Louka – Interview am 27.03.2017

In Köln ist der Frühling – um nicht zu sagen der Sommer – ausgebrochen und da bietet es sich ja an, dass das Interview mit Louka nicht im Inneren des Yuca Clubs stattfindet, sondern draußen auf der Terrasse. An diesem Abend ist übrigens Tourauftakt in dieser schönen Location. Von Aufregung ist bei der Künstlerin noch nicht allzu viel zu spüren und auch sonst weiß sie genau was sie will und was sie von sich preisgeben möchte. Die junge Dame ist dabei aber auch sehr authentisch und nett.

 

Hallo, vielen Dank für Deine Zeit so kurz vor dem Konzert. Die Reaktionen auf Deine EP „Flimmern“ waren ja teilweise sehr euphorisch. Wie gehst Du als junge Künstlerin damit um? Hast Du das im Hinterkopf, wenn es darum geht neue Songs zu schreiben oder kannst Du Dich davon völlig freimachen?

Ich finde es grundsätzlich schon interessant darüber zu reden. Ich finde es auch interessant, was die Leute darüber denken. Es wird ja auch immer viel hinein interpretiert in die einzelnen Songs und man kann da auch für sich noch mal manche Dinge rausziehen, die einem beim Schreiben gar nicht so bewusst sind. Ähm, aber wenn ich neue Songs schreibe, dann habe ich das eigentlich nicht im Kopf. Ich bin dann sehr frei und möchte das auch eigentlich sein. Ich habe mich aber natürlich sehr über das positive Feedback gefreut. Es gibt auch negatives Feedback, aber das gehört ja auch dazu.

War es eigentlich eine bewusste Entscheidung von Dir, die deutsche Sprache als Ausdrucksform zu wählen? Der Markt ist ja mittlerweile damit überflutet.

Ja, das stimmt, da gibt es viel.

Die Zeiten, wo von den Alten und Etablierten eine Deutschquote gefordert wurde, sind wohl vorbei.

(lacht) Also es war auf jeden Fall eine aktive Entscheidung. Ich habe vorher auf Englisch geschrieben, aber gemerkt, dass es nicht meine Sprache ist. Wenn ich mir beispielsweise unsere Interviewsituation vorstelle und das müsste ich auf englischer Sprache führen, dann wäre das das Grauen für mich. Ich habe aber auch gemerkt, dass ich in der deutschen Sprache total drin aufgehe. Man kann so auch viel mehr an den Sachen feilen und muss es nicht so allgemein halten. Das stimmt schon, der Markt ist damit überflutet, aber wenn ich Musik mache, dann ist mir der Markt egal. Man will natürlich irgendwo landen und davon leben, aber ich war noch nie so, dass ich da zuerst an das Business gedacht hat.

Brauchst Du eine bestimmte Stimmung um Deine Songs zu schreiben?

Ich bin schon jemand der stetig arbeitet. Ich schreibe jeden Tag. Da kommt natürlich nicht immer was bei rum und das ist dann fast schon mehr so ein Üben, aber ich brauche schon eine gewisse Stimmung. Ich merke das schon selber. Es gibt auch so Talphasen, da kommt dann nix bei herum, aber das kenne ich mittlerweile.

Wie läuft bei Dir der ganze Songwritingprozess ab? Gibt es zuerst die Textideen oder arbeitest Du die Musik zuerst aus.

Ich fange schon zuerst mit der Musik an und dann fange ich an, eine Fantasiesprache da drüber zu jammen. Dann baue ich erst den Text da drauf. Das ist schon sehr konstruiert, aber es ist eigentlich immer zuerst die Musik da.

Klassisch auf der Gitarre?

Früher habe ich das schon so gemacht. Ich bin jetzt nicht so der Super-Pro, aber ich glaube, ich habe schon ein Gespür dafür wenn es dann passt. Mittlerweile mache ich auch viel mit so Keyboardkram und kann mir das so schieben, wie ich es haben möchte. Und dann mache ich auch ein paar Beats und so ein Zeug und ja, das sind dann meine groben Demos.

Denkst Du im Studio – oder wo Du auch immer gerade schreibst – schon an die Liveumsetzung?

Nee, da bin ich dann auch zu beschäftigt mit den Songs. Man lernt das mit der Zeit dann auch mit der Erfahrung, dass man dann auch soweit denkt, dass es live auch noch funktioniert. Mein Freund, der kann das.

Ich dachte da auch an die Akustikversionen Deiner EP.

Da komme ich eigentlich auch her. Mir hat mal einer gesagt, dass ein Song erst dann gut ist, wenn der akustisch und mit Stimme funktioniert.

Wo holst Du Dir denn die Inspiration für Deine Texte her? Sind die autobiografisch oder Fiktion? Oder eine Mischung davon?

Ähm, das ist schon autobiografisch. Da sind aber auch viele Sachen von Freunden dabei, oder ich sehe etwas unterwegs – beispielsweise an einer Litfaßsäule - und dann schreibe ich mir das auf.

Ach, Du hast noch ganz klassisch ein Textbuch bei Dir?

Ja, ohne mein Notizbuch gehe ich auch nicht aus dem Haus, dann fehlt mir etwas. Ich sammle da auch sehr lange. Aus Filmen auch. Und dann baue ich mir meine Texte daraus zusammen.

Kannst Du dann überhaupt noch abschalten, wenn Du ständig beobachtend durch die Gegend läufst oder Filme darauf abklopfst?

Gute Frage! Das stimmt, das ist nicht so gut. Das muss man auch lernen, sonst schaltet man ja nie ab.

„Wann Immer“ oder „Steine Werfen“ sind – wie ich finde – auch recht melancholisch. Entspricht das Deinem Naturell oder kannst Du das als Künstlerin völlig ausblenden, wenn Du Song schreibst?

Ich bin schon ein melancholischer Mensch. Ich lache auch sehr gerne klar. Das hält sich dann so die Waage. Ich glaube, meine große Stärke ist die Emotion. Das ist manchmal dann auch sehr anstrengend, weil man nie abschaltet, wie Du sagst, und das beschäftigt einen dann auch permanent. Ich glaube aber, das ist das, was ich am besten kann: emotional schreiben. Von daher entsprechen die beiden Songs auch meinem Naturell.

Was machst Du denn lieber? Im Studio rumfrickeln und neue Ideen entwickeln oder dann doch lieber Liveauftritte?

Ich mache beides sehr gerne. Wenn man live spielt und Leute da sind, dann macht es ja erst Sinn was man vorher so gefrichelt hat. Wenn was im Netz stattfindet, Youtube, Streaming und so, dann ist das doch wenig greifbar. Man macht das ja auch um Leute zusammenzubringen und deren Emotionen zu spüren. Von daher spiele ich sehr gerne live. Sich mal wegzusperren und im Studio zu arbeiten ist aber auch mal cool. Wenn man die beiden Phasen – Studio und live – trennen kann, dann ist das, glaube ich, cooler, als wenn man das miteinander vermischt.

Bist Du denn nervös vor den Auftritten?

Ja, definitiv...

...und auf der Bühne ist das dann wie weggeflogen?

Ja, das ist so. Ich bin immer sehr, sehr nervös, aber sobald ist singe ist das weg.

Ab wann war Dir eigentlich klar, dass die Musik ein zentraler Bestandteil Deines Lebens sein wird und Du damit professionell an die Öffentlichkeit gehen möchtest?

Also ich habe schon immer Musik gemacht. Ich bin da aber auch reingerutscht. Ich weiß gar nicht, ob ich irgendwann mal gesagt habe, dass ich professionell Musik mache. Das hat sich so ergeben und da gehört natürlich auch Glück dazu. Und jetzt bin ich hier und finde das auch gut. Ich habe mich aber nie hingestellt und gesagt, dass ich Musiker bin.

Haben Dich Deine Eltern und Deine Familie denn gefördert?

Die waren schon immer am Start und haben mich unterstützt. Ich hatte auch immer viel Freiheit das zu machen. Die haben mich auch nie davon abgehalten das professionell machen zu wollen.

Wie ist der Umgang der (neuen) Medien für Dich als Neuling in diesem Geschäft? Hand aufs Herz, ist das die dunkle Seite des Jobs oder macht das durchaus auch Spaß?

Das finde ich eine sehr gute Frage! (lacht) Das hat mich tatsächlich noch nie jemand gefragt. Ich bin jemand, der empfindet das auch als die dunkle Seite. Ich bin aber auch nicht so aktiv bei diesen sozialen Medien, weil ich das selber als anstrengend empfinde. Für mich ist das was, was man machen muss. Es ist halt ein Tool und du kannst es bedienen. Ich finde es aber auch so ungreifbar. Wie heißt das? Snapchat? Irgendwie in sein Handy reinzufaseln um da draußen Leute zu erreichen finde ich super strange.

Es geht aber auch fast nicht mehr ohne.

Leider! Es gehört halt irgendwie dazu. Aber ich bin nicht der größte Fan dieser Sachen.

Und klassische Medien...

Na klar. Damit ist man aber auch irgendwie aufgewachsen. Daran ist man auch gewöhnt.

Welche Erwartungen und Hoffnungen verknüpfst Du mit Deiner Tour?

Ich hoffe, dass wir die Leute mit der Musik berühren und zusammen eine gute Zeit haben. Ähm, wir sind ja mit zwei Bands unterwegs, dass wir auch alle gemeinsam eine gute Zeit haben. Neue Erfahrungen sammeln und wie das eben so ist als Gruppe unterwegs zu sein und welche Dynamik sich da eventuell ergibt. Und ich hoffe natürlich, dass die Zuschauer auch alle wiederkommen werden.

Das sind alles Jungs, mit denen Du unterwegs bist, oder?

(lacht) Ja, ich bin die einzige Frau. Das ist so wie man sich das vorstellt. Beim Laden werde ich allerdings immer in die Ecke gestellt und ganz ehrlich: da bin ich auch froh drüber. Ansonsten muss man sich da schon durchsetzen. Die sind aber alle super lieb. Aber ich hätte manchmal schon ein Mädel ganz gerne dabei, aber ich schaffe es schon mich durchzusetzen.

Hast Du mittlerweile eine Art Routine entwickelt oder bestimmte Rituale, die sich vor, während und nach den Konzerten immer gleich abspielen?

Vor dem Konzert habe ich immer ganz gerne meine Ruhe. Aber so richtige Rituale kann ich noch gar nicht beschreiben. Ich mache mich vorher immer fertig, ziehe mich an. Ich habe da immer ein bestimmtes Outfit, dann holt man sich seine Jungs noch mal zusammen und wünscht sich viel Spaß. Das finde ich aber auch wichtig, dass man da noch mal zusammenkommt. Und ich finde auch, dass man nach dem Konzert ruhig noch mal ein Getränk zu sich nehmen kann (lacht).

Brauchst Du lange um wieder runterzukommen?

Also super lange brauche ich nicht. Ich bin dann schon noch ein bisschen hibbelig, weil ich auch vorher so aufgeregt war. Hochroter Kopf und so, aber ich komme schon wieder schnell runter.

Was sind denn Deine musikalischen Einflüsse? Hast Du viel Feist gehört?

Ja, wirklich. Ich bin tatsächlich ein Fan von Feist. Ich finde das total toll, was die so macht. Ich habe gar nicht so viele Heroes und ich kann auch alle Arten von Musik hören und feiern, aber Feist ging mir sofort total rein. Ich finde auch toll wie melodiös das so ist. Das ist schon toll. Schön, dass Du das so sagst und rausgehört hast.

Wie hörst Du Musik? Kaufst Du noch Vinyl, Du bist wahrscheinlich nicht damit aufgewachsen?

Nein, bin ich nicht. Ich kaufe jetzt aber wieder Vinyl. Mein Papa hat mir auch viele alte Platten gegeben. Es ist einfach schön sich die Zeit zu nehmen, das aufzulegen und nach zwanzig Minuten die Platten umzudrehen. Das ist schon ein sehr aktives Hören. Ich bin aber auch jemand, der streamt oder MP3s hört. Das ist eben einfach um neue Sachen schnell kennenzulernen. Ich mag eigentlich alle Formen des Musikhörens.

Letzte Frage: Wann können wir denn mit Deinem ersten Album rechnen?

(lacht) Ja, das Album. Das ist noch geheim (lacht). Nein, wir arbeiten das noch aus, wann es denn passt. Wir sind schon sehr weit damit. Es ist fast schon im Kasten. So direkt kann ich das aber nicht beantworten (grinst).

Noch dieses Jahr?

Also wenn, dann Ende des Jahres oder Anfang nächsten Jahres. Es wird aber, glaube ich, sehr schön.

Ich danke Dir für das Gespräch!

 

(Torsten Schlimbach bedankt sich bei Isabel Sihler und natürlich Louka für die freundliche Unterstützung!)

S U C H E
Loading

Empfehlen Sie diese Seite auf:

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch