Wu-Tang Clan: Original Album Classics (3 CDs)

Wu-Tang Clan: Original Album Classics

Sony

VÖ: 12.09.2014

 

Wertung: 9/12

 

In den 90ern erlebte der Rap ein wahres Erdbeben. Neun Männer aus Brooklyn und Staten Island machten sich auf die Welt zu erobern. Der Wu-Tang Clan war geboren. So etwas hat es vorher und danach nie wieder gegeben. Ein ganzes Genre wurde auf den Kopf gestellt und der Clan hatte nicht nur was zu sagen, sondern hauchte dem Rap auch neues Leben ein. RZA, GZA, Ol' Dirty Bastar, Raekwon, Ghostface Killah, Method Man, Inspectah Deck, U-God und Masta Killa hießen die Helden der Straße. Diese Pseudonyme kannte plötzlich jedes Kind. Und dies war wirklich ein Clan, den entweder handelte es sich um Verwandtschaft oder ganz enge Freunde. Entworfen wurde die Strategie von RZA, der großspurig ankündigte, dass man sich die Rap-Welt Unteran machen wollte. Es klappte ja auch, was nicht zuletzt an der Klasse der Alben lag. Drei davon gibt es nun in der „Original Album Classics“ Reihe. Leider fehlt hier allerdings das Meisterwerk „Wu-Tang Forever“.

 

Los geht es mit einem Meilenstein des Hip-Hop. „Enter The Wu-Tang (36 Chambers)“ gehört unumstritten zu den besten Alben, die das Genre zu bieten hat. Die Bandbreite ist extrem groß. Der Clan hat sich hier zwischen Rap und Material Arts ein ganz eigene Genre geschaffen. Das reicht von knallharten Rap-Parts bis hin zu getragenen und ruhigem Hip-Hop-Flow. „M.e.t.h.o.d. Man“ knallt einen immer noch weg. Die Lyrics sind eben so vielfältig. Natürlich wird das New Yorker-Straßenleben thematisiert und dann gibt es noch die Kung-Fu Geschichten, die völlig abgedreht sind. Die monotonen Beats wurden von RZA mit Loops unterlegt, die die Welt noch nicht gehört hatte. Der Opener „Bring Da Ruckus“ ist härter als alles, was der Markt heute so hergibt. „Cream“ ist mittlerweile längst ein Klassiker des Genres. Zerlegt man das alles in seine Einzelteile, dann sind die Beats gar nicht mal so toll, die Loops langweilig und die Samples nicht außergewöhnlich, aber wie das Puzzle zusammengesetzt wurde, ist derart innovativ, dass es einen immer noch umbläst.

 

Schade, dass man hier „Wu-Tang Forever“ ausgelassen hat und stattdessen „The W“ auf dieses Set gepackt hat. Wobei, schlüssig ist das schon, denn mit „The W“ kehrte der Clan zu seinen Wurzeln zurück und knüpft in gewisser Weise an das Debüt an. Der Sound ist rau und roh. Die Beats sind wieder bis auf das nackte Gerüst reduziert. Hilfe holte man sich bei Redman, Snoop Dogg, Nas und Busta Rhymes. „One Blood Under W“ wildert dabei sogar ganz ungeniert beim Reggae. „Gravel Pit“ ist straighter Hip-Hop mit Hymnenpotenzial und „I Can´t Go To Sleep“ und „Hollow Bones“ lugen gar zum Soul rüber. „Do You Really (Thang Thang)“ ist der heimliche Höhepunkt der Platte. Böse Stimmen sagten zwar, dass der Clan hier sehr mainstreamlastig agiert hätte, geschenkt. Mal ehrlich „Let My Niggas Live“ ist mit seinem tiefen Bass sicher alles andere als Mainstream. Erstmals musste sich RZA trotzdem der beißenden Kritik stellen.

 

„Iron Flag“ hat dann die glatte Mainstreamproduktion vor der Tür gelassen. „The Hood“ und „Chrome Wheels“ zeigen – nach dem gemächlichen „Rules“ - zu Beginn gleich wo der Hammer hängt. Hart, härter, Wu-Tang Clan. „Uzi (Pinky Ring)“ überrascht mit den Trompeten im Hintergrund und ist mittlerweile auch ein Klassiker des Clans. „Back In The Game“ hätte sogar auf dem Debüt eine gute Figur gemacht. Zum Schluss gibt es mit „Dashing“ noch mal ein richtig schnelles Brett. „Radioactive“ oder „Soul Power (Black Jungle)“ fallen dagegen auch etwas ab und somit reicht es nicht ganz zum Meisterwerk.

 

Fazit: Wer sich für Rap und Hip-Hop interessiert kommt am Wu-Tang Clan nicht vorbei. Diese Alben gehören in jede vernünftige Sammlung und somit bietet die „Original Album Classics“-Reihe eine sehr schöne Möglichkeit die Sammlung zu erweitern. Schade, dass nicht noch „Wu-Tang Forever“ dabei ist, denn dann wäre das eine richtige runde Sache, aber auch so sollte man – sofern man diese Alben noch nicht daheim hat – zugreifen!

 

http://www.wutang-corp.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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