The Who: Pete Townshend´s Classic Quadrophenia

The Who: Pete Townshend´s Classic Quadrophenia

Deutsche Grammophon/Universal

VÖ: 05.06.2015

 

„Quadrophenia“ von The Who ist eine der großen Rock-Opern, da ist es nur konsequent, dass das vorliegende Projekt irgendwann realisiert wurde. Das Meisterwerk von The Who ist ja wie gemalt für ein Orchester, eine klassische Umsetzung - gar für eine Oper. Pete Townshend möchte dies, da er nun im Herbst seines Lebens angekommen ist, auch in treue Hände abgeben. Er bat Rachel Fuller, mit der er seit Jahren befreundet ist, eine Orchesterpartitur dafür zu schreiben. Dies sollte aber nicht nur für die ganz große klassische Bühne funktionieren, sondern auch für eine einfache Umsetzung mit Klassikaufführung am Klavier hinhauen. Das Ergebnis liegt nun einstweilen in der Form von „Classic Quadrophenia“ vor.

 

Fans von The Who und von „Quadrophenia“ finden sich schnell zurecht, man braucht allerdings eine Vorliebe für eine große Orchestrierung, für den klassischen Gesang und den Bombast. Mit Rock hat diese Umsetzung ja nichts mehr zu tun. Die Stimme für den Leadgesang schlug übrigens Mark Wilkinson von der Deutschen Grammophon vor. Mit Alfie Boe hat man da sicher die richtige Wahl getroffen. Überraschenderweise wirkt aber auch Billy Idol auf vier Songs mit. Bei genauer Betrachtung passt das aber ganz gut und Herr Idol ist auch im fortgeschrittenen Alter noch gut bei Stimme und wenn man sich seine letzten Auftritte anguckt, dann ist er sogar in der Form seines Lebens.

 

Pete Townshend singt bei „The Punk And The Godfather“ und spielt bei „I´m One“ und „Drowned“ Gitarre. Dies geht allerdings fast unter. Hier wird das ganz große Orchester-Besteck herausgeholt und Alfie Boe dominiert gesanglich „Quadrophenia“ auf eine sehr nachhaltige Art und Weise. Man höre sich nur die Opulenz von „I´ve Had Enough“ an! Er singt da sehr facettenreich, lässt Idol aber auch noch genug Raum sich zu entfalten, auch wenn seine Stimme alles überstrahlt. Muss sie aber auch, bei der üppigen Instrumentierung des Royal Philharmonic Orchestra. Es fehlt letztlich die Rotzigkeit von Roger Daltrey, aber dafür ist der Gesang eben perfekt ausgebildet. Der Chor im Hintergrund sorgt dann dafür, dass das Stück auch mit genug Pathos beladen wird und sich eine Gänsehaut einstellt – sofern man sich darauf einlassen kann.

 

Die Schönheit von „Quadrophenia“ zeigt sich im Beginn von „5:15“, der fast zärtlich ausgefallen ist. Danach gibt es kein Halten mehr und auch im Klassikgewand ist das eine amtliche Raserei. Nach all dem Bombast des bisherigen Albums ist „Sea And Sand“ eine Wohltat für die Ohren. Zeit zum Durchatmen braucht es auch mal! „Drowned“ ist in dieser Form etwas gewöhnungsbedürftig, aber auch hier zeigt sich, dass Pete Townshend damals tatsächlich Musik geschaffen hat, die keine Genrefesseln kennt.

 

Die Leistung von Rachel Fuller zeigt sich in dem epischen „Doctor Jimmy“. Den ruhigen Part nach 2 Minuten und 40 Sekunden so zu schreiben, ist schon ein Genuss für die Ohren. Klassikfans kommen bei diesem Projekt definitiv auf ihre Kosten. „Love Reign O´Er Me“ ist ein Klassiker von The Who, aber in dieser Form wird es den einen oder anderen Fan verstören, da wird doch ganz dick mit der Klassik-Keule aufgetragen. Das passt aber natürlich als großes Finale und bildet den perfekten Kontrast zu der Eröffnung mit „I Am The Sea“.

 

Fazit: „Pete Townshend´s Classic Quadrophenia“ ist ein Mammutprojekt, welches sich im Grunde schon vor Jahrzehnten angekündigt hat. Rachel Fuller hat nun Orchesterpartituren für diese Rock-Oper geschrieben. Das vorliegende Album ist insofern auch mehr für Fans von opulenter Klassik geeignet, dann für The Who-Fans ein Fest. Mit Rock hat das nichts mehr zu tun, gleichwohl das Material und die Umsetzung natürlich erstklassig sind! Eine Wertung entfällt an dieser Stelle, da die Klassik-Kenntnisse nicht ausreichend genug sind!

 

http://www.petetownshend.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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The Who: Quadrophenia (Deluxe Edition)

The Who: Quadrophenia (Deluxe Edition)

Universal

VÖ: 11.11.2011

 

Wertung: 10,5/12

Tipp!

 

Bilder und Musik sagen manchmal mehr als viele Worte! Im Falle von „Quadrophenia“ von The Who ist dies gar eines der Paradebeispiele dafür. Was die Band und ganz besonders Pete Townshend 1973 aus dem Hut gezaubert hatten, ist nicht nur aller Ehren wert, sondern gehört längst zu den Klassikern der Rockmusik. Oder noch besser: der Rockoper! Die Geschichte des jungen Mod Jimmy auf seinem Weg zum Erwachsenwerden sprach nicht nur vielen Jugendlichen seinerzeit aus dem Herzen, sondern ist immer noch erstaunlich aktuell. Themen wie Entfremdung und Wut werden sicher allzeit die Themen der Heranwachsenden sein.

 

Nun gibt es eine umfassende Neuauflage von „Quadrophenia“. Hier wurde aber nicht nur wild was zusammengestellt, sondern die Geschichte durch die Demo-Versionen verfeinert und von Pete Twonshend höchstpersönlich produziert, betreut und autorisiert. Man sieht schon alleine an der Aufmachung, dass man sich hier alle erdenkliche Mühe gegeben hat. Die Deluxe Edition liegt als Digipack vor und beinhaltet zwei Booklets! Das ist sicher ein Novum! Zunächst kann man sich von der bildgewaltigen Fotostory mit auf die Reise nehmen lassen, die ältere Zeitgenossen von der LP kennen dürften. Es bedarf keiner Worte um den Inhalt an den Betrachter zu transportieren. Das zweite Booklet ist schon fast ein kleines Büchlein. Zunächst gibt es eine ausführliche Einleitung und dann einen Track-By-Track Guide zu den Demos von Pete Tonwshend höchstpersönlich!

 

„Tommy“ oder „Quadrophenia“? Daran scheiden sich die Geister und die Gelehrten, also die Fans, streiten und diskutieren immer wieder über diese beiden Mammutprojekte. Es scheint so, als hätte „Tommy“ zumindest vom Bekanntheitsgrad das Rennen gemacht. Man muss diese beiden Geschichten aber nicht vergleichen. Fakt ist jedenfalls, dass „Quadrophenia“ wie aus ein Guss wirkt – immer noch – und sehr ausgewogen ist. Die Balance wird zu jeder Zeit gehalten und es schimmert an allen Ecken und Ende durch, dass The Who eben eine Rockband sind. Das Remastering lässt schon hörbar einen deutlichen Unterschied zur Original-Platte erkennen. Zwar ist das jetzt nicht die erste Überarbeitung, aber die Wucht, mit der diese Platte jetzt aus den Boxen kommt ist dem Werk angemessen. Hinzukommt, dass der Klang sehr transparent ist und sehr viel Wärme verströmt.

 

Musikalisch sind The Who hier auf einem ihrer vielen Höhepunkte. Gerade das Spiel von Keith Moon ist immer wieder faszinierend. Entwistle hält den Laden ganz cool zusammen und Townshend überzeugt nicht nur an der Axt, sondern auch am Klavier und allen Instrumenten, die er zur Umsetzung seiner musikalischen Vision aufgefahren hat. Das darf auch gerne mal ein Synthesizer sein. Erstaunlich, dass es sich manchmal gar so anhört, als spiele die Band live!

 

Auf diesem Album gibt es eine große Bandbreite. Da hätten wir Instrumentalstücke wie „Quadrophenia“ oder „The Rock“, aber eben auch ungezügelten Rock wie bei „The Real Me“, „Dr. Jimmy“ oder „The Punk And The Godfather“. Kompositorisch hat sich Townshend gerade bei den langsameren Stücken ausgetobt und somit führen einen „I´m One“ oder „Love Reign O´er Me“ in ganz neue The Who Sphären!

 

Von den Demo-Versionen überzeugt das dramatische „Anymore“. Das ist ein Stück für eine Rockoper wie es im Buche steht! Beeindruckend. Aber auch das rockige „I´ve Had Enough“ versteht es zu überzeugen. Oder ist es am Ende doch wieder kein Rock? Die Nummer dauert immerhin über sechs Minuten. Anhören und genießen! Für Demos ist das höchst beachtlich! Man könnte sich gar die Frage stellen, ob „Drowned“ nun in der Album-Version oder doch als die nicht genutzte Demo-Version besser ist. Der Klaviereinstieg von „Love Reign O´er Me“ kommt hier übrigens richtig gut zur Geltung!

 

Fazit: „Quadrophenia“ von The Who war ein Meilenstein für die Band und auch für die Rockoper! Nun wird dieses fantastische Album erneut aufgelegt und mit umfangreichen Bonusmaterial erneut in den Handel gebracht. Die Songs überzeugen kompositorisch und hier wird eine richtige Geschichte erzählt. Die Umsetzung war sicher nicht einfach und umso überzeugender und faszinierender ist das Ergebnis. Neben der tollen Aufmachung gibt es nun noch jede Menge Bonusmaterial. Die Deluxe Edition ist schon sehr überzeugend, wer aber so überhaupt nicht genug bekommen kann, greift bitte gleich zur Box!

 

http://www.thewho.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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