White Lies - Interview am 21.03.2011

Die White Lies sind mit ihrem zweiten Album „Ritual" auf Tour und werden zu späterer Stunde die ausverkaufte Live Music Hall beschallen. Bevor es aber soweit ist, steht noch ein bisschen Promostress für die Jungs auf dem Tagesfahrplan. Auch wir konnten ein Plätzchen ergattern und trafen uns Backstage mit Jack Lawrence-Brown.

 

Hallo Jack! Danke für Deine Zeit so kurz vor dem Konzert. Lass uns bitte ein bisschen über euer neues Album reden. Wann habt ihr eigentlich damit begonnen, die Songs dafür zu schreiben?

Ähm, wir waren mit unserem ersten Album unterwegs und habe viele Konzerte gespielt. Wenn ich so darüber nachdenke ist es jetzt übrigens ähnlich. Auf jeden Fall wollten wir die Tour erst beenden, bevor wir uns an neues Material machten. Ich glaube letztes Jahr im Februar waren wird fertig und im März fingen wird dann mit den Arbeiten für das neue Album an. Wir schrieben ungefähr sechs Wochen an den Songs und dann ging es auch direkt ins Studio. Wir wollten da keine Zeit verlieren und waren wirklich schon eine Woche später im Studio. Wir lieben diese Arbeitsweise einfach. Das war beim ersten Album auch schon so. Wir sind eine Band die ihre Songs dann auch direkt aufnehmen möchte und nicht noch lange damit wartet.

Eure beiden Alben sind ja schon unterschiedlich und das neue klingt ein bisschen, als hättet ihr ein komplett anderes Kapitel aufgeschlagen. Habt ihr bei eurer zweiten Scheibe von Anfang an das Vorhaben gehabt, verstärkt andere und neue Klänge einzubringen?

Ja, das trifft es ziemlich gut. Ich denke, dass wir bei diesem Album wesentlich mehr Wissen hatten und dies in vielerlei Hinsicht. Beim ersten Album war das noch nicht so. Wir sind jetzt bessere Musiker und können unsere Visionen auch wesentlich besser umsetzen. Dann haben wir auch ein viel größeres Wissen über Musik angehäuft. Wir haben sehr viel Musik in dieser Phase gehört und unsere CD-Sammlungen sind sehr massiv angewachsen. Wir wussten einfach was wir wollten und was wir tun mussten. Wir haben auf dem neuen Album Dinge ausprobiert, die wir vorher noch nie gemacht hatten. Wir waren uns sehr genau darüber im Klaren, was wir diesmal auf dem Album haben wollten. Wir wollten einfach neue Wege gehen und mit neuen Sounds experimentieren.

Was hat euch denn inspiriert und was waren eure musikalischen Einflüsse für „Ritual"?

Oh, eine ganze Menge. Da war sehr viel elektronische Musik dabei. Wir hatten da sehr, sehr viele Einflüsse. Auch Dance Musik war dabei.

Kann es sein, dass da auch Bands wie Kraftwerk, Can und Neu! dabei waren?

(begeistert) Ja, auf jeden Fall. Definitiv! Die sind alle fantastisch und die werden immer wieder Generationen von Musiker beeinflussen. Gerade Kraftwerk haben so tolle Platten gemacht, aber man darf auch nicht vergessen, dass die tolle Livekonzerte gespielt haben und die es immer geschafft haben, ihre Songs da total genial zu spielen. Das ist auch ein Antrieb für uns. Für „Ritual" war aber eben auch sehr viel moderner Kram eine Inspiration und gerade die elektronische Musik gibt da momentan sehr viel her. Das können sogar Sachen sein, die auf Techno basieren. Solche Sachen haben wir zu dieser Zeit sehr viel gehört.

Beim ersten Album waren die Texte noch reine Fiktion, oder? Da habt ihr diesmal auch einen anderen Ansatz gewählt, oder?

Das stimmt. Diesmal ist da wirklich viel Zeug dabei, welches auf reale Begebenheiten, Dingen oder Einflüssen basiert. Wenn ich so überlege, dann ist nur „Bad Love" komplett fiktional. Beim ersten Album waren das zehn fiktive Geschichte, diesmal geht es mehr um persönliche Gefühle.

Was war denn die beste Reaktion für Dich, die die über „Ritual" gelesen hast?

Das ist schwer. Es ist natürlich schön, wenn die Kritiker gut über das Album schreiben. Man kann das aber auch nicht alles lesen. Für uns ist eher wichtig, was Freunde und Bekannte darüber denken und sagen. Die Leute, die wir kennen, geben über ein Album auch eine ehrliche Meinung ab und das ist für uns sehr wichtig. So bekommt man direkt eine Reaktion mit. Leute die uns im Studio besuchen und dann etwas zu den einzelnen Songs oder Passagen sagen, weißt du, das ist uns wichtig und so lernen wir natürlich auch. Da gibt es direkt Kritik und Lob und das bringt uns auch weiter.

Liegt Dir persönlich denn ein Song besonders am Herzen und ist Dir besonders wichtig?

Ich denke, das wird die vierte Nummer sein „Peace & Quiet". Auch „The Power & The Glory" gehört dazu. Diese beiden Songs haben Elemente der elektronischen Musik, die wir vorher noch nie eingebaut haben. „Peace & Quiet" haben wir spät in der Nacht aufgenommen, ein bisschen Wein getrunken und dann kamen uns die Ideen und wir waren uns auf einmal sehr sicher, wohin die Reise gehen sollte und haben da sehr konzentriert gearbeitet. Für mich klingt das Ergebnis einfach perfekt, so wie es jetzt ist. Ich erinnere mich sehr gerne an die Aufnahmen für diesen Song.

Ist dieser ganze Prozess des Songschreibens und Aufnehmens für Dich auch eine Art Therapie?

So habe ich das noch nicht gesehen. Aber ja, das kann es natürlich sein. Für mich ist die Studioarbeit mit den White Lies immer noch drei Leute, die ihre Ideen einbringen und daraus dann was ganz eigenes machen. Die ganze Technik und die ganzen Computer, weißt du, das kann schon sehr intensiv sein. Wir gucken dann, was uns allen gefällt oder nicht gefällt. Es arbeitet vielleicht nicht jede Band so wie wir, nämlich auch jeder mal an eigenen Teilen, aber für uns funktioniert das so und macht eben Spaß.

Wie siehst Du Dich denn selber in zehn Jahren. Planst Du überhaupt soweit im Voraus?

Ja, ich liebe was ich tue und da möchte ich natürlich so lange machen wie es eben geht. Es kann natürlich keiner sagen was in zehn Jahren ist und man kann eine Karriere auch nicht so lange planen, aber ich möchte definitiv weiter Musik machen. Im Moment sind das unser Job und unser Leben, aber vielleicht gibt es die Band in zehn Jahren auch nicht mehr. Das kann ja keiner voraussagen. Sicher ist nur, dass ich auch dann immer noch Musik machen möchte. Vielleicht mache ich das dann auch nur noch für mich selber. Wir sind einfach glücklich darüber, dass wir momentan in dieser Band spielen können und dies so lange wie möglich machen können. Vielleicht haben die Leute auch irgendwann genug von unseren Alben und es kommt auch keiner mehr zu den Konzerten. Im Augenblick macht es einfach großen Spaß mit den White Lies.

Was können denn die Fans von euren Konzerten erwarten? Was erwartet ihr euch selber davon?

Oh, das ist eine gute Frage. Weißt Du hier bei euch in Köln läuft es wirklich gut für uns.

Stimmt, da draußen warten um diese Uhrzeit schon eine Menge Fans.

Ja, ja, heute ist großartig. Überhaupt läuft die ganze Tour ziemlich gut für uns. Ich hoffe, dass wir den Fans etwas geben können, was sich von den Platten unterscheidet, denn sonst könnten sie zu Hause ja auch einfach die CD auflegen. Wir versuchen den Fans da immer etwas zu geben und anzubieten und erhoffen uns natürlich auch eine Reaktion. Das ist dann so eine Art Geben und Nehmen.

Seid ihr denn noch nervös vor den Konzerten?

Ähm, ich bin nicht so nervös. Das ist heute ja eine wirklich große Show. 1.200 Leute kommen um uns zu sehen. Ich freue mich eher darauf und bin da weniger nervös. Weißt du, ich will da gleich einfach auf die Bühne und es genießen, darauf freue ich mich. Das gibt mir Energie und das stoppt sowieso alle Nervosität.

Ihr seid ja auch immer an neuen Sounds und Ideen interessiert. Ist es denn für euch als relativ neue Band überhaupt noch möglich etwas Neues zu machen, wo im Grunde doch schon alles da war und gesagt ist?

Ja, das stimmt. Es scheint so, als wäre alles schon mal dagewesen. Ich glaube auch, dass es unmöglich ist, etwas komplett Neues zu machen. Natürlich gibt es neue Instrumente oder neue Software. Dies bietet einem schon einen gewissen Spielraum mit neuen Dingen zu experimentieren. Aber es ist unmöglich Sounds zu finden, die es noch nie zuvor gegeben hat. Was man tun sollte, ist einfach das zu machen, was einem gefällt und etwas bedeutet. Man sollte nichts machen, woran man nicht glaubt, was man selber nicht fühlt. Wer so an die Musik herangeht, macht was falsch, denn das hört man letztlich dann auch. Es ist ja auch völlig egal, ob man neue Sounds findet oder nicht. Die Hauptsache ist doch, dass man genau das als Musiker machen möchte, woran man gerade arbeitet. Wir versuchen das immer so zu machen und sind glücklich damit.

Wie denkst Du als Musiker denn über das Internet? Ist das gut oder schlecht?

Da habe ich noch nie so drüber nachgedacht. Was viel wichtiger ist, ist dass das Internet einfach da ist. Verstehst du was ich meine? Es gibt es nun mal und damit müssen wir nun alle leben. Es hat die Musikindustrie zwar massiv verändert, aber ich denke, dass das Internet gerade für junge Bands extrem gut und wichtig ist. Es ist natürlich schwer für eine Band interessant zu sein. Es gibt so viele und in der heutigen Zeit weiß auch jeder über alles Bescheid. Es gibt diese Mythen und Geheimnisse nicht mehr. Das Internet hält eben alle Informationen bereit und man kann die immer abrufen. Vielleicht hat die Musikindustrie etwas zu langsam reagiert, aber wie gesagt, es ist gerade für junge Bands eine gute Sache. Man kann heute sehr einfach sehr viel Musik hören. Gerade Facebook, Twitter und solche Sachen sind doch toll. Vielleicht kommt aber auch die Musikindustrie noch mal auf eine Idee und macht plötzlich wieder jede Menge Umsatz und Geld. Insgesamt ärgert mich das Internet in diesem Zusammenhang aber nicht und ich sehe da eher nur die Vorteile.

Nutzt ihr denn das Internet auch in Bezug auf die Fans? Lest ihr, was die in Foren und Netzwerken über euch schreiben?

Ja, auf jeden Fall. Das ist schon wichtig für uns. Gerade in Bezug auf die Liveshows ist das sehr wichtig für uns und so wissen wir z.B. was die Leute für Songs hören wollen. Es macht schon einen Unterschied, ob man ein Album aufnimmt oder ein Konzert spielt. Die Leute kommen zum Konzert und haben eine Menge dafür bezahlt und wir wollen ihnen natürlich eine gute Zeit bereiten. Es ist uns dann schon wichtig zu wissen, wie die Fans darüber denken.

Ist euch als Band eigentlich euer Image wichtig? Manchmal hat man ja den Eindruck, dass dies im Musikgeschäft wichtiger wie die Musik selber ist.

Das ist schon wichtig, aber das war es auch schon immer. Erinnere dich nur mal an die Beatles. Oder davor an Elvis. Die hatten alle einen gewissen Stil und ein Image und darauf sind die Leute natürlich auch abgefahren. Die Fans liebten nicht nur die Musik sondern auch deren Image, Stil und Aussehen. Man sollte da einfach das Beste draus machen. Man geht ja auch auf die Bühne als Entertainer und da will man für die Fans auch gut aussehen. Natürlich sollte die Musik nie in den Hintergrund treten, das ist auch klar.

Hat euch der schnelle Erfolg eigentlich verändert?

Ich denke und hoffe doch nicht. Ich glaube nicht, dass wir uns verändert haben. Vielleicht haben sich einige Leute um uns herum verändert. Wir sind aber jetzt auch nicht berühmt und auch noch nicht seit Jahren erfolgreich. Wir können uns ja ganz normal auf der Straße bewegen und werden dabei nicht verfolgt. Unsere Leben haben sich eigentlich nicht verändert, abgesehen davon, dass wir den Beruf als Musiker ausüben. Dafür sind wir sehr dankbar und das ist natürlich toll.

Oh, die Zeit ist um. Noch eine kurze Frage: schreibt ihr schon neue Songs, arbeitet ihr an neuem Material?

Nein, nein. Wir wollen zunächst die Tour beenden. Wir sind so im Tour-Modus drin, dass wir jetzt nichts schreiben. Nächstes Jahr soll es wieder losgehen und wir wollen auch das nächste Album so schnell wie möglich schreiben und aufnehmen.

Vielen Dank für Deine Zeit und Dein Antworten!

Ich danke Dir für Deine Zeit und viel Spaß bei der Show!

 

(Torsten Schlimbach bedankt sich bei Vicky Butscher und Universal und natürlich bei den White Lies für die freundliche Unterstützung!)

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