Heather Nova: Other Shores

Heather Nova: Other Shores

Rough Trade/Odyssey

VÖ: 26.08.2022

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Heather Nova hat einst mit „Oyster“ einen Meilenstein abgeliefert. Ihr letztes Album „Pearl“ knüpfte an die rockigen Wurzeln an. Wer nun denkt, dass die Dame so weitermacht, wird mit „Other Shores“ nun eines Besseren belehrt. Mit diesem Album schlägt sie ein völlig anderes Kapitel in ihrer Karriere auf. Hierbei handelt es sich nämlich um ein reines Coveralbum. Dies ist insofern bemerkenswert, da Heather Nova ja als großartige Songwriterin bekannt ist. In ihrem Künstlerleben hat sie über die Jahre allerdings auch immer wieder festgestellt, dass sie gerne die Songs anderer interpretiert und selbige bis auf das nackte Gerüst entschlackt und zu ihren eigenen Tracks macht.

 

„Other Shores“ ist sicherlich kein Album, welches man so nebenbei hören kann. Heather Nova interpretiert die Songs nämlich mit spärlichen Mitteln und die erfordern die volle Aufmerksamkeit des Zuhörers. „Waiting For A Girl Like You“ ist zu Beginn derart zerbrechlich, dass dies ganz tief im Inneren berührt. Diese Verletzlichkeit, die Heather Nova hier eingewoben hat, geht einfach unter die Haut. „Jealous Guy“ mag, wenn es Dandy Bryan Ferry singt, wie ein schillernder Stern wirken, Heather Nova gibt dem Stück Größe und Erhabenheit.

 

Ganz ehrlich „Stayin´Alive“ kann doch sicher kein Mensch auf diesem Planeten in seinem Leben jemals wieder hören. Das Ding ist ja derart totgespielt und ausgelutscht. Und dann kommt Heather Nova daher, packt die Akustische aus und macht daraus ein betörendes Kleinod. Das ist wirklich ganz, ganz groß! In jeglicher Hinsicht. Diese glasklare, ausdrucksstarke Stimme verstärkt die Intensität zusätzlich. Und was die Frau aus „Never Gonna Give You Up“ – ja, gemeint ist diese Bumsbeat-Nummer von Rick Astley – gemacht hat, spottet jeder Beschreibung. Heather Nova haucht diesem Track neues Leben ein und macht etwas gänzlich Neues daraus. Manchmal braucht es auch nicht mehr als ein Cello!

 

„Here Comes Your Man“ von den Pixies wird etwas rauer, dunkler vorgetragen. Sehr passend. „Fragile“ von Sting ist im Original schon so traurig und verletzlich, dass Heather Nova hier kaum eine Chance hat dem Song neue Nuancen abzugewinnen. Dies gilt auch für „Like A Hurricane“ von Neil Young. Ihre Interpretation im reduzierten Gewand mit Akustikgitarre und Cello ist aber trotzdem ganz famos. „Cold Little Heart“ wurde von Michael Kiwanuka einst mit einer Dringlichkeit vorgetragen, die in der Version von Heather Nova noch um eine große Portion Melancholie angereichert wird. „Ever Fallen In Love“ groovt aufgrund dezenten Percussions und mit „Message Personnel“ von Françoise Hardy überrascht Nova auch noch mal mit der Songauswahl. „Sailing“ zum Schluss hätte allerdings nicht mehr sein müssen.

 

Fazit: „Other Shores“ ist ein tolles Album! Heather Nova macht sich die fremden Songs zu eigenen. Die Coverversionen klingen dann größtenteils so, als würden sie tatsächlich aus ihrer Feder stammen. Die ganze Kiste hätte auch schwer in die Hose gehen können, ist sie aber eben nicht. Heather Nova hat hier sehr viel Herzblut einfließen lassen. Zerbrechlich und doch stark. Schmerz und Schönheit liegen hier dicht beieinander. Dies ist Musik, die nicht nur unterhalten soll und will, sondern den Hörer ganz tief im Inneren berührt!

 

https://heathernova.merchcowboy.com/en/

 

Text: Torsten Schlimbach

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