TV On The Radio: Seeds

TV On The Radio: Seeds

Universal

VÖ: 14.11.2014

 

Wertung: 8,5/12

 

Die Herren von TV On The Radio haben alle überholt. Alle? Alle! Die Streber von Arcade Fire, die mit ihrer ständigen unsympathischen Zurschaustellung ihres Kunstverständnisses nur noch nerven, die Verweigerer von Radiohead, die sich jammernd in ihre Kunst zurückziehen, dabei aber vergessen Songs zu schreiben und eine Band wie Interpol, die im Gestern lebt und ihren Sound verwaltet, sowieso. TV On The Radio sind vermutlich die klügste Band des Planeten. Die vorgenannten Bands machen ja nun beileibe keine schlechten Platten – im Gegenteil, aber hat man TV On The Radio je als die Besserwisser aus der ersten Reihe wahrgenommen? Hat man je etwas unsympathisches aus den Mündern vernommen? Hat man je ihre Kunst jammernd und zerhackt darbietend gehört? Hat die Band in der Vergangenheit nur noch ihren Status verwaltet? Eben! Nein! Mit „Seeds“ tritt die Band mal wieder den Beweis an, dass sie eben alles anders macht.

 

Dabei hatten TV On The Radio allen Grund dazu den Kopf in den Sand zu stecken und die Brocken vielleicht sogar komplett hinzuschmeißen. Durch den Tod von Bassist Gerard Smith im Jahre 2011 - kurz nach der Veröffentlichung von „Nine Types Of Light“ - verloren die übrigen Bandmitglieder nicht nur den musikalischen Motor für ihre Art von Musik, sondern in erster Linie auch einen Freund. Es blieb ein Quartett zurück, welches für eine lange Zeit ohne Ziel umherirrte. Und das zu einem Zeitpunkt, wo doch gerade alles etwas fröhlicher wurde. Brooklyn tauschte man gegen Los Angeles ein. Das sechste Studioalbum entstand nun aber auch wieder in dieser Umgebung.

 

„Seeds“ ist ein tanzbares und heiteres Album. Eine Platte, die wieder wundervoll elektronische Klänge mit Indierock verwebt. Der düstere Postrock der Anfangstage liegt dabei meilenweit zurück. TV On The Radio sind natürlich immer noch keine fröhliche Popband im Mainstreamsinne, denn dafür sind die Songs viel zu verschachtelt. Mit „Winter“ zeigen die Herren, dass sie auch immer noch herrlich schräg die Gitarre anschlagen und ganz im Sinne des 90er Indierocks lärmen können – auf eine positive Art und Weise. Etwas negativ könnte einem allerdings die Aussage von Tunde Adebimpe aufstoßen, dass „Seeds“ das beste Album ihrer Karriere wäre. Solche Dinge will man genau nicht von TV On The Radio hören, das können sie einfach besser. Und es ist auch nicht das beste Album, aber ein verdammt gutes! TV On The Radio machen ja sowieso nur gute bis sehr gute Platten.

 

Was hat „Seeds“ noch im Köcher? Soul, Rock, HipHop und auf eine sehr herzliche Art wird hier ein Retrosound mit der Moderne verbunden. Das elektrische „Quartz“ hat für diesen Sound ungewohnte Doo-Wop-Versatzstücke zu bieten, klingt aber auch wie ein friedvolles Kinderlied, nur um im nächsten Moment Richtung Tanzfläche aufzubrechen. Ein paar Doppelungen machen die Verwirrungen perfekt. Im Maschinenraum von „Careful You“ ist einiges los und dann wird auch noch ein bisschen Französisch gesungen. Ein schönes Popstück – nicht mehr und nicht weniger. „Could You“ ist eines jener Stücke, die TV Ton The Radio mit der Vergangenheit und der Jetztzeit verbinden. Da werden Erinnerungen an die britischen Bands der 60er und 70er wach. Man will jetzt nicht gleich mit den Beatles kommen, aber die Hollies tun es ja auch mal. Dazu wird ein Soundkonstrukt gebastelt, welches absolut zeitgemäß ist. „Happy Idiot“ ist düster, ist treibend, ist etwas für Samstagsnacht, wenn sich die Tanzwütigen im Lichterkegel winden. Die Dringlichkeit packt einen sofort bei den Hörnern. „Test Pilot“ wabert allerdings auch etwas ziellos daher und „Love Stained“ hat auch nicht viel zu bieten. „Ride“ kommt als Hymne ganz gut und bei „Right Now“ hat Sitek dann ein bisschen mit HipHop-Elementen gespielt. Leider haben TV On The Radio im Mittelteil der Platte aber auch etwas den kreativen Faden verloren. „Lazerry“ ist nach „Winter“ der zweite astreine Song aus der Garage. Geht doch! „Trouble“ mäandert dann wieder recht ziel- und belanglos dahin. „Seeds“ - der Titeltrack - ist ganz zum Schluss zwischen Soul, Gospel, Electronica und Indiepop wieder zurück in der Spur.

 

Fazit: TV On The Radio haben mit „Seeds“ wieder ein gutes Album aufgenommen! Es ist aufgrund einiger Durchhänger aber sicher nicht ihre beste Platte. „Seeds“ ist aber durchgehend von einer Leichtigkeit und einer fröhlichen Grundstimmung durchzogen, die dem Album die Schwere vergangener Tage nimmt. TV On The Radio liefern hier wieder einen sehr bunten Musikstrauß ab, der in seinen schönsten Momenten die beste Musik der Welt ist. Wo andere Bands die Alben komplett überladen, lassen TV On The Radio ihren Songs eben genug Luft zum Atmen.

 

http://www.tvontheradioband.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

 

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