Ingrid Michaelson - Interview am 03.12.2008

Das Album "girls and boys" haben wir ja schon auf Herz und Nieren geprüft und für sehr gut befunden – Zeit für ein Gespräch also. Die arme Ingrid Michaelson hat momentan einen wirklich vollen Terminkalender, um den man sie nicht beneiden möchte. Termin folgt auf Termin – die Ochsentour der Promotiontage. Trotzdem nimmt sie sich eine Dreiviertelstunde vor ihrem Kölner Konzert noch die Zeit für ein Interview. Den Stress sieht man ihr an, die Müdigkeit ist nicht zu übersehen. Mit ihrer charmanten Art lächelt sie diese Tatsache aber einfach weg.

Hallo Ingrid, Danke, dass Du Dir so kurz vor dem Konzert noch Zeit für uns nimmst!

Hallo, schön Dich zu treffen, kein Problem, gerne.

Bist Du so kurz vor dem Konzert nicht nervös?

Nein, überhaupt nicht. Ich habe ja jetzt noch ein paar Termine, bis es auf die Bühne geht, aber ich bin auch so eigentlich nie nervös. Die Bühne ist ja mein zu Hause

War das ein langer Interviewtag für Dich?

Oooooooh ja! Nicht nur heute, sondern die letzten Tage. Ich hatte viele, viele Termine. Ich saß viel im Flugzeug und musste in den letzten Tagen viel sprechen und mittlerweile ist meine Stimme doch sehr mitgenommen. Und ich bin soooo müde.

Ja und die selben Fragen immer und immer wieder?!

Ja, aber das macht eigentlich nichts. Viel schlimmer ist die Müdigkeit. Ich bin aber auch nicht so oft hier bei euch und daher stand jetzt ein kleiner Promomarathon an und die haben eine Menge Termine für mich organisiert.

Magst Du diese Seite des Geschäfts?

Ach, eigentlich macht mir das nicht aus. Es ist ein Teil des Geschäftes und des Spiels und das macht auch Spaß. Ich weiß ja auch, dass dies gemacht werden muss und auch sehr wichtig ist. Natürlich ist das nicht meine Lieblingsbeschäftigung. Das ist natürlich immer noch die Musik, sonst würde ja auch etwas falsch laufen. Die Bühne da draußen, das ist meine Welt. Aber klar, so Interview- und Promotage gehören eben dazu. Manchmal erlebt man ja auch lustige und skurrile Geschichten.

Welche?

Nun, bei einem Radiotermin spielte ich einen meiner Songs und dann stoppte der Tonmann plötzlich und meinte „Hey, Du spielst den Song falsch, der ist schief“. Ich startete dann wieder von vorne und er unterbracht erneut und meinte das sei so falsch. „Hallo?“ Ich habe den Song vor drei Jahren geschrieben, ich weiß wie man den spielt! Aber vielen Dank auch, dass Du meinst er sei schief und falsch“ Solche Sachen halt…

Du warst ja auch diese Woche bei TV…

Total. Ja bei TV Total. Das war auch so eine Geschichte. Ich stehe da und habe plötzlich so eine riesige Band von TV Total im Rücken. Wir spielten „Die Alone“ und „The Way I Am“. In der Band waren sogar Bläser. Ich spiele meine Songs ja gerade eher reduziert und dann kommst Du in das Studio und die spielen das in kompletter Besetzung mit allem drum und dran. Aber ehrlich, mir hat das gefallen. Wenn ich zurück in Amerika bin, werde ich meiner Band auch vorschlagen, dass in Zukunft so zu spielen. Ich muss mal fragen, ob die das hinbekommen.

Im September warst Du ja schon mal zusammen mit Jason Mraz in Deutschland. Jetzt spielst Du ja Deine eigenen Shows. Ist das für Dich ein Unterschied, heute werden ja alles Fans von Dir hier sein?
Oh ja. Jason spielte ja auch vor einem größeren Publikum und in größeren Hallen. Ich spiele ja vor viel weniger Leuten. Das ist ja auch nur eine kleine Promotour. Ich spiele ja nur zwei Shows – Berlin und Köln.

Ist denn die Setlist anders? Spielst Du neue Songs heute?

Neue Songs? Hmm, ja, lass Dich überraschen.

Deine Musik war und ist ja in Grey´s Anatomy zu hören? Wie kam es dazu?

Ich stellte einige Songs auf meine Myspace Seite. Die haben die Produzenten wohl gehört und denen gefielen die so gut, dass sie mich kontaktierten und mich dann fragten, ob ich mir vorstellen könnte, dass ich meine Songs der Serie zur Verfügung stelle. Ich war einverstanden und ein paar Monate später war es dann soweit und ich hatte einen Song in der Sendung.

Ist das Musikgeschäft in dieser Hinsicht heute anders? Heutzutage kann man ja eine Menge Künstler ohne Plattenvertrag im Internet finden und manchmal entwickelt sich ein regelrechter Hype um eben diese Künstler – ein Schneeballsystem. Aber ist das wirklich eine Veränderung gegenüber der guten, alten Zeit? Ist es heute nicht noch immer so: Deine Musik muss einfach gut sein und die Leute müssen diese dann auch noch mögen?

Klar, die Leute müssen es mögen. In erster Linie muss es erstmal gut sein. Es gibt da sehr viel Musik, die meiner Meinung nach nicht gut ist, von den Leuten da draußen aber trotzdem angenommen und gemocht wird. Ich denke aber auch, dass ich eine Menge Glück hatte, das gehört nämlich auch dazu. Ich war halt zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Ich denke, Du bist in erster Linie eine Independent-Sängerin. Alle Leute die ich kenne und Deine Musik gehört haben, mögen diese, auch jene, die eigentlich keine Independent-Musik hören. Was ist das Geheimnis Deiner Musik und Deines Songwritings?
Ach, ich verschwende da keine Gedanken dran. Ich möchte auch nicht überlegen, was den Leuten gefällt oder nicht, dann wäre ich künstlerisch auch nicht mehr frei. Das ist alles unwichtig. Es ist wie bei einem Maler, der kann auch nur schwer erklären warum er dies und das macht – sofern er künstlerisch frei ist. Dieser ganze Prozess passiert irgendwie. Man hat eine Idee und dann wird die aufgeschrieben oder ausgearbeitet. Ich will auch gar nicht herausfinden, wie das passiert. Falls ich das jemals herausfinden sollte, dann denke ich, dass es dann vorbei ist, weil man dann vielleicht zu viel nachdenkt.

Was für Musik inspiriert Dich denn?

Oh, ich liebe die ganzen klassischen Sachen. Als Kind habe ich die ganz alten Filme gesehen. Mein Vater liebt diese alten Filme und so haben wir die immer zusammen angeguckt. Alte Musicals liebe ich auch und die alten klassischen Songs. Eine gute Melodie bedeutet mir alles. Da gibt es schon eine Menge Musik aus meiner Kindheit, die mich immer noch begeistert.

Leute, die Deine Musik nicht kennen und mich fragen, wie diese klingt und ob ich sie beschreiben könnte, sage ich immer: Eine Mischung aus Tori Amos, PJ Harvey, Fiona Apple und Sonic Youth. Kannst Du damit leben oder liege ich komplett daneben?

Nein überhaupt nicht, aus dem einfachen Grund, dass Musik immer subjektiv ist. Jeder hört das raus, war er eben hören möchte. Gut, manche Dinge sind schon überraschend, z.B. wenn ich höre, dass meine Musik wie eine Mischung aus Metallica und Tom Waits klingt. Ich kann da nur sagen: Ja, das macht durchaus Sinn.

Fühlst Du Dich eigentlich wie in einem Traum? Waren die letzten beiden Jahre wie ein Traum?

Da sind wirklich ein paar großartige Sachen passiert. Auf der anderen Seite muss ich auch sagen, dass ich wirklich hart gearbeitet habe. Und darum, nein, wie im Traum fühle ich mich nicht. Das ist alles ein Ergebnis aus harter Arbeit und Glück.

Du bist ja auch Schauspielerin. Hast Du Pläne da wieder tätig zu werden, besonders am Theater?
Ja, ich habe das studiert und das macht mir auch Spaß. Die Musik ist einfach das, was mir am meisten am Herzen liegt – meine Hauptbeschäftigung. Wenn allerdings ein Angebot kommt, das mich interessiert, dann würde ich mich auch damit beschäftigen. Ich würde in dieser Hinsicht auf jeden Fall wieder was machen, weil ich auch das Theaterspiel liebe.

Wie siehst Du denn Deine Zukunft? Hast Du in künstlerischer Hinsicht einen großen Traum?
Ich werde nächstes Jahr erstmal am neuen Album arbeiten und hoffe, dass ich es fertigstellen kann. Und dann möchte ich auch wieder touren, auch hier in Deutschland. Ich habe im vergangenen Jahr ja schon viel in den Staaten getourt. Ich mag es aber auch für andere Leute zu schreiben oder zu produzieren. Hinter den Kulissen zu arbeiten macht mir auch Spaß. Wenn man älter wird, möchte man ja auch mal Familie haben, Du kannst dann einfach nicht mehr elf Monate auf Tour sein.

„Glass“ ist für mich einer der emotionalsten Songs des Jahres. Spielst Du den heute auch?

Oh? Nein, ich spiele den leider nicht. Das gibt es doch nicht. Es gibt so viele Leute, die Deine Meinung teilen und ähnliches auch schon zu mir gesagt haben. Das tut mir wirklich, wirklich leid. Ich habe den aber leider nicht vorbereitet und der ist alleine schwer zu spielen. Ich habe den noch nie gespielt. Vielen lieben Dank für Deine Meinung zu „Glass“. Ich mag den auch sehr gerne. Dies war lange Zeit sogar mein liebster Song vom Album. Das tut mir jetzt wirklich leid, ich muss den einfach mal üben.

Was ist mit „Be OK“? Gibt es Pläne, das Album auch in Deutschland zu veröffentlichen?

Dieses Album besteht aus B-Seiten, ein paar Livesachen und so Kram. Das ist ja kein vollwertiges Album, sondern eher eine Zusammenstellung von Sachen, die ich nicht auf „girls and boys“ genommen habe. Da es kein vollwertiges Album ist, wird es auch nicht weltweit veröffentlicht. Viele Leute mögen allerdings „Be Ok“. Mal gucken, vielleicht gibt es in irgendeiner Form ein spezielles Paket hier.

Hattest Du bei dem ganzen Stress überhaupt Zeit Dir etwas von Köln anzugucken?
Oh ja. Ich habe natürlich die große Kirche gesehen. Ich war auch ein bisschen in der Stadt. Den Weihnachtsmarkt habe ich mir natürlich auch angesehen. Ich genieße es einfach in Deutschland zu sein. Ich mag die Stadt auch sehr und finde es toll hier zu sein und hoffe bald wiederzukommen.

Gibt es da schon Pläne? Eine neue Tour?

Definitiv! Wir werden nächstes Jahr auf jeden Fall wiederkommen und dann auch mehr Shows spielen. Das wird noch ausgeweitet auf Österreich und die Schweiz. Sicher ist, dass wir definitiv wiederkommen.

Ingrid, vielen Dank für Deine Zeit und Deine Geduld!

Ich Danke Dir für das nette und lockere Gespräch! Wie sagt man bei euch? Auf Wiedersehen und Tschöööö!

 

(Torsten Schlimbach bedankt sich für die freundliche Unterstützung bei Isabel Sihler und Universal und natürlich bei Ingrid Michaelson!)

 

http://www.ingridmichaelson.com

www.ingridmichaelson.de

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