Larkin Poe: Kindred Spirits

Larkin Poe: Kindred Spirits

Tricki Woo Records

VÖ: 20.11.2020

 

Wertung: 7,5/12

 

Larkin Poe sind fleißig, denn mit „Kindred Spirits“ veröffentlichen die Schwestern dieses Jahr schon das zweite Album. Bei ihrem neusten Streich handelt es sich allerdings um ein Coveralbum. Das Duo hat sich dazu auf kein bestimmtes Genre oder einen Zeitraum festgelegt. Es sind vielmehr Songs von Künstlern, die von Larkin Poe bewundert werden, enthalten. Für Fans und aufmerksame Musikbeobachter ist das nicht neu, denn die beiden Schwestern haben auf ihrem YouTube-Kanal schon so manchen Coversong den Zuschauern vorgestellt.

 

Die elf Songs wurden bis auf das nackte Gerüst entschlackt. Die Live-Atmosphäre, in der die Nummern entstanden sind, verstärken die Dringlichkeit der Songs. Gerade jetzt, da wegen Corona alles brachliegt, kommt ein solches Album genau richtig. Das haut mal mehr, mal weniger gut hin. Das liegt natürlich auch immer etwas im Auge des Betrachters. Die 44 Sekunden von „Hellhound On My Trail“ von Robert Johnson klingen dann auch glatt so, als wäre es zu Zeit von Johnson aufgenommen worden.

 

„Fly Away“ ist im Refrain, den beide Schwestern singen, ganz stark. Die Gitarrenarbeit ist sowieso grandios. In diesem entschlackten Gewand macht die Nummer sogar Spaß. „Rockin´ In The Free World“ als feinfühlige Ballade hat nicht die Kraft wie das Original, wie man es mit Strom von Neil Young kennt. Stark ist „(You´re The) Devil In Disguise“ von Elvis. Da hört man tatsächlich den Teufel heraus. Auch die Elektrische ist sensationell gespielt. „In The Air Tonight“ von Phil Collins hat man so auch noch nicht gehört – interessante Interpretation. „Nights In White Satin“ wird auch bei Larkin Poe zum Hippie-Traum.

 

„Who Do You Love“ von Bo Diddley passt natürlich wie die sprichwörtliche Faust auf das Auge zu den beiden Damen. „Take What You Want“ kennt man von Post Malone, die Larkin Poe-Version plätschert etwas dahin. „Ramblin´ Man“ der Allman Brothers ist natürlich auch wie gemalt für das Duo. Entsprechend gut gelungen ist auch deren Umsetzung. „Bell Bottom Blues“ ist als Ballade wundervoll umgesetzt worden. Derek & The Dominos hätte man nicht ganz oben auf dem Zettel gehabt, aber das haut komplett hin. „Crocodile Rock“ von Elton John ist ein luftig und leichter Ausklang aus diesem speziellen Album.

 

Fazit: Besondere Zeiten erfordern besondere Alben. Larkin Poe veröffentlichten mit „Kindred Spirits“ schon das zweite Album dieses Jahr. Hierbei handelt es sich um ein Werk voller entschlackter Coverversionen von naheliegenden und nicht ganz so nahliegenden Künstlern. In diesem reduzierten Gewand erstrahlen die Songs in ganz neuem Glanz – mal ganz hell, dann wiederum nur ein bisschen wie eine kleine Funzel.

 

https://www.larkinpoe.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Larkin Poe: Self Made Man

Larkin Poe: Self Made Man

Tricki Woo Records

VÖ: 12.06.2020

 

Wertung: 9/12

 

Die letzten zwei Jahre müssen den Schwestern Rebecca und Megan Lovell als Larkin Poe wie im Traum vorgekommen sein. Das Album „Venom & Faith“ ging durch die Decke und wurde sogar in der Kategorie Best Contemporary Blues Album für einen Grammy nominiert. Ebenso waren sie unermüdlich auf Tour und konnten als Opener, aber auch als eigenständiger Act die Leute begeistern. Nun folgt mit „Self Made Man“ das Album nach dem großen Durchbruch. Jetzt gibt es dann auch bei vielen Menschen eine Erwartungshaltung und man darf gespannt sein, wie das Duo damit umgeht.

 

Tarka Layman am Bass und Kevin McGowan an der Schießbude sorgen dafür, dass Larkin Poe den richtigen Rhythmus haben. Rebecca und Megan Lovell singen nicht nur, sondern sind erstklassige Musikerinnen und das zeigen sie auch auf „Self Made Man“. Neben den Gitarren spielen die Damen noch Banjo, Mandoline, Lap-Steel, Dobro und Piano. Die amerikanische Roots-Musik lebt durch die Songs von Larkin Poe definitiv weiter. „Self Made Man“ ist unter diesen Gesichtspunkten ein erstklassiges Album!

 

Die Bandbreite ist relativ groß. Mit dem Titeltrack „Self Made Man“ gibt es eine Art Hardrock-Blues auf die Ohren. Mit „Holy Ghost Fire“ bewegen sie sich weiter hinein in die Sümpfe des Südens: heiß, geheimnisvoll, aber auch ein Stückchen unheimlich. Die Nummer hat zudem einen unglaublich tollen Groove. „Keep Diggin´“ ist gesanglich sehr lässig. Larkin Poe entpuppt sich hier als Voodoo-Beschwörer. „Back Down South“ trägt im Songtitel ja schon die Richtung im Namen. Besser und authentischer kann Blues im Jahre 2020 nicht sein.

 

„Tears Of Blue To Gold“ fängt an wie „Rockin' Around the Christmas Tree“, nimmt dann aber eine andere Richtung ein, die bedenklich an Schunkelschlager für die Festzelte erinnert. Zum Glück folgt mit „God Moves On The Water“ ein traditionelles Folk-Blues-Stück. Hierbei handelt es sich um einen Song, der schon eine weite Reise hinter sich hat. Blind Willie Johnson hat selbigen 1929 geschrieben – Rebecca und Megan fügten aber eigene lyrische und musikalische Ideen hinzu. Eine gelungene Adaption in das Jahr 2020! Das düstere „Every Bird That Flies“ passt im Anschluss perfekt und hält das Album in einem sehr guten Flow. Das schmissige „Scorpion“ nimmt noch mal an Fahrt auf, bevor es mit „Danger Angel“ eine Art Blues-Gospel auf die Ohren gibt. Großartig! „Ex-Con“ bewegt sich auf soliden Americana-Gefilden, bevor „Easy Street“ die amerikanische Musik quasi durchdekliniert. Ein schöner Abschluss.

 

Fazit: „Self Made Man“ ist ein mehr als würdiger Nachfolger von „Venom & Faith“ – und zwar ohne eine Kopie zu sein. Die beiden Schwestern haben einfach die traditionelle amerikanische Musik mit der Muttermilch aufgesogen und übertragen selbige in das Jahr 2020. Die beiden sind zudem erstklassige Musikerinnen und verstehen es, ihre Songs so authentisch wie nur möglich zu spielen. Da steckt eine ganz Menge Können, aber auch Herzblut in der Platte. Das Album sollte man dieses Jahr auf jeden Fall auf dem Zettel haben!

 

https://www.larkinpoe.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch