The Offspring: Let The Bad Times Roll

The Offspring: Let The Bad Times Roll

Concord Records/Universal Music

VÖ: 16.04.2021

 

Wertung: 8/12

 

Die Veröffentlichung des letzten Albums von The Offspring liegt fast schon zehn Jahre zurück. Biologe Dexter Holland hatte ja auch eine Menge zu tun. Jetzt ist also mal wieder die Zeit gekommen, neue Songs unter die Leute zu bringen. Die Cali-Punks können mittlerweile auf 40 Millionen verkaufter Alben stolz sein. Dies und die Tatsache, dass die Kapelle schon früh zu einem Major wechselte, hat natürlich auch die Szenepolizei verärgert. Ausverkauf und so. Mit „Let The Bad Times Roll“ werden diese Leute ganz sicher nicht mehr besänftigt. Das wird den Jungs von The Offspring schnuppe sein. Es zählt letztlich sowieso auf dem Platz und da fährt „Let The Bad Times Roll“ eindeutig einen Kantersieg ein!

 

Geschrieben wurden die Songs über mehrere Jahre, halt immer dann, wenn es sich gerade ergab. Die 12 neuen Tracks wurden im bandeigenen Studio in Huntington Beach auf den Weg gebracht, zum Teil aber auch in anderen Locations. Als Produzent bediente zum dritten Mal Bob Rock die Regler. Die beiden Vorgänger hatte er ja auch schon betreut.

 

„Let The Bad Times Roll“ ist ein feines Pop/Punk-Werk – nicht mehr und nicht weniger. Hier reiht sich Hit an Hit. Die komplette Palette, für die man The Offspring entweder schätzt oder hasst, wird hier abgerissen. „Coming For You“ hätte auf so ziemlich jedem Album der Band einen Platz gefunden. Dies ist der Prototyp-Sound der Band. Es geht natürlich auch anders. „This Is Not Utopia“ klingt verdammt nach Bad Religion. In einem Bad Religion-Song wären vermutlich noch ein paar textliche Verrenkungen drin, aber ansonsten ist das schon sehr nahe dran. Der Titelsong – „Let The Bad Times Roll“ – hat den einen Schwenker drin, der Dave Grohl gefallen dürfte. „Behind Your Wall“ ist düster, so wie es bei erwachsenen Männer manchmal der Fall ist.

 

„Army Of One“ ist ein verdammt lässiger (Rock)-Hit. Früher nannte man das Ohrwurm. „Breaking These Bones“ drückt das Gaspedal mal etwas mehr durch und das schon erwähnte „Coming For You“ besticht mit einem guten Groove. Für den Refrain würden andere Haus, Hof, Mutter und Oma verkaufen. Man muss es einfach so sagen: geile Nummer. „We Never Have Sex Anymore“ ist allerdings etwas platt, da hilft der Ska-Ansatz durch die Bläsersektion auch nicht mehr. Die Instrumentalnummer „In The Hall Of The Mountain King“ ist eine Interpretation einer Edvard Grieg-Komposition. Nun ja. „The Opioid Diaries“ ist ein weiterer Prototyp eines Offspring-Songs. „Hassan Chop“ schwingt auf der Zielgeraden noch mal ordentlich die Punk-Axt bevor es mit „Gone Away Requiem“ die volle Schmalzbreitseite gibt. Hinzu kommt noch, dass das bei Tears For Fears und deren „Mad World“ teilweise dreist geklaut wurde. „Lullaby“ ist zum Schluss auch kein richtiger Song, sondern fast schon eine Collage und so entschwebt das neue Album dann ganz langsam.

 

Fazit: „Let The Bad Times Roll“ ist ein gutes Album von The Offspring – nicht mehr, aber eben auch nicht weniger. Die Jungs hauen hier im Grunde einen Hit nach dem anderen raus. Ja, auch die schmalzige Ballade gehört dazu. Überwiegend ist das handwerklich und kompositorisch sogar richtig gut. Die Platte macht Spaß und das nicht zu knapp. Die Szenepolizei kann gerne woanders meckern. The Offspring zeigen in gesetzterem Alter, dass Pop-Punk auch dann noch geht und zwar ohne peinlich zu sein! Daumen hoch!

 

https://www.offspring.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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