Tori Amos: 31.10.2011, Philharmonie, Essen

Die Sonne lachte an diesem 31. Oktober über Essen. Für die Tori Amos Fans dürfte diese sogar noch etwas heller gestrahlt haben. Vor dem Konzert nahm sich Frau Amos schon ausgiebig Zeit für ihre Fans und nach dem Meet & Greet wird so manch einer in den siebten Himmel entschwebt sein. Es konnte ja auch keiner ahnen, was es später für ein denkwürdiges Konzert werden würde – in vielerlei Hinsicht. Nach drei Wochen Tour in den – weitestgehend – hiesigen Breitengraden hofften sicher viele auf das Besondere, aber dass Tori Amos sich dann derart bereitwillig zu vielen Raritäten und echten Perlen hinreißen lies, war dann in dieser Quantität doch überraschend!

 

Der Rahmen war in der Philharmonie in Essen natürlich entsprechend festlich gewählt, man könnte auch geschmückt sagen. Immerhin gibt es mittlerweile auch bei uns die Unart Halloween zu feiern. Einige Fans kamen dann auch gleich in voller Kostümpracht und die Bühne war entsprechend mit Kürbisköpfen ausgestattet. Man kann es natürlich auch als Tribut an die Herkunft der großen Sängerin verstehen. Das ist alles immer eine Frage der Betrachtungsweise. Bevor es aber soweit war, gab es mit Mark Hole noch einen Support-Act der zum Rahmen passte. Der gute Mark, der sich auf dem Singer/Songwriter Sektor austobt, überzeugte mit seiner Stimme und seinen Songs. Das Spielen auf seinem Tasteninstrument hat er sich vermutlich selber beigebracht und kommt dabei leider nicht über die linke Seite bzw. die Mitte hinaus. Zwischendurch versuchte er sich noch als Alleinunterhalter, was überraschend gut funktionierte. Seine Songs konnten nicht alle überzeugen, zumindest deutete das laute Schnarchen des Sitznachbarn darauf hin.

 

Tori Amos selber war an diesem Abend in Hochform! Die Dame mit der großen Stimme und den flinken Fingern wird zum Schluss des Abends die letzten drei Wochen als die schönsten in ihrem Tourleben bezeichnen. Besonders die Stimmung und die Atmosphäre hebt sie lobend heraus. Auf die Hardcore-Fans mag das zutreffen und die sind natürlich bei jedem Augenaufschlag immer wieder aus dem Häuschen und verzückt, aber der Rest? Interessiert ja, aber mehr eben auch nicht. Insofern konnte man in der Vergangenheit schon wesentlich intensivere Konzerte von Tori erleben. Da wurde schon so manche Messe gelesen und da sprang der Funke von der Bühne auch auf den Letzten am Konzertort über. Und genau das ist das Problem mit diesen Aufführungsorten. Es ist und bleibt eben eine Philharmonie, die Stimmung ist eher gediegen und oftmals bleibt da nicht mehr als ein wohlwollendes Klatschen. Klar, Tori Amos spielt ja nicht erst seit dieser Tour in bestuhlten Konzertsälen, aber es gab eben schon glücklichere Hallen und da waren dann tatsächlich fast durch die Bank glücklicherweise die Die-Hard-Fans zu finden.

 

Tori Amos selber hat tatsächlich ein Konzert der Superlative abgeliefert. Das war fast über die volle Distanz brillant. Kleine Längen im Set verzeiht man angesichts der großartigen Darbietungen der vielen Spezialitäten, die es an diesem denkwürdigen Abend gab, gerne. Wo soll man anfangen und wo aufhören? Nach „Shattering Sea“ setzte bei den Ersten schon die Atmung leicht aus. „God“ mit „Tubular Bells“ und Running Up That Hill“ an zweiter Stelle war nicht nur gut, sondern ganz hervorragend – zumal die Interpretation von Tori nicht von dieser Welt zu sein schien. „Suede“ und „Spark“ konnten ebenfalls überzeugen. Ein weiterer Höhepunkt im ersten Drittel der Setlist war „A Sorta Fairytale“. Der Song wurde auf besonderen Wunsch eines Fans gespielt. Man kennt ja die poppige und melancholische Studioversion. Die Liveumsetzung war aber der absolute Hammer! Und genau dies sind die Momente, die Tori Amos von anderen Künstlerinnen meilenweit abhebt. Laut kann jeder. Mit Band im Rücken ist es auch meist leichter und da kann man sich auch mal hinter verstecken. Gibt es bei der Frau am Tasteninstrument aber alles nicht! Es ist schon eine ganz besondere Kunst so eine Nummer fast alleine zu schultern.

 

Überhaupt sind die Liveumsetzungen durchweg gelungen und die Mitnahme der Vierer-Streicherformation hat sich als wahrer Glücksgriff erwiesen. Bei „Cruel“ wurden die Klassikinstrumente dann gar als Percussionunterstützung umfunktioniert. Ganz großes Kino! „Indian Summer“ und „1,000 Oceans“ überzeugten an diesem Abend ebenso wie „Precious Things“. Tori Amos kann für ihre Verhältnisse sogar rocken! Herausragend waren wiedermal die Coverversionen. „Moonshadow“ von Cat Stevens war schon ein Traum aber das erstmals gespielte „Hallelujah“ von Leonard Cohen zog einem glatt den Boden unter den Füßen weg! Dieser Song wurde schon derart oft in den Sand gesetzt, dass man eigentlich jedem nur raten kann, die Finger davon zu lassen. Umso schöner war dieser historische Moment – das war nämlich allererste Sahne! Nach „Siren“ und „Big Wheel“ fiel dann endgültig der nicht vorhandene Vorhang und Tori Amos bedankte sich überschwänglich bei ihren Fans in vorderster Front und war sichtlich glücklich.

 

Fazit: Das Konzert war – bis auf zwei bis drei Längen – herausragend! Da waren viele schöne Momente dabei, die sicher nicht alltäglich sind, auch nicht für ein Tori Amos Konzert. Wie sich die Frau zwischen ihren beiden Instrumenten windet, ist immer noch eine Schau. Stimmlich und musikalisch spielt sie mittlerweile sowieso in ihrer eigenen Liga. Trotzdem entpuppte sich der Veranstaltungsort als kleiner Wermutstropfen und die eifrigen Ordner, Platzanweiser und Mitarbeiter der Philharmonie haben an diesem Abend ihren Job etwas zu genau genommen und so manch einem den Spaß etwas verdorben. Was sich auf der Bühne abspielte war allerdings richtig großer Sport – Tori Amos eben!

 

Fotos gibt es hier.

 

(Torsten Schlimbach bedankt sich bei Thomas Kröll und den Kollegen von Musicheadquarter!http://www.musicheadquarter.de/)

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