Uriah Heep: Salisbury (Expanded Edition)

Uriah Heep: Salisbury (Expanded Edition)

BMG/Warner

VÖ: 28.10.2016

 

Wertung: 9/12

 

Nach der ersten Rutsche der Uriah Heep Alben aus dem September, geht es nun weiter. Auch vom zweiten Album „Salisbury“ wird nun eine erweiterte Ausgabe als Expanded Edition veröffentlicht. Auch diese Widerveröffentlichung wurde von Gründungsmitglied und Gitarrist Mick Box kuratiert. So kann man als Fan und Käufer wenigstens sicher sein, dass dies – zumindest im weitesten Sinne – auch der Band gerecht wird.  Immerhin erscheint die Neuauflage als digital optimiertes 2-CD-Set. Neun Bonustitel – bisher allesamt unveröffentlicht – erfreuen das Fanherz. Im umfangreichen Booklet gibt es zudem Liner Notes von Joel Melver, die auch einige O-Töne von Mick Box und Ken Hensley beinhalten.

 

Ursprünglich erschien „Salisbury“ im Februar 1971. Über die Jahre hat die Platte sogar einen Klassiker abgeworfen. „Lady In Black“ war aber nicht sofort ein Hit und wurde erst im Laufe der Zeit ein solcher. Wer sich intensiv mit Musik beschäftigt, wird die Nummer auf jeden Fall auf dem Schirm haben. Das Stück ist mitunter sogar ganz schön abgenudelt. Das spricht aber ja nicht gegen die Qualität, sondern ist aufgrund seiner vielfältigen Verwendung der Fall.

 

Herzstück des Albums ist allerdings der Titelsong „Salisbury“. Dieses Prog-Manifest zieht sich über sechszehn Minuten und deckt eine unglaubliche Bandbreite ab. Da wechselt die Band spielerisch von Hard Rock zur Klassik. Im weitesten Sinne ist dieses Werk sehr komplex arrangiert worden. Der Sound ist übrigens erstklassig. „Salisbury“ ist immer noch einer der vielseitigsten Songs, den die Band je veröffentlicht hat. Uriah Heep nahmen sich auf diesem Album sowieso sehr viele Freiheiten heraus. „The Park“ findet sich dann auch in jazzigen Gefilden wieder. Das druckvolle „Bird Of Prey“ wird ja leider immer sträflich unterschätzt. Hier brilliert David Byron sehr schön und es kommt nicht von ungefähr, dass sich Uriah Heep zu dieser Zeit Vergleiche mit Deep Purple ausgesetzt sahen. Auch „Time To Live“ bleibt oft unberücksichtigt, dabei hat das druckvolle Gitarrenspiel durchaus eine ganze Menge zu bieten. Das ist sicher kein Hit, aber wesentlich besser wie sein Ruf. „High Priestess“ rockt auch sehr schön und die Gitarrenmelodieführung kann ganz fett punkten.

 

Auf der zweiten CD gibt es die schon erwähnten unveröffentlichten Tracks zu hören. Hierbei handelt es sich um alternative Versionen. Von „Salisbury“ wurde ja schon die eine oder andere überarbeitete Version herausgegeben – auch mit reichlich Bonusmaterial. Diese hier sind trotzdem neu. „High Priestess“ gefällt mit Bootleneck und „Time To Live“ ist ein sehr schönes Brett. Ja, die Vergleiche mit Deep Purple liegen auf der Hand, gerade bei dieser alternativen Version. Das ruhige „The Park“ ist noch nicht ganz so ausgearbeitet und plätschert etwas vor sich hin. Trotzdem: nice to have. „Simon The Bullet Freak“ und auch „Here Am I“  sind auf dem eigentlichen Album ja nicht vertreten, wurden aber bereits auf spätere Versionen draufgepackt. Hier gibt es nun die alternativen Varianten zu hören. Ohne den Gesang wäre „Simon The Bullet Freak“ allerdings recht langweilig. Das Gitarrensolo am Schluss rettet auch noch mal einiges. „Bird Of Prey“ wird glücklicherweise frühzeitig ausgeblendet, bevor es zu sehr langweilig ins Nirvana mäandert. „Here Am I“ ist eine ganz nette Ballade mit psychedelischem Gesang. „Lady In Black“ hat auch in dieser Form schon Hitqualitäten, es fehlt allerdings noch der Feinschliff. Dann gibt gleich zwei Mal „Salisbury“ auf die Ohren. Hier wäre die Live-Version hervorzuheben. Der Sound ist zwar nicht ganz optimal und es hört sich an, als wäre das nur vor einer Handvoll Zuschauern dargeboten worden und doch entfaltet das einen fast hypnotischen Sog. So endet dieses Set auf faszinierende Art und Weise!

 

Fazit: Das zweite Album von Uriah Heep, „Salisbury“, wird nun auch (erneut) veröffentlicht. Die Expanded Edition hat eine zweite CD mit neun Bonustiteln zu bieten, die schon alleine eine Anschaffung rechtfertigen. Die Aufmachung des Digipacks und Booklets ist sehr schön und äußerst gelungen. Allerdings sollte man, um den Mittelteil des Booklet zu lesen, eine Lupe bereitlegen. Die Songs selber sind sehr vielfältig ausgearbeitet und arrangiert worden und decken von Hard Rock bis hin zu Jazz eine immens große Bandbreite ab. Weitestgehend Progrock eben.  

 

http://www.uriah-heep.com/newa/index.php

 

Text: Torsten Schlimbach

Uriah Heep: ...Very `Eavy...Very ´Umble

Uriah Heep: ...Very `Eavy...Very ´Umble

BMG/ADA

VÖ: 16.09.2016

 

Wertung: 8,5/12

 

Von Uriah Heep rollt eine Veröffentlungswelle auf uns zu, da deren Alben in erweiterte Auflage neu in den Handel kommen. Den Auftakt bildet da eine Anthology mit dem programmatischen Titel „You Turn To Remember: The Definitive Anthology 1970-1990“. Das macht ja irgendwie auch Sinn, denn dadurch kann mitunter eine neue Hörerschaft angefixt werden, die sich nach und nach auch mit den eigentlichen Studiowerken auseinandersetzt. Den Anfang kann man parallel mit „...Very ´Eavy...Very ´Umble“ machen. Das Debüt wird digital optimiert erneut veröffentlicht. Die Erstauflage ist ja mittlerweile ein Sammlerstück. Auf der zweiten CD gibt es auch für den Fan ein paar Anreize, da sich hier unveröffentlichtes Material tummelt, darunter drei Aufnahmen aus der Zeit vor der Gründung der Band!

 

Zum eigentlichen Album muss man ja eigentlich nicht viel sagen. „Gypsy“ hat eines der bekanntesten Riffs der Bandgeschichte zu bieten. Das Stück ist insgesamt sehr heavy und aufgrund der Orgel kann man da schon Vergleiche mit Deep Purple ziehen. Die bluesigen Elemente der gesamten Scheibe verstärken diesen Eindruck zusätzlich. „Walking In Your Shadow“ rockt wie Sau, während „Come Away Melinda“ zwischen Mittelalter und Fantasywelt ein Spiegelbild dieser Zeit ist.

 

„Lucy Blues“ trägt die Richtung ja schon im Titel. Das klingt nach verrauchtem Keller, nach Schweiß, der von der Decke tropft und Whiskey. Der Sound ist übrigens überragend gut. „Dreammare“ ist nach dem verträumten Auftakt ein amtliches Hardrock-Stück. Das Riff von „Real Turned On“ ist durchaus exemplarisch für Uriah Heep. Die Lead Gitarre spielt im Grunde ein einziges Solo. Hard und Heavy galore. „I´ll Keep On Trying“ und „Wake Up (Set Your Sights)“ bedienen dann noch mal gekonnt die progressive Ecke.

 

Auf der zweiten CD gibt es dann die alternativen Versionen. Wie dieser Veröffentlichung auf dem Backcover zu entnehmen ist, sind diese Tracks in dieser Form bisher allesamt unveröffentlicht. Diese Tatsache ist insofern erstaunlich, da es das Debüt schon in allen möglichen Varianten und Neuauflagen gegeben hat. Ob die Versionen tatsächlich so unbekannt sind, werden die Hardcore-Anhänger sicherlich besser beurteilen können. Fakt ist aber auch, dass sich die Versionen nicht eklatant von denen des veröffentlichten Albums unterscheiden. Mit „Gypsy“, „Real Turned On“ und „Dreammare“ gibt es gleich zu Beginn des Silberlings drei amtliche Bretter. „Come Away Melinda“ ist dann doch etwas mystischer ausgefallen und der nach hinten gemischte Gesang verleiht dem Stück zusätzliche Atmosphäre. „Born In A Trunk“ ist alles – psychedelisch, progressiv, heavy und verschroben. Erwähnenswert ist sicher auch „Walking In Your Shadow“ mit dieser einprägsamen Hookline. „Lucy Blues“ fehlt es hier noch etwas an druckvollem Sound. „Magic Lantern“ - getrieben vom Klavier – ist ein astreiner Jazz-Jam, der auf progressiven Füßen steht. „Bird Of Prey“ liegt zum Schluss noch als U.S. Alternate Mix vor. Auch hier ist der progressive Anteil, auch die Art des Gesangs, immens hoch – ist trotzdem heavy.

 

Fazit: Jeder, der Hardrock und Heavy mag, sollte „...Very ´Eavy...Very `Umble“ kennen. Das Debüt von Uriah Heep wird nun noch mal veröffentlicht – und das mit amtlichen Sound. Die zweite CD hält dann jede Menge alternative Versionen bereit, die bisher gänzlich unveröffentlicht sind und somit kommen hier auch die ganz treuen Anhänger auf ihre Kosten. Insgesamt eine runde Sache.

 

http://www.uriah-heep.com/newa/index.php

 

Text: Torsten Schlimbach

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