The Weeknd: The Beauty Behind The Madness

The Weeknd: The Beauty Behind The Madness

Universal

VÖ: 28.08.2015

 

Wertung: 8,5/12

 

Mit „The Beauty Behind The Madness“ legt der Kanadier Abel Tesfaye endgültig das Mystische ab. Die geheimnisvolle Aura, die er mal als The Weeknd hatte, gehört der Vergangenheit an. Mittlerweile ist er zu einer Art Superstar geworden. Natürlich werden jetzt wieder einige jammern, dass er doch besser im Untergrund geblieben wäre. Geschenkt. Fakt ist, dass „The Beauty Behind The Madness“ den Weg in den Mainstream findet. Dies liegt ja schon alleine an „Earned It“, jener Nummer, die durch „Fifty Shades Of Grey“ The Weeknd eben dorthin spülte. Das ist aber überhaupt nicht weiter tragisch, denn der Erfolg sagt zunächst ja nur aus, dass der Mann anscheinend eine große Zahl an Hörern anspricht. Da wird der Fan der ersten Stunde vielleicht nicht mitmachen, aber darauf kann The Weeknd letztlich verzichten.

 

Beschäftigt man sich etwas näher mit „The Beauty Behind The Madness“ dann ist das alles weit weniger schlimm, wie es auf den einschlägigen Portalen schon wieder in vielen blumigen Wörtern mitgeteilt wird. Ja, The Weeknd macht hier zu einem Großteil Pop. Kein Wunder, hat doch auch Kanye West als Produzent bei „Tell Your Friends“ die Finger im Spiel. Der Mann arbeitet jetzt eben mit den ganz Großen. „The Beauty Behind The Madness“ ist weit weniger sperrig und ein ganzes Stück zugänglicher. Da muss man aber auch als Fan nicht unbedingt gleich kopfschüttelnd abwinken, denn die atmosphärischen Sounds sind durchaus erhalten geblieben. The Weeknd hebt sich somit ein ganzes Stück von seinen Kollegen ab.

 

Und wie klingt nun die neue Richtung? Es kommen einem da Prince, Michael Jackson und D´Angelo in den Sinn. Gerade die vielen hohen Tonlagen erinnern an den King of Pop. Dies ist ausdrücklich als Kompliment zu verstehen! Die Besonderheit der Musik ist ja auch nicht verschwunden. „The Hills“ hört sich in den Strophen zunächst wie eine Depeche Mode-Nummer an. Hier zeigt sich auch wie facettenreich die Stimme von The Weeknd ist. Zum Refrain hin schwingt er sich dann wieder spielerisch in Höhen, die seine Kollegen vor Neid erblassen lassen. Die getragene, langsame Grundstimmung des Songs verstärkt die Intensität zusätzlich. Wer will da noch über Mainstream oder nicht motzen? Eben!

 

Es sind die Feinheiten, die dieses Album ausmachen. „Losers“ scheint in Monotonie zu versinken, ist zum Refrain hin aber derart treibend und dringlich, dass es schon wieder tanzbar ist. Die Platte ist voll von Brüchen, Widersprüchen und Gegensätzen. „Tell Your Friends“ kommt als Mischung aus Soul und Jazz recht progressiv daher. „Can´t Feel My Face“ ist ein lässiger Dancetrack, den Michael Jackson im Herbst seiner Karriere sicher gerne aufgenommen hätte. „Shameless“ geht dann in die D´Angelo-Richtung. „In The Night“ ist – zugegeben – nicht mehr als netter Pop, aber warum auch nicht? Die Ballade „As You Are“ wäre auch verzichtbar gewesen. Dafür hat er mit der Wahl seiner Gäste Volltreffer gelandet. Ed Sheeran ist bei „Dark Times“ dabei. Die Nummer hört sich so an, wie man sich eben eine Zusammenarbeit von The Weeknd und Sheeran vorstellt – ein düsterer Soultrack ist das Ergebnis. Lana Del Rey passt zu dem unterkühlten „Prisoners“ sowieso perfekt. Das melancholische „Angel“ baut sich über sechs Minuten ganz grandios auf und zeigt noch mal eindrucksvoll die stimmliche Brillanz von The Weeknd.

 

Fazit: „The Beauty Behind The Madness“ ist – und das kann man drehen und wenden wie man will – ein gutes Album. The Weeknd macht zwar jetzt auf Popmusik, aber das steht ja nicht unter Generalverdacht schlecht zu sein. Die Sound sind nicht mehr so sperrig, aber durchaus sehr abwechslungs- und variantenreich. Gesanglich ist der Mann sowieso eine Liga für sich. Wenn man unbedingt etwas bemängeln will, wäre es die Anzahl der Songs, denn die Platte ist vielleicht um die berühmten zwei bis drei Tracks zu lang, aber das ist ja dann auch Jammern auf hohem Niveau!

 

http://www.theweeknd.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

The Weeknd: Kiss Land

The Weeknd: Kiss Land

Universal

VÖ: 06.09.2013

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Abel Tesfaye ist angekommen. Angekommen in der Liga der Großen und angekommen in den Gazetten dieser Welt. Vorbei sind die Zeiten als keiner wusste, wer überhaupt hinter The Weeknd und den Mixtapes steckt. Abel Tesfaye wurde schneller in das grelle Scheinwerferlicht gezerrt, wie ihm selbst lieb war. Erstaunlicherweise war er zu dieser Zeit immer noch ohne Plattenvertrag unterwegs. Gelobt wurde er von so unterschiedlichen Künstlern wie Drake, Florence And The Machine oder Lady Gaga und mit oder für alle arbeitete er auch. Es war nur eine Frage der Zeit, bis er von der Industrie vereinnahmt wurde. Ist ja auch klar, denn von irgendetwas muss man ja auch leben. Seine Mixtapes wurden in überarbeiteter Form als „Trilogy“ veröffentlicht und klettern in den USA bis auf Platz 4. Jetzt folgt mit „Kiss Land“ das nächste Album, wenn man so will, dann ist es allerdings das erste richtige Werk von „The Weeknd“.

 

„Kiss Land“ also. Der Albumtitel ist schon irgendwie enttäuschend und passt sich dem vermeintlichen Genre an. Die erste Single „Belong To The World“ pluckerte zwar ordentlich drauf los, ist letztlich aber nur wenig spannend. Klingt eher nach einem verschollenen Michael Jackson Track, der ein bisschen für das aktuelle Musikgeschehen aufgepeppt wurde. Aber sämtliche Sorgen sind unbegründete, denn was der 23-jährige auf „Kiss Land“ sonst so veranstaltet, lässt sich mit Worten kaum beschreiben. Der Mann agiert in seinem ganz eigenen Kosmos und seiner eigenen Klangwelt. Und da ist alles möglich! The Weeknd pickt sich aber nur die großartigen Möglichkeiten heraus. Es ist kein Wunder, dass er als das größte Talent seit Michael Jackson gehandelt wird.

 

Er selbst verortet das Album wie folgt: aufgewachsen mit R. Kelly, Michael Jackson und Prince, aber gleichzeitig auch Fan von den Filmemachern John Carpenter, David Cronenberg und Ridley Scott. Dazu gesellen sich noch Einflüsse von Portishead („Belong To The World"), Stevie Nicks, Genesis und Phil Collins(!). Kommen wir aber zurück auf die drei Filmschaffenden, denn The Weeknd wollt in erster Linie seinen eigenen Horrorfilm erschaffen. Es ist ihm auf eine positive Art und Weise gelungen. Er biedert sich so auch keineswegs beim aktuellen Zeitgeist an. Nein, The Weeknd ist erfreulicherweise immer noch anders. Und auch noch gut dabei!

 

„Trilogy“ war ja schon sehr gewagt und somit wäre es nicht verwunderlich gewesen, wenn „Kiss Land“ jetzt irgendwie stagniert. Tut es aber nicht. Es ist ein unfassbares Album. Vielleicht ist es die eine oder andere Sekunde zu lang. Auf der anderen Seite zeugt es schon von Selbstbewusstsein, einen Song mit über sechs Minuten an den Anfang zu stellen. Wie hier der Klangteppich verwebt wird und dazu immer wieder mit neuen Wendungen versehen wird, lässt einen die Kinnlade schon mal auf den Tisch klappen. Dazu wird der butterweiche Gesang gereicht, der so überhaupt nicht zu dem Mann auf dem Coverfoto passen will. Bei „The Town“ wird es dann spannend, denn diese Flasett-Stimme hat natürlich auch das Potenzial zu nerven. Irgendwie kriegt er das hier aber hin, dass man eben nicht genervt ist. Dafür lenkt der Soundrausch im Hintergrund auch viel zu sehr ab. Hat jetzt überhaupt schon einer eine Genrebezeichnung dafür gefunden? Prog-R&B vielleicht?

 

„Adaptation“ und „Love In The Sky“ wären sogar unter Pop einzusortieren, wenn, ja wenn sich die Beats und Synthies nicht so langsam und sphärisch aus den Boxen schälen würden. Auch hier wird nicht gekleckert sondern geklotzt. Und wie. Da werden wieder epische Welten gemalt, die bei anderen für drei Songs reichen würden. Düstere Welten sind das! Bei „Live For“ kommt dann auch der Horror zum Vorschein, der The Weeknd vorschwebte und dies liegt nicht nur an der Beteiligung von Drake. Die Einleitung von „Wanderlust“ erinnert an ein Serienthema der 90er und dann bollern die Beats los, brechen zwischendurch aber immer wieder ab. Der Titeltrack „Kiss Land“ und „Tears In The Pain“ breiten sich episch über sieben Minuten aus. Das hat Soundtrackpotenzial. Ist im Falle von „Kiss Land“ aber auch bei Michael Jackson abgekupfert. Aber wenn interessiert das schon angesichts der vielen großartigen Soundcollagen? „Pretty“ ist einer der besten Genretracks der letzten zehn Jahre. Wäre da nicht der ebenso talentierte Frank Ocean, dann würde sowieso jeder Song von „Kiss Land“ alles andere überstrahlen.

 

Fazit: „Kiss Land“ löst alles ein, was „Trilogy“ von The Weeknd erahnen lies. Dies ist ein beachtliches Album mit unfassbaren Momenten. Das passt in keine Schublade, aber das wollte The Weeknd ja auch sowieso nicht. Epische und sphärische Klanglandschaften breiten sich aus, dazu dieser Gesang, der einen um den Verstand bringt und eine düstere Atmosphäre, die der ganzen Geschichte auch noch eine mystische Note verleiht. Die eine oder andere Sekunde weniger wäre nicht verkehrt gewesen, aber dieser Brocken erschließt sich ja sowieso erst nach und nach. Das Wunderkind ist nicht entzaubert worden und man darf gespannt sein, welche musikalischen Reisen er in der Zukunft antreten wird.

 

http://www.theweeknd.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

The Weeknd: Trilogy

The Weeknd: Trilogy

Universal

VÖ: 09.11.2012

 

Wertung: 10,5/12

Tipp!

 

Das sie also, die erste Platte des neuen Popwunderkinds. Es sind übrigens gleich drei Alben geworden, die jetzt als „Trilogy“ veröffentlicht werden. Abel Berihun Tesfaye ist bei den Kritikern innerhalb kürzester Zeit zum Liebling empor gestiegen und mit Drake hat er einen prominenten Fan an seiner Seite, der ihm ordentlich unter die Arme griff. Tesfaye hat zwar eine gute Starthilfe bekommen, aber als The Weekend, so sein Musiker-Pseudonym, hat er mittlerweile derart viele Fans, dass er seine Karriere eigentlich gelassen betrachten könnte. Das Leben findet aber nicht im Konjunktiv statt, denn Geld hat er mit seiner Musik bisher kaum verdient.

 

Der 22-jährige Kanadier hat einen völlig anderen Ansatz gewählt um seine Musik in die Welt hinaus zu jagen. 2011 kam er auf die wahnwitzige Idee gleich drei seiner Mixtapes auf seine Homepage zu stellen, die sich jeder kostenlos runterladen konnte. Das mag nach finanziellem Selbstmord klingen, künstlerisch ist es diese Vorgehensweise sicher nicht. Sein YouTube Kanal verzeichnet mittlerweile unglaubliche 75 Millionen Klicks und Besucher! Eine bessere Werbung kann es eigentlich nicht geben. Natürlich werden jetzt auch wieder die Mahner mit dem erhobenen Zeigefinger einen auf Oberlehrer machen und es zutiefst verdammen, dass er seine Mixtapes nun auch noch mal kommerziell verwertet und veröffentlichen lässt. Ist natürlich totaler Quatsch, da immer noch viel zu wenige Menschen The Weekend für sich entdeckt haben und letztlich ist es ja auch für den Fan und Musikkonsumenten von Vorteil, wenn ein Künstler irgendwann finanziell unabhängig ist und sich eben nur auf seine Kunst konzentrieren kann.

 

Die nun veröffentlichte „Trilogy“ setzt sich aus den drei Alben und Mixtapes „House Of Balloons“, „Thursday“ und „Echoes Of Silence“ zusammen. Wer sich letztes Jahr schon auf der Homepage umgesehen hat, der kommt um dieses Paket nun aber trotzdem nicht umhin, denn die Songs wurden neu gemischt und gemastert! Zudem wurden die einzelnen Album jeweils um einen Bonus-Track angereichert. Klanglich ist dies nun in der Oberliga anzusiedeln. Dies ist bei The Weekend auch extrem wichtig um die ganzen Flächen und Schichten auch in voller Pracht und Schönheit genießen zu können.

 

Textlich hat es dieses junge Talent geschafft die drei Alben miteinander zu verknüpfen. Düster ist es geworden. Für die besungene Valerie, die immer nur am „Thursday“ bei ihrem Geliebten zum Zuge kommt, gibt es keine Hoffnung und am Ende herrscht dann einfach nur noch Stille. Man kann ganz tief in die Geschichten von Tesfaye eintauchen und kriegt die ganzen Abgründe der menschlichen Seele auf dem Silbertablett serviert. Es schaffen nur wenige Künstler dies derart miteinander zu verstricken und zu verknüpfen und dabei den roten Faden nicht zu verlieren.

 

Musikalisch ist die „Trilogy“ zwar ein Brocken, aber gleichzeitig auch ein herausragendes Statement eines jungen Künstlers, der sich tatsächlich als eine Art Wunderkind präsentiert. Von Schubladendenken kann man sich gleich verabschieden, denn dies hier passt überall rein – und kann doch nirgendwo so richtig einsortiert werden. Soul, R&B, Pop, Dubstep, Avantgarde und gar progressiver Pop – bei The Weekend ist alles möglich. Nicht ohne Grund werden Vergleiche mit dem jungen Michael Jackson gezogen und nicht umsonst findet sich hier mit „D.D.“ auch eine Coverversion von Jackson wieder, die nämlich nichts anderes wie „Dirty Diana“ ist – mit messerscharfen Beats und einer atmosphärischen Dichte, die das Original nicht zu bieten hatte. Stimmlich sind sich die beiden näher wie man zunächst denkt.

 

„High For This“ startet den dreißig Tracks starken Songreigen zunächst mit sphärischen Klängen bevor die schweren Bassbeats über einen hinweg donnern. So einen Song würde Ne-Yo gerne noch mal schreiben. Ganz großes Ding! Schlechter wird es nicht. „What You Need“ pluckert sich bedrohlich ins Ohr, während „House Of Balloons/Glass Table Girls“ sich als wahnwitziger Dancetrack entpuppt. So klingt Musik für die Hoffnungslosen dieser Welt. Die poppige Single „Wicked Game“ gehört dabei nicht mal zu den besten Songs der Platten, ist selbstredend aber trotzdem ein sehr gutes Ding! So einen progressiven Popsong wie „The Party And The After Party“ würden sicher viele gerne schreiben, nur scheitert es am Talent. The Weekend hat es – und zwar ganz viel davon. „House Of Balloons“ ist einfach ein sehr stimmiges Album.

 

„Thurdsay“ fällt da nicht ab. „Life Of The Party“ ist herrlich abgedreht und steht den Nine Inch Nails sicher näher wie Drake. „Thursday“ hingegen klackert, als hätte auch das britische Wunderkind James Blake im Studio mal vorbeigeschaut. Nicht, dass wir uns falsch verstehen, „Trilogy“ ist alles andere als unhörbar und überall leuchten auch mal glasklare Popklänge durch. Egal ob „The Zone“ oder „The Birds“, das geht schon gut in die Ohren. „Rolling Stone“ hingegen spielt sogar ein bisschen auf einem Folkthema herum. Die Stimme steht dabei glasklar im Vordergrund. Und wenn diese traurige Stimme das traurige „Valerie“ singt, dann ist man an einem grauen Novembertag den Tränen nahe. Selbst, wenn die Beats mal etwas treibender werden, wie bei „Montreal“ von „Echoes Of Silence“, wird die Grundstimmung nicht besser. Man kann in diese Musik eintauchen und sich darin verlieren. „Outside“ hat gar etwas sakrales, wohingegen „Initiation“ klingt, als hätte der Teufel seine Schergen auf die Erde geschickt um alle menschlichen Seelen einzusammeln. Dagegen wirkt „Next“ ja fast handzahm und könnte sich noch am ehesten für die Radiostationen empfehlen. Natürlich wird diese Nummer dort alles in den Schatten stellen was der Popbereich sonst so zu bieten hat. Übrigens kann der Mann einen Song auch fast nur mit seiner Stimme tragen, wie er bei „Echoes Of Silence“ eindrucksvoll unter Beweis stellt.

 

Fazit: The Weeknd veröffentlicht nun seine Album „Trilogy“ auch auf kommerziellem Wege. Das ist gut so, denn so kann auch endlich der restliche Teil der Musikinteressierten in diese Klangwelten eintauchen. Das ist oftmals schwer verdaulich und sperrig, aber wenn man den Schlüssel gefunden hat, dann wird man von der klanglichen Ästhetik her dieses Jahr ganz sicher keine bessere Musik finden. Das ist ganz großes Kino – ohne Schubladen und Kategorisierungen! Die Vorschusslorbeeren sind absolut berechtigt, der junge Mann aus Toronto ist ein Ausnahmetalent und man darf gespannt sein, wohin seine weitere Reise noch geht!

 

http://www.theweeknd.com

 

Text: Torsten Schlimbach

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