Yes: Topographic Drama- Live Across America

Yes: Topographic Drama- Live Across America

Rhino/Warner

VÖ: 24.11.2017

 

Wertung: 8,5/12

 

Letztes Jahr im Sommer gingen die Progressive Rocker Yes auf eine ausgedehnte Tour um erstmalig das Album „Drama“ komplett zu spielen. Zusätzlich wurde die Setlist mit den Seiten 1 und 4 des ersten Nummer-1-Albums der Bandgeschichte „Tales From Topographic Oceans“ von 1973 angereichert. Einige Favoriten der Fans komplettierten die Songauswahl. Die Tour zog sich bis in das Jahr 2017. Jetzt gibt es mit „Topographic Drama – Live Across America“ einen Zusammenschnitt daraus zu hören. Von der 28-Show-Tour dieses Jahr hat man nun verschiedene Performances ausgewählt und darauf geachtet, dass man die Dramaturgie der Konzerte beibehält. Die Songs finden sich nämlich nun auch in der Reihenfolge der Live-Setlist auf den CDs bzw. den LPs wieder.

 

Da die Geschichte aus dem Hause Rhino kommt, ist die Gestaltung und die ganze Aufmachung selbstverständlich sehr gelungen. Das Digipack macht optisch einen guten Eindruck und auch das Booklet ist von Seiten der Gestaltung recht nett ausgefallen. Viele Fotos zieren die Seiten, aber auch einige Informationen zu den einzelnen Songs finden sich im Innenteil wieder.

 

Yes zählen zwar zu den Pionieren des Progressiven Rock, allerdings hat die heutige Band nichts mehr mit der Formation von 1968 zu tun. 2015 verstarb das Gründungsmitglied und konstanteste Mitglied der Band Chris Squire. Yes lebte aber ja auch vom ständigen Wechsel, was mitunter die Kreativität auch immer am Leben hielt. So standen die Aufnahmen für „Drama“ ja schon unter keinem guten Stern. Jon Anderson verließ damals die Kapelle, weil er mit dem neuen Material nicht einverstanden war. Daraufhin quittierte auch Rick Wakeman seinen Dienst, weil er ohne die Stimme von Anderson keine Zukunft mehr für Yes sah. Steve Howe, Chris Squire und Alan White arbeiteten aber weiter an dem neuen Album. Eine Tour war allerdings auch schon gebucht und fast komplett ausverkauft. Man verschwieg somit den Ausstieg der beiden Mitglieder. Letztlich fand man mit Trevor Horn und Geoff Downes Ersatz und musikalisch fällt der Ausstieg von Anderson und Wakeman weit weniger ins Gewicht, wie man ursprünglich befürchtet hatte.

 

Bei der Liveaufführung von „Drama“ sind mit Gitarrist Steve Horn und Drummer Alan White zwei Mitglieder dabei, die das eigentliche Album schon miteinspielten. Selbiges gilt auch für „Tales from Topographic Oceans“. Somit kann man das zumindest als Yes-Album rechtfertigen.

 

Musikalisch ist das natürlich über jeden Zweifel erhaben. Alleine die beiden epischen Monumente „The Revealing Science Of God Dance Of The Dawn“ und „Ritual Nous Sommes Du Soleil“ werden technisch derart brillant dargeboten, dass einem Hören und Sehen vergeht. Und die Wechsel von harten Klängen bis hin zur zarten Klassik sind atemberaubend. Eine derart große Stilvielfalt schaffen andere Künstler in einem ganzen Musikerleben nicht. Wollen sie aber auch nicht. Und das ist meist auch gut so. Man muss schon eine ganz besondere Faszination für das Genre von Yes haben, keine Frage. Das Können ist zweifelsohne aber extrem hoch.

 

Etwas komprimierter fallen Favoriten wie „Starship Trooper“ und „Roundabout“ aus. Aber auch diese Tracks werden natürlich episch ausgebreitet. „Run Through The Light“ und „Tempus Fugit“ sind mit etwas mehr als fünf Minuten schon die kürzesten Songs. Negativ fällt auf, dass das Publikum derart weit in den Hintergrund gemischt wurde, dass man kaum von einem einstellenden Livegefühl sprechen kann.

 

Fazit: „Topographic Drama- Live Across America“ zeigt, dass auch die heutigen Mitglieder von Yes brillante Musiker sind. Das Niveau ist extrem hoch. Gerade für Fans dürfte es eine feine Geschichte sein, dass „Drama“ in kompletter Länge aufgeführt wurde und nun auch aus der Konserve zu begeistern weiß. Leider hat man das Publikum etwas zu weit in den Hintergrund gemischt. Der Sound ist ansonsten aber natürlich vorzüglich. Die Aufmachung darf ebenfalls als gelungen bezeichnet werden. Wer mit Progressive Rock etwas anzufangen weiß, sollte dieses Album hier unbedingt antesten!

 

http://yesworld.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

YES: Progeny: Live From Seventy-Two (2 CDs)

YES: Progeny: Live From Seventy-Two (2 CDs)

Warner/Rhino

VÖ: 22.05.2015

 

Wertung: 8,5/12

 

„Yessongs“ war 1973 ein herausragendes Live-Album und verkaufte sich folgerichtig über eine Millionen Mal. Die 72er Welttournee war ein voller Erfolg und überall wo YES aufschlugen, waren die Konzerthäuser ausverkauft. Jetzt entdeckte die Band Aufnahmen sieben vollständiger Konzerte, die vor „Yessongs“ entstanden. Jon Anderson (Gesang), Steve Howe (Gitarre), Chris Squire (Bass) und Rick Wakeman (Keyboards) waren seinerzeit ja ein eingespieltes Team. Mit Alan White war aber ein neuer Drummer an Bord. Soweit ist das sicher nicht ungewöhnlich, denn viele Bands mussten schon einen Besetzungswechsel verkraften. White hatte allerdings nur ganze drei Tage um das Repertoire von YES zu lernen, denn dann ging es schon auf Tour. Es dürfte ja hinlänglich bekannt sein, wie komplex das Material dieser Band ist. Davon erzählt nur „Progeny: Live From Seventy-Two“ eine ganz besondere Geschichte.

 

In einer Box gibt es alle sieben Shows, die sich auf vierzehn CDs verteilen! Die Setlist ist zwar jeweils fast identisch und doch ist bei YES nie jeder Ton gleich. Für Fans stellt sich somit die Frage garnicht erst, ob man sich den kompletten Konzertreigen gönnen sollte. Wer sich nur einen Überblick verschaffen möchte, der sollte zum Zusammenschnitt „Progeny: Live From Seventy-Two“ greifen, denn dort verteilt sich auf zwei CDs ein Querschnitt dieser sieben Konzert – quasi ein „Best Of“-Set.

 

Die Original-Bänder wurden sehr liebevoll restauriert und mit den neusten Möglichkeiten der Audio-Technologie auf den heutigen Stand gehoben. Das Ergebnis ist beachtlich! Man darf ja nicht vergessen, dass diese Aufnahmen mehrere Jahrzehnte auf dem Buckel haben. Der Sound – zumindest auf der 2 CD-Variante - ist derart brillant, facettenreich und fein austariert, dass einem der Mund offen steht. Man höre sich nur den wahnwitzigen Basslauf bei „Heart Of The Sunrise“ an. Derart direkt kann man die vier Saiten selten vernehmen. Der poppige Mittelteil wird von der Stimme Andersons wunderbar getragen, bevor sich Keyboards, Gitarre und Bass eine Art Duell liefern. Nach acht Minuten bricht das Tempo ab und dann setzen alle Instrumente gleichzeitig ein und noch immer kann man noch jedes Instrument und jeden Ton zuordnen. Übrigens rocken die Progger zwischendurch ganz schön straight.

 

„Clap/Mood For A Day“ ist dagegen fast schon ein lustiges, kleines Zwischenspiel – irgendwo zwischen Country und Folk. Dies ist gar die richtige Auflockerung für das epische „And You And I“. Kompositorisch ist das Stück ganz toll aufgebaut und nimmt sich die Freiheit vom Folk bis hin zur psychedelischen Schiene nur ein paar Schritte zu benötigen. Die Stimme von Anderson ist immer wieder überraschend. YES kann man im Grunde auch allen ans Herz legen, die ein Faible für die Weltmusik-Phase von Sting haben.

 

Die wahnsinnige Raserei von „Close To The Edge“ dürfte viele Musiker vor ein Rätsel stellen: wie machen die das nur? Das klingt, als würde die Band endlos jammen und doch ist das alles fein aufeinander abgestimmt. Hier muss man auch noch mal die Leistung von White würdigen. Wie er sich das alles in nur drei Tagen drauf geschafft hat, ist schier unglaublich. Wenn nach dem irrwitzigen Tempo zu Beginn nach 2 Minuten und 20 Sekunden ein Break erfolgt und dann in viele kleine Teile zerspringt und er da noch den Takt hält, ist schon ganz großes Kino. Die Band folgt hier ja sowieso keiner gewöhnlichen Songstruktur und ständig wird Tempo und Spiel variiert. Jazz der hohen Schule. Nach zehn Minuten geht es fast in eine Musical-Richtung, die mit ganz dezenter Instrumentierung auskommt. Zum Schluss schwingt sich der Song in bombastische Gefilde auf. YES goes Glam.

 

„Excerpts From „The Six Wives Of Henry VIII““ ist zunächst auch sehr klassisch angehaucht, wechselt aber noch ins Sakrale. „Roundabout“ hat nach fünf Minuten den schönsten Part des Sets zu bieten. Wie die Gitarre den Song drosselt, fast zum Stillstand bringt, ist einfach grandios. Danach wird das Tempo wieder angezogen und Keyboard und Gitarre liefern sich abermals ein tolles Duell, harmonieren aber trotzdem wunderprächtig miteinander. „Yours Is No Disgrace“ breitet sich zwar auch noch mal episch über sechzehn Minuten aus, ist aber in seinem Herzen ein sattes Rockstück. Neil Young & Crazy Horse zucken ja auch noch davor zurück Songs derart lang auszuschmücken.

 

Fazit: „Progeny: Live From Seventy-Two“ bietet einen guten Überblick über die 14 CD starke Box. Der Sound ist erstklassig und alle Feinheiten lassen sich heraushören. Musikalisch muss man für den Progrock schon ein großes Herz haben, aber es gibt auch für solche Musikliebhaber, die bei Prog ansonsten schreiend wegrennen, sehr viele Momente, die auch jene Hörer begeistern werden. YES rocken doch oft genug ganz amtlich durch die Prärie und sammeln dabei noch links und rechts am Wegesrand die Jazzer ein. Schönes Ding!

 

http://www.yesworld.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

 

 

PROGENY: HIGHLIGHTS FROM SEVENTY-TWO
Track Listing
Disc One
1. Opening (Excerpt From “Firebird Suite”)
2. “Siberian Khatru”
3. “I’ve Seen All Good People”
3. a. “Your Move”
3. b. “All Good People”
4. “Heart Of The Sunrise”
5. “Clap/Mood For A Day”
6. “And You And I”
6. a. “Cord Of Life”
6. b. “Eclipse”
06. c. “The Preacher The Teacher”
06. d. “Apocalypse”

Disc Two
1. “Close To The Edge”
1. a. “The Solid Time Of Change”
2. b. “Total Mass Retain”
2. c. “I Get Up I Get Down”
2. d.“Seasons Of Man”
2. Excerpts From “The Six Wives Of Henry VIII”
3. “Roundabout”
4. “Yours Is No Disgrace”

PROGENY: SEVEN SHOWS FROM SEVENTY-TWO
Show listing:
October 31, 1972 - Toronto, Canada
November 01, 1972 - Ottawa, Canada
November 11, 1972 - Durham, NC
November 12, 1972 - Greensboro, NC
November 14, 1972 - Athens, GA
November 15, 1972 - Knoxville, TN
November 20, 1972 - Uniondale, NY

S U C H E
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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch