Myrath: Wilderness of Mirrors

Myrath: Wilderness of Mirrors

Edel/earMUSIC

VÖ: 27.03.2026

 

Wertung: 8,5/12

 

Die tunesisch-französische Metalband Myrath hat mit „Wilderness Of Mirrors“ mal wieder ein neues Album am Start. Man kann es an dieser Stelle schon vorwegnehmen: die Band schafft es tatsächlich mit jedem neuen Werk besser zu werden. Dieses Album ist jedenfalls ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie moderner Progressive Metal mit orientalischen Einflüssen verschmelzen kann, ohne dabei an Eingängigkeit zu verlieren.

 

Die Band schafft es ihre eigene Identität weiterzuentwickeln. Die Mischung aus kraftvollen Gitarrenriffs, orchestralen Elementen und traditionellen nahöstlichen Klängen erzeugt eine dichte, fast cineastische Atmosphäre. Aus diesen Gründen ist „Wilderness Of Mirrors“ auch kein klassisches Metalalbum. Man höre sich nur mal das unglaublich vielschichtige „Les Enfants Du Soleil“ an. Zwischen Pop, Musical und Metal verschwimmen hier die Grenzen.

 

Sänger Zaher Zorgati ist mittlerweile ein sehr wandelbarer Sangesakrobat geworden und  überzeugt durch seine Vielseitigkeit. Er wechselt mühelos zwischen melodischem Gesang und dramatischen, emotional aufgeladenen Passagen. Dadurch bekommen die Songs eine zusätzliche Tiefe verliehen!

 

Tracks wie „Asl“, „Into the Light“ oder „Child of Prophecy“ zeigen die große Stärke von Myrath: komplexe Strukturen mit eingängigen Refrains zu verbinden. Trotz der progressiven Elemente wirken die Songs nie überladen, sondern bleiben zugänglich und oft sogar überraschend catchy.

 

Wenn man an dem Album etwas kritisieren möchte, dann ist es die abermals etwas zu glatte Produktion. Da müsste die Band echt mal anders agieren (lassen) und mehr Ecken und Kanten unterbringen. Wer rohe, ungeschliffene Härte sucht, wird hier weniger fündig. Es ist ein Hochglanzprodukt.

 

Fazit: Insgesamt ist „Wilderness of Mirrors“ ein starkes, atmosphärisch dichtes Album, das Progressive Metal mit kultureller Vielfalt verbindet und dabei sowohl Fans des Genres als auch Neueinsteiger anspricht. Man muss aber ein Faible für eine glatte Produktion haben, sonst wird das nicht funktionieren. Unter dem Strich ist das aber ein gutes Album! Macht Spaß!

 

Text: Torsten Schlimbach

Myrath: Reflections

Myrath: Reflections

earMUSIC/Edel

VÖ: 22.08.2025

 

Wertung: 7/12

 

Myrath ist längst kein Geheimtipp mehr. Je nach Zählung wurde mit mit „Karma“ bereits das sechste bzw. siebte Album – das Debüt „Double Face“ erschien nur in Tunesien unter dem Namen X-Tazy – veröffentlicht. Bei uns hat man die  Progressive Metal-Band spätestens seit „Legacy“ auf dem Zettel. Jetzt gibt es mit „Reflections“ das erste Best-of der Band. Fünfzehn Songs sind hier vertreten, die durchaus internationalen Ansprüchen genügen.

 

Der Einstieg mit dem Bassspiel bei „Believer“ und den anschließend mystischen, östlichen Klängen ist zunächst gelungen. Der cleane Gesang ist zwar etwas zu glatt und die bombastische musikalische Ausarbeitung lässt schon nicht viel Gutes vermuten, aber letztlich überwiegt hier noch die interessante musikalische Umsetzung. Oftmals wartet die Band mit großen Soundflächen auf, man wird allerdings den Eindruck nicht los, dass dies alles nach Reißbrettentwurf klingt. Kalkulierte Musik, die eher Pop den Heavy Metal ist. Aber nun gut, Ghost hat darauf ja eine Weltkarriere aufgebaut.

 

„Candles Cry“ im weiteren Verlauf punktet abermals durch den Bass, aber spätestens mit dem kitschigen und melodramatischen „Tales Of The Sands“ wird es doch arg schmalzig. Der Aufbau der Songs wiederholt sich auch ständig und ist extrem austauschbar. „Words Are Failing“ ist schließlich die Ballade, die in dieser Ausarbeitung einen Zuckerschock verursacht. Myrath verstehen es immerhin dies alles ziemlich eingängig zu gestalten – Ohrwürmer, die aber nicht unbedingt zur guten Sorte zu zählen sind. Wie gut die Band live ist, lässt die hier vertrene Live-Aufnahme von „Madness“ mehr als nur erahnen. Was für ein Brett! Das macht Laune! 

 

Fazit: Wer die schwedische Hypeband Ghost liebt, wird auch Myrath schnell ins Herz schließen. „Reflections“ ist letztlich ein Popalbum, welches als Heavy Metal getarnt wird. Die Songaufbauten gleichen sich doch sehr, was dann auf volle Albumdistanz ziemlich ermüdend ist. Hinzukommt, dass das alles ziemlich dick aufgetragen wird. Die Songs sind Hochglanzproduke werden aber sicher aus diesem Metier genug Abnehmer finden. Handwerklich sind die Jungs aber top, wodurch dann die eine oder andere Nummer doch eine Menge Spaß macht. 

 

https://www.myrath.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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