Keith Richards: Main Offender (2021 Remaster) (Deluxe Edition)

Keith Richards: Main Offender (2021 Remaster) (Deluxe Edition)

BMG

VÖ: 18.03.2022

 

Wertung: 8,5/12

 

Das dritte Soloalbum von Keith Richards – „Main Offender“ – wird nun noch mal neu aufgelegt und in verschiedenen Konfigurationen veröffentlicht. Ursprünglich erschien das Werk im Oktober 92. An seiner Seite hatte Richards wieder die X-Pensive Winos. Die Band blieb immerhin für die beiden Studioalben, sowie „Live at the Hollywood Palladium“ zusammen. „Main Offender“ produzierte Richards zusammen mit Steve Jordan. Die Songs wurden übrigens seinerzeit allesamt getrennt voneinander aufgenommen. Für die vorliegende Version wurde mit „Winos Live In London `92“ - eine Liveperformance, die im legendären Londoner Town & Country Club in Kentish Town mitgeschnitten wurde - ein ganz besonderes Schmankerl ausgepackt.

 

Als „Main Offender“ erschien, war bei den Stones im Grunde alles im Lack. Mick und Keith tobten sich nun auch abseits der Band aus und das führte nicht mehr zu den großen Verwerfungen. Das Album selber führt Keith ein Stückchen zu seinen Wurzeln zurück. Erdiger Rock wird hier gespielt. So klingt „999“ mit der typischen schneidenden Gitarre und dem knochentrockenen Schlagzeug wie frisch aus der Garage entsprungen. „Wicked As It Seems“ ist langsamer, aber genauso erdig. „Eileen“ eilt wieder auf der Überholspur dahin. Richards singt in seiner typischen Schludrigkeit. Der Backgroundgesang gibt der ganzen Geschichte etwas Struktur. Bei „Words Of Wonder“ greift Richards in seine geliebte Reggae-Kiste. „Yap Yap“ ist wohl so eine Art Halbballade, wie sie nur der gute Keith schreiben kann.

 

„Bodytalks“ bollert noch mal ordentlich los, aber wie herrlich entspannt ist bitte „Hate It When You Leave“. „Runnin´ To Deep“ lässt keine Zweifel daran, wer hier die sechs Saiten erklingen lässt. Guter Groover, staubtrockenes Schlagzeug. „Will But You Won´t“ rollt und rockt auf der Zielgeraden allerdings auch etwas planlos daher. „Demon“ lässt das Album schließlich ganz entspannt entschweben. Ein sensationell toller Abschluss von „Main Offender“.

 

Das Live-Konzert hat einen recht guten Ton zu bieten und so kann man auch jede Nuance fein heraushören. Die Kapelle und Richards schienen an diesem Abend bestens aufgelegt gewesen zu sein. „Take It So Hard“ entpuppt sich dabei als der perfekte Einstieg. „999“ ist live ein Brett und „Wicked As It Seems“ noch mal zackiger als auf dem Album. Richards hat mit seinen Mitstreitern auch noch „Gimme Shelter“ ausgepackt. Kann man natürlich machen, man darf allerdings keine der grandiosen Live-Versionen von den Stones im Ohr haben, denn dann scheitert das Ding hier kläglich. „Happy“ haut da natürlich weitaus besser hin. „Whip It Up“ knallt dann live auch noch mal voll und ganz. Unter dem Strich ist der Backgroundgesang für die Live-Songs ein Segen.

 

Fazit: „Main Offender“ von Keith Richards war 92 eine ziemlich erdige Angelegenheit und ist es auch im Jahr 2022 immer noch. Die Songs sind im Grunde zeitlos. Richards macht eben das, was er am besten kann: schnörkellos rocken. Seine Band spielt dazu wie ein gut geölter Motor. Alle Beteiligten haben hörbar Spaß an den Songs und selbige zu spielen – besonders live.

 

https://www.keithrichards.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Keith Richards And The X-Pensive Winos: Live At The Hollywood Palladium

Keith Richards And The X-Pensive Winos: Live At The Hollywood Palladium

BMG/Warner

VÖ: 20.11.2020

 

Wertung: 9/12

 

Keith Richards gastierte am 15. Dezember 1988 im legendären Hollywood Palladium. Er befand sich gerade mit seiner Band The X-Pensive Winos auf einer Mini-Tour, die Station in 12 Städten machte. Das Konzert wurde mitgeschnitten und für die Nachwelt festgehalten – geplant oder nicht. Jetzt wird die ganze Sause noch mal in einer speziellen Deluxe-Box veröffentlicht, die jede Menge Krempel enthält. Ein 40-seitiges Booklet, ein Essay von David Fricke, eine Reproduktion der hangeschriebenen Set-Liste oder Pressefotos sind da nur die Sperrspitze. Selbstverständlich ist das Konzert auf Doppel-LP enthalten! Dann gibt es eine 10“ Vinyl EP mit unveröffentlichten Songs, den Konzertfilm auf DVD und einer remasterten CD obendrauf. Von der aufwändigen Verpackung ganz zu schweigen. Da dürfte ja jedes Fanherz einen Freudenhüpfer machen. Das Konzert wird aber auch als neu remasterte CD und Doppel-LP veröffentlicht.

 

Die Band, die Keith an seiner hatte, stellte er ursprünglich in den Jahren 1987 und 1988 zusammen. Die Kapelle half ihm schon beim „Talk Is Cheap“-Album. Richards hatte sich mit vorzüglichen Musikern umgeben. Gitarrist Waddy Wachtel, Ivan Neville und besonders Bobby Keys verfeinerten den Sound zusätzlich. Die Spielfreude kann man nach all´ den Jahren immer noch hören.

 

Keith Richards war noch nie ein herausragender Sänger. Seinen verschleppten und schlampigen Stil muss man schon mögen. Von unzähligen Kippen und alkoholischen Getränken gut geölt, ist der Gesang allerdings auch nicht uncharmant. Die dreizehn Songs von „Live At The Hollywood Palladium“ führen einem das noch mal vor Augen – oder besser: vor Ohren.

 

Bei diesem Auftritt geht es nicht um Perfektion, sondern um das Rockerherz an der richtigen Stelle. Das sitzt bei Richards dort, wo es sein sollte. Wie er sich zu Beginn durch „Take It So Hard“ nölt, ist schon ganz groß. Die Musik rumpelt dazu, als wären diese Musiker die Erfinder des Garagenrocks. „How I Wish“ bleibt in diesem Fahrwasser, bevor der Irrsinn mit „I Could Have Stood You Up“ um sich greift. Boogie und Blues geben sich die Klinke in die Hand. „Too Rude“ landet dann beim Reggae. Das Faible von Richards für diese Richtung ist ja hinlänglich bekannt. Das ist aber nicht die einzige Stones-Nummer. Der Klassiker „Happy“, den Richards immer so schön herrlich rausrotzt oder „Time Is On My Side“ werden ebenfalls dargeboten. Die Ballade „Make No Mistake“ wird zunächst fast zärtlich von der brüchigen Stimme Richards gesungen, bevor Sängerin Sarah Dash einsteigt und die Nummer so langsam Richtung Rock rumpelt. „Big Enough“ ist toller Blues mit einem funky Bass, während „Whip It Up“ allerdings auch etwas ziellos durch die Prärie lärmt. „Locked Away“ lässt ganz entspannt alle Beteiligten mal ordentlich durchatmen. Beendet wird das Set mit „Rockawhile“ einem grandiosen Abschluss, der wie ein „Best Of“ des bisher Gehörten klingt.

 

Fazit: Keith Richards hatte einst mit den X-Pensive Winos einst eine grandiose Band zusammengestellt. Er konnte sich so unabhängig von den Querelen, die es in den 80ern immer wieder bei den Stones gab, entfalten. Das hört man dem Set deutlich an, denn hier steht der Spaß ganz klar im Vordergrund und es wird ordentlich gerumpelt. Die Spielfreude ist ganz groß. Musik, so wie sein sollte: ursprünglich und ohne Zwänge! Macht auch heute noch Spaß!

 

https://www.keithrichards.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Keith Richards: Talk Is Cheap (30th Anniversary Edition)

Keith Richards: Talk Is Cheap (30th Anniversary Edition)

BMG

VÖ: 29.03.2019

 

Wertung: 8,5/12

 

Es gibt so Alben, die sind trotz ihres berühmten Urhebers längst in Vergessenheit geraten. Oder kann sich abseits der Hardcore Stones-Fans noch einer an das Solodebüt von Keith Richards erinnern? „Talk Is Cheap“ erschien vor knapp dreißig Jahren und war kommerziell ein ziemlicher Reinfall. Dabei darf man nicht vergessen, dass damals noch anderen Absatzzahlen als heute erzielt wurden. Man feiert diese Veröffentlichung nun noch mal mit der 30th Anniversary Edition. Genau genommen ist diese Bezeichnung allerdings falsch, denn „Talk Is Cheap“ erschien 1988 und nicht 1989. Feiern kann man ja trotzdem. Hat der gute Keith in seinem Leben ja auch reichlich getan.

 

„Talk Is Cheap“ ist sicherlich auch die Folge von „Dirty Work“, dem Stones-Album von 1986. Die Aufnahmen waren wohl, wenn man den vielen Berichten glauben darf, nicht gerade harmonisch. Dies dürfte natürlich auch daran gelegen haben, dass Mick Jagger ein Jahr zuvor mit „She´s The Boss“ sein Debüt als Solist gab. Damit hatte er in den Augen von Richards ganz sicher gegen den Bandehrenkodex verstoßen. Jedenfalls lagen die Stones auf Eis und mit Schlagzeuger Steve Jordan arbeitete Richards gerade an dem Chuck Berry-Film „Hail, Hail Rock ´n Roll“. Es stieß dann noch Waddy Wachtel dazu und plötzlich hatte er einen weiteren Gitarrenpartner an seiner Seite, bei dem die Chemie sofort stimmte. Das Line-Up wurde von Bassist Charley Drayton und Keyboarder Ivan Neville komplettiert. Eine illustre Gästerunde – von Mick Taylor bis zu Bootsy Collins – sorgte schließlich dafür, dass „Talk Is Cheap“ auf den Weg gebracht wurde.

 

Die nun veröffentlichte Jubiläumsausgabe erscheint als einfaches Album, Deluxe Edition, Deluxe Box Set und Super Deluxe Box Set. Die zur Besprechung vorliegende Deluxe Edition entpuppt sich als kleines Hardcover Buch. Das Booklet ist jetzt nicht sensationell ausgefallen. Kennt man ja. Dafür gibt es eine zweite CD mit sechs Bonustiteln. Das Album wurde für diese Veröffentlichung neu remastert.

 

Hört man sich „Talk Is Cheap“ im Jahre 2019 an, dann fällt auf, dass die Songs durchaus gut gealtert sind und sich gut gehalten haben. Der Funk von „Big Enough“ hätte auch den Stones gutgetan. „Take It So Hard“ ist ein erdiger Rocker, der auch heute noch eine gute Figur macht. Der immer etwas schludrige Gesang von Richards ist das Salz in der Suppe. Das gilt auch für „Struggle“, gleichwohl die Nummer musikalisch schon eher lahm ist.

 

„I Could Have Stood You“ ist eine Verbeugung von Keith vor den guten alten Rock and Roll-Zeiten. Bebop, Elvis und Co. lassen grüßen. Das muss unglaublich viel Spaß im Studio gemacht haben. „Make No Mistake“ ist dann die erste Ballade. Entspannt und unkitschig. Ein herausragender Sänger war der Mann nie, aber er hat stets sein Herz in die Hand genommen. „You Don´t Move Me“ gefällt durch seine elektrifizierte Vielfältigkeit und auch „How I Wish“ rockt solide drauflos. „Rockawhile“ holt gar den Gospel noch ein Stückchen dazu. „Whip It Up“ lässt Riffgott Richards noch mal von den kompositorischen Mängeln ablenken. „Locked Away“ ist ein weiterer ruhiger und entspannter Song, der allerdings auch ein bisschen ereignislos dahinschippert. Der erdige und ehrliche Rocker „It Means A Lot“ beendet schließlich das eigentliche Album.

 

Auf der zweiten CD gibt es dann sechs Bonustitel. Pianist Johnnie Johnson ist bei „Big Town Playboy“, „Blues Jam“, „Slim“ und „My Babe“ zu hören. Das entspannte „Blues Jam“ ist zwar nett, aber eben auch ein Jam. Kein Gesang. „My Baby“ klingt wie eine lässige Western- und Saloonnummer. Macht Spaß. „Slim“ ist der komplette Ausreißer. Über zehn Minuten bietet die Nummer eine ganze Menge zwischen Blues und Jazz. Für Musikliebhaber eine tolle Sache! Das gilt auch für „Big Town Playboy“, jenem entspannten und erdigen Blues. „Mark On Me“ legt noch mal ein paar Briketts auf den Rockofen, während sich „Brute Force“ dem Ende entgegen shuffelt.

 

Fazit: „Talk Is Cheap“ ist kein Meisterwerk, aber ein gutes und erdiges Rockalbum von Keith Richards, welches durch seinen Sound durchaus zeitlos klingt. Funk, Blues oder Jazz gibt es in wohl dosierten Portionen auch mal. Die Bonus-CD ist weniger am Songformat interessiert, sondern vielmehr ein Zusammenspiel der einzelnen Musiker ohne jetzt auf eine feste Struktur zu bauen – Intuition ist gefragt. Der Spaß an der Sache ist deutlich hörbar. „Talk Is Cheap“ ist letztlich doch erstaunlich gut geraten!

 

http://www.keithrichards.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch