Therapy? A Brief Crack Of Light

Therapy? A Brief Crack Of Light
Blast Records/H´Art
VÖ: 24.02.2012

 

Wertung: 8/12

 

Therapy? sind musikalische Indie-Dinosaurier der 90er, da gibt es überhaupt kein Vertun. Wie kaum eine andere Band machen sie in stoischer Ruhe immer noch ihr Ding. Als die ganz große Explosion der Alternativszene vor über zwei Jahrzehnten begann, waren Therapy? dabei. Eine Zeit lang kratzte man sogar an dem Status Superstars zu werden. Zumindest auf dem europäischen Kontinent war man nahe dran und kein Festival kam ohne die Band aus. Nicht selten drehten sie die staunenden Beobachter von links auf rechts und wieder zurück. Ja, Therapy? waren eine Band, bei der man auch vortrefflich feiern konnte. Der Auftritt bei Rock am Ring 1994 ist da schon legendär.

Ein lange Reise war es bis 2012. Die Musikindustrie hat sich komplett gewandelt und so manch vermeintlich neuer Stil wurde wie die berühmte Kuh durch die Dörfer getrieben. Überhaupt hat sich die Medienwelt enorm gedreht, die gottverdammten Casting-Shows sind da nur der berühmte Punkt auf dem i! Nur Therapy? lassen sich davon offensichtlich nicht beeindrucken. Klar, es gab den einen oder anderen Besetzungswechsel, aber Andy Cairnes und Michael McKeegan haben das Schiff irgendwie immer auf Kurs gehalten. Im weitesten Sinne waren und sind Therapy? eine Rockband, die einem direkt von vorne und ohne Umschweife mit dem nackten Hintern ins Gesicht springt. Trotzdem hat die Band auch immer wieder die verschiedensten Einflüsse verarbeitet.

Das dreizehnte Album „A Brief Crack Of Light“ ist da keine Ausnahme. Die Iren nahmen das Teil im labeleigenen Blast Studio in Newcastle auf. Zur Seite stand ihnen dabei Adam Sinclair, der die Platte mitproduziert hat. Mit Nigel Rolfe ist für das Artwork ein alter Bekannter dabei, denn immerhin hat er auch schon für „Troublegum“ und „Suicide Pact-You First“ gearbeitet – die beiden besten Scheiben im Oeuvre der Combo. Somit schließt sich hier ein Kreis.

Es ist nicht gerade so, dass „A Brief Crack Of Light“ nun daran anknüpft und doch hat dieses Album zumindest qualitativ ähnliche Vorzüge zu bieten. Die zehn Nummern haben allerdings keine Hitqualitäten, damit war aber auch nicht zu rechnen. Die knapp vierzig Minuten sind dafür auch viel zu sperrig. Teilweise knallen  die Jungs einem einen ganz schönen Brocken vor die Füße. Der einzige Song, der so etwas wie eine catchy Hookline und Melodie am Start hat - „Marlow“ - wird durch fehlenden Gesang dann auch gleich wieder seiner Hitqualitäten beraubt. Anderes wie „Ecclesiates“ wabert über fünf Minuten dahin und hat unüberhörbar Einflüsse von Prog-, Art- und Space-Rock mit in den Sound einfließen lassen.

Wem jetzt schon der Angstschweiß auf der Stirn steht: keine Sorge! Therapy? sind immer noch eine Rockband! Gleich der Opener „Living In The Shadow Of The Terrible Thing“ ist der aufbauende Schlag in die Magengrube. Mit dem Brett „Plague Bell“ lassen sie danach einen amtlichen Tinnitus zurück. Die ausgekotzten Lyrics erinnern schon schwer an das Hardcorefach. Bei „Before You, With You, After You“ träufeln sie auch noch eine gehörige Portion Düsternis über die Strophen. Es geht aber auch anders, denn „Get Your Dead Hand Off My Shoulder“ verarbeitet gar Dub-Einflüsse. Die Produktion ist nicht immer auf den Punkt und über die gesamte Distanz scheppern die Drums doch etwas zu sehr. Dafür kommt der Bass oftmals sehr gut rüber, wie beispielsweise bei „Ghost Trio“ - überhaupt ein sehr hörenswerter Track und wer dabei an Australien denkt, sollte sich nicht weiter wundern.

Fazit: Therapy? machen auch in der dreizehnten Runde noch nicht schlapp und legen mit „A Brief Crack Of Light“ ein sehr ordentliches Brett vor. Man muss sich die Platte etwas erarbeiten, da diese hin und wieder ein ganz schöner Brocken ist. Ist man aber drin, dann kann man auch noch ganz viele andere musikalische Details entdecken und wer hätte am Anfang der Karriere von Therapy? gedacht, dass die Band auch mal Dub oder Prog für sich entdeckt? Mittlerweile ist die Band ja wieder in einer Nische angekommen und damit wird sie mit dieser Platte auch nicht herauskommen. Das ist aber auch nicht gewollt und die Fans dürfen sich über „A Brief Crack Of Light“ freuen.

http://www.therapyquestionmark.co.uk/

Text: Torsten Schlimbach

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