Saltatio Mortis: Für Immer Frei (Unsere Zeit Edition)

Saltatio Mortis: Für Immer Frei (Unsere Zeit Edition)

We Love Music/Universal

VÖ: 27.08.2021

 

Wertung: 7/12

 

Es ist nicht mal ein Jahr her, als Saltatio Mortis „Für Immer Frei“ veröffentlichten. Im Bandkosmos gab es derweil hinter dem Schlagzeug eine Umbesetzung zu verzeichnen. Gründungsmitglied Lasterbalk wurde Vater und steht der Kapelle aus diesem Grund fortan nicht mehr für das wilde Tourleben zur Verfügung, dafür aber seiner Tochter. Gleichzeitig war er ja nun auch Texter und Manager der Band. Er wird der Truppe auch weiterhin seinen Dienst erweisen, nur eben nicht mehr auf Tour. Sein Nachfolger Jean wird nun mit einer erweiterten Version von „Für Immer Frei“, die nun den Zusatz „Unsere Zeit Edition“ trägt, eingeführt.

 

Die Neuauflage des Albums hat fünf neue Songs und drei alternative Versionen am Start. Über Sinn und Unsinn lässt sich da trefflich streiten. Mit „Nie Allein“ gibt es wieder eine Nummer, die sich schwer nach den Hosen anhört. „Funkenregen“ bleibt diesem Weg treu, gleichwohl der Mittelalterteil wieder etwas deutlicher hervortritt und diese Instrumente dann auch Gehör finden. „Unsere Zeit“ knallt in das Deutschrockfach. Den Vogel schießen Saltatio Mortis aber mit „Wellerman“ ab. Ja, dabei handelt es sich um das Walfängerlied aus Neuseeland, jenes Shanty, welches Nathan Evans zu einem Hit verhalf. Santiano haben das auch im Repertoire und Saltatio Mortis müssen aufpassen, dass sie mit solchen Dingen nicht auch zu einer Schlagercombo verkommen. Abgesehen davon hat das auch den Anschein, als wolle man da mal eben auf den Erfolgszug aufspringen. „My Mother Told Me“ kennt man als episches Lied, welches von König Harald und seinem Bruder Halfdan in „Vikings“ gesungen wurde. Die Kapelle hier macht das ganz ordentlich und einen kleinen Punkklopper daraus. „Geboren Um Frei Zu Sein“ als alternative Version ist musikalisch schon schwer verdaulich und ganz hart am schlageresken Kitsch vorbeigeschrammt. „Nie Allein“ als Proberaum Session ist ein netter Abschluss dieser neuerlichen Veröffentlichung.

 

Fazit: Ob es jetzt, nicht mal ein Jahr nach der ersten Veröffentlichung von „Für Immer Frei“, schon ein Update braucht, sei mal dahingestellt. Man hätte die neuen Songs ja auch einfach als EP veröffentlichen können, zumal sich das vornehmlich an die Fans richten dürfte!

 

https://fuerimmerfrei.saltatio-mortis.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Saltatio Mortis: Für Immer Frei

Saltatio Mortis: Für Immer Frei

We Love Music/Universal

VÖ: 09.10.2020

 

Wertung: 7,5/12

 

Saltatio Mortis gibt es mittlerweile auch schon unglaubliche 20 Jahre! Daran hatten die Musiker einst sicherlich nicht gedacht, als sie noch am Wegesrand rumlungerten, von dort ihre Musik in die Welt hinaustrugen und mit ihren Hüten Geld einzusammeln. Seit diesen Tagen hat sich vieles geändert und für die Kapelle zum Guten gewendet. Mehrere Alben konnten die Charts ganz oben entern und die Fangemeinde ist stetig gewachsen und füllt die großen Hallen. Nun gibt es mit „Für Immer Frei“ ein neues Werk.

 

Wer sich erhofft hatte, dass Saltatio Mortis wieder etwas mehr zurück zu den Anfängen und den Mittelalterklängen kehren, wird enttäuscht sein. Deutschrock und Härte sind immer noch Trumpf. Auch die Ohohoh-Chöre sind nicht verschwunden, im Gegenteil. Das hat schon gehöriges Nervpotenzial. Und ja, an der einen oder anderen Stelle kann man Saltatio Mortis eine Nähe zu den Toten Hosen nicht absprechen. „Für Immer Jung“ klingt sogar wie eine 1:1 Kopie der Düsseldorfer. „Neustart Für Den Sommer“ hat ein paar unangenehme Momente und dann werden sogar die Bilder der Corona-Leugner präsent. Damit will die Band aber sicherlich nicht in einen Topf geworfen werden!

 

Blendet man dies alles aus, dann ist „Für Immer Frei“ ein gutes Album! Die Karlsruher haben ihr Herz am richtigen Fleck. Zudem haben sie ein ganz großes Herz! „Linien Im Sand“ ist beispielsweise im Deutschland des Jahres 2020 ein ungemein wichtiges Lied. Die geistigen Brandstifter kriegen hier ihr Fett weg. Klar und deutlich, aber nicht plump! Danke dafür! „Palmen Aus Stahl“ ist ebenfalls ein immens wichtiger Beitrag! Die ganzen Klimaleugner sollten sich den Song mal anhören und über die dort gehörten Worte nachdenken! Auch dafür danke!

 

„Für Immer Frei“ ist keineswegs vom ersten bis zum letzten Ton und Wort ein politisches Werk. Vieles dreht sich um die Freiheit. „Loki“ ist so ein Song. Natürlich auch „Geboren Um Frei Zu Sein“. Die Liebe kommt auch nicht zu kurz - auf „Rose Im Winter“ darf es dann auch mal melancholisch werden. „Seitdem Du Weg Bist“ ist allerdings textlich und musikalisch etwas drüber, denn das ist schon bedenklich nahe am Schlager angesiedelt. Das gefällt dann auch der Schwiegermutti – soll es aber ja nicht! „Mittelfinger Richtung Zukunft“ reißt es im 90er-Crossover-Gewand wieder raus und hat Swiss und Henning Wehland mit am Start. Macht Spaß, das Ding!

 

Musikalisch ist das, wie schon erwähnt, im Deutschrock angesiedelt und der eine oder andere punkige Ausflug ist auch dabei. Die Gitarren lärmen, die Sackpfeifen mühen sich. „Factus De Materia“ ist der Ausreißer und holt das Flair des Mittelalters in die Scheibe herein. Dies dürfte Fans der ersten Stunde sehr erfreuen.

 

Fazit: Saltatio Mortis legen mit „Für Immer Frei“ ein Album mit viel Licht, aber auch ein bisschen Schatten vor. Die Hinwendung zum Deutschrock ist immer noch allgegenwärtig und der musikalische Anteil der Mittelalterklänge deutlich runtergeschraubt. Über weite Strecken macht das Gehörte aber eine ganze Menge Spaß und ist, wenn es an die politischen Themen geht, durchaus wichtig! Wer „Brot und Spiele“ mochte, wird auch „Für Immer Frei“ schnell in das Herz schließen!

 

https://fuerimmerfrei.saltatio-mortis.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Saltatio Mortis: Brot Und Spiele - Klassik Und Krawall (2CDs)

Saltatio Mortis: Brot Und Spiele – Klassik Und Krawall (2CDs)

We Love Music/Universal

VÖ: 22.03.2019

 

Wertung: 7,5/12

 

Saltatio Mortis hat sich über zwei Dekaden immer weiterentwickelt. Die Spielmannsleute sind den Fußgängerzonen und Jahrmärkten längst entwachsen und füllen mittlerweile schon die eine oder andere amtliche Halle der Republik. Auch der Sound hat sich gewandelt und mittlerweile ist das auch mal sehr poppig und eingängig. Mittlerweile ist die Kapelle fest auf die Chartsspitze abonniert. Jetzt wird der Erfolg von „Brot Und Spiele“ noch weiter ausgereizt und mit „Brot Und Spiele - Klassik Und Krawall“ eine Art Ableger veröffentlicht. Und wie dies heutzutage so üblich ist, gibt es die ganze Sause auch gleich in verschiedenen Konfigurationen.

 

Jetzt kann man vermutlich lange darüber streiten, ob hier einer die Dollarzeichen in den Augen hat oder tatsächlich einen künstlerischen Anspruch verfolgt und verwirklicht. Die Wahrheit wird – wie immer – irgendwo in der Mitte liegen. Auf der anderen Seite wird natürlich keiner gezwungen den Kram zu kaufen – wohlwissend, dass Fans aber nicht aus ihrer Haut können. Unter dem Strich kriegt man hier durchaus einen Mehrwert geboten und dem eigentlichen Album wird eine gänzlich neue Facette abgetrotzt.

 

Saltatio Mortis sind thematisch durchaus am Puls der Zeit. Wer die Band immer noch an den rechten Rand rücken will, hat da wohl nicht genau hingehört. Vorbei sind die Zeiten, als sich Saltatio Mortis rechtfertigen mussten, als gemeinsame Festivalauftritte mit dieser unsäglichen Kapelle aus unserem Nachbarland auf dem Terminplan stand. Songs wie „Wo Sind Die Clowns“, „Brot Und Spiele“ „Europa“ und „Besorgter Bürger“ sind richtig und wichtig. Im Krawall-Modus auf der Live-CD kommt das schon richtig und die Zuschauer steigen da auch dankbar ein.

 

Selbstverständlich dürfen auch Songs wie „Burnhild“, „Mittelalter“, „Eulenspiegel“ und „Spielmannsschwur“ nicht fehlen. Die Zuschauermenge wird vor „Sie Tanzt Allein“ noch zum Mitsingen animiert – ein beeindruckender Chor. „Nie Wieder Alkohol“ würde sich übrigens auch gut im Kölner Karneval machen – inhaltlich und auch den Mitgrölfaktor betreffend. Unter dem Strich muss man festhalten, und zwar unabhängig, ob man die Band mag oder nicht -, dass die Kapelle live schon eine Wucht ist.

 

Die Klassik-CD wartet dann mit einigen Überraschungen auf, dürfte aber auch so manchen Beinhartfan auf eine harte Probe stellen. Will man den Punkbrecher „Sie Tanzt Alleine“ als Piano-Ballade hören? Das ist sicher Geschmackssache, klar. Auf der anderen Seite gewinnt „Besorgter Bürger“ sogar noch mal an Eindringlichkeit dazu. „Nie Wieder Alkohol“ ist in diesem Gewand praktisch ein neuer Song. Ein Klassikorchester ist eben noch mal eine ganz andere Facette. Trotzdem dümpelt manches auch etwas dahin und ist etwas zu brav. Hat die Band das auch mal gemacht, es war wohl ein ehrlicher Wunsch, dies auf diese Art und Weise umzusetzen.

 

Fazit: Saltatio Mortis haben „Brot Und Spiele“ noch mal ganz neu arrangiert und aufgenommen. Jetzt haben die Songs ein Klassikgewand und klingen dabei mitunter komplett anders. Das ist mal sehr eindringlich, aber hin und wieder zieht das sich auch etwas. Als Wachmacher ist ja das „Krawall“-Album dabei, welches hörbar zeigt, dass Saltatio Mortis eine ganz famose Live-Band sind!

 

http://www.saltatio-mortis.com/ 

 

Text: Torsten Schlimbach

Saltatio Mortis: Brot Und Spiele (Deluxe Edition)

Saltatio Mortis: Brot Und Spiele (Deluxe Edition)

Universal

VÖ: 17.08.2018

 

Wertung: 8/12

 

Saltatio Mortis ist eine fleißige Band. Mit „Brot Und Spiele“ wird nun bereits das elfte Studioalbum veröffentlicht. Nimmt man noch die Live- und Best Of-Sammlungen dazu, dann kommt man sogar schon auf neunzehn Veröffentlichungen. Eine stolze Zahl, eine beeindruckende Karriere. Die Spielleute können ja auch auf eine treue Anhängerschaft bauen. Bei Teilen der Fans könnte die Treue jetzt einige Risse bekommen. Geschenkt. Das ist ja im Grunde immer so. Die Band hat sich eben stetig weiterentwickelt und wenn sie jetzt noch weiter in die Stadien und die späteren Slots der Festivals drängt, dann ist das ja nicht unbedingt schlecht.

 

Der ganze Mittelalter-Klimbim ist auf „Brot Und Spiele“ etwas in den Hintergrund gerückt. Die Dudelsäcke dienen auf dem eigentlichen Album eher als Untermalung der Melodien, denn als Alleinstellungsmerkmal. Das wird vielen sicher nicht gefallen. Warum an dieser Stelle explizit das Hauptwerk erwähnt wird? Nun, die Deluxe Edition wartet mit einer zweiten CD auf, deren Songs weitaus atmosphärischer sind, auch mal rein instrumental gehalten werden, den mittelalterlichen Folkanteil hochhalten und sprachlich eben auch auf dem Mittelaltermarkt zu finden sind. Im Grunde ist die Bonus-CD sogar ein eigenständiges Album, denn immerhin findet man dort dreizehn Songs vor! Es sind auch weitaus ruhigere Songs als auf dem eigentlichen Album. „Heimdall“ wird bei der Anhängerschaft sicherlich auf sehr offene Ohren stoßen! Betitelt wurde die zweite CD mit „Panem Et Circenses – Ad Fontes“ und damit dürfte die Richtung ja ziemlich deutlich klar sein. Diese dreizehn Tracks werten diese Veröffentlichung auf jeden Fall auf!

 

Und „Brot Und Spiele“? „Brunhild“ ist im Grunde der einzige Song im klassischen Saltatio Mortis-Stil. Der Rest orientiert sich am Punk-Pop-Schlager der Toten Hosen. Selbst stimmlich ist da eine Nähe zu erkennen. Saltatio Mortis sind aber die weitaus bessere Wahl. Die Düsseldorfer hören sich auf den letzten Alben ja tatsächlich wie eine Schlagercombo an. Aber genug davon, hier soll es um „Brot Und Spiele“ gehen. Saltatio Mortis legen eine große Spielfreude an den Tag. Die schmissigen Songs sind weitestgehend sehr ernster Natur. Dies bezieht sich sowohl auf die Musik, als auch auf die Texte. „Brot Und Spiele“ muss man durchaus als politisches Album verstehen!

 

Dies manifestiert sich meist in einer einfachen und direkten Sprache. Die Zeiten verlangen aber auch nach einer klaren Ansprache, da muss man sich nicht hinter verklausulierten Phrasen verstecken. Die dringlichen Themen unserer Zeit werden von Saltatio Mortis behandelt. Dies äußert sich im Titeltrack „Brot Und Spiele“, aber auch in der Nummer „Europa“, wo unmissverständlich klargemacht wird, was eigentlich unsere Werte sein sollten. Und wer die Karlsruher bisher fälschlicherweise in die braune Ecke sortiert hat, dürfte mit „Besorgte Bürger“ nun endgültig die Antwort finden „…hör gut zu besorgter Bürger…wir wissen was Du bist…Du bist ein Arschloch und Rassist!“. Selbst die schmalzige Ballade „Spur Des Lebens“ ist politisch. Dies ist übrigens ein Text an ein noch nicht gezeugtes Kind. Hier wird sich mit der Frage auseinandergesetzt, ob man in diesen Zeiten überhaupt Kinder in die Welt setzen sollte. Als Duettpartnerin ist Marta Jandová dabei. Der Song ist leider auch der schlimmste des Albums. Musikalisch gesehen. Das könnte man auch so auf das letzte Album der Hosen packen. Jede Wette, dass viele Leute - ohne Hintergrundinfos - dies als einen neuen Song der Toten Hosen identifizieren würden. „Dorn Im Ohr“ oder „Mittelalter“ sind zu schmissigem Punkpop ebenfalls politisch angehaucht. Mit „Nie Wieder Alkohol“ wird die ganze Geschichte etwas aufgelockert. Auch diese Nummer ist eher in Gefilden zu finden, die man von Saltatio Mortis so bisher nicht unbedingt kannte. Die Abstürzenden Brieftauben lassen an dieser Stelle ganz nett grüßen. Ach ja, „Hier Kommt Alex“ gibt es auch wieder, nennt sich nun aber „Ein Stück Unsterblichkeit.“

 

Fazit: „Brot Und Spiele“ ist ein gutes Album! Das werden zwar viele Saltatio Mortis-Fans anders sehen, da der Mittelalterteil deutlich hinuntergefahren wurde und die Band nun eher im schmissigen Punkpop zu finden ist, aber das macht dieses Werk ja nun nicht per se schlecht. Die Spielleute sind hier und da ja trotzdem als solche auszumachen. Und die Deluxe Edition hat mit der zweiten CD ja nun wirklich genug Material zu bieten, welches auch die langjährigen Fans glücklich machen dürfte. Auf dem eigentlichen Album gibt es jede Menge deutliche Ansagen. Da sage noch einer, dass deutschsprachige Künstler sich nicht trauen würden klare Kante zu zeigen. Schon alleine dafür: Hut ab!

 

http://www.saltatio-mortis.com/ 

 

Text: Torsten Schlimbach

 

https://youtu.be/er2Rg0ByWB4 („Spur des Lebens“)

https://youtu.be/vLU4GJllWIE („Große Träume“)

https://youtu.be/pbvIxxbxnFM („Brunhild“)

https://youtu.be/U6xXsp03wyg („Heimdall“)

https://youtu.be/AzDRrmFB3Uc („Dorn im Ohr“)

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