Bono: Surrender - 40 Songs Eine Geschichte

Bono: Surrender – 40 Songs, eine Geschichte

Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG

VÖ: 01.11.2022

 

Wertung: 12/12

Tipp!

 

Bono ist einer der bekanntesten Personen auf diesem Planeten. Die Musik von U2 mag bei den jüngeren Generationen keine Rolle mehr spielen, aber den Sänger haben dann doch noch erstaunlich viele auf dem Schirm. Die U2-Fans bringen dem Iren sehr viel Liebe entgegen, aber ihm schlägt auch von allen möglichen Seiten noch mehr Hass entgegen. Wenn man so will, dann kann man das leicht in zwei Lager teilen: man liebt oder hasst Bono - dazwischen gibt es eben nichts. Jetzt hat der Mann seine Autobiografie geschrieben und da dürfte so manche vorgefertigte Meinung in der Schublade schlummern. Bono wäre aber nicht Bono, wenn er mit „Surrender – 40 Songs, eine Geschichte“ nicht auch überraschen würde.

 

Der Mann hat viel zu erzählen. Er hat ja auch viel erlebt. Wer so unter dem Brennglas der Öffentlichkeit steht, hat kaum Geheimnisse und es dürfte so ziemlich alles über ihn bekannt und durchgedrungen sein. Und dann kommt Bono im ersten Kapitel mit einer Geschichte um die Ecke, die keiner in dieser Form auf dem Schirm hatte. Weihnachten 2016, die Pumpe von Bono hatte ziemlich große Probleme und somit musste er in New York operiert werden. „Lights Of Home“ – er ist so gerade noch mal knapp davongekommen. Puh! Dieser Auftakt ist schon heftig.

 

Unschwer lässt sich hier auch erkennen, dass der Sänger der irischen Band nicht chronologisch seine bisherige Geschichte abgearbeitet hat. Er springt da gerne hin und her, so wie es eben gut in den Fluss der Erzählung passt. Der Mann erweist sich hier nämlich als grandioser Geschichtenerzähler. Er wird sicher hier und da seine Erinnerungen mit seinen Weggefährten oder seiner Frau Ali abgeglichen oder besprochen haben, aber letztlich ist das ein ziemlich authentisches Bono-Werk ohne Ghostwriter.

 

Erstaunlich offen erzählt er wie es im Hause Hewson nach dem Tod seiner Mutter Iris zuging. Drei Männer, das konnte ja auch nicht gutgehen. Andere markante künstlerische Meilensteine werden hier völlig anders gewürdigt, als es der geneigte Leser vermuten würde. So berichtet er mit viel Wortwitz von seinem Haar-Desaster bei Live Aid. Es kann einem schon schwindelig werden, mit wem der Mann schon alles zusammengesessen hat: von Angela Merkel bis hin zum Papst. Er schreibt und beschreibt viele Situationen mit sehr vielen Selbstzweifeln.

 

Die dunklen Seiten spart er nicht aus. Weder die seiner Band, noch die seiner Familie. Dies ist aber sehr respektvoll niedergeschrieben worden – hier wird keiner bloßgestellt und es wird nie eine Grenze überschritten. Trotzdem sind hier viele Details auch für Fans neu. Der Absturz von Adam Clayton in Sydney 93 wird dabei ebenso ausführlich thematisiert, wie auch selbiger von Paula Yates und Michael Hutchence. Man erlebt einen verzweifelten Bono, der seinen Freunden nicht helfen konnte. Einige dunkle Wolken mussten auch Ali und Bono zur Seite schieben.

 

Die schwierigen Albumproduktionen von „Achtung Baby“ und „Pop“ werden ebenso eingehend thematisiert. „Achtung Baby“ wurde ja auch schon auf der letzten U2 Tour ausreichend gewürdigt und Bono erzählte während der Konzerte, wie frostig die Stimmung im Studio war. Interessant sind die Einblicke hinter die Kulissen von „Pop“ und ein ziemlich interessanter Austausch von Morleigh Steinberg, die Frau von The Edge, und Bono.

 

Erstaunlicherweise ist auch schon die Reise von Bono und The Edge in die Ukraine enthalten, bei der die beiden in einer U-Bahn-Station in der Innenstadt von Kiew als Solidaritätsbekundung für Soldaten und Zivilisten aufgetreten sind. Dies wiederum führt zu Sarajevo in die 90er. Die IRA und in welcher Gefahr Bono und seine Familie schwebte, werden ebenso thematisiert, wie die Fanatiker in den USA.

 

Aufgelockert wird das Buch immer wieder durch Anekdoten, beispielsweise über Frank Sinatra oder Luciano Pavarotti. Die Schilderungen von Bono sind unglaublich amüsant. Es gibt sowieso jede Menge Stellen in „Surrender“, die mit sehr viel Humor und Selbstironie von Bono beschrieben werden. Und es ist ein Buch der Liebe. Liebe zu Ali, Liebe zu seinen Freunden wie Guggi und Gavin Friday und natürlich jede Menge Liebe für seine drei Freunde von U2. Und ein kleines Stück arbeitet Bono auch seine eigene Herkunft auf, denn er kommt an den verschiedensten Stellen immer wieder auf seine Mutter und seinen Vater zu sprechen.

 

Fazit: „Surrender – 40 Songs, eine Geschichte“ ist eine der besten Autobiografien eines Musikers – und dies nicht nur auf das Jahr 2022 bezogen. Dies liegt an dem großartigen Talent von Bono Geschichten zu erzählen. Der Mann schafft es durch seine Worte und Wortwahl den Leser mit auf seine Reise durch sein Leben zu nehmen. Das ist ganz oft sehr kurzweilig und auf humorvolle Art und Weise zu Papier gebracht worden. Manche Themen sind erschütternd und andere wiederum sind mit sehr viel Liebe durchzogen. Ein unfassbar tolles Buch! Nicht nur für Fans! Oder wie The Edge es ausdrückt: Leute, die U2 nicht mögen, geben sich einfach nicht genug Mühe! So sieht es aus!

 

https://www.u2.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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