Zaz: Recto Verso (Collectors Edition - 2CD/DVD)

Zaz: Recto Verso (Collectors Edition - 2CD/DVD)

Sony

VÖ: 15.11.2013

 

Wertung: 8/12

 

Zaz hat im Mai mit „Recto Verso“ einen Volltreffer gelandet. Das Album konnte in Deutschland immerhin Goldstatus erreichen. Im Grunde gelang ihr dieses Kunststück fast aus dem Stand, denn in der Riege der Superstars war sie da noch nicht zu finden. Und wie das mittlerweile so üblich ist, wird dieser Erfolg dann ausgeschlachtet und die Kuh gemolken. Jetzt kommt von dem Album noch mal eine Re-Pack-Version in den Handel. Der Fan ist da mal wieder angeschmiert. Warum sollte man sich heutzutage eigentlich noch am Veröffentlichungstermin ein Album kaufen, wenn man doch damit rechnen muss, dass ein paar Monate später schon eine aufgeblasene Version in den Regalen steht? Immerhin kann „Recto Verso“ in der Collectors Edition voll und ganz überzeugen, da man hier einen echten Mehrwert geliefert bekommt. Wer die Platte also noch nicht im Schrank stehen hat, der kann hier bedenkenlos zugreifen.

 

Die Geschichte von Zaz liest sich wie ein Märchen. Erdacht wie von den Gebrüdern Grimm, trat die junge Französin ihren famosen Siegeszug an. Im Gepäck hatte sie dazu ihr Debütalbum „Zaz“ und die dazugehörige Single „Je Veux“. Der Erfolg stellte sich bei uns – anders als in ihrer Heimat – allerdings nicht über Nacht ein. Fast schleichend mischte sie die Charts auf und dann wurde aus den Kneipen schnell Clubs und von dort ging es dann auch auf direktem Wege in größere Hallen. Das Ende der Fahnenstange war dann mit einer halber Millionen verkaufter Alben aber immer noch nicht erreicht. Zaz hat sich bei uns und in vielen weiteren Teilen der Welt einfach in die Herzen gespielt.

 

„Recot Verso“ wird natürlich die frankophile Pop-Connaisseure wieder in Entzückung versetzen, aber eben nicht nur die! Die Mainstreamhörer werden dabei ebenso eingesammelt wie die Hippie-Fraktion oder die Urlaubsträumer. „Recto Verso“ ist ein Konsensalbum für die unterschiedlichsten Hörer. Das offensive Popstück „On Ira“ geht zu Beginn gleich auf Nummer sicher und empfängt einen mit offenen Armen. „Comme ci, comm ca“ swingt sich danach in Richtung Chanson und „Gamine“ vereinigt dies dann auf fast schon unverschämt brillante Art und Weise. Zaz läutet den Sommer schon mal im Herbst ein.

 

Die größte Klasse hat dieses Album aber immer dann, wenn der Pop vor der Tür bleibt und die ganzen Taschenspielertricks für die Charts keine Rolle mehr spielen. „T´attends quoi“ ist im Folk verankert und folgt einer Erzählstruktur, wie es die ganz Großen ihres Landes immer auf bezaubernde Weise gemacht haben. Stimmlich ist Zaz in diesen Momenten dann auch immer am besten. Die Ballade „La Lessive“ funktioniert so auch ohne Auffangseil und doppelten Boden, nur Zaz und ihre Stimme, eine dezentes Saitenspiel – mehr braucht es nicht. Wer lieber die typischen französischen Klänge bevorzugt kriegt mit dem traurigen „J´ai tant escamoté“ das passende Ohrenfutter. Das düstere „Déterre“ schließt sich nahtlos an. Egal ob mit dem Popstück „Si“ oder dem beschwingten „Oublie Loulou“, hier ist einfach für jeden Geschmack etwas dabei. Dies ist leider auch etwas das Problem der Platte, da man irgendwie den Eindruck nicht los wird, dass die junge Dame es allen recht machen will. Spaß machen Songs wie „Nous debout“ oder „La Lune“ aber allemal.

 

Die zweite CD hat gleich neun Bonus-Tracks am Start. Davon sind sechs bisher gänzlich unveröffentlicht! Die Songs sind fast durch die Bank sehr gut. Über diesen schwebt fast immer eine melancholische und nachdenkliche Note. Der Einstieg „Ensemble“ geht zwar auch mal ordentlich nach vorne, ist aber eben auch nicht gerade eine Quelle der Fröhlichkeit. Das ruhige „Je Entre“ ist in dieser Hinsicht sogar noch eine Spur nachhaltiger. „La Part D´Ombre“ setzt dem ganzen dann die Krone auf. Auffallend unaufgeregt bettet sich der wunderschöne Gesang in die feine Instrumentierung ein.

 

Zaz ist aber kein depressives Mauerblümchen. „Le Retour Du Soleil“ feiert das Leben mit all seinen wunderschönen Facetten und hier geht es auch mal etwas forscher zur Sache und die Dame wirkt regelrecht aufgekratzt. „Laissez-Moi“ ist irgendwo im Berlin der 20er, Paris der 50er und Nashville angesiedelt. Eine schöne Sause. „En Reve“ gefällt als handgemachter Popsong, während „Appat De Velours“ als Duett mit Alex Renart französische Popmusik durch und durch ist. „La Vie En Rose“ kennt man ja, Zaz liefert hier eine gute Interpretation ab. Die rührige Ballade „Belle“ beschließt diese CD auf wundervolle Art und Weise.

 

Und dann wäre da ja noch die DVD, die etwas mehr als 27 Minuten an Bonusmaterial zu bieten hat. Mit Musik hat das allerdings nur am Rande zu tun und das Material dürfte gänzlich anders sein wie alles, was man da sonst an dieser Stelle zu sehen bekommt. Hierbei handelt es sich mehr oder weniger um eine Dokumentation wie Zaz und ihr Gitarrist und Bassist den Mont Blanc besteigen. Die Vorbereitungen hierfür werden ebenfalls gezeigt. Der Schweizer Alpinist Dani Arnold führte diese Expedition an, an der natürlich auch noch weitere Helfer beteiligt waren, denn schließlich musste auch noch ein Kontrabass, der geschmeidige 20kg wiegt, mit nach oben. Ansonsten sieht man die Truppe beim Aufstieg, bei den Zwischenstationen und beim abendlichen Zusammensein und Essen. Oben angekommen singt Zaz dann auch noch mal einen Song. Das hört sich vielleicht unspektakulär an, ist aber letztlich eine schöne Dokumentation geworden, die eine sympathische Künstlerin mal von einer anderen Seite präsentiert.

 

Fazit: Zaz gelingt auch mit „Recto Verso“ wieder ein sehr schönes Album zwischen Pop, Chanson und Folk. Der französische Einschlag schimmert natürlich an allen Ecken und Enden durch. Dieses Album hat wieder jede Menge Hits der unterschiedlichsten Schattierung an Bord. Es fehlt zwar ein bisschen die gerade Linie und Struktur, aber genau das macht den Erfolg von Zaz natürlich auch aus. Die zweite CD ist da schon stringenter und bietet einigen Mehrwert. Die DVD ist da das Sahnehäubchen obendrauf und hält letztlich recht ungewöhnliches Material bereit. Trotzdem fragt man sich schon, warum nach einem halben Jahr schon wieder eine Neuauflage von „Recto Verso“ in den Regalen steht!

 

http://www.zaz-music.de/de/home

 

Text: Torsten Schlimbach

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