Nick Mason's Saucerful Of Secrets: Live At The Roundhouse

Nick Mason's Saucerful Of Secrets: Live At The Roundhouse

Sony/Legacy

VÖ: 18.09.2020

 

Wertung: 7,5/12

 

Pink Floyd-Songs, die vor „The Dark Side Of The Moon“ aufgenommen wurden, dürften nur die wenigstens Menschen live gesehen haben. Seit den späten 60ern wurde davon – von zahlreichen Coverbands mal abgesehen – nichts mehr aufgeführt. Nick Mason, Gary Kemp, Guy Pratt, Lee Harris und Dom Beken haben sich diese – und ausgesuchte Songs außerhalb des Pink Floyd-Universums – zur Brust genommen und im legendären Londoner Roundhouse am 19. Mai 2019 aufgenommen. Nick Mason hatte übrigens vorher seit 2007 nicht mehr auf der Bühne gestanden. Im Proberaum wurde sich dann das erarbeitet, was am 20. Mai 2018 im Pub im Londoner Stadtteil Camden auf die Bretter gebracht wurde. Eine Tour durch UK, Nordamerika und Europa folgte. Der Auftritt aus dem Roundhouse liegt nun endlich als Konzertfilm vor. Ursprünglich sollte die Veröffentlichung schon im April sein, aber Corona machte bekanntlich einen Strich durch die Rechnung.

 

Wie so viele andere Veröffentlichungen, wurde auch „Live At The Roundhouse“ in den Herbst geschoben. Das Warten hat sich für Fans ganz sicher gelohnt. Die drei Silberlinge werden von einem schmucken Schuber umhüllt. Optisch ist das psychedelisch angehaucht und passt so natürlich perfekt zu den Songs. Das Booklet darf durchaus als üppig bezeichnet werden. Viele Fotos und ein langer Text lassen kaum Wünsche offen.

 

Das Bild der DVD ist qualitativ sehr, sehr ordentlich. Die Bühne wird abwechselnd in den unterschiedlichsten Farben ausgeleuchtet. Vom hellsten Rot bis zum dunkelsten Grün ist alles dabei. Die Qualität des Bilds lässt aber zu keiner Zeit einen Leistungsabfall erkennen. Die Farben sind satt, aber nie unnatürlich. Ein Graining ist nicht erkennbar. Die psychedelischen Elemente, die hier die Songs unterstützen und zum Einsatz kommen, werden so gut zur Geltung gebracht. Der Kontrast ist gut eingestellt und insgesamt wirkt das – sofern dieser psychedelische Ritt natürlich wirken kann – sehr natürlich. Der Klang ist fett und dürfte bei entsprechender technischer Ausstattung die Wände zum Beben bringen. Hier ist jedes Instrument fein zu hören und die Höhen und Tiefen sind absolut toll eingestellt. Die Abmischung ist erstklassig.

 

Im Bonusmaterial wird dann auch noch mal erläutert, was die Intention hinter diesem Projekt war. Für Fans der ersten Stunde ist es bestimmt unfassbar toll, dieses frühe Material live zu hören. Das sollte man auch wissen, wenn man sich dieses Set zulegt. Sicherheitshalber sollte man ansonsten noch mal einen Blick auf die Trackliste werfen. Von „Interstellar Overdrive“ über „Fearless“, „The Mile Song“ bis hin zu „One Of These Days“ und dem Song, der dem Projekt seinen Namen gab, ist das teilweise schon sehr anstrengend. In den besten Momenten knallt das wie bei einer Indieband. Der Bass pumpt, das Schlagzeug scheppert und die Gitarre jault. Das psychedelische Geschwurbel basiert dann teilweise stark auf den Keyboards. Das ist eher die unschöne Seite. Nick Mason sitzt stoisch hinter seinem Schlagzeug, richtet aber auch mal ein paar Worte an das Publikum. Er ist der Nette von Pink Floyd, gar keine Frage. Die Überraschung ist hier Gary Kemp als Sänger. Bei Spandau Ballet war er noch gänzlich anders unterwegs. Wenn er darf, geht Lee Harris an der Gitarre richtig ab. Da dies eine bestuhlte Veranstaltung war, sind die Zuschauer eher gemütlich unterwegs.

 

Fazit: Für die ganz frühen Pink Floyd-Fans ist die vorliegende Veröffentlichung ein absoluter Pflichttermin. Bild und Ton können überzeugen und auch die Kameraführung ist mehr als solide. Die Songs sind – aber das wusste man ja vorher – teilweise schon etwas anstrengend. Ein Blick auf die Trackliste sollte aber ja jedem vorab verraten, was einen hier erwartet. Insofern gibt es da auch nichts zu meckern. Nick Mason ist der gemütlich ältere Herr, den nichts aus der Ruhe bringt. Seine ehemaligen Bandkollegen sind da gänzlich anders gestrickt, aber eben auch mit mehr Bühnen-Charisma ausgestattet. Alles in allem für Fans ein Muss, für alle anderen, die mal abseits der bekannten Hits gucken wollen, was es bei Pink Floyd noch so gab, sicher eine interessante Reise und Erfahrung! 2CDs sind für die Audioreise dabei und runden das Paket ab!

 

Text: Torsten Schlimbach

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