The Rifles - Interview am 13.01.2009

The Rifles bringen mit „Great Escape“ ihr zweites Album raus und sind in diesen Tagen auf anstrengender Interviewreise um der Journaille Rede und Antwort zu stehen. Sympathisch, höflich und sehr aufgeräumt geben sie uns Auskunft über die großen und kleinen Dinge die das neue Werk ausmachen.

Hallo Jungs, schön, dass ihr Zeit für uns habt! Wie geht es Euch? War das ein langer Interviewtag für euch?

Auf jeden Fall, eine Menge Termine, Gespräche und Telefoninterviews!
Euer neues Album steht ja in den Startlöchern. Wie würdet ihr den Sound beschreiben?

Uh, ich denke es hat sich seit dem ersten Album schon verändert…

Ich denke euer Debüt war ein tolles Pop-Album. Die neuen Songs hören sich für mich jetzt aber ein ganzes Stück erwachsener an oder liege ich da komplett falsch?

Yeah, da hast Du definitiv Recht. Die Songs sind ein ganzes Stück erwachsener. Wir sind ja auch älter geworden und haben uns entwickelt und sind auch besser als Musiker – als Band besser – geworden.

Wie verliefen denn die Aufnahmen? Ein großer Teil der Platte klingt fast, als hättet ihr das live eingespielt.

Definitiv! Gut, dass Du das sagst. Wir wollten uns bei dieser Platte so nahe wie möglich am Livesound orientieren. Wir wollten dieses Livegefühl festhalten, weil wir das auch so lieben. Jeder Song selber ist natürlich unterschiedlich entstanden. Das Album in seiner Gesamtheit soll allerdings schon ein Livegefühl vermitteln, wir mögen das einfach.

Wie lange haben denn die Aufnahmen gedauert?

Oh, ich denke für die gesamte Platte hatten wir alles in fünf Wochen im Kasten – im Studio. Wir mussten noch ein paar Sachen bearbeiten, aber insgesamt dauerte der Prozess so fünf Wochen.

Habt ihr für die Scheibe denn auch erste und zweite Takes verwendet?

Definitiv und anscheinend haben wir das richtig gemacht, wenn man das raushört, das freut uns.

Welche Musik hat euch denn für diese Platte inspiriert? Mehr The Smiths oder The Jam?

Da sind schon einige, ich nenne es mal, Smith-Momente auf der Scheibe, das stimmt.

Ihr mögt die Band also?

Auf jeden Fall. Wir mögen nicht nur die Musik, sondern auch deren lyrischen Ansatz, der ist sehr interessant.

Die meisten Leute bringen euch ja immer mit The Jam in Verbindung…

…die erste Platte ging vielleicht in diese Richtung, mittlerweile aber nicht mehr, dann schon eher Richtung The Smiths.

Ich habe gelesen, dass „The General“ Mike Tyson gewidmet sein soll. Wie kam es dazu?

Der Song und der Text basiert im Wesentlichen auf einem Erlebnis mit Mike Tyson. Ein paar Wochen bevor wir die Scheibe aufnahmen ging ich mit einem Freund zu einem Abend mit Mike Tyson. Das war in Debden. Bei einem Abendessen erzählte er dann von seinem Leben. Das war schon eine sehr seltsame Veranstaltung, aber er bestreitet da jetzt wohl seinen Lebensunterhalt mit.
Man musste dafür bezahlen?

Ja genau so war es. Man musste dafür bezahlen um mit ihm da zu sitzen, wie gesagt, damit bestreitet er wohl seinen Lebensunterhalt. Ich hatte so aber endlich ein Thema für meinen Songtext. Aber es ist schon traurig, jemanden so zu sehen, der jetzt so sein Geld verdienen muss.
Sind denn die Texte des Albums eher Fiktion oder eher eure persönlichen Erlebnisse?

Also dieser Song beruht natürlich auf Fakten. Die meisten Texte sind allerdings reine Fiktion, aber natürlich fließen immer auch eigene Erlebnisse ein, insofern ist das schon ein Mix. Vieles sind allerdings fiktive Geschichten.

„History“ ist für mich einer der besten Songs, den ihr bisher aufgenommen habt. Der Song hat so eine melancholische Note. Ist das die neue Richtung von The Rifles?

Als wir den Song aufgenommen haben ging das schon in eine sehr spezielle Richtung. Der steht auf jeden Fall für einen anderen Ansatz und eine andere Richtung von uns. Wenn Du so willst ist dies eine neue Seite der Rifles.

Wann habt ihr denn eure besten Ideen und wann ist die beste Zeit zum Schreiben? Zum Beispiel so großartige Popsongs wie „Sometimes“ oder „Winter Calls“.

In der Nacht oder nach einem guten Whiskey. Man kann das nicht auf einen bestimmten Zeitpunkt festlegen. Wann immer wir eine Idee haben schreiben wir das auf. Wir haben schon von anderen Künstlern gehört, die das wie einen Bürojob angehen…

…Nick Cave?

Ja z.B., aber für uns ist das nichts.

Ist „For The Meantime“ euer Beatles Moment und Song?

Yeah! Bei den ersten Aufnahmen bestand der Track aus sehr viel Piano, dann kam das Mellotron, das hörte sich in unseren Ohren sehr gut an und dann kam eins zum anderen.

Denkt ihr, dass in der heutigen Zeit ein eigener Musikstil zu kreieren schwierig ist? Es sieht ja so aus, als wenn sich die Musik nur noch in Nuancen unterscheidet und alles mehr oder weniger schon mal da gewesen ist?

Das stimmt schon, aber es kommt ja im Grunde nur darauf an, dass es sich gut anhört. Es ist ja nicht unmöglich gute Musik aufzunehmen und man sollte sich da auch nicht von Trends leiten lassen.

Der Style und das Image einer Band ist heutzutage ja fast wichtiger als die Musik, was denkt ihr über solche Bands?

Die Musik sollte immer im Vordergrund stehen. Definitiv! Es geht doch in erster Linie immer noch um Musik und die sollte an erster Stelle stehen. Wenn man einen bestimmten Stil hat oder Wert auf gute oder ausgefallene Kleidung legt ist das zwar in Ordnung, darauf sollte man aber keine Band aufbauen.

Was denkt ihr über das Internet? Hat dadurch wirklich eine Veränderung im Musikgeschäft stattgefunden oder ist es nicht eher immer noch so, dass Musik gut sein muss und die Leute darauf abfahren?

Oh ja, da hat eine große Veränderung durch das Internet stattgefunden. Für uns als Band ist das sehr hilfreich. Bands sind so viel unabhängiger. Den Ärger mit großen Labels hat man so nicht mehr unbedingt und das wissen die auch. Das Internet ist wirklich gut um einen als Künstler oder Band zu puschen. Für uns ist das wirklich großartig. Da schließen sich die Fans zu einer Community zusammen und können sehr schnell die Neuigkeiten austauschen. Natürlich ist da die andere Seite der Medaille, dass sich die Leute heute viele Sachen illegal und kostenlos runterladen. Aber das Geschäft hat sich dahingehend sowieso verändert. Wenn man Geld verdienen will, muss man live spielen. Was kann es für eine Band besseres geben als auf der Bühne zu stehen? Gut, die Plattenlabels hat das in große Schwierigkeiten gebracht, weil eben nicht mehr so viele CDs verkauft werden. Eine lustige kleine Sache, aber wer Geld verdienen möchte, der sollte eben live spielen.

Interessanter Gesichtspunkt, viele Bands sehen das nämlich anders und sagen, dass das Internet eben nicht immer gut für sie ist.

Ich kann da nur für uns sprechen und wir haben durch das Internet eine Menge Fans gewonnen. So Sachen wie MySpace sind einfach toll. Aus Labelsicht würde ich das auch anders sehen, aber wir haben dem Internet viel zu verdanken.
Habt ihr schon konkrete Tourpläne? Spielt ihr auch Festivals?

Wir spielen im April wieder bei euch. Da freuen wir uns schon sehr drauf! Dann spielen wir natürlich in England. Ich hoffe auch, dass wir auf einigen Festivals auftreten können – wenn die uns denn haben wollen.

Gibt es denn auch Pläne für Amerika oder Japan?

Ja, auf jeden Fall. Als wir von der Paul Weller Tour kamen, haben wir auch in Amerika gespielt. Nach dem ersten Album waren wir da und das war wirklich toll.
Habt ihr denn auch vor eure Platten in Amerika und Japan zu veröffentlichen?

Unser Debütalbum wurde auch in Japan veröffentlicht. Das ist allerdings auch ein schwieriger Markt. Wir spielten dort – 2006 oder 2007 – auf einem Festival. In Deutschland haben wir es leichter, aber wir werden auf jeden Fall auch wieder nach Japan gehen und einfach gucken was passiert. Das ist einfach ein großartiges Land.

Gibt es denn schon Pläne für die Zukunft, wenn die Tour beendet ist?

Oh ja. Wir wollen dann so schnell wie möglich zurück ins Studio um am dritten Album zu arbeiten. Wir wollen diesmal nicht so lange warten und ein drittes Album rausbringen, damit die Fans nicht so lange warten müssen.
Habt ihr denn noch Material übrig von der zweiten Scheibe?

Ja, wir haben so zwanzig Songs aufgenommen. Wir wissen aber noch nicht, ob wir die für die dritte Platte verwenden. Das sind tolle Songs, die aber nicht alle auf die zweite Platte passten. Die sind auch nicht schlechter, als die Songs, die wir letztlich auf die Scheibe genommen haben, aber es passte einfach nicht. Mal gucken.
Ihr könnt die Tracks ja auch sonst als B-Seiten für eure Singles verwenden.

Das ist eine gute Idee. Wir wollen die auf jeden Fall den Fans zugänglich machen, dafür sind die Songs einfach zu gut.

Vielen Dank für das nette Gespräch und ich hoffe, wir sehen uns auf Tour!

Wir danken Dir für Deine Zeit und wir sehen uns definitiv auf Tour!

Demnächst wird natürlich auch auf Soundbase der zweite Streich der sympathischen Truppe auf Herz und Nieren getestet werden, wir bleiben am Ball.

 

http://www.therifles.co.uk/

 

(Torsten Schlimbach bedankt sich für die freundliche Unterstützung bei Janna und Verstärker Promotion, Sven Städtler und natürlich bei The Rifles!)

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