Yeah Yeah Yeahs: Mosquito

Yeah Yeah Yeahs: Mosquito

Universal

VÖ: 12.04.2013

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Karen O, Nick Zinner und Brian Chase waren einst angetreten die Indiemusik zu retten. Natürlich hat sich das New Yorker Trio dies nicht selbst auf die Fahnen getackert. Das war ja auch nie der Anspruch der Band, aber in diese Schublade wurde sie dennoch von der Presse gedrängt. Irgendwie passte es ja auch ins Raster und die aufkeimende „The Bands“-Bewegung kam da zur richtigen Zeit. Mit The Strokes gab es dann vermeintliche Brüder im Geiste, die sich anschickten eine ähnliche Welle auszulösen wie es ein knappes Jahrzehnt zuvor schon Nirvana gelungen war. Der Teufel steckt ja im Detail und dass die komplette Musikindustrie einem Irrtum erlag, hätte einem schon anhand des Namens auffallen können! Das obligatorische „The“ fehlt nämlich. Die Yeah Yeah Yeahs waren von Beginn an eben anders wie die anderen Kinder – und besser!

 

Jetzt gibt es mit „Mosquito“ das vierte Album und natürlich gab es im Vorfeld wieder jede Menge Fragezeichen. Die Yeah Yeah Yeahs sind eben unberechenbar und nach dem Electro-Flirt mit „It´s Blitz!“ war man etwas verwirrt, zumindest wenn man den punkigen Ton der Anfänge im Ohr hatte. Es drängt sich ja nun fast förmlich der Gedanke auf, dass dieses kreative Musikerkollektiv nun noch weiter in diese Richtung forschen wird. Dies ist auch der Fall und doch kommen auch die Anhänger der ersten Stunde auf ihre Kosten. „Mosquito“ klingt natürlich trotzdem wieder ganz anders. Man weiß nicht, wie die Band das schafft, aber es gelingt ihr nun schon zum vierten Mal ein Album zu veröffentlichen, welches sich auf zu neuen Ufern macht, aber eben auch unverkennbar nach den Yeah Yeah Yeahs klingt. Die eigenen Wurzeln nicht zu vernachlässigen, gleichzeitig aber auch neue Wege zu beschreiten schaffen nicht so viele. Und dann ist das auch noch alles so verdammt großartig. Gut, `alles´ war jetzt etwas geflunkert, aber die Ausreißer nach unten halten sich in Grenzen und sind zu vernachlässigen.

 

Die Punkzeiten sind längst vorbei – sofern sie denn bei den Yeah Yeah Yeahs überhaupt jemals da waren, noch so ein Märchen der Presse. Raue und rohe Gitarrenriffs prägen freilich nicht das Klangbild von „Mosquito“ und doch knallt das bisweilen ordentlich rein. Der Rotz der Straße ist in „Area 52“ wieder da. Die Drums scheppern, die Gitarren lärmen und dazu heulen die Sirenen. Karen O. singt hier wie die weibliche Ausgabe von Iggy Pop. Wer hätte das nach der Albumeröffnung – die übrigens durchaus mit dem Attribut genial bezeichnet werden darf – schon erwartet? Zwischen Pop, Minimalelectro und Indiehit überrascht die Nummer nämlich mit einem waschechten Gospelgewand und entsprechendem Chor. Die Gitarrenlicks fliegen einem dazu von links und rechts um die Ohren. Danach muss man sich zunächst mal wieder sammeln. Kann man auch, denn „Subway“ flirrt durch Raum und Zeit und Musik und Gesang klingen wie aus einem entfernten Universum entschwebt.

 

Tribal-Drums und ein geflüsterter Gesang eröffnen das rockige „Mosquito“ - ab damit in die Hitabteilung - und bitte nicht mit Radiogedudel gleichsetzen und verwechseln! Wir reden hier schließlich von den Yeah Yeah Yeahs! Zu „Under The Earth“ schmeißt sich die Band in ihre Kimonos und wabert sich in Richtung Japan. Eigentlich eine komische Nummer, aber irgendwie zieht einen das Stück dann doch wieder in seinen Bann. Die erste Minute von „Slave“ verleitet einen fast dazu, so ein bisschen auf Durchzug zu schalten und dann entpuppt sich das Ding doch noch als verdammter Ohrwurm. „These Paths“ nimmt aber endgültig die Abbiegung in Richtung Electro-Pop. Das hört sich nun auf „Mosquito“ aber wesentlich ausgereifter wie bei „It´s Blitz!“ an . „Buried Alive“ ist gar nicht mal so gut und „Always“ etwas zu süßlich geraten. „Despair“ überzeugt mit einem tollen Spannungsbogen und mit „Wedding Song“ zeigen die Yeah Yeah Yeahs, dass sie auch Balladen können und wenn Karen O. die letzten Zeilen nur noch haucht, dann hat das schon Klasse! Toller Albumabschluss!

 

Fazit: Die Yeah Yeah Yeahs wollten mit „Mosquito“ die eigenen Grenzen, aber auch die der Hörer weiter auf die Probe stellen. Sechs verschiedene Studios wurden dazu aufgesucht. Es durfte auch mal eine U-Bahn, die Wüste oder die Area 52 sein! Der Gesang ist bisweilen auch wieder verzerrt, der Rotz der Anfangstage wieder da, aber eben auch die ganze Armada an elektronischem Spielzeug vorhanden. Für jeden Indiefan ist also etwas dabei. Ist das nun Kalkül oder ausloten der eigenen Grenzen? In jedem Fall ist dieses Album extrem gut gelungen. Die drei New Yorker haben es trotz aller Vielfältigkeit geschafft einen unsichtbaren, roten Faden durch dieses Werk zu weben. Dies dürfte bisher das reifste, vielfältigste und künstlerisch anspruchsvollste Album der Yeah Yeah Yeahs sein – und das beste dazu!

 

http://www.yeahyeahyeahs.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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