Beatsteaks - Interview am 24.08.2017

"Yours" von den Beatsteaks steht in den Startlöchern (VÖ ist am 01.09.2017). Dies nahmen wir zum Anlass mit Thomas Götz ein Gespräch über das Album mit 21(!) Songs zu führen. Warum der Sound der Band wie eine Rose ist, was entsteht, wenn man den anderen Bandmitgliedern Freiheiten lässt und warum es die "Du Bist Deluxe" Box gibt, kann man unten in den aufschlussreichen Antworten vom sympathischen Schlagzeuger der Beatsteaks nachlesen.

 

 

Hallo Thomas, vielen Dank für Deine Zeit!

Am 01. September erscheint euer neues Album „Yours“ und so manch einer wird von der Fülle – immerhin 21 Songs – überrascht sein. Wie war denn diesmal die Arbeitsverteilung? Hat da zunächst jeder seine eigenen Demos mitgebracht?

Also jeder hat sein eigenes Zeug, was er so hatte, mitgebracht. 21 Songs sind auch nur für uns viel, für andere Bands ist das nicht unbedingt so. Wir haben uns bisher immer an Slayer orientiert und halbe Stunden Alben abgegeben. Diesmal wollten wir mal was Längeres machen. Wir haben die Ideen dann nicht gleich ausgesiebt und was auf dem Tisch lag, wurde dann auch bearbeitet. Ich glaube aber, dass der Plan nicht aufgegangen wäre, wenn wir nicht Freunde, Bekannte, Verwandte und Leute, die wir gut finden, gefragt hätten, ob sie uns dabei helfen können. Wir wollten die Platte auch selber produzieren und nicht einem Produzenten sagen, ok, mach Du das mal. Wir wollten selber die Fäden in der Hand halten, haben uns dann aber nach und nach Leute gesucht, mit denen wir zusammengearbeitet haben. Erst durch deren Hilfe war das Album dann so möglich, wie es jetzt ist. Das waren dann Leute wie unser langjähriger Produzent Moses Schneider oder The Krauts, die mit Materia und Peter Fox Erfolg hatten. Dann gab es ein Lied, welches von Brezel Göring von Stereo Total produziert wurde. Peter Fox war als Produzent dabei und es gab zwei Lieder, die von Sepalot von Blumentopf produziert wurden. Und dann gab es noch den Song mit Stephen Street, der in der Vergangenheit Blur, aber auch die Kaiser Chiefs oder die Babyshambles produziert hat. Diese Leute haben uns geholfen, das alles zusammenzuhalten und uns auch etwas die Last genommen. Dazu kam dann noch, dass wir so viele Gäste hatten, die auch mitgesungen oder irgendwas für das Album gemacht haben, und so war das für uns so, als würden wir etwas die Verantwortung abgeben. Farin Urlaub hat uns einen deutschen Text geschrieben. Deichkind hat uns einen deutschen Text geschrieben, Jamie T hat uns mit einem englischen Text geholfen, äh, Françoise Cactus hat uns einen französischen Text geschrieben. Wir hätten diesen französischen Text nicht gewuppt und wir hätten für das Lied dann wahrscheinlich keinen Text geschrieben. Wir konnten das also nur machen, weil Françoise gesagt hat, dass sie das macht.

Ich durfte „Yours“ schon hören und was zunächst auffällt, ist dass das Album unglaublich vielseitig und teilweise auch experimentell ist. War euch daher von Anfang an klar, dass ihr mit mehreren Produzenten arbeiten wollt, vielleicht sogar müsst?

Das mit den Produzenten lag eigentlich auf der Hand. Wenn man jetzt nur DEN einen Produzenten gesucht hätte, ich glaube Arnim hätte sich nicht vorstellen können, dass Brezel Göring alle Stücke produziert. Ich hätte mir gar nicht vorstellen können, dass alle Stücke von The Krauts produziert werden. Wir haben unserem Gegenüber in der Band einfach mehr Freiheit gegeben und die Zügel locker gemacht, damit jeder das so machen kann, wie er denkt. Jeder sollte seine Vision von dem Lied machen und auch durchziehen. So haben wir uns dann selber die Freiheit gegeben und die Vision, die man hatte, umgesetzt – auch was die Produzenten betrifft. Aber ich finde übrigens nicht, dass es ganz so experimentell klingt. Das sehe ich nicht. Ich finde, das dies ein Popalbum ist! Oder zumindest das, was ich damals als Pop bezeichnet habe.

Beim zweiten Durchlauf von „Yours“ habe ich mir zu jedem Song Notizen von ein paar Gedanken gemacht, die mir spontan durch den Kopf gingen. Für mich haben sich da zwei Dinge heraus kristallisiert: das Album groovt, die Songs haben aber oft auch eine melancholische, gar nachdenkliche Richtung. War Letzteres eine bewusste (musikalische) Entscheidung oder gar Konzept?

Das ist der alte Kampf zwischen Moll und Dur, oder? Ich glaube, die Hälfte der Band liebt Moll und die andere Hälfte Dur, die dann auch fragt, ob wir nicht mal einen Durakkord spielen könnten, weil diese Traurigkeit einen langsam runterziehen würde (lacht). Und so ist das immer der Widerstreit zwischen Moll und Dur. Es gibt aber auf jeden Fall starke melancholische Strömungen, richtig.

Also ist das eher unbewusst entstanden?

Ja, definitiv. Es sollte jeder so machen, wie er meint und da ist dann eben auch viel Moll dabei.

Arnim und Torsten legen ja auch oft gemeinsam auf. Schreiben die beiden auch zusammen und hat die Nebentätigkeit unbewusst für den Grooveanteil von „Yours“ gesorgt?

Ich glaube, dass Arnim sehr an den Club denkt, wenn er Musik macht. Ich denke, dass Torsten ihn da auch unterstützt in der Art, wie er den Bass spielt. Möglichst fett . Aber wir schreiben eigentlich alle zusammen. Ich habe jetzt keine Kollabo im Kopf, wo die beiden sich alleine den Song genommen haben. Torsten bringt sich da aber immer so ein, dass er will, dass es fett und schwer ist und dann nicht dieses Achtel-Gedöns machen will.

Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit euren Albumgästen (Chad Price von All, Stereo Total, Deichkind und Farin Urlaub)?

Chad Price habe ich auf Facebook angeschrieben. Das ist ja ein alter Hero von uns. Wir mögen alle All, die Band, und sind damit quasi auch aufgewachsen. Stereo Total konnte ich fragen, weil ich über eine Radio 1-Session Brezel Göring und Françoise Cactus kennengelernt habe und ich da dann ja eh schon die Telefonnummer hatte. Jamie T hat Arnim nach einem Jamie T-Konzert im Astra gefragt. Deichkind und Arnim sind ja befreundet, die haben auch schon mal zusammen Geburtstag gefeiert und daher war das auch ein kurzer Weg. Farin Urlaub ruft öfters Peter an und fragt, wie es so geht und wie es läuft. Farin kam dann auch in den Proberaum. Und ja, Sepalot hat mal eine Platte gemacht, die Torsten und mir sehr gut gefällt und da haben wir einfach gefragt, ob er nicht zwei Stücke produzieren will.

Wo war eigentlich Ferris?

Mhm Ferris. Ferris war nicht dabei. Aber Porky war dabei. Dafür hat Porky die geilste Strophe (lacht).

Ich würde gerne noch mal auf den experimentellen Teil und einzelne Songs zurückkommen. „40 Degrees“ fällt durch einige Tempowechsel auf, „Filthy Crime“ ist im Mittelteil sehr verspielt, „I Do“ fängt minimalistisch an, bevor die Band voll einsetzt, „Yours“ (der Song) ist eine abgefahrene Mischung aus den Doors, RATM, Beastie Boys und George Clinton, „No Surprises“ ist schon zu Beginn sehr verspielt, dann kommt der lässige Bass bevor die Gitarren hinzustoßen, kurzum: musstet ihr viel diskutieren um die Ideen dem jeweils anderen schmackhaft zu machen? Gab es da viele Reibereien oder Überzeugungsarbeit zu leisten?

Ja, wir fetzen uns da immer. Immer. Wir fetzen uns dann, wie das jeder für sich hört. Und da sind unsere Egos nicht kleiner, je älter wir werden. Das Schöne ist aber, dass wir jeweils den Anderen Freiheiten eingeräumt haben. Bernd und ich haben bei einem Song dann schon diskutiert, wie man das selber hört und Arnim hat uns dann die Freiheit gegeben, dass wir das bis zum Ende produzieren sollen und am Schluss hat er (Arnim) sich tierisch darüber gefreut, wie es geworden ist. Genauso haben wir auch Arnim die Ideenfreiheit gelassen und gesagt: dann geh dafür mit Deichkind. Mach eben einen deutschen Text. So hatte ich die Freiheit zu Brezel Göring zu gehen und zu fragen, ob man das nicht anders machen kann, bisher wäre das so muskelmäßig und Du (Brezel) bist ja nicht so der Macho in der Musik. So hat halt jeder seine Freiheiten bekommen und ganz ehrlich, hätten wir das nicht gemacht und auch mal losgelassen, dann hätten wir uns da tierisch gefetzt. Es sieht ja auch immer jeder ein bisschen anders. Wir sind da meist nicht weit auseinander, aber trotzdem hört das jeder ein bisschen anders und wenn dann fünf Leute das gerne ein bisschen anders hätten, dann wird es für den mit der Ursprungidee richtig schwierig.

Und dann seid ihr auch alle zufrieden mit dem Ergebnis?

Ja, schon. Und das war auch nicht schwierig oder hart für uns. Und das war auch nicht dieses „wir finden über den Kampf zum Spiel und schaffen das irgendwie“. Das war eher so „ah, der macht schon, dann brauch ich mich schon nicht zu kümmern – weniger Arbeit.“

Vor dem Hintergrund der experimentellen und verspielten Elemente: macht man sich während der Aufnahmen eigentlich schon Gedanken über die Liveumsetzung?

Also ich persönlich will mir keinen Kopf machen. Ich weiß, dass das sowieso immer im Raum steht und dass Teile der Band das ganz, ganz wichtig finden. Ich denke mir eher immer, dass wir eine Liveversion bisher immer gefunden haben. Meistens sind die sowieso besser als auf Platte. Also ich mache mir da auch keine Sorgen drum. Wir können ja auch nicht alles spielen.

Von den ersten Ideen bis zum finalen Album: Wie lange hat sich denn der ganze Prozess für „Yours“ hingezogen?

Ein Jahr schon. Aber mit Pausen und Urlaub. Also ich fand es relativ entspannt. Ich finde, was das betrifft, ist das eine unserer entspanntesten Platten.

Aufgrund der großen Vielfalt, Verspieltheit und musikalischen Bandbreite: gab es eigentlich auch mal Momente, wo euch einer bremsen musste und der euch dann gesagt hat, dass ihr vielleicht einen Schlenker zu viel macht oder zu einem Ende kommen müsst?

Ja, kann man so sagen. Beschränkt euch mal auf das Wesentliche, ich glaube, das hört man immer wieder. Beispielsweise bei „Filthy Crime“ ist eine Strophe in der Bridge und ein Refrain. Strophe, Bridge, Refrain, Bridge, Refrain und fertig ist das Ding. Im ursprünglichen Teil kam dann ein C-Teil und eine Instrumentalstrophe und dann der Refrain. Pierre (Peter Fox) meinte, dass er das anders hört und wir sollten da keine Kunst machen, wäre ja schon anstrengend genug und wir sollten da nicht zu viel machen.

Blendet man, während man in dieser Studioblase steckt, eigentlich aus, für was die Beatsteaks musikalisch bisher wahrgenommen wurden? Stichwort: Erwartungshaltungen und ein bestimmter Sound, den man mit den Beatsteaks in Verbindung bringt.

Ich mach mir darüber keine Gedanken. Das ist auch irgendwie wurscht. Ich habe das nicht im Kopf. Ich bin auch ignorant, was das angeht. Wenn Peter Gitarre spielt, dann klingt das eben wie wenn Peter Gitarre spielt – egal, ob das die Erwartungshaltung ist oder nicht. Irgendwann haben halt mal Leute gesagt, dass ihnen gefällt, was wir da machen und Tickets gekauft. Fünf Jahre später ist Peter aber immer noch Peter wenn er Gitarre spielt. Der Sound der Beatsteaks ist doch wie „ist eine Rose, ist eine Rose, ist eine Rose.“ Der Sound ist unser Sound, weil WIR den ja machen. Also was soll denn sein und wo ist das Problem?!

„Yours“ ist aber schon in Teilen anders. Wenn mich einer nach einem Vergleich mit einer anderen Band fragen würde, würde ich The Clash nennen. Die sind ja auch weit über Punk und Rock hinausgegangen und haben Reggae oder Dub in den Sound einfließen lassen.

(begeistert) Ja, das ist das, was wir an den Clash total bewundern. Wir beten die ja für das, was die gemacht haben, an. Wir lieben die ja nicht für die ersten zwei Platten, also auch, aber eben viel mehr für „Sandinista!“. „Sandinista!“ und „London Calling“ sind überragend. Wir sind ja sowas wie eine Zirkusband. Wie lieben Musik so sehr, dass wir jedes Genre irgendwie halbwegs nachspielen können. Wir sind nicht so sehr ernsthafte Musiker, also nicht so ernsthaft, dass wir nachts zum Einschlafen Stockhausen hören würden, sondern wie eine Zirkusband. Aber – wir sind eine gute Zirkusband! Wir nehmen uns was uns gefällt in der Musik und spielen das dann, weil wir das geil finden. Das haben wir aber immer schon so gemacht.

Was die nächste Frage betrifft: da war ich mir lange unsicher, ob ich die stellen soll. Während des ganzen Prozesses von „Yours“ ist ja auch eine ganze Menge in diesem Land und auf der Welt passiert: gab es von eurer Seite da Diskussionen, ob ihr euch thematisch dazu äußern wollt oder sollt?

Das was alles passiert ist in der Zeit: also in meinen Augen war das eine sogenannte Flüchtlingskatastrophe. Katastrophe, weil die Menschen einfach in einer katastrophalen Situation waren, wie Flüchtlinge eigentlich immer. Dann gab es den Rechtsruck. Die extreme Rechte hat Aufwind gekriegt, was ich überhaupt nicht verstehe. Nicht verstehe, wieso die Deutschen immer, wenn es irgendwie anstrengend wird, nach autoritären Modellen suchen. Total ekelhaft! Dann gab es den Brexit und zu dem ganzen Kompott gab es dann noch Donald Trump obendrauf. Und dann noch die islamistischen Anschläge, weshalb man jetzt ne Mauer bauen muss, damit jedem einzelnen Menschen nix passiert. Das war natürlich immer Gesprächsstoff in unseren Pausen zwischen den Liedern. Wir haben eigentlich immer reagiert. Auf die angebliche Flüchtlingskatastrophe haben wir reagiert, indem wir für die Dresdner Antifa und die Dresdner Flüchtlingshilfe gespielt oder Pro Asyl Geld gespendet haben. So etwas machen wir schon immer. Ob da was in den Liedern reingekommen ist, kann ich gar nicht beurteilen. Es gibt da ein Versuch, sich in die Flüchtlingsperspektive reinzuversetzen. Ansonsten war es einfach viel Gesprächsstoff und beeinflusste unsere Reaktion als Band in einer eher praktischen Art. Wir haben diese „Du Bist Deluxe“ Box gemacht. Der Mehrwert dieser Box ist nicht irgendein Wecker oder irgendwas, was thematisch zur Platte passt, sondern eine Spende an Amnesty International. Wer sich die Deluxe Box kauft, kriegt also nicht wirklich mehr, aber 15 Euro gehen an Amnesty International. Ich persönlich finde das ist viel mehr wert, als irgendein Gimmick, den man der Platte beilegt und den man zwei Jahre später eh wegschmeißt.

Also hat euch das eher unbewusst beeinflusst?

Ja und nein. Die Deluxe Box hätte es beispielsweise so nicht gegeben.

Ist es für euch als Band in der heutigen Zeit noch wichtiger Haltung zu zeigen, auch wenn man mitunter damit aneckt?

In erster Linie sind wir mal eine Rock And Roll Band, die die Leute unterhalten soll. Natürlich kriegen wir auch den ganzen anderen Kram mit und was wir machen können, machen wir auch. Aber zunächst mal wollen wir Rock And Roll Musik spielen. Das heißt aber auch nicht, dass wir unsere Fresse halten.

Noch mal zurück zu der Anzahl der Songs: 21 ist ja schon eine ziemliche Ansage. Wie viele wird es davon live zu hören und sehen geben und wie schwer ist euch die Auswahl gefallen?

Das wird schwierig werden. Wirklich schwierig. Heute spielen wir neun neue Songs. Mal gucken wie das dann so geht, aber wir haben uns vorgenommen jeden Song mal live zu spielen. Wie oft dann der jeweilige Song gespielt wird, wird sich dann zeigen. Aber jeder Song soll zumindest einmal gespielt werden.

Ein schönes Schlusswort! Vielen Dank für das Gespräch!

 

(Torsten Schlimbach bedankt sich bei Vivien Mierzkalla von Verstärker Promotion und natürlich den Beatsteaks,Torsten Dohm und Thomas Götz für die freundliche Unterstützung!)

Beatsteaks - Interview am 06.10.2014

Die Kollegen von der Visions feierten am Vorabend „25 Jahre Visions“ und wer wäre da besser als Liveband geeignet? Eben! Die Beatsteaks und die Musikzeitschrift können ja schließlich auf 20 gemeinsame Jahre zurückblicken. Gute Jahre. Man kann davon ausgehen, dass Torsten Scholz nicht um 22 Uhr im Bett war und doch hat er sich freundlicherweise dazu bereit erklärt, Dream Out Loud ein Interview zur Mittagszeit zu geben. Geplaudert wurde ausführlich über die neue Platte, deren Entstehungsprozess, die Tour und das Beatsteaks-Universum - aber lest selbst:

 

Hallo Torsten, vielen Dank für Deine Zeit!

Gestern stand ja ein außergewöhnliches Ereignis mit den Kollegen von der Visions an – 25 Jahre – ihr habt ja schon ein besonderes Verhältnis, oder?

Na ja, bei denen ist das so toll, dass deren redaktionellen Sachen nicht beeinflussbar sind. Man kann da beispielsweise den Titel nicht kaufen oder die Plattenfirma kann da auch kein Geld für einen Samplerbeitrag bieten – das macht bei denen immer alles die Redaktion. Und die waren ab unserem ersten Tag am Start. Die Band hat da eigentlich immer Bestnoten bekommen und dann gab es halt schon mehrmals den Titel, wir haben mal die Redaktion für eine Ausgabe übernommen und ich hab´ schon relativ oft bei der Visions Party in Berlin aufgelegt. Wir haben auch schon mal im Rahmen einer Visions-Party gespielt. Das war damals noch im alten FZW mit Billy Talent und Muff Potter. Jetzt im Rahmen unserer Tour haben sie uns gefragt und da sagen wir natürlich gerne ja und da kann man dann auch mal was zurückgeben.

Ihr habt über die Jahre da schon so ein freundschaftliches Verhältnis aufgebaut, oder?

Also der Jan (Schwarzkamp Anmerk. Verf.) wohnt in Berlin und der ist ein sehr guter Freund von mir und der Lohrmann selber, mit dem wird dann ewig lange gequatscht wenn wir uns sehen. Ich selber habe da etwas den Bezug verloren, weil ich viele Sachen nicht mehr kenne, die die da besprechen – ich höre ja mehr so Rap. Ich finde aber, dass die das mit Herzblut machen und das ist ja noch selten heutzutage. Besonders für Printmedien und da muss man ja nicht viel Ahnung haben um zu sehen, dass das langsam ein sehr kleines Feld wird.

Kotzt Dich oder euch das teilweise an, dass sich das alles immer mehr auf das Netz verlagert? Heute macht ja jeder seinen Blog, seine Zeitung – ich ja auch – ohne im eigentlichen Sinne vom Fach zu sein oder Journalismus studiert zu haben.

Es sind da verschiedene Sachen die da zusammenkommen. Also vom Grundsatz her finde ich, dass viel im Netz passiert und da wird auch Geld generiert und das ist nun mal der Lauf der Dinge. Ich gucke ja auch viel was so im Netz passiert, kaufe mir aber auch Musikzeitschriften. Wenn jeder das so normal machen würde wie icke, dann passt das schon. Arnim kauft sich beispielsweise auch immer noch den NME, ist aber auch laufend auf deren Seiten im Internet. Es gibt natürlich auch Leute die nur noch im Netz unterwegs sind. Ich finde es auch o.k., wenn man sich Musik aus dem Netz zieht – von mir aus auch illegal oder wie auch immer, das kann ja jeder machen wie er will. Aber, wenn man sich nur noch darauf fokussiert und das andere komplett ignoriert, dann wird es irgendwie komisch. Das ist die eine Seite, aber dann finde ich die Möglichkeit, die das Netz für Leute wie dich bietet und die dann eine Seite betreiben, total großartig. Mann muss nicht mehr Journalismus studieren. Man muss auch niemanden mehr kennen. Man muss auch nicht mehr in dieser schnöseligen Szene rumhängen – und da gab es echt Leute wo man dachte "was ist denn mit denen los?“, ähm, das finde ich auch gut. Und ungefragt seine Meinung zu sagen, dafür ist das Netz eben auch da. Natürlich denkt man sich auch manchmal, ob da manche Leute einfach nix besseres zu tun haben als ihren unqualifizierten Rotz abzugeben. Das nervt manchmal schon, wobei ich dann auch sagen muss selber schuld, denn wir können ja auch einfach unsere Facebook-Seite dicht machen, dann kann eben keiner mehr Kommentare abgeben. Wenn man die Seite hat, dann muss man eben auch davon ausgehen, dass irgendwelche Brühbirnen das nutzen um sich zu profilieren oder so. Ganz ehrlich, damit muss man auch einfach klarkommen.

Eine wichtige Frage: wie geht es Thomas? Ist nach seinem Unfall alles wieder in Ordnung?

Thomas ist fitter denn je. Der hat keinerlei Probleme mehr und man merkt auch nicht mehr, dass da mal irgendwas war.

So blöd es klingen mag, hat euch das als Band enger zusammengeschweißt? Wenn ich diverse Meldungen richtig interpretiert habe, dann wusstet ihr eine Zeitlang nicht, ob es überhaupt noch eine Zukunft für die Band geben kann.

Wenn du Thomas fragst, dann sagt der „Nö“, der spielt das immer gerne runter. Ich sag da ganz klar, für mich - also wirklich nur für mich als Typen - war das fast positiv zu werten. Ich habe in dem Augenblick einfach gemerkt wie wichtig mir das alles ist. Man war ja vorher schon so irgendwie Freunde, aber jeder hat seine eigene Familie und man hat wenig zusammen, aber durch den Unfall hat es dann irgendwie wieder klick gemacht, wo man dann auch sagt: ok, alles klar, alles gut.

Hat sich eure Arbeitsweise dadurch auch geändert? Ich habe den Eindruck, dass ihr wesentlich fokussierter seid und dies nicht alleine aufgrund der Tatsache, dass ihr eure aktuelle Platte schnell eingespielt habt.

Die Arbeitsweise hat sich nicht geändert. Es waren mehr so andere Umstände, auch, dass wir ein bisschen mehr Zeit hatten. Und da relativ viele von uns Demos machen – eigentlich alle – gab es einen regen Austausch in 2er-, 4er- und 5er-Gruppen und da blieb relativ viel kleben auf der Festplatte. Von da ging es relativ schnell zu fertigen Liedern und dann auch schnell zu den Aufnahmen. Das hat, glaube ich, nichts mit dem Unfall zu tun gehabt, sondern einzig und alleine mit unserer Arbeitsweise zu dem Zeitpunkt.

Wie kam es, dass ihr die Musik und den Gesang getrennt voneinander aufgenommen habt? Gerade Du warst von „SaySaySay“ - und dass die Nummer live eingespielt wurde – doch ziemlich begeistert.

Ja, das fand ich total gut und dass der Gesang da auch mit aufgenommen wurde und das war eigentlich auch der Plan. Aber als wir bei uns im Schaltraum waren und die Demos aufnahmen, ging es zunächst grob nur um die Musik. Arnim hat da auch ein paar Songs gesungen, aber im Grunde haben wir uns erst nur auf die Musik konzentriert, zumal ja auch noch die Idee bestand im Januar mit Walter Schreifels im Proberaum was zu machen und da hat man dann halt gesagt, lasst uns jetzt 100 % auf die Musik gehen und dann gehen wir danach 100 % auf die Texte und so ist es dann letztlich geworden wie wir es immer gemacht haben: Musik live aufgenommen und Arnim hat dann später da drauf gesungen. Ich glaube aber auch, dass es bestimmt mal wieder Situationen geben wird dies noch mal anders zu machen. Man muss auch einfach mal sagen, dass das im Schaltraum nicht so einfach möglich gewesen wäre auch noch zeitgleich mit Gesängen zu arbeiten.

Um noch mal zurück auf den Unfall von Thomas zu kommen: steht der fehlende Albumname damit wirklich in direktem Zusammenhang oder interpretieren die Leute da eventuell zu viel hinein?

Irgendwie passt das alles zusammen – aber du hast voll recht. Es war wirklich so, dass wir keinen Namen hatten. Dann haben wir das Foto gesehen und dachten: klatschen wir oben den Bandnamen hin und dann passt das alles. Sieht gut aus. Peng. Ich persönlich habe noch zu Beginn gesagt, dass wir das alles so lassen sollen, auch gerade nach dem Unfall und so. Das war aber allen – gerade auch Thomas – alles viel zu bedeutungsschwanger. Deswegen bin ich auch nicht groß damit hausieren gegangen, aber ich kann schon verstehen, dass die Leute das dann eben daraus machen und einen Zusammenhang sehen. Im Grunde ist es aber total überinterpretiert. Wir hatten auch keine Idee wie die Platte heißen könnte und „Thriller“ und „Nevermind“ gab es schon und dann haben wir einfach gesagt, dass wir es dabei belassen.

Bei der aktuellen Platte habt ihr auch viel aus dem Bauch heraus entschieden, oder? Die Songs hören sich nach „einfach mal laufen lassen“ an.

Ja, das hat alles relativ schnell funktioniert, aber ich kann dir jetzt nicht genau sagen, ob das aus dem Bauch heraus war. Es ist einfach so gewesen. Es gab wirklich Demos die wurden 1:1 umgesetzt und dann war das Lied fertig. Dann gab es Demos, die von dem und dem zusammengepackt wurden und dann passte das auch. Dann hat Arnim die sechzehn Ideen mit in seinen Raum genommen und hat dann dazu gesungen und dann kam Moses (Schneider, Anmerk. Verfasser) und hat dann seine Meinung dazu gesagt. „Der ist fertig, der ist so gut wie fertig und hier würde ich das und das und das noch probieren.“ Dann haben wir das probiert und festgestellt, dass es vorher besser war und dann war es auch schon fertig. Und nun hat man das relativ schnell und unproduziert gelassen. Die andere Platte davor „Boombox“ war ja so, dass man da vorher jahrelang im Proberaum gearbeitet hat. Kannste hier noch mal was machen, da noch eine Gitarre und dies und das. Diesmal gab es keinen Klimbim, kein Klavier und keine Overdubs. Bis auf zwei Songs, die eben produziert und gebastelt sind - „Wicked Witch“ und „Creep Magnet“ - sind alle anderen live im Schaltraum entstanden. Die wurden so aufgenommen, mit 16 Spuren über die Bandmaschine in den Rechner, dann hat jeder kurz durchgehört ob sein Instrument in Ordnung ist und dann hat irgendwann der große Mischer in Amerika oder England das Ding noch fertig gemacht und dann war es gut. Aber ob das letztlich aus dem Bauch heraus ist kann ich nicht sagen, das müssen andere entscheiden. Ich kann immer nur sagen wie es gemacht worden ist.

Hatte Moses Schneider eigentlich noch viel zu tun, so schnell wie ihr diesmal gearbeitet hab?

Na Moses hat, finde ick, bei dieser Platte sehr viel Anteil und ist zurecht Produzent - obwohl er den Mischprozess nicht mehr begleitet hat, denn da war er auf Weltreise mit seiner Familie. Moses war aber immer beim Kreativprozess im Proberaum dabei und er kann einen Song ganz schnell in eine bestimmte Ecke drängen, wo wir dann immer sagen „boah, total krass“. Wenn sich Moses einbringt, dann ist das immer ultra gut. Dann hat er, wie immer bei unseren Platten, ein bis zwei sehr gute Bassideen gehabt die wirklich toll sind und ohne die, die Platte nicht wäre was sie ist. Und Moses hat natürlich schon den Grundstein für die Platte im Schaltraum gelegt. Wir nehmen halt nicht vom Gitarrensignal auf und das wird dann hinterher geampt oder modelliert und so, nein das Signal geht durch den Amp, durch die Verzerrer, durch die Box und wird dann aufgenommen, geht dann durch ein Mikrofon und durch diverse Vorverstärker und Kompressoren die dann auch noch Sound machen und landet dann auf der Bandmaschine und dann auf dem Rechner. Das Signal, dass dann ankommt, ist halt schon so verformt und besonders gemacht, dass man da nicht mehr viel machen kann – das ist dann halt so. Der Sound, den wir von manchen Songs im Schaltraum hatten, ist am Ende der dem man beim Mischen hinterher hechelt. Das bedeutet, dass der Mischer sich die Rough Mixe anhört und sich eigentlich an dem orientiert, was Moses schon während der Aufnahme so hingestellt hat. Dies darf man auf gar keinen Fall unterbewerten und das ist ultra wichtig und ultra fett, dass der das kann. Das macht Moses auch so besonders.

Ihr würdet solche schnellen Projekte dann auch nur mit Moses angehen?

Also man kann natürlich nicht sagen, wie es die nächsten Jahre wird. Wir haben auch schon gesagt, dass wir mit Moses nicht mehr arbeiten und dann war er doch wieder dabei. Er hat aber auch schon selbst gesagt, dass er mit uns nicht mehr arbeiten kann und will und am Ende war er dann doch wieder am Start. Wir haben jetzt mal die Platte gemacht und ich kann mir nicht vorstellen mit Moses nie wieder was zu tun zu haben, dafür ist er auch ein zu enger Freund geworden. Und ganz ehrlich, er ist schon ein geiler Typ und da wäre man natürlich schön blöd, wenn man das nicht nutzt.

Ihr habt eure Songs von international bekannten Produzenten mixen lassen, wie kam es denn dazu?

Also wir hatten Nick Launay, Stephen Street und Joe Barresi. Nick Launey hat die „Boombox“ schon gemischt, den kannten wir ja schon – da waren Arnim und Thomas damals sogar in L.A. und haben das betreut und begleitet. Wir wussten halt, dass der gesetzt ist und dann haben wir einfach mal auf unsere Platten hinten geguckt was uns so gefällt. Ja und wenn dann auf einer The Smiths-Platte oder einer Blur-Platte hinten Stephen Street steht, warum dann nicht einfach mal fragen? Da die Aufnahme und die Produktion der Platte so billig war, dadurch dass wir im Proberaum aufgenommen haben und das eben überschaubare Kosten verursacht hat, war die Plattenfirma sofort dabei als wir gesagt haben, dass wir das von ein paar Namen mischen lassen. Stephen Street und Joe Barresi – ich meine Queens Of The Stone Age und Soundgarden ist jetzt nicht so schlecht. Und dann haben wir ein bisschen auf die Songs geguckt. „Up On The Roof“ ist ganz klar ein Joe Barresi Song, der klingt ein bisschen in Richtung Queens und ja, so haben wir die Songs dann aufgeteilt. Bis auf ein Lied - „Gentleman Of The Year“ - ging die Rechnung dann total auf. Den „Gentleman“ haben wir dann von zwei mischen lassen. Wir waren am Ende heilfroh, dass wir das so gemacht haben.

Wer hatte denn die Idee zu dem Video?

Zu „Gentleman Of The Year“? Der Sander (Houtkruijer, Anmerk. Verfasser), der Regisseur. Der hat auch das Materia-Video „Kids (2 Finger am Kopf)“ gemacht und Arnim hatte das gesehen und meinte sofort, dass dies ein super Video wäre und wir sollten doch mal Marten aka Materia anrufen. Wir haben uns dann mit dem Sander getroffen, genau, jetzt ist die Geschichte fast schon weg. Arnim und ich waren mal auflegen. Das war in Halle, Halle an der Saale, bei einer MDR Sputnik-Party. Das wurde groß beworben und am Ende waren das vielleicht 50 Leuten in einer 1000er Halle – inklusive der Leute an der Bar und Garderobe. Sagen wir mal so: es war relativ leer. Wir haben dann das Beste daraus gemacht, Bierchen getrunken und einen geraucht und aufgelegt. Es waren aber ein paar Leute da die getanzt haben. Da war dann so ein Typ der sich die Beginner und „Hammerhart“ gewünscht hat. „Klar machen wir, du musst aber tanzen.“ Der hat dann getanzt und ist abgegangen und war in seiner Welt. Arnim hat ihn dann gefilmt und gefragt ob das in Ordnung ist, dem war einfach alles egal. Arnim meinte dann, dass das doch eine super Videoidee wäre. Einfach so ein Typ, dem alles Latte ist und in seiner Welt ist: er und das Lied. Und genau das ist es ja am Ende geworden. Das haben wir dann dem Sander erzählt und der hat dann am Ende die Geschichte dazu gebastelt. Eben der Typ, der da außerhalb in so einem Kaff wohnt und dann gibt es da diese halbleere Dorfdisse und so weiter.

Wer hatte denn die Idee die Demos, Instrumentals und die Münchner Freiheit-Nummer auf die Box zu packen? Manches klingt doch sehr interessant und nach First Take.

Die Demos sind auf alle Fälle die ersten Aufnahmen. Du musst ja immer mit dieser Deluxe-Box kommen. Ich finde das grundsätzlich nicht so schlimm, wenn man dann auch was Schönes daraus macht und wenn das halt eine geile Box mit Sachen ist, die man von der Band vielleicht so noch nicht kennt. Es sollte halt nicht T-Shirt, Kaffeetasse, Schlüsselband und so ein Rotz sein, weißte. So Kram halt, der schnell produziert ist und Hauptsache du kannst den Leuten 50 Euro aus dem Kreuz leiern. Wir haben dann überlegt wie man das besser machen kann und ich finde, dass uns das eigentlich ganz gut gelungen ist. Man erfährt eben auch sehr viel über die Band. Das Fotobuch ist eine besondere Sache und ick finde die Demos, die Instrumentals und die A-Capellas sind toll. Ich habe mir letztens die Blur-Box gekauft und da gibt es auch so Instrumentals oder First Takes, von „Song 2“ beispielsweise. Ich freue mich darüber, weil die Band da den Proberaum aufmacht und man da ein bisschen reingucken kann. Und wenn die Leute Bock haben, können die von den Instrumentals oder A-Capellas Remixe machen. Alles was mit Musik zu tun hat ist sehr auf die Band fokussiert und nicht so: wir speisen die Leute mit einem T-Shirt von Fruit Of The Loom ab, was in der Produktion 45 Cent kostet und dann bezahlen die für die Box 50 Euro. Dann ist da noch XL drin und du bist dann vielleicht so ein Hungerhaken und trägst bloß M oder so ein Scheiß. Das ist doch alles Rotz. Dieser Deluxe-Wahnsinn macht eigentlich nur Sinn, wenn es richtig geil gemacht ist und ich finde, dass wir das ganz schön gemacht haben. Hast du eine geholt?

Ja, ich habe auch eine.

Und? Haste aber nicht bereut?

Überhaupt nicht!

Na siehste, dann hat man es doch eigentlich richtig gemacht. Das ist immer noch viel Geld. Ich finde das ist immer noch tierisch viel Kohle. Verdienen tun wir an den Boxen eh nichts, weil die so teuer produziert sind. Das Fotobuch ist relativ teuer, aber wenn alle sagen - wie du -, dass sie den Kauf nicht bereuen – und ich habe auch noch keine Beschwerde gehört - dann hat es sich doch gelohnt. Jetzt geht es ja auch wieder los, dass im Media Markt oder so, auch wieder Plattenregale stehen. Da denke ich mir auch, dass das zwischendurch mit den CDs ein bisschen schade war. Aber damals hat ja auch die größte Drecksband auf einmal 80.000 CDs verkauft. Einfach so. Und da hat sich natürlich mit der Aufmachung auch keiner mehr Mühe gegeben. Ich kaufe keine CDs mehr, nur noch Platten und freue mich halt, dass ein Download-Code drin ist und ich meinen MP3-Player bespielen kann. CDs kaufe ich nicht mehr, das ist für mich schon immer Plattenmusik. Ich habe so viele Platten, ich muss demnächst umziehen und mir graut es schon davor, aber scheißegal.

Habt ihr euch während der Aufnahmen eigentlich auch schon Gedanken um die Live-Umsetzung gemacht?

Ja, schon. Man denkt nicht daran, dass wir das so und so schreiben müssen, dass das Lied dann hitmäßig klingt. Da wir aber alle 5 live im Proberaum spielen, kriegt man natürlich relativ schnell mit ob das Ding klappt oder nicht. Bei „Make A Wish“ klang das erste Demo schon so wie der Song jetzt. Da war für uns alle klar, dass das funktioniert - also wird das auch gemacht. Ob das jetzt bei den Leuten ankommt ist scheißegal, der muss für uns funktionieren. Es gibt natürlich immer Songs – also wie gesagt "Wicked Witch" ist halt ein gebastelter Song – aber das muss es auch geben und wir müssen uns da auch so ein bisschen weiterentwickeln und man kann auch anfangen eine Flöte auszupacken und einen Song, der 25 Minuten lang ist machen. Aber Beatsteaks-Songs waren schon immer Dinger wo alle zusammen im Proberaum stehen und dann wird losgeballert und am Ende sagt Moses, dass er aufgenommen hat und wir den Song haben. Das war eigentlich immer so und das war auch bei dieser Platte nicht anders.

Ihr spielt ja jetzt eine Clubtour, war das von Anfang an so angedacht?

Ähm, viele sagen ja immer, dass die Vorbereitung für die großen Hallen ja immer die Clubtour ist. Als wir die großen Hallen wie die Westfalenhalle beschlossen, da hatten wir gleichzeitig für uns beschlossen, dass wir die Clubtour machen. Es war nicht so, dass wir die Clubtour machen damit wir für die großen Hallen fit sind, sondern weil wir einfach diese Clubtour machen wollten. Wir spielen die großen Hallen weil alle, die uns sehen wollen, auch sehen sollen – weißte was ich meine? Du gehst mit den großen Hallen dann früher raus, weil die anders und größer sind und der Vorverkauf früher startet. Bei den Clubs war es halt ein bisschen anders und damit geht man dann auch später raus und das hat alles super funktioniert. Das macht auch gerade alles total Bock, so als wenn ich mein ganzes Leben nicht anderes gemacht hätte – so fühlt sich das gerade an. Danach machen wir dann ein bisschen frei und dann gehen wir auf große Hallentour und dann machen wir ein neues Kapitel auf. So war es angedacht und so machen wir das auch.

Abgesehen von der Größe, wie unterscheidet sich für euch so ein Konzert wie morgen im Gloria – Du würdest wohl sagen „im schönsten Club des Landes“ - von einem Konzert im Palladium nächsten Monat? Seid ihr noch aufgeregter, weil die Leute noch näher dran stehen?

Ich bin immer gleich aufgeregt. Es gibt natürlich Sachen, wenn man dann in Berlin spielt wo viele Freunde da sind und so, wo man noch aufgeregter ist. Ansonsten ist Gloria oder Palladium für mich immer die gleiche Nummer. Man darf da auch nicht weniger angespannt dran gehen als an die großen Sachen. Am Ende haben die Leute vielleicht 5 Euro weniger bezahlt, wollen aber auch eine Band sehen, die wieder alles abreißt und dann ist das eigentlich alles scheißegal. Ich mache mir morgen im Gloria vorher in die Hose und ich mache mir im Palladium in die Hose. Das Palladium ist so ein geiler Laden, vielleicht wirklich die schönste Halle des Landes.

Findest du?

Wir hatten da bis jetzt wirklich immer gute Konzerte. Ich sag mal im Vergleich zu anderen Hallen in dieser Größenordnung. Das Palladium ist schon toll. Ich sage mal, es gibt die normale Mehrzweckhalle in Fürth und die ist dann nicht so geil wie das Palladium – das meine ich halt. Es gibt natürlich immer schönere Läden und Clubs. Im Gloria habe ich sogar schon mal aufgelegt.

Mein Lieblingsladen in Köln.

Der ist auch geil. Alles aus Holz, es wackelt alles und klingt geil. Morgen wird super, ich mache mir da auch keine Sorgen, dass es vielleicht ein blödes Konzert werden könnte

(Anmerk. Verfasser: wurde es auch nicht! Es war vermutlich das beste Clubkonzert, welches man dieses Jahr in Köln bewundern durfte. Ehrlich!)

Habt ihr vor, während und nach den Konzerten eigentlich bestimmte Rituale, die sich immer gleich abspielen?

Es gibt ein gemeinsames Bandritual, welches wir immer machen, was ich aber hier jetzt nicht erzähle weil das eben unser Ding. Es gibt vor dem Konzert aber auch fast immer die gleichen Abläufe. Jeder von uns macht immer die gleichen Wege. Nach dem Konzert wird sich immer im Raum zusammengefunden und dann gibt es noch ein bisschen Manöverkritik. Zwei Stunden vor dem Konzert, zwei Stunden Konzert und dann zwei Stunden nach dem Konzert kannste nehmen und in eine kleine Stadthalle packen, in einen kleinen Club, in eine große Halle – nach Süden, nach Norden – das ist immer gleich. Jeder hat so seine kleine Eigenarten, aber die kann man auch nicht mehr groß ändern.

Ohne euch jetzt Honig um den Mund zu schmieren: ihr werdet ja nicht umsonst als eine der besten Livebands des Landes gehandelt, aber wie schafft ihr es, jetzt nach fast 20 Jahren Bandbestehen immer wieder der Routine zu entkommen, es für euch – gerade auch live – spannend zu halten?

Danke erstmal. Die Setlist ist halt relativ oft nicht die gleiche. Wir haben dieses Jahr noch nicht ein Konzert doppelt gespielt. Dann ist es einfach der Anspruch an uns, der das automatisch passieren lässt. Ich will halt auf keinen Fall saugen, ganz blöd gesagt. Ich will, dass Arnim sich umdreht und sagt „Alter, wie geil ihr seid.“. Ich will, dass Peter Baumann zu mir sagt „Scholz, du hast aber geil gespielt“. Ich will, dass Thomas zu mir sagt, „Da waren wir gut, das haben wir echt genagelt“ und wenn das alles passiert und wir uns in den Arm nehmen, dann ist das echt ein gutes Konzert gewesen. Dann sagt da vielleicht auch jemand beste Liveband, wir sagen immer nur Hammerkonzert und den Anspruch hat man einfach auch an sich selbst.

Wo wir gerade die 20 Jahre angesprochen haben: wie hat sich in dieser Zeit euer Umfeld verändert? Ihr seid ja vermutlich immer noch die Typen – erwachsener und reifer vermutlich – die ihr auch 95 wart. Ich könnte mir aber vorstellen, dass der Erfolg auch Neider mitbringt. Musstet ihr in dieser Hinsicht schon bittere Erfahrungen machen?

Nee, weil das Umfeld ist eigentlich - also das enge Umfeld - immer noch gleich. Wir haben schon immer die beiden Manager Eric und Torsten, es ist schon immer der gleiche Reiseleiter und Buchhalter. Dazugekommen ist in den letzten Jahren eigentlich nur meine Schwester, die im Shop hilft und von der werde ich nicht enttäuscht, weil das ja meine Schwester ist. Wir haben schon immer den gleichen Soundmann und wir haben schon seit relativ langer Zeit den gleichen Lichtmann. Und die Leute, die nicht mehr dabei sind, da war das nicht so, weil das nicht mehr gepasst hat, sondern weil die eben jetzt was anderes machen. Unser Monitormann macht jetzt beispielsweise K.I.Z., aber enttäuscht, ähm,  nein. Unsere Agentur ist auch schon ewig am Start. Wenn was passiert, wo wir uns hinsetzen müssen „Alter was ist hier los?“, dann nur, weil wir als Band gesaugt haben, als Chefs von dem gesamten Ganzen. Wenn wir unsere Verantwortung, die wir haben, nicht richtig wahrnehmen und kommunizieren oder Leute machen lassen, wo wir nicht richtig involviert sind, dann wird es gefährlich und dann schleichen sich Sachen ein, die nicht cool sind. Aber Enttäuschungen sind noch nicht passiert und das wird, da bin ich ziemlich sicher, nicht passieren.

Das angesprochene Jubiläum steht ja kurz vor der Tür, habt ihr in dieser Hinsicht schon Pläne im Kopf oder der Schublade?

20 Jahre Beatsteaks, wa? Ja, erstmal müssen wir ein Poster machen (lacht). Dann spielen wir vielleicht noch einige Konzerte. Geplant ist einiges, fest ist noch gar nichts und selbst wenn ich ein Plappermaul wäre, wo man sagen könnte „Mensch Scholz, halt doch mal das Maul“, es ist wirklich nichts spruchreif. Aber: es wird auf alle Fälle was passieren!

Vielen Dank für das Gespräch!

 

(Torsten Schlimbach bedankt sich bei Vanessa Seewald, Torsten Dohm, Torsten Scholz, den Beatsteaks und Thomas Kröll für die freundliche Unterstützung!)

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Beatsteaks - Interview am 19.03.2011

Die beste Liveband Deutschlands ist wieder auf Tour, Zeit für ein paar Fragen. Torsten und Bernd von den Beatsteaks geben vor dem Dortmunder Konzert ganz entspannt Auskunft über die aktuelle Gemütslage.

 

Hallo Jungs, wie geht es euch? Euer Tourplan im März ist ja recht stramm, noch keine Ermüdungserscheinungen?

Torsten: Nee, überhaupt nicht. Das ist alles ganz entspannt. Der Tourplan ist aber auch gar nicht so stramm, wie er aussieht. Jetzt ist zwar Tour, aber wenn man mal ehrlich ist, dann spielen wir nicht mehr als drei Konzerte am Stück. Wir haben ganz oft jetzt nur ein Konzert und dann einen Tag frei oder zwei Konzerte und dann einen Tag frei. Wir schlafen in Hotels, haben einen tollen Nightliner, haben ein eigenes Catering - also wer hier jammert, der fliegt raus. Ermüdungserscheinungen auch nicht, denn wir sind ja jetzt gerade seit drei, vier Monaten mit der Platte unterwegs. Wir haben dafür vielleicht ein Jahr gearbeitet und hatten davor diese Pause, mit anderen Worten, wir hatten wieder so einen Bock live zu spielen, dass jetzt keiner daran denkt sich zu erholen oder so. Wir hatten sowieso noch eine kleine Pause, weil Armin dummerweise krank geworden war und wir sowieso immer gucken, dass wir zwischendurch nach Hause kommen. Es läuft eigentlich alles total entspannt.

Bevor ihr den Rest von Europa betourt habt ihr ja ein bisschen Pause. Kann man da überhaupt abschalten und wie lange braucht ihr, um wieder runterzukommen?

Torsten: Ach, wir sind ja immer nur kurz unterwegs und dann kommen wir ja schon wieder nach Hause und da kann dann jeder seinen Kram erledigen. Es ist ja nicht so, dass wir ein dreiviertel Jahr am Stück unterwegs sind. Wie gesagt, alles total entspannt. Wer dann zu Hause noch viel zu tun hat, hat dann ein bisschen Stress. Es gibt dann immer tausend Sachen zu tun, aber hey, das ist eben der Job. Ich will mich da überhaupt nicht beschweren, weil das einfach ein geiler Job ist. Nicht nur ein geiler Job, sondern den geilsten, den man machen kann. Andere müssen jeden Tag von 8 bis 17 Uhr ins Büro gehen. Wir haben eben das totale Glück diesen Job machen zu können und wenn man nach Hause kommt, hat man auch noch mal drei bis vier Tage frei. Am Wochenende haben wir dann zu Hause noch mal Freizeit und wie gesagt, wer da jammert, der fliegt raus. Fertig. Das wäre ja wohl jammern auf sehr hohem Niveau.

Wer hatte eigentlich die Idee für die Europa-Tour und wie kamen die Daten dafür zustande?

Torsten: Wir spielen von Finnland bis Spanien eigentlich durch.
Bernd: Wir haben ja eine Bookingagentur die sich hinsetzt und Gedanken macht.
Torsten: Gut ist ja, dass wir in Deutschland spielen können, aber eben auch noch in Europa. Vor Jahren hat sich eben abgezeichnet, dass es in Skandinavien super funktioniert, im Osten total Spaß macht. So kommt das dann zustande.

Seid ihr vor den Konzerten eigentlich noch nervös, wird das irgendwann zu einer gewissen Routine oder ist das einfach die pure Freude und Lust auf die Bühne, die Songs und natürlich die Fans?

Bernd: Wenn man mal die Routine weg subtrahiert, dann ist es so, wie du sagst. Natürlich freut man sich auf das Konzert und die Fans. Und ganz ehrlich, wenn man da nicht mehr aufgeregt ist, dann ist da irgendwas kaputtgegangen.
Torsten: Das sehe ich auch so.

Wie haltet ihr euch fit? So ein Konzert ist ja auch mit körperlicher Anstrengung verbunden?

Bernd: Vorm Konzert viel trinken.
Torsten: Wasser trinken wohlgemerkt. Nee, jetzt mal ernsthaft. Ich habe vor der Tour angefangen mit dem Laufen und jetzt habe ich eine Pause gemacht und da fängt der Speck schon wieder an zu wachsen.

Lebt und erlebt ihr heute bewusster was rund um die Band geschieht, ihr seid ja keine achtzehn mehr?

Torsten: Auf jeden Fall. Das ist ja jetzt auch viel mehr der Mittelpunkt. Das ist ja jetzt auch der Beruf. Sonst war das ja eher das Hobby. Jetzt hat man ja auch so eine gewisse Verantwortung. Es sind vierzig Leute mit uns auf Tour und zu Hause arbeiten halt ein paar Leute für die Band, man hat Firmen gegründet und muss sich um die Steuern und so eine Scheiße kümmern und ja, das wird ja immer mehr zu so einem Gebäude. Früher war das ja eher so ein Zelt, was man ab und zu mal aufgebaut hat. Heute muss alles laufen, auch die Wasserleitung, damit das alles funktioniert, damit man nicht irgendwann auf die Fresse fliegt. Man ist da schon bewusster.

Vor eurem aktuellen Album „Boombox" gab es eine längere Pause. Habt ihr euch da regelmäßig gesehen oder brauchte jeder Einzelne Abstand von den anderen?

Torsten: Also bewusst, so nach dem Motto „ich habe jetzt die Schnauze voll von dir" hat man das nicht gemacht. Man hat sich trotzdem nicht ständig gesehen, weil jeder so seinen Kram zu erledigen hatte. Familie, Sachen aus der Welt geschafft, die nicht ganz unwichtig waren. So haben wir uns eigentlich nur auf Kindergeburtstagen getroffen oder zu Helloween, wenn eines der Gören geladen hat, ähm, und so hat man sich wirklich eine realtiv lange Zeit nicht gesehen. Früher waren wir mal zusammen in einer Kneipe oder Pub, aber das passiert jetzt relativ selten. Thomas und Bernd treffen sich wahrscheinlich noch eher...
Bernd:...aber nicht mehr so wie früher.
Torsten: Ja, man dann so seinen eigenen Freundeskreis und Familie natürlich auch noch. So hat sich das auseinanderentwickelt. Das war aber jetzt auch nicht bewusst. Wenn man sich dann wieder gesehen hat, dann war auch alles wieder gut. Es war jetzt nicht so, dass man versucht hat dies ernsthaft zu vermeiden. Das war überhaupt nicht so und eigentlich ging es dann auch wieder relativ schnell los mit den Arbeiten.

Wenn ich so manchen Artikel richtig deute, war zu dieser Zeit auch gar nicht klar, wie es mit der Band weitergehen könnte und ob es überhaupt noch mal ein Album gibt. Was war passiert?

Bernd: Ach, das ist falsch verstanden worden. Du musst dir halt irgendwann die Frage stellen, ob das, was du machst, noch irgendeine Relevanz hat. Das muss jeder für sich selbst beantworten und jeder selbst mit sich klar kommen. Es stand aber nie zur Debatte, ob das aufhört. Möglicherweise hätte man dann die Karten neu mischen müssen.
Torsten: Aufhören? Nee, daran hat wirklich keiner gedacht. Es wird halt schwerer. Wenn man älter wird, dann hat halt jeder auch seine Eigenheiten. Alle dann wieder in ein Boot zu bekommen und dann auch in eine Richtung war halt ein bisschen komplizierter. Es sind ja jetzt auch viel mehr Sachen um uns herum. Mit 16, 17, 18, 19 ist alles andere um dich herum einfach scheißegal. Da kannste im Proberaum rumsitzen und saufen oder auf der Gitarre rumdengeln, aber jetzt zählen andere Sachen. Du hast ja auch Familie und das ist eben auch wichtig. Das lenkt einen dann leider oder glücklicherweise - je nachdem, was man gerade für eine Scheiße am laufen hat - eben auch ab.

Der Aufnahmeprozess war diesmal ja auch anders. Wann war denn klar, dass Moses Schneider diesmal nicht den sechsten Mann geben wird?

Entscheidend war eigentlich, als wir letztes Jahr auf Tour waren. Wir waren da in Österreich in so einem Hotel und da hat Teute gesagt, dass er nicht mehr in einem anderen Studio singen möchte, sondern lieber im Proberaum. Da haben wir dann gesagt, dass wir dann auch direkt da aufnehmen können. Dann haben wir in Berlin Moses und Torsten (der Manager) gebeten uns das Equipment zu stellen und der Plattenfirma ein bisschen Geld aus dem Kreuz zu leiern und als wir nach Hause kamen, stand das alles da.

Vom Musikgeschmack her kommt ihr teilweise ja aus völlig verschiedenen Ecken. Ich finde, das hört man dem Album auch an, da ist von Reggae über Dub bis hin zum Rock, Punk und Hardcore alles dabei. Seid ihr euch schnell klar über die musikalische Ausrichtung gewesen?

Bernd: Das ist aber nicht nur bei dieser Platte so, sondern war bei den Platten davor ja auch schon so.

Ich finde aber nicht so extrem wie auf dieser.

Torsten: Ja, das ist extremer. Wahrscheinlich auch, weil wir das jetzt besser können. Die musikalischen Vorlieben von uns waren ja schon immer da. Es gibt immer Bands, auf die sich alle einigen können. Oasis, Seeed, Slayer oder AC/DC, aber auch die kommen aus ganz verschiedenen Lagern. Jetzt sind wir aber vielleicht in der Lage, das zu spielen oder umzusetzen. Wir haben auch viel von diesem alten Roots-Reggae gehört. Jetzt kann man das auch einfach spielen. Vielleicht haben wir das vorher nicht so hingekriegt. Jetzt macht man die Sachen halt klar oder klarer. Da gibt es dann einen „Milk & Honey-" Song, einen Reggae-Song und ein Hardcore-Song und alles für sich steht so.
Bernd: Wir geben aber nie eine Richtung vor. Das machen wir nie. Es ist ja auch total unterschiedlich, mit was jeder so ankommt.
Torsten: Selbst die Demonummern können in eine ganz andere Richtung gehen. Von einem Gute-Laune-Punk-Song von Peter...
Bernd:...ist auf der Platte nichts mehr übrig.
Torsten: Nee, gar nichts. Heißt ja auch nicht, dass es immer nur eine Hardcore-Nummer von Bernd sein muss. Bernd hat ja auch Balladen angeschleppt, die haben es eben noch nicht auf das Album geschafft, vielleicht beim nächsten Mal.
Bernd: Schön ist ja auch, dass man bis zum Schluss nicht weiß, also bis die Platte in unsere Hand liegt, wie es letztlich wird.

Ihr schreibt ja auch alle Songs für eure Alben. Wer hat denn letztlich die Entscheidungsgewalt darüber? Der Urheber oder wird das demokratisch entschieden?

Bernd: Wer den Song geschrieben hat, darf auch entscheiden.
Torsten: Genau so. Jeder probiert auch immer alles aus. Die Platte hat dann auch fünf Bassisten, fünf Schlagzeuger, fünf Gitarristen und fünf Sänger. Das ist aber auch gut, denn so bleibt das Beste übrig und das nimmt man dann auch.

Wie lange hat sich der Aufnahmeprozess eigentlich hingezogen?

Torsten: Wir haben für die Platte insgesamt ein Jahr gebraucht. Vom ersten Demo vielleicht sogar noch länger, aber ernsthaft war das ein Jahr.

Macht euch als ausgesprochener Liveband die Arbeit im Studio eigentlich Spaß oder ist das das notwendige Übel, um wieder auf Tour gehen zu können?

Bernd: Ganz ehrlich, ich glaube, das sieht jeder anders von uns.
Torsten: Ja, mal ist es so und dann wieder so. Natürlich spielen wir lieber Konzerte als beispielsweise das achtzehnte Bassdemo von „Milk & Honey" aufzunehmen. Auf der anderen Seite haben wir innerhalb von ein paar Stunden Songs eingeprügelt und das macht natürlich schon eine Menge Bock, wie ich finde.

Seid ihr mit den Reaktionen auf „Boombox" zufrieden?

Bernd: Das kriegt man ja automatisch doch irgendwie mit. Ich bemühe mich jetzt nicht um Aussagen für und über das Album, aber Reaktionen kriegt man doch mit. Da freut man sich aber auch drüber. Ich kann mich aber auch drüber freuen, weil ich keine Erwartungshaltung habe. Was ich mir erhoffe ist immer, dass ich eine Meinung kriege. Das ist auch egal, ob die nun gut oder schlecht ist, Hauptsache eine Meinung. Das ist mir schon wichtig. Wie die ausfallen? - keine Ahnung.

Als Band seid ihr über die Jahre ja immer weiter gewachsen und ein Stückchen bekannter und erfolgreicher geworden. Ich erinnere mich noch daran, wie Bela B. euch immer angepriesen hat. Mittlerweile kennt euch jedes „Rockkind". Hat euch der Erfolg verändert? Hat der Erfolg die Menschen um euch herum verändert?

Torsten: Es sind mehr Menschen um uns herum geworden.
Bernd: Es sind mehr, ja. Auf Tour besonders. Aber warum sollten wir uns verändern?
Torsten: Nee, wir nicht. Zu Hause sind es immer die gleichen Leute die um einen kreisen. Das ist schon alles ganz normal. Man kann ein paar Sachen aber auch nicht weghalten, die eben sehr groß sind. Gerade heute in der Westfalenhalle. Da gibt es für alles einen Assistenten, einen Bühnenmanager, Produktionsleiter, vier Catering-Ladies und und und. Das ist schon eine andere Nummer als noch vor ein paar Jahren.
Bernd: Das Selbstbewusstsein hat sich verändert. Das ist schon anders als vor ein paar Jahren. Jetzt weiß man „das mache ich und das kann ich."

Seid ihr denn mal enttäuscht worden? So Erfolge bringt ja auch immer Neider mit sich?

Torsten: Puh, ich weiß nicht. Das ist ja noch alles normal bei uns. Bei uns gibt es ja auch nichts zu holen. Es ist ja nicht so, dass, wenn man mit uns befreundet ist, ein Haus auf Malibu abfällt. Ich habe ja selber kein Haus. Ich denke da eher an einen Elton John, der vielleicht um sich herum so Speichellecker hat oder so ein Bono und so. Bei uns ist ja wirklich alles noch normal. Es gibt ein paar Kumpels, die mal blöde Sprüche machen „ey gib mal ein Bier mehr aus, du bist ja bei dieser Band", aber dann erklärt man mal kurz wie das bei uns läuft und wir im Keller eben nicht die Millionen umschaufeln und dann ist es wieder gut. Was heißt Neider? Klar gibt es auch Typen die besser spielen wie ich und auf mich neidisch sind, aber dann ist er eben in der falschen Band. Ich habe eben das Glück, dass ich in dieser coolen Band spielen darf. Eigentlich ist alles total normal. Oder? Ist doch so. Ich kann ja auch völlig normal durch die Straßen laufen ohne, dass mir einer alle paar Minuten ein Foto abringt.

Bewegt ihr euch mittlerweile anders bei offiziellen Anlässen wie Interviews, TV-Auftritten etc.?

Torsten: Nee! Dieses Beat-TV, was wir machen, sind wir. Die geben ja nicht vor, macht jetzt mal das und das, sondern wir machen und die halten einfach drauf. So versuche ich auch bei jedem Interview zu sein und auch bei jedem Fernsehauftritt. Wir dürfen jetzt zu Harald Schmidt und das ist natürlich total krass. Hallo? Ich verehre den Typ total.
Bernd: Vor einiger Zeit kam mal einer an und meinte: „Hey, kann ich mal deine Jacke haben?" „Watt willst du?" „Deine Jacke. Du bist doch der von den Beatsteaks, du kannst dir doch eine neue kaufen." „Nee, kannste nicht, du spinnst wohl." Da kann man dann auch ruhig so eine Arroganz an den Tag legen, denn das ist einfach unverschämt. Das passiert aber wirklich selten.
Torsten: Und dann gibt es noch die, die meinen, dass man sie von den Konzerten kennt. „Hey, kennste mich noch?" „Ähm, nee." „Warum nicht, ich war die letzten Konzerte auch in der ersten Reihe."

Teilweise seid ihr ja auch Väter, verändert einen das als Musiker?
Bernd: Total! Total! Ich glaube jeder Künstler, egal ob Musiker, Bildhauer oder Maler, steht auch ein bisschen gerne im Vordergrund. Da erdet ein Kind einen unglaublich. Ein Kind lehrt dich nämlich, dass du eben nicht im Vordergrund stehst und es eigentlich total unwichtig ist, was du da machst. Es gibt da gerade jemanden, der ist mit ganz anderen Dingen beschäftigt und das erdet ungemein. Und das macht genau aus diesem Grund saumäßig viel Spaß.
Torsten: Das macht schon Spaß mit einem Kind, das stimmt. Wir hatten da ein Konzert in Berlin und am nächsten Tag ist man vielleicht noch etwas weich im Keks, weil man ein bis zwei Bier mehr getrunken hat, aber dann kannste am nächsten Tag nicht im Bademantel auf der Couch sitzen. Dann geht es eben auf den Spielplatz und dann sitzt du da mit dem Kaffee.

Wie denkt ihr über das Internet? Segen oder Fluch?

Torsten: Ich glaube, das wir sich durchsetzen, wie Zähneputzen. Ich glaube ja, dass dies eine Sache ist, die man auch benutzt und dann so Informationen hin- und herschickt. Nee, ich finde das Internet super geil, ich bin auch ein großer Fan von Facebook. Wenn man es so nutzt, wie man es nutzen will, dann ist das doch eine super Sache. Gut, man ist ein bisschen gläsern, aber na ja.
Bernd: Nutze, was du nutzen kannst und lasse dich nicht benutzen.

Wie sehen denn eure Zukunftspläne nach der Tour aus?

Bernd: Tour, Tour, Tour.
Torsten: Ich hoffe, dass die Tour noch was dauert. Wir werden mit der Platte auch nächstes Jahr noch unterwegs sein, sonst hätte sich die ganze Scheiße ja nicht gelohnt. Wir wollen in Polen noch ein bisschen spielen, da kommen ja nur 400 Leute, das ist ja noch ausbaufähig. Da kann man ja noch ein paar Mal hinfahren.

Ich danke euch für das Gespräch!
Wir danken dir für deine Zeit und Fragen!

 

(Torsten Schlimbach bedankt sich bei Cornelia Filipov, Warner und natürlich den Beatsteaks für die freundliche Unterstützung!)

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch