Supergrass: In It For The Money (Remastered Expanded Edition)

Supergrass: In It For The Money (Remastered Expanded Edition)

BMG

VÖ: 27.08.2021

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Supergrass waren einst auf dem Sprung in die Riege der ganz großen UK-Superstars. Irgendwie implodierte dann doch alles und nach einem knappen Jahrzehnt trennte sich die Band. Erst 2019 haben sich Supergrass wiedervereint. Gegründet hat sich die Band in der ersten Hälfte der 90er. 1995 wurde das Debüt „I Should Coco“ veröffentlicht und schlug auf der Insel gleich ordentlich ein. Die Single „Alright“ hat man auch heute noch im Ohr. Zwei Jahre später wurde „In It For The Money“ in die Läden gestellt. Dieses Album wird nun aufgepeppt erneut unter die Leute gebracht. Dies ist noch mal eine gute Möglichkeit für viele Leute die Band zu entdecken. Supergrass werden sträflich unterschätzt, „In It For The Money“ kann mehrere Lieder davon singen.

 

Die Aufmachung als ausklappbares Digipack ist sehr fein und zweckmäßig. Die Expanded Edition hält aber noch jede Menge Bonusmaterial bereit, welches einen umfassenden Einblick gewährt. Da wäre die CD, die prall mit Studio Extras und B-Sides gefüllt ist. Einen Live-Eindruck liefert eine dritte CD, die Aufnahmen von 1995 bis 1998 zu bieten hat. Das ist nicht nur für den Fan interessant, denn es gibt viel zu entdecken.

 

Zunächst fällt auf, wie roh, knarzig und knackig die Songs auf der CD mit den Extras und B-Seiten sind. Das fängt bei dem Instrumental „Susan (AKA Going Out)“ an und ist beim ruppigen „Melanie Davis“ noch lange nicht beendet. Das Demo von „Late In The Day“ zeigt Supergrass aber auch mal herrlich entspannt. Aber das ist nur die Ruhe vor dem Sturm, der da mit „Get Away (AKA Richard III) losbricht. Irgendwo zwischen The Stooges und Nirvana knallt das Instrumentalstück ordentlich rein. „Charles II“ ist nicht minder lärmig. Supergrass hören sich mit dem rumpelndem Schlagzeug und der Direktheit des Basses und dem Lärm der Gitarre wie eine Garagenband an. Es ist diese Nichtprodukion, welche diese Stücke so besonders macht. Der Monitor Mix von „Sun Hits The Sky“ ist ein weiteres Beispiel.

 

„It´s Not Me“ verbreitet hingegen Lagerfeuerromantik mit einer Orgel, die Kirchenatmosphäre verströmt. Es ist jetzt nicht alles Gold, was glänzt. „Silver Lining“ ist eher nur eine Ergänzung. Das Demo von „You Can See Me“ hingegen verströmt eine morbide Atmosphäre. „Sometime We´re Really Sad“ ausgemachter Quatsch, der dann in „Sometimes I Make You Sad“ mündet. Der Bass von „Nothing More´s Gonna Get In My Way“ dürfte auch Josh Homme gefallen. „The Animal“ ist zum Schluss gar in Richtung Madchester zu verorten. Insgesamt eine sehr interessante Mischung.

 

Live schepperten Supergrass auch frei von der Leber weg. Egal ob es im Opera House 1995 in Toronto mit „Going Out“ war oder „Cheapskate“ aus Nottingham aus dem Januar 98 – es rumpelte stets sehr ordentlich. Wie lässig doch „Tonight“ live wirkt. „It´s Not Me“ bleibt live allerdings auch etwas hinter den Erwartungen zurück und dieser eigentlich gute Song dengelt recht ereignislos dahin. „G-Song“ als Rehearsal Cassette Recording ist eine charmante Überraschung. „Alright“ darf natürlich auch nicht fehlen. Die Version von 98 legt schon eine Portion Abgebrühtheit an den Tag. Insgesamt sind die Songs von Rock City, Nottingham, aus dem Januar 98 schon eine sehr nette Live-Zugabe – inklusive der Ansagen. Den Abschluss der CD bildet übrigens eine schöne Aufnahme von „Sometimes I Make You Sad“ aus dem Paradiso in Amsterdam.

 

Das Album ist erstaunlich gut gealtert, weil es eben so gar nicht in die Britpop-Schublade passt. Auch nicht in die Travis- oder Coldplay-Ecke. Irgendwie lärmen sich Supergrass in ihr eigenes Universum. Der Titelsong baut mit „In It For The Money“ die Spannung auf, die sich erstmals mit „Richard III“ entlädt. „Tonight“ hat dazu noch unverschämte Hitqualitäten. Kompositorisch ist „Late In The Day“ toll, weil es so viele Brüche und Wechsel hat. „Sun Hits The Sky“ zeigt, dass Supergrass eine Rockband sind, die auch mal ein paar Elemente der 70er geschickt in den Sound eingewoben habt. Selbstverständlich auch ein Hit. Keyboard und Orgel sind oft prominent im Mix, wie beispielsweise beim lärmenden „Going Out“. „It´s Not Me“ nimmt dann den Fuß vom Gas bevor „Cheapskate“ wieder wie Damon Hill losprescht. „You Can See Me“ gefällt mit seiner Melancholie, während „Hollow Little Reign“ schunkelig und britisch anmutet. Das verrückte „Sometimes I Make You Sad“ beendet schließlich das Album.

 

Fazit: Supergrass waren schon immer einer der unterschätzten Bands. Geblieben ist zwar eine große und treue Anhängerschaft, aber darüber hinaus hat man die Band vergessen. „In It For The Money“ war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung ein tolles Album und ist es heute auch immer noch. Die Songs sind zeitlos, da nicht im typischen britischen Muster jener Tage gefangen, und knallen auch heute noch rein. Angereichert um jede Menge Bonusmaterial ist der Remastered Expanded Edition einer der Geheimtipps 2021 in dieser Kategorie!

 

https://www.supergrass.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Supergrass: The Strange Ones:1994-2008

Supergrass: The Strange Ones: 1994-2008

BMG

VÖ: 24.01.2020

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Supergrass zählten sich selbst nie zu den Britpop Bands. Die Kapelle aus Oxford war immer etwas anders aufgestellt als die vorlauten Bands, die dem Genre zugerechnet wurden. Das Debüt von 1995, „I Should Coco“, schlug auch ohne laute Begleitumstände vollends ein. Die Single „Alright“ avancierte zu einem großen Hit. Alle Alben der Band heimsten sehr viel Kritikerlob ein und der harte Kern der Fans war stets begeistert. Kommerziell erfolgreich waren allerdings anderes Bands. 2010 gingen die Bandmitglieder schließlich getrennte Wege.

 

Die Reunion letztes Jahr kam dann doch einigermaßen überraschend und der Liveauftritt am 6. September 2019, als Supergrass unangekündigt die Bühne der Glastonbury Pilton Party betrat, um, wie man hört, ein ganz tolles Konzert zu spielen, markierte den Startschuss für den zweiten Karrierefrühling. Die Band geht dieses Jahr sogar wieder auf Tour und spielt in ausgesuchten Städten in Großbritannien, Europa und Nordamerika Konzerte. Begleitet wird das von einer umfangreichen Box, die nun veröffentlicht wird. Die Box enthält die sechs Originalalben auf Picture Disc-LPs und auf CDs, dazu Bonus-CDs mit unveröffentlichtem Live-Material, B-Seiten, Remixen, Studio Outakes, Demos, akustischen Versionen, einem Deluxe-Buch und Poster. Sechs Stunden unveröffentlichtes Material gibt es da zu hören.

 

Wer nicht ganz so tief in die Tasche greifen will, um sich die Box zuzulegen, wird mit der 22 Track starken CD „The Strange Ones: 1994-2008“ auch gut bedient werden – zumindest, wenn man das „Best Of“ aus dem Backkatalog noch nicht im Regal stehen hat. Die Frage, warum jetzt überhaupt noch mal eine derartige Zusammenstellung veröffentlicht wird, stellt man sowieso besser gar nicht erst.

 

So oder so, die musikalische Bandbreite von Supergrass ist schon beeindruckend. „Diamond Hoo Ha Man“ klingt glatt wie ein später Songs der White Stripes. „Outside“ hingegen ist mit seinen psychedelischen Elementen sehr verspielt und „Rebel In You“ ein Hit wie man ihn heute eher selten hört. Die Ballade „St. Petersburg“ ist aufgrund des rumpelnden Klaviers nicht zu kitschig, steckt aber trotzdem voller Melancholie. Oder man nehme das luftig und leichte „Moving“, welches mehrmals Tempo und Stimmung ändert. Das war seinerzeit ein kleiner Hit. Mittlerweile dürfte das ein zeitloser Klassiker der Band sein. „Mary“ ist ebenso großartig und „Pumping On Your Stereo“ führt die Tradition von Bowie weiter. „In It For The Money“ oder „Laste In The Day“ stehen den Großtaten der großen Britpop-Bands in nichts nach. Mit „Sun Hits The Sky“ zeigt die Band, dass sie rocken kann und auch noch eine überragende Melodie dazu im Gepäck hat. „Lenny“ bringt dann noch Rotz und Glam in einem Stück unter. „Alright“ wird wohl auf ewig der Überhit von Supergrass sein - immer noch ein Hammersong.

 

Fazit: Supergrass können mit Stolz auf einen beeindruckenden Backkatalog zurückblicken. „The Strange Ones: 1994-2008“ führt einem das auf eindrucksvolle Art und Weise vor Augen und Ohren. Es macht Spaß, sich durch die ganzen unterschiedlichen Stücke zu hören. Supergrass waren einst eine der besten britischen Bands. Mal gucken, ob sie 2020 auch noch was zu sagen haben. Mit derart viel Talent gesegnet sollte das aber kein Problem sein und vielleicht gibt es ja sogar irgendwann noch mal neue Musik von Supergrass zu entdecken.  

 

https://www.supergrass.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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