The Black Keys: Delta Kream

The Black Keys: Delta Kream

Warner

VÖ: 14.05.2021

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Es wird sie geben, jene Menschen, die über das neue Album der Black Keys motzen. Menschen, die das Duo eigentlich mögen, jetzt aber mokieren werden, dass deren neues Album „Delta Kream“ komplett in den Rückspiegel schaut. Natürlich standen die beiden Herren immer mit mindestens 2 ½ Beinen ganz fest in den Sümpfen des traditionellen Blues-Rock und trotzdem waren da auch immer wieder diese Momente, die man gemeinhin als Pop bezeichnet. „Delta Kream“ hat nichts davon zu bieten, aber dafür jede Menge Blues. Großartigen Blues!

 

Die ganze Sause war so auch gar nicht geplant. Das Album hatte man auch als Musikhörer nicht unbedingt auf dem Schirm. Dan Auerbach lud den Gitarristen Kenny Brown und den Bassisten Eric Deaton in sein heimisches Studio ein und dann ging es fast schon los. Auerbach schwebte vor, einige Delta Blues-Standards aufzunehmen. Patrick Carney stieß eher spontan dazu und so wurde ein neues Werk der Black Keys auf die Reise gebracht. Geprobt wurde nichts. Wie man hört, wurde „Delta Kream“ innerhalb von zehn(!) Stunden eingenagelt. Roher Missisipi Delta Blues eben, der sowieso den Kern der beiden Herren ausmacht und schon auf dem Debüt die Richtung vorgab. Man stelle sich mal vor, die Kings of Leon würden noch mal wie auf „Youth & Young Manhood“ klingen! Göttlich!

 

„Delta Kream“ ist insofern auch ein mutiges Album, da die Band nicht mal im Ansatz versucht irgendwie modern zu klingen. Knackig kommen die Songs auf den Punkt. First Takes! Man höre sich nur mal die Albumeröffnung an! „Crawling Kingsnake“ – ein Cover von John Lee Hooker – trieft vor Lässigkeit! Das Schlagzeug gleicht einem Uhrwerk, die Gitarre lärmt und soliert sich zum Schluss in wundervolle Höhen. Dies sind die vielleicht besten sechs Minuten eines Albums im Jahr 2021! Lakonisch rumpelt sich die Kapelle danach durch „Louise“.

 

R.L. Burnside gehört natürlich zur Geschichte der Black Keys. Es dürfte daher keine Überraschung sein, dass auf dem Album „Poor Boy A Long Way From Home“ in einer wahnwitzigen Version enthalten ist. „Stay All Night“ ist an Coolness nicht mehr zu übertreffen. „Going Down The South“ ist noch so ein Wunderding. Auerbach singt da fast im Falsett. Die Leadgitarren-Melodie doppelt hier die Stimme und durch diesen simplen Effekt, entsteht schon wieder etwas Großes. Mit diesem Stilmittel arbeiten die Black Keys auf diesem Album aber sowieso öfters mal.

 

„Coal Black Mattie“ ist eine nette Hatz, aber „Do The Romp“ anschließend ein Prachtstück von einem Song. Die Black Keys stehen hier knietief in den Sümpfen und brillieren! Die Band hört sich an, als würde sie seit Dekaden in dieser Konstellation spielen. Verdammt, ist das gut! „Sad Days, Lonely Nights“ ist eine Art Blaupause für den Blues. „Walk With Me“ legt dem geneigten Hörer dann auch noch diesen unverschämt umschmeichelnden Gesang in die Ohren. „Mellow Peaches“ lässt im Hintergrund ganz geschmeidig die Hammond-Orgel erklingen, während vorne Gitarre und Schlagzeug toben. „Come On And Go With Me“ ist zum Schluss der langsame Ritt in Richtung Sonnenuntergang.

 

Fazit: The Black Keys haben mit „Delta Kream“ ein riesen Ding abgeliefert. Vielleicht ist das sogar das lässigste Werk ihrer gesamten Karriere. Der Motor ist gut geölt und die Band fräst sich durch diese Bluessongs, als wäre dies das letzte Album der Menschheit. Die Herren müssen unglaublich viel Spaß während der zehn Stunden, verteilt über zwei Nachmittage, gehabt haben. Authentischer kann Musik nicht sein. The Black Keys setzen dem Blues ein würdiges Denkmal und liefern so nebenbei - lässig und locker - eines der besten Alben des Jahres 2021 ab!

 

https://theblackkeys.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

The Black Keys: El Camino

The Black Keys: El Camino

Warner

VÖ: 02.12.2011

 

Wertung: 9/12

 

The Black Keys sind plötzlich die neuen Superstars. Auserkoren als Retter des Rock wird dem Duo die Weltherrschaft zugetraut. Darunter macht man es nicht und wenn es eine Band gibt, auf die sich momentan irgendwie alle einigen können, dann scheinen es diese beiden Jungs zu sein. Alle? Nicht ganz, denn es wird natürlich jetzt wieder jede Menge Gralshüter des guten Geschmacks geben, denen The Black Keys mittlerweile zu angepasst sind. Das Hohelied des „früher war doch alles besser“ wird da wieder auf der Flöte gespielt. Kennt man ja, sobald Musiker über Nacht auch mal Erfolg haben, fühlen sich die Anhänger der ersten Stunde persönlich auf den Schlips getreten und sind beleidigt wie ein Kind, welches nicht mit dem grünen Förmchen spielen darf.

 

Früher war bei The Black Keys nicht alles besser, aber anders. Man darf ja nicht vergessen, dass das neue Album „El Camino“ schon die siebte Platte ist und eine stetige Weiterentwicklung und Verfeinerung des Sounds stattgefunden hat. Ja, Fuzz war gestern, Pop ist heute. Ist ja auch immer Definitionssache. Wie groß ist doch immer das Rauschen im Blätterwald, wenn eine Band sich nur noch wiederholt. The Black Keys haben über die Jahre jedenfalls das Kunststück geschafft auch immer einen Blick über den Tellerrand zu wagen und viele Einflüsse zu verarbeiten, dabei aber immer den ureigenen Klang nicht aus den Augen zu verlieren. Carney und Auerbach sind ausgesprochene Nerds und scheinen sich alles und jedem zu verweigern was annähernd hip ist. Ohne es zu wollen, setzen sie sich dabei sogar als Vorreiter an die Spitze.

 

Mittlerweile sind sie auch noch mit dem Grammy dekoriert worden: Grammy für das Artwork, Grammy für Best Alternative Music Album und Grammy für Best Rock Performance. Sie bekamen allerdings nicht viel davon mit, weil sie die ganze Veranstaltung nach 15 Minuten wieder verließen. Zu langweilig. So sind sie eben. Man nimmt ihnen diese Haltung auch durchaus ab und es geht nicht darum einen besonderen Coolness-Faktor herauszukehren.

 

Was heißt das nun alles für „El Camino“? Zunächst einmal, dass dies die dritte Zusammenarbeit mit Danger Mouse ist. Entstanden ist die Scheibe im neu gebauten, bandeigenen Studio in Nashville. Logisch, dass sie das neue „Heim“ mit Uralt-Equipment ausgestattet haben. So sind elf Songs entstanden, die nicht mal die vierzig Minuten Marke erreichen. „El Camino“ ist endlich wieder eines jener Wunderwerke, wo man sich hinterher nicht fragt, warum das jetzt so lang ausgefallen ist. Im Gegenteil, man hätte durchaus noch zwei Songs mehr vertragen können.

 

Reden wir gar nicht erst lange um den heißen Brei: „El Camino“ ist ein kleines Hitfeuerwerk. Drunter machen es The Black Keys auch nicht mehr! Trotzdem muss man die Songs zunächst vom Staub der Straße befreien. Die Low-Fi Attitüde ist natürlich immer (noch) allgegenwärtig. Nach dem Blues muss man auch etwas stärker suchen. Der Soul ist auch an den Rand gedrängt worden. „El Camino“ ist gut abgehangener Rock aus der Garage. Der alte Bekannte namens Boogie wurde zudem stärker in den Vordergrund gestellt. Dies alles wurde in eine amtliche Produktion eingebettet. Summiert man dies alles auf und stellt das in einen Gesamtkontext, dann hat man es mit einer der besten Alternativ-Alben des Jahres 2011 zu tun. Die musikalischen Mittel der Black Keys mögen zwar aus der Vergangenheit sein, wie sie dies aber umsetzen und in das Hier und Jetzt katapultieren lässt Carney und Auerbach und deren Musik eben zu etwas ganz Besonderem und eben zu einer der Alternativen zur übrigen Musikkost werden.

 

Wer noch nicht weiß, wie man „El Camino“ händeln soll, bekommt noch eine simple Bedienungsanleitung in Form eines Aufklebers obendrauf geliefert: Play Loud! Ehrensache! Man kann jetzt viel in den Sound hineininterpretieren. Led Zeppelin oder ZZ Top? Mag sein. Es würde aber auch nicht verwundern, wenn Jack White eines Tages ein komplettes Album mit den beiden umtriebigen Kauzen einspielen würde. Die Scheibe macht sich nämlich im CD-Regal auch gut neben den White Stripes, Raconteurs oder Dead Weathers. Das Duo von The Kills ist auch nicht sonderlich weit entfernt.

 

Ist aber auch egal, denn „El Camino“ rockt streckenweise wie Sau und da ist auch die Wüste nicht mehr weit. „Money Maker“ lärmt sich kurz und knackig durch die Prärie. Überhaupt muss man sich öfters mal den Staub vom Mantel kloppen. „Run Right Back“ hat auch so eine Stoner Rock Attitüde – natürlich eingebettet in den Black Keys Kosmos. Fans der älteren Alben wird diese Ruppigkeit abschrecken. Das fängt ja schon mit „Lonely Boy“ an. Immer schön auf die Zwölf und ein Frauenchor im Hintergrund kann ja auch nicht schaden und sorgt für den entsprechenden Wiedererkennungswert. „Dead And Gone“ ist gar noch poppiger. Der Beat pumpt zum Nana-Singsang und treibt das Stück in gemächlicheren Gewässern in Richtung Sonnenuntergang. The Black Keys mögen ja oftmals mit Minimalismus brillieren - trotzdem sind gerade die Arrangements auch immer sehr fein austariert. Wenn „Gold On The Ceiling“ in dieser Hinsicht keine Maßstäbe für den Indie-Bereich setzt, dann weiß man auch nicht mehr weiter. Zudem groovt das Ding wie Hölle. The Black Keys sind aber schlau genug, auch mal den Fuß vom Gaspedal zu nehmen und so entpuppt sich „Little Black Submarines“ zunächst als waschechte Folkballade. The Black Keys wären aber eben nicht The Black Keys, wenn sie zum Schluss nicht noch eine Überraschung parat halten würden. Wem „Sister“ jetzt eindeutig zu viel in Popgefilden wildert, sollte sich mit der Nummer eingehender beschäftigen. „El Camino“ überzeugt eben auch durch seine Vielfältigkeit. Hitpotenzial hat so gut wie jeder Song. Mit einem Ding wie „Nova Baby“ könnte das Duo sogar glatt die Radiostationen unterwandern und die würden es nicht mal merken.

 

Fazit: The Black Keys legen mit „El Camino“ ein weiteres Album auf hohem Niveau vor. Nicht jeder wird den eingeschlagenen Weg mitgehen wollen. Aber mal ehrlich, dies gibt es ja bei jeder Band und jedem Album. Man darf ja auch nicht vergessen, dass die Erwartungshaltungen nach dem sensationellen Erfolg des Vorgängers extrem hoch waren – da konnte das Duo eigentlich nur verlieren. Dies ist aber nicht der Fall, denn zwischen sehr viel Rock der alten Garagenschule, ein bisschen Boogie und Blues und einer gehörigen Portion Pop ist dies ein extrem gutes Album geworden! Es groovt, es lärmt, es ist sexy!

 

http://www.theblackkeys.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch