a-ha – Interview am 20.07.2010

Im Oktober letzten Jahres verkündeten a-ha, dass sie sich mit dem Ende ihrer großen Welttournee im Dezember endgültig und für immer trennen werden. Im August folgt noch ein letzter Karriererückblick mit „a-ha 25“ und dann soll es das gewesen sein. Zu Zeit sind a-ha auf einer letzten Promotour in Hamburg und in München unterwegs. Pål Gamst Waaktaar-Savoy steht in München bereit einige Fragen zu beantworten und Auskunft über die Zeit mit a-ha zu geben.
Paul, erkläre uns bitte den Unterschied von a-ha in den 80ern, den 90ern und von heute.

Ähm, nun in den 80ern begannen wir als eine elektronische Band, als eine Band die diesen elektronischen Hintergrund hatte. Das Songwriting war da noch ganz anders und nicht so einfach. Der Prozess und der Fokus wurden mehr auf die Sounds gelegt. Die ersten beiden Alben waren davon noch sehr stark beeinflusst und gingen in diese Richtung. Wir selber waren ebenfalls noch von diesen ganzen elektronischen Sachen beeindruckt. Es ist schon interessant, wenn man sich diese Zeit betrachtet. Gerade die Zeit wo a-ha noch nicht auf großes Interesse gestoßen sind. Wir machten diese Musik nur so für uns und guckten einfach was passiert. Als die 90er begannen, waren wir nicht mehr so unbekannt und wir fingen an immer mehr zu touren. Wenn man eine elektronische Band ist und dann auf Tour geht, dann ist das ganze Konzept ja sehr starr und jede Show ist im Prinzip gleich. Wir wollten davon weg und da mehr eine organische Band werden. Die mittleren Alben waren dann mehr darauf ausgelegt. In den 00er Jahren fingen wir dann an alles zu mixen.
Was können die Fans denn von eurer Abschiedstour erwarten?

Yeah, es ist nie einfach, wenn man für so eine wichtige Sache die Songs auswählen und ein Konzept auf die Beine stellen muss. Wir haben uns dann gedacht, dass ein Trip durch die a-ha Geschichte passend wäre. Jetzt bekommt man alles, von unserem letzten aufgenommenen Song bis zur ersten Single. Es wird ein bisschen von jedem Album geben und wir versuchen da eine gute Mischung auf die Bühne zu bringen.

Werdet ihr denn die Setlist jede Nacht umstellen und können wir da einige Überraschungen erwarten?

Ja, es wird da schon Überraschungen oder Änderungen geben. Allerdings darf man nicht vergessen, dass viele Faktoren da wichtig und festgelegt sind. In der Mitte haben wir aber einen Akustikteil und da ist dann die Zeit für Überraschungen gekommen. Mit so einer großen Produktion und dem ganzen Licht ist der Spielraum dafür aber ziemlich limitiert. Da sind dann auch sehr viele Leute involviert und da kann man nicht spontan etwas ändern. Wir nehmen und diesen Freiraum dann eben im Akustikteil. Ich denke aber, dass die Fans da auf ihre Kosten kommen und der andere Teil der Show ist auch nicht ganz uninteressant (lacht).
Warum ist „Take On Me“ eigentlich immer der letzte Song?

Ähm, ja jetzt ist der Song das wohl. Das war er natürlich nicht bei jeder Tour. Seitdem er aber der Schlusssong ist, hat sich das immer mehr so entwickelt und jetzt ist das einfach wie eine gute Tradition.

Wann ist eigentlich „Butterfly Butterfly (The Last Hurrah)“ entstanden und welche Geschichte steht dahinter?

Ähm, wir wurden von unserem Label – Warner Bros. – gefragt, ob dieses Compilation Album „a-ha 25“ veröffentlicht werden kann und ob wir dafür noch einen unveröffentlichten Song hätten. In der Vergangenheit haben wir ja schon spezielle Songs gemacht, für den James Bond Film oder „Summer Move On“. Extra so einen Song zu schreiben ist für mich schon ein ganz besonderer Druck. So etwas bringt das Blut schon in Wallung. So einen letzten Song zu schreiben und aufzunehmen ist nicht so ganz mein Ding. Mir liegt es da mehr, ein komplettes Album aufzunehmen, mit dem dann alles beendet gewesen wäre. Weißt Du, so ist „Butterfly“ nun der einzige Song um sich zu verabschieden. Na ja, der Song selber handelt dann davon, was mir dazu so durch den Kopf gegangen ist.

Wer hatte denn die Idee zu dem Video?

Das Video ist ein cooles Teil. Wir fragten Steve Barron, der immerhin unser erstes Video gemacht hat – und noch einige andere, so sechs oder sieben – ob er uns nicht helfen könnte. Mittlerweile macht er das eigentlich nicht mehr, sondern nur noch Filme. Er hörte sich den Song an und liebte diesen sofort und war dann auch bereit, das Video mit uns zu machen. Wir drehten das Video dann vor zwei Wochen in London und ja, das ist schon cool geworden.

Paul, was war denn für Dich der unvergesslichste Moment Deiner Karriere?

Oh je, das ist eine so schwierige Frage, weil es da eigentlich so viele gibt und die alle so unterschiedlich sind. Ich erinnere mich z.B. an den Tag, als wir von Warner Bros. eingeladen wurden und dort unterschrieben haben. Wir saßen dann da mit all´ den großen Bossen aus Amerika, was für uns schon sehr komisch war. Ein ganz anderer, unvergessener Moment ist für mich, als wir vor 200.000 Leuten in Rio spielten. Das war einfach nur Woah. Auch in einer großen Limousine zu sitzen und die erste Nummer 1 zu haben und sich einfach nur zu wundern, was da alles um einen passiert war unglaublich. Da gibt es so viele Dinge und wir würden ein paar Jahre brauchen, die alle aufzuzählen.

Welcher Song wird denn Deiner Meinung nach am meisten unterschätzt?

Hm, da gibt es viele. Oftmals hat man Songs, wo man selber denkt, dies könnte das große Ding sein und dann passiert irgendwas in der Produktion und dann wird es doch keine Single. Auf dem ersten Album ist für mich beispielsweise „Living A Boy´s Adventure Tale“ total unterschätzt. Von „Scoundrel Days“, ähm, ach ich weiß nicht, weil das alles so ein persönliches Ding ist und vom Geschmack abhängt. Das ist wirklich hart und manchmal hängt das nur an der Produktion. Irgendwann muss man sich dann auch einfach damit abfinden, dass ein Song vielleicht keine Single wird, auch wenn es hart ist.

Welches a-ha Album ist für Dich denn das wichtigste und warum?

Puh, das ist auch eine schwierige Frage. Ich könnte jetzt einfach sagen, dass es alle sind, was vielleicht für sich gesehen stimmen würde, aber der Kern der Frage würde damit ja nicht beantwortet. Die Alben selber sind für mich vielleicht gar nicht so wichtig, weil ich mich mehr an den Prozess des Schreibens erinnere. Das ist meine Welt und ich weiß noch, wie dieser oder jener Songs geschrieben wurde. Ich denke da auch tatsächlich mehr an den einzelnen Song und an den speziellen Moment und nicht so sehr an ein Album. Ähm, wenn ich aber ein Album nennen müsste, dann wäre es wohl unser erstes Album. Warum? Ganz einfach, weil es eben das Erste war und damit alles für uns begann. Es hätte ja auch anders laufen können. Ich bin aber auch sehr glücklich, dass wir so Sachen wie „Memorial Beach“ gemacht haben. Die Scheibe hat vielleicht nicht so viel verkauft, aber ist mir wichtig und da bin ich auch stolz drauf. Da sind so unterschiedliche Sachen drauf und ich bin echt froh, dass wir dieses Album gemacht haben. Dieses Album hat einfach sehr viele Farben und das gefällt mir einfach.

Gibt es denn einen a-ha Song den Du überhaupt nicht magst?

Oh ja, oh ja (lacht). Ähm, manchmal ist es so, wenn man einen Song schreibt, dass der für einen selber vielleicht nicht der wichtigste Song der Welt ist, ein anderer, der den zufällig hört, dann davon total begeistert ist. Einem anderen gibt das Stück dann unheimlich viel und einem selber quasi überhaupt nichts. Das ist aber so persönlich, ich sollte die Namen einfach für mich behalten. Manchmal, wenn ich erzähle, dass ich diesen oder jenen Song von uns nicht mag, sagt die andere Seite mir dann, dass ausgerechnet diese Nummer deren liebster a-ha Song sei.

Wenn das a-ha Kapitel dann endgültig geschlossen wird, was wirst Du vermissen und was überhaupt nicht?

Zu Zeit ist es einfach nur schön, dass ich ab dem 5. Dezember total offen für Neues bin und meine Freiheit habe. Da werden keine Treffen mehr sein, wo man verschiedene Dinge diskutieren muss. Ja, es ist wirklich so etwas wie Freiheit, die man da gewinnt. Ich bin mir sicher, dass ich das nächstes Jahr dann schon wieder anders sehen werde. Was ich total vermissen werde sind die Touren. Einfach auf der Bühne stehen und die Show zu spielen ist schon ein ganz spezielles Gefühl und wenn man dann noch sieht, dass die Leute das mögen, was wir da tun, ist das schon toll. Ich werde dies sehr vermissen.
Was wirst Du denn nach dem letzten a-ha Konzert machen?

Gute Frage. Was werde ich machen? Ich werde einfach nach New York zurück gehen.
Wann war euch denn klar, dass mit a-ha alles gesagt ist? Und was waren die Hauptgründe dafür?
Meinst Du die Songs? Dass wir in dieser Hinsicht alles gesagt hätten?
Die Songs und grundsätzlich mit a-ha. Einfach, dass ihr festgestellt habt, dass das Kapitel a-ha geschlossen ist.

Ich denke, wir sind nach „Foot Of The Mountain“ an diesem Punkt angelangt.

Und was waren die Gründe dafür?

Ach weißt Du, wenn man in einer Band ist, gibt es so viele unterschiedliche Meinungen und so Sachen, die die kreativen Dinge betreffen. Wir machen das ja jetzt seit 25 Jahren und ich denke, da ist wirklich alles gesagt und man sollte einfach nicht an dem Punkt ankommen, dass man sich wiederholt.
Was passiert denn nach der a-ha Zeit? Werdet ihr euch wiedersehen und vielleicht auch wieder zusammen arbeiten?

Ich hoffe es. Ich hoffe einfach, dass wir die Chance haben, auch wieder zusammenzuarbeiten.
Was denkst Du eigentlich über das Internet. Ist das heute gut oder schlecht für Bands?

Das ist eine gute Frage und da kann man endlos drüber debattieren. Ich erinnere mich noch, wie die CDs kamen und ja, jetzt haben wir das Internet und das Musikgeschäft hat sich komplett geändert. In diesen Dimensionen hat da vermutlich niemand mit gerechnet. Es ist heute aber auch einfach, Musik zu machen. Man kann die überall zugänglich machen. Auch der ganze Studioprozess ist einfacher geworden. Die Verkäufe sind natürlich eingebrochen. Wie aber bei jeder Veränderung kann man sagen, dass diese gute und schlechte Seiten hat.
Gibt es eigentlich Pläne für einen DVD-Release? Vielleicht sogar vom letzten Konzert?

Ja, ich denke, wir werden einige Shows filmen. Wir werden aber auch die ersten Alben neu veröffentlichen und da ist dann einiges an Bonus drauf und dann kommt ja noch die Compilation-CD raus, dann die Videos auf Blu-Ray – es passiert noch so einiges. Und ja, dann werden wir auch etwas mitfilmen. Und dann wird es auch eine DVD oder was auch immer geben.

Wie sehen denn Deine Pläne mit Savoy aus? Wird es neue Songs oder sogar eine Tour geben?

Ja, ich denke, wir werden einiges machen, was wir noch nicht gemacht haben. Ich schreibe an neuen Sachen, vielleicht werde ich auch eine neue Band starten. Ich denke aber, wir werden ein neues Savoy Album aufnehmen.

Wie sehen denn Deine persönlichen Pläne aus? Wie und wo siehst Du Dich als Musiker in zehn Jahren?

Ich werde immer schreiben und an Songs arbeiten. Selbst, wenn es mal eine Periode gibt, wo länger nichts veröffentlicht wird, werde ich weiter an Songs arbeiten. Ich will mir das einfach behalten. Seit ich neun bin, mache ich das schon. Ich hoffe, dass ich in zehn Jahren immer noch diesen Drive habe, aber da mache ich mir eigentlich keine Sorgen.
Paul, ich bedanke mich für das Gespräch und wünsche Dir für die Zukunft alles Gute und viel Spaß mit und auf den letzen a-ha Konzerten!

Ich habe Dir zu danken!

 

(Torsten Schlimbach bedankt sich für die freundliche Unterstützung bei Nils Schröder und Warner Music, bei a-ha und ganz besonders bei Pål Gamst Waaktaar-Savoy!)

 

www.a-ha.com

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