschließend noch ein Priese Funk in das Album hinein. „Do Me“ ist als Ballade etwas kitschig ausgefallen. Hier hat man auch das eine oder andere Versatzstück aus der Solokarriere von Paul McCartney eingebaut – ohne natürlich an den Meister heranzureichen. „Sweet Loretta“ rangiert solide zwischen Soul, Funk und Rock. Der Refrain hat Hitpotenzial und brennt sich schnell in den Gehörgängen ein. „Half Of Your Love“ ist dann – inklusive Gesang in höheren Tonlagen – endgültig beim Soul angekommen. Erinnerungen an Motown werden da wach. „Lady J“ gewinnt durch den Backgroundgesang an Profil, welches mit dem lässigen „Roll Up And Rise“ noch mal geschärft wird. „Bona Fide“ klingt glatt nach ZZ Top in den 70ern. „R U My Savior“ bleibt dem 70er Soul treu. „Hope Train“ ist zum Schluss noch mal eine psychedelisch angehauchte Rocknummer, welche ebenfalls ganz fest in dem nun schon mehrfach erwähnten Jahrzehnt verankert ist.

 

Fazit: DeWolff haben mit dem neunten Album ein gutes Ding vorgelegt. Die Bedingungen waren sicher nicht optimal, da der Lockdown und Covid-19 im Allgemeinen den Musikern nicht unbedingt die besten Voraussetzungen geliefert haben dürfte. Herausgekommen sind Songs, die ganz fest in den 70erm verwurzelt sind. Der Funk- und Soulanteil wurde deutlich nach oben geschraubt. Gut geölten Southern Rock gibt es natürlich auch noch auf die Ohren. Ein Stück Normalität in diesen schweren Zeiten, danke!

 

https://www.dewolff.nu/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch