Alice Cooper: Detroit Stories

Alice Cooper: Detroit Stories    

earMUSIC/Edel

VÖ: 26.02.2021

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Alice Cooper huldigt seiner Stadt. Er hat zwar lange nicht in Detroit gewohnt, aber musikalisch fühlte er sich da immer wohl. Die Stooges oder MC5 und selbst Ted Nugent waren der damaligen Alice Cooper Band wesentlich näher, als der ganze musikalische Rest des Landes. Los Angeles hatte die Band damals Ende der 60er/Anfang der 70er verlassen, weil man mit dem ganzen Hippie-Kram keine Gemeinsamkeiten sah. Motor-City bot eine neue Heimat und Produzent Bob Ezrin war dann ab 1970 immer wieder ein treuer Begleiter von Alice Cooper. Dieser hat nun 50 Jahre später mit Ezrin in einem Detroiter Studio eine Art Konzeptalbum aufgenommen und der Stadt mit „Detroit Stories“ ein klitzekleines musikalisches Denkmal gesetzt.

 

Mit seinen 73 Lenzen hat der Mann tatsächlich noch mal ein beachtliches Werk aufgenommen.  Man darf hier keine musikalischen Innovationen erwarten, aber Songs, die einen gewissen Retro-Charme versprühen und denen man deutlich anhört, dass Vincent Damon Furnier eine Menge Spaß an den Aufnahmen gehabt haben muss. Das überträgt sich auch unweigerlich auf den Hörer und „Detroit Stories“ lässt einen dann für eine Weile auch mal den ganzen Corona-Mist vergessen!

 

Das Album ist ein bunter Strauß, welcher aus Coverversionen, neuen Songs, aber auch Neuinterpretationen („Detroit City 2021“) besteht. Cooper startet mit Lou Reeds „Rock `N` Roll“ und da ist man dann schon baff, was daraus gemacht wird. Aus der knarzigen Reed Perspektive wird bei Cooper ein böser, kleiner Trip. Der Text wurde übrigens nicht 1:1 übernommen. Das Album hat auch einiges an Gästen aufgefahren. Joe Bonamassa beispielsweise. Wayne Kramer von MC5, der auf dieser Scheibe so viel Spaß hat, dass man sich wünschen würde, dass er Cooper – sofern dieser Corona-Horror endlich vorbei ist – auf der nächsten Tour begleiten wird. „Go Man Go“ ist nämlich lärmender Punkrock in schönster Perfektion.  

 

Dann gibt es einen Bruch und mit „Our Love Will Change The World“ schüttelt die Kapelle mal eben eine Nummer aus dem Ärmel, die auch der Hochphase des Britpop gut zu Gesicht gestanden hätte. Die Stimme von Cooper ist zwar völlig anders als sonst, aber der Track ist ein echter Höhepunkt – Schunkelpart inklusive! „Social Debris“ richtet es sich anschließend ganz gemütlich im Hardrock ein. „1000 $ High Heel Shoes“ ist der Wahnsinn! Wirklich! Bläser, Brass von den Motor-City Horns, Backings von Sister Sledge(!) und ein musikalisches Gewand aus Funk und R&B – grandios! Es wird nicht schlechter. Mit „Hail Mary“ haut Mr. Cooper mit seinen Musikern eine Mischung aus Blues, Glam und Boogie raus. „Detroit City 2021“ ist solide, aber dafür schiebt sich „Drunk And In Love“ grandios im Bluesgewand aus den Boxen. Cooper singt und spricht wie es Iggy Pop wohl auch bei der Nummer tun würde. Das Mundharmonikaspiel passt hervorragend dazu.

 

„Independence Dave“ klingt zwar nach Musical, aber das ist bei Cooper ja nicht ungewöhnlich. „I Hate You“ ist leicht nervig, aber für zweieinhalb Minuten dann auch gerade noch so zu ertragen. „Wonderful World“ ist das nächste Stück, welches in den Strophen sehr deutlich an Iggy Pop angelehnt ist. „Nightclubbing“ von Pop und Bowie lässt da nett grüßen. „Sister Anne“ bringt musikalisch das gesamte Album in einem Song unter. „Hanging On By A Thread (Don´t Give Up)“ ist der erste richtig düstere Song. Depressionsberatung von Alice Cooper und zum Schluss nennt er auch gleich noch die Nummer der Suicide Prevention Hotline. Schön knackig kommt danach „Shut Up And Rock“ in zwei Minuten auf den Punkt. Larry Mullen von U2 sitzt hier hinter der Schießbude und man hört förmlich, dass es ihm unglaublich viel Freude bereitet hat ordentlich auf die Felle einzuknüppeln. Mit „East Side Story“ wird die Platte schließlich mit dem fünfzehnten Song solide beendet.

 

Fazit: „Detroit Stories“ stellt die Musikwelt nicht auf den Kopf und wird letztlich nur eine klitzekleine Fußnote der Musikgeschichte werden, aber für den Moment und für die aktuelle Situation ist das eine sehr gute Scheibe. Die Musik ist absolut authentisch und man hört den Songs einfach an, dass alle Protagonisten eine Menge Spaß beim Einspielen ihrer Parts hatten. Die musikalische Ausrichtung ist unglaublich abwechslungsreich. Hardrock, Blues, Glam, Boogie, Soul, Funk und R&B passten selten so gut zusammen! Größtenteils schafft es Cooper dem Hörer auch noch ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern und das ist angesichts der ganzen Corona-Scheiße eine wundervolle Eigenschaft von „Detroit Stories“!

 

https://alicecooper.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Alice Cooper: Paranormal

Alice Cooper: Paranormal

earMUSIC

VÖ: 28.07.2017

 

Wertung: 8/12

 

Alice Cooper veröffentlicht mit „Paranormal“ mal wieder ein neues Album. „Welcome 2 My Nightmare“ hat ja nun auch schon ein paar Jährchen auf dem Buckel und erschien bereits im Jahre 2011. Mit earMusic hat Cooper weltweit auch einen neuen Partner im Boot. Viel überraschender ist aber die Gästeschar, die die neuen Songs mit eingespielt hat. Roger Glover (Deep Purple) und Billy Gibbons (ZZ Top) zählen zu den erlesenen Musikern. Larry Mullen Jr. von U2 saß sogar für das komplette Album hinter der Schießbude! Auf einer Bonus-CD gibt es noch sechs Live-Songs, sowie zwei neue Tracks, die Cooper mit den Original Alice Cooper-Bandmitgliedern Dennis Dunaway, Drummer Neal Smith und Gitarrist Michael Bruce geschrieben und aufgenommen hat.

 

„Paranormal“ hätte also das Zeug dazu, noch mal ein großer Wurf zu werden. Und ganz ehrlich: Fans werden begeistert sein. Cooper wird damit sicher nicht mehr ein neues, junges Publikum erreichen, aber das hat nichts mit der Qualität der Songs zu tun. Auf dem Album gibt es die komplette Palette von Cooper zu hören. Das musikalische Spektrum ist extrem breit gestreut. Theatralik, Glam und eine große Inszenierung sind dabei obligatorisch. Cooper liebt die großen Gesten. Da steckt auch sehr viel Theatersymbolik drin.

 

Cooper hat sogar ein bisschen Garagenrotz untergebracht. Auf „Dead Flies“ klingt er glatt wie Iggy Pop. Larry Mullen darf hier mal stumpf – und das ist überhaupt nicht negativ zu verstehen oder despektierlich gemeint – durch die Gegend trommeln. Rock eben. Schönes Ding. „Fireball“ ist Hardrock der alten Schule. Die Gitarre wurde schön in den Vordergrund gemischt. Die sechs Saiten werden jedenfalls sehr schön zum Jaulen gebracht. Der Gesang von Cooper wurde durch ein paar Effekt gejagt und ist somit kaum noch zu erkennen. „Paranoiac Personality“ ist ein verdammter Ohrwurm und wurde nicht ohne Grund als Single ausgekoppelt. Die Nummer klingt allerdings auch sehr kalkuliert und nach Reißbrett. „Fallen In Love“ geht dann als Totalausfall durch. Das Ding rockt und mäandert stumpf dahin. Dann schon lieber das kleine Geschwindigkeitsbrett „Dynamite Road“. Auch hier hört sich Cooper zeitweise wie Herr Pop an – und das ist durchaus als Kompliment zu verstehen!

 

„Private Public Breakdown“ steht mit 1 ½ Beinen in den 70ern, macht aber ordentlich Laune. „Holy Water“ hätte die Bläser ruhig noch etwas weiter nach vorne stellen dürfen. Sehr lässige Nummer. Das gilt auch für „Rats“, dieses kleine, dreckige Feuerwerk der guten Laune. Schade, dass das Ding einfach ausgeblendet wird, da wäre noch eine ganze Menge mehr möglich gewesen. Die erste CD endet dann mit der düsteren Ballade „The Sound Of A“. Schön schauriger Abschluss.

 

Nun gut, die Trauben hängen natürlich sehr hoch, wenn es um die Original Alice Cooper Band geht. Umso überraschender, dass die Kapelle „Genuine American Girl“ auf die Reihe bekommen hat. Das ist ein schönes Stück mit 60ies Flair, welches in ein musikalisches Gewand der 70er verpackt wurde. Somit ist das eine Punktlandung auf ganzer Linie. „You And All Of Your Friends“ geht ebenfalls als klassischer Alice Cooper-Track der alten Schule durch, setzt sich allerdings in den Gehörgängen nicht fest ohne schnell Nervpotenzial zu entwickeln.

 

Klar, „No More Mr. Nice Guy“, „Billion Dollar Babies“, „Feed My Frankenstein“ oder „School´s Out“ gehen immer. Es ist aber auch ein bisschen albern die Klassiker des Backkatalogs nun wieder hervorzuholen – auch wenn es im Livegewand ist! Und warum? Nur um vielleicht noch ein bis zwei Käufer mehr abzugreifen, weil die Nummern eben bekannt sind und so vielleicht der eine oder andere Zeitgenosse dann doch „Paranormal“ erwirbt, obwohl er es sonst nicht getan hätte?! Das wertet das eigentliche Album sogar ein bisschen ab. Der Sound ist trotzdem gut.

 

Fazit: „Paranormal“ von Alice Cooper ist ein gutes, teilweise dreckiges und rotziges Album. Glam und 70ies Vibe gibt es natürlich im Überfluss. Die Songs klingen teilweise aber auch herrlich nach Garagenrock! Da nimmt man auch gerne die weniger gelungenen Momente in Kauf. Die Cooper Band in Urbesetzung macht ihre Sache auf zwei neuen Songs gut. Beim Rest ist Larry Mullen Jr. von U2 (!) dabei, der es hier einfach mal stumpf laufen lassen kann. Und das ist bitte als Kompliment zu verstehen. Die Live-Songs hätte es da nicht mehr gebraucht, die nimmt man aber gerne mit! Letztlich ein überraschend gutes Werk!

 

http://www.alicecooper.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Alice Cooper: Welcome 2 My Nightmare

Alice Cooper: Welcome 2 My Nightmare

Universal

VÖ: 16.09.2011

 

Wertung: 7,5/12

 

„Welcome To My Nightmare“ avancierte nach der Veröffentlichung im Jahre 1975 zu einem Meilenstein im Backkatalog von Alice Cooper. Lange hat es gedauert, aber nun gibt es (endlich?) die Fortsetzung. Cooper wurde ja immer wieder gefragt, ob er denn nicht die zweite Runde einläuten möchte. Lange hat er sich dagegen gewehrt, nun scheint die Zeit reif dafür zu sein. Über die Beweggründe kann man sicher streiten, auch darüber, ob man die alte Geschichte ein zweites Mal erfolgreich aufwärmen kann. Eine gesunde Portion Skepsis war und ist sicher angebracht.

 

„Welcome 2 My Nightmare“ ist überraschend gut geworden. Mit Hardrock hat das Teil nur bedingt was zu tun, mit Heavy Metal schon rein gar nichts am Hut, aber das macht es ja nicht schlechter. Die Songs erzählen eine Geschichte und der rote Faden zieht sich durch die gesamte Platte. Abermals kommt das musikalisch und lyrisch in die Nähe des Musicals. Gerade der letzte Aufgalopp mit „The Undertune“ fungiert als die große Schlussfrequenz – mit allem Brimborium drum und dran.

 

Alice Cooper hat für diese Platte die alte Mannschaft wieder zusammengetrommelt, die dann auch bei drei Tracks komplett wieder vertreten ist. Bob Ezrin ist selbstverständlich auch wieder mit von der Part(y)ie. Rob Zombie passt ja auch noch irgendwie ins Bild, aber mit Ke$ha konnte man nicht unbedingt rechnen. Sie darf die kongeniale Duettpartnerin bei „What Baby Wants“ als Lady In Red mimen. „Welcome 2 My Nightmare“ unterstreicht die extreme Vielseitigkeit von Alice Cooper.

 

„I Am Made Of You“ schleppt sich zunächst ganz langsam dahin. Das könnte auch von einer neuen Ne-Yo Scheibe sein – Autotune inklusive. Cooper wildert eben überall und wirft mal einen Blick nach hier und nach da. Disco, Rock, Punk und gar Britpop sind erlaubt. Zu „A Runaway Train“ darf gerne die Garage abgerissen werden. „Last Man On Earth“ hingegen kommt direkt aus Nashville angekrochen. „The Congretation“ dürfte gar die größte Überraschung sein. Das könnte man Oasis-Fans auch als bisher unveröffentlichten Track ihrer Lieblingsband vorsetzen. „Disco Bloodbath Boogie Fever“ gibt mit dem Titel ja schon die Richtung vor – bitte das Augenzwinkern nicht vergessen. „Ghouls Gone Wild“ dürfte die Freunde des Spaßpunks erfreuen. Hier findet sich einfach jeder irgendwo zu Hause. Zusammengehalten wird das von dem Musical-Anstrich. Natürlich dürfen die Balladen nicht fehlen - „Something To Remember Me By“ wird die Feuerzeuge zum Leuchten bringen. Das als Bonus-Track deklarierte „We Gotta Get Cut Of This Place“ beweist dann auch noch mal, dass Alice Cooper das Rocken nicht verlernt hat.

 

Fazit: „Welcome 2 My Nightmare“ von Alice Cooper macht eine überraschend gute Figur und eine ganze Menge Spaß. Von Disco über Punk bis hin zum Rock and Roll ist alles dabei. Ein bisschen ins Musical-Gewand gepackt und schon fügt sich hier ein Rädchen in das andere. Damit wird die Musikwelt nicht mehr revolutioniert, aber das war auch sicher nicht das Ansinnen von Cooper. Wer nicht zum Lachen in den Keller geht, kann eine ganze Menge Freude an der Platte haben.

 

www.alicecooper.de

 

Text: Torsten Schlimbach

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