Blondie: Against The Odds 1974-1982

Blondie: Against The Odds 1974-1982

Universal

VÖ: 26.08.2022

 

Wertung: 12/12

Tipp!

 

Blondie bringen eine mehr als üppige Retrospektive heraus. In 50 Jahren gibt es nun also die erste von der Band authorisierte Raritäten-Sammlung. Was sich relativ nüchtern liest, dürfte in Wirklichkeit für wahre Begeisterungsstürme unter den Fans sorgen. Und nicht nur da! Fangen wir ausnahmsweise mit der Haptik an. Selbst die abgespeckte Version wird in einem wirklich dicken Schuber geliefert. Die Umverpackung des eigentlichen Wälzers ist schon nicht von schlechten Eltern. Das dicke Buch – die drei CDs sind hier jeweils in einer eigenen Lasche enthalten – ist unglaublich umfangreich ausgefallen. Mehr als 160(!) vollgepackte Seiten werden einem hier geboten. Hier gibt es natürlich seltene Fotos, Essays und Linernotes. Kommentare der Beteiligten zu jedem Track runden das Ganze ab. Das ist informativ, reich bebildert und umfangreich. So lässt sich auch auf wundervolle Art und Weise die Geschichte der Band Blondie nachvollziehen.

 

Das Blondie-Archiv soll dem Vernehmen nach sehr voll sein, aber die letzten zwanzig Jahre hat sich wohl keiner darum gekümmert. Das ganze Gedöns lagerte in einer Scheune von Gitarrist und Blondie-Kreativmeister Chris Stein. Irgendwer kam dann endlich mal auf die Idee das Material zu sichten und so machten sich alle Bandmitglieder - und einige Personen ihres Vertrauens - daran das alles zu sichten und Ordnung in das Chaos zu bringen. Man einigte sich schließlich auf 123 Aufnahmen, die mit der ersten offiziellen Retrospektive veröffentlicht werden sollten. Immerhin befinden sich jede Menge bisher nicht zugänglich gemachte Tracks unter dem Material.

 

Das üppige Set ist für Fans natürlich ein Pflichtkauf, klar, ist allerdings auch nicht ganz billig. Die abgespeckte Version mit den Raritäten und dem schon erwähnten dicken Buch ist aber ebenso eine feine Geschichte. Man kriegt hier immer noch 50 Songs geboten, davon sind 36(!) bisher noch gänzlich unveröffentlicht! Das alles wurde von den analogen Originalbändern remastered. Der Vinylschnitt wurde in den Londoner Abbey Road Studios gefertigt.

 

Die musikalische Reise von Blondie war stets am Puls der Zeit. Natürlich ist das Pop, aber auch Punk und der New Wave der 80er findet sich ebenso im Sound wieder. Berührungsängste hatte die Band sowieso nie und so wurden da nicht nur Reggae- und Funk-Elemente hinzugefügt, sondern auch eine ganz große Portion Disco! Dies kann man beispielsweise auf der 10-minütigen Disco Version von „Rapture“ überprüfen. Vor Rap hatten Blondie auch keine Scheu, wie „Yuletide Throwdown“ unterstreicht.

 

Chris Stein hat höchstpersönlich auch noch ein paar interessante Mixe angefertigt. „Heart Of Glass“ pluckert über sechs Minuten dahin und hat so gar nichts mehr mit dem eigentlichen Hit zu tun. „War Child“ hat schöne Schepperdrums, aber auch viele Disco-Elemente zu bieten. Insgesamt ist das Stück aber sehr minimalistisch ausgefallen. Die Home Tape-Aufnahmen wie „Sunday Girl“ oder „The Hardest Part“ sind sehr charmant. Der Entwicklung von „Heart Of Glass“ kann man in „The Disco Song“ oder „Once I Had A Love“ nachvollziehen. „Platinum Blonde“ und „The Thin Line“ unterstreichen in der ungefilterten Demo-Version, dass die Band einfach wundervoll miteinander harmonierte. Musiker und Sängerin funktionierten nur gemeinsam. Das erklärt mitunter auch, warum die Solokarriere von Debbie Harry nicht ganz so erfolgreich war, wie das sicher geplant war.

 

Das ruppige „Moonlight Drive“ fördert die Punkwurzeln zu Tage. Dies gilt auch für den ersten Take von „I Didn´t Have The Nerve To Say No“. Oder das schmissige „I´m On E“, hier als Take 2. „Denis“ im Terry Ellis Mix hört sich sogar schon nach einer Live-Aufnahme an. „Sunday Girl“ in der französischen Variante passt natürlich perfekt zu Debbie Harry. „Hanging On The Telephone“ hört sich aufgrund der Männerstimme fast schon wie eine Iggy Pop-Nummer an. Man vermisst aber auch ein bisschen die unterkühlte Atmosphäre, die stets bei den Blondie-Songs ansonsten immer mitschwingen.

 

Fazit: Das Warten hat sich nun wirklich gelohnt! „Against The Odds 1974-1982“ ist eine ganz tolle Box! Die Aufmachung und der Inhalt des Buchs sind überragend! Hier gibt es für den geneigten Fan unglaublich viel Material zu entdecken. Alleine mit dem Buch kann man sich ewig lange beschäftigen. Die drei CDs halten dann noch jede Menge Raritäten bereit. Auch hier kann man ganz tief in den Blondie-Kosmos eintauchen. Besser geht es nicht!

 

https://www.blondie.net/

 

Text: Torsten Schlimbach

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