Liam Gallagher: C´Mon You Know

Liam Gallagher: C´Mon You Know

Warner

VÖ: 27.05.2022

 

Wertung: 9/12

 

Wer hätte gedacht, dass der musikalisch höchst konservative Liam Gallagher noch Bock auf Experimente hat? Es wird dem jüngeren Gallagher ja gerne nachgesagt, dass er nur mit seinem Bruder Songs auf die Reihe bekommt, die es dann auch verdient haben veröffentlicht zu werden. All jene straft der gute Liam nun mit „C´Mon You Know“ Lügen. Natürlich brauchte er auch wieder Hilfe von anderen – ein gewisser Dave Grohl ist beispielsweise auch dabei – und er wird sicher nicht mehr den Literatur-Nobelpreis gewinnen, aber er hat auf diesem Album doch den einen oder anderen richtig guten Song untergebracht und musikalisch ist da durchaus auch Überraschendes dabei!

 

Ein Kinderchor eröffnet bei „More Power“ das Album! Orchesterpartituren würde man vermutlich auch nicht auf einem Werk von Liam Gallagher vermuten. Gibt es aber! Der Groove bei „Diamond In The Dark“ ist schon ziemlich lässig. Die melancholische Note im Refrain steht Gallagher sowieso gut. Bei „Don´t Go Halfway“ dürfte dann der ein oder andere Zeitgenossen den Mund offenstehen haben. Der kleine Gallagher ist beim Madchester-Sound angekommen. Die Happy Mondays oder die Charlatans kommen einem da in den Sinn. Der Titeltrack „C´Mon You Know“ lärmt dazu wie frisch aus der Garage.

 

Selbstverständlich hat der Mann auch wieder Balladen im Gepräck. „Too Good For Giving Up“ ist der nächste Versuch an diese eine große Oasis-Ballade anzuknüpfen. Nun ja. „It Was Not Meant To Be“ ist dann eine Nummer, die sehr viel Beatles-Vibe versprüht. Das erwartet man von Liam Gallagher natürlich auch. Ein Highlight des Albums folgt mit „Everything´s Electric“ auf dem Fuße. Dave Grohl hat hieran mitgewerkelt. Die Nummer geht nach vorne und dürfte live ziemlich knallen. Gute Hookline, gute Melodie und es darf auch scheppern. Mit „World´s In Need“ folgt Blues, Folk und amerikanische Rockmusik im Gallagher-Gewand. Wer hätte damit gerechnet? In Teilen erinnert der Track übrigens an „Desire“ von U2! Das ist aber ja nicht die schlechteste Referenz.

 

„Moscow Rules“ ist dunkel und mit einem Klassik-Unterbau versehen. „I´m Free“ rockt direkt aus der Garage fröhlich drauflos. Ein paar Dub-Schwaden wabern hier aber auch durch die Szenerie. „Better Days“ hält das Tempo weiter hoch, ist aber noch am ehesten mit seiner ehemaligen Kapelle in Verbindung zu bringen. „Oh Sweet Children“ holt die Stimme von Liam ganz weit nach vorne. Zum Refrain hin wird es bombastischer und Erinnerungen an den späten John Lennon werden da wach. „The Joker“ lockt erneut auf die Tanzfläche. Die Klänge dazu sind herrlich luftig und entschlackt. Mit „Wave“ orgelt sich Gallagher noch mal durch das ganze Album. Ein würdiger Abschluss mit einem dicken Ausrufezeichen.

 

Fazit: Liam Gallagher hat auf „C´Mon You Know“ tatsächlich das eine oder andere Experiment gewagt. Das hätte in die Hose gehen können, ist es aber nicht! Madchester und Dub-Grooves sind ebenso dabei, wie auch amerikanische Blues-, Folk-, und Rockklänge. Dazu gesellen sich dann noch die typischen Anleihen bei den Beatles und natürlich hat der Mann seine eigene Identität auch nicht vergessen. Wenn man so will, dann ist das Liam Gallagher in Bestform!

 

https://www.liamgallagher.com/home/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch