The Verve: Urban Hymns – 20th Anniversary Edition (Deluxe 2 CD)

The Verve: Urban Hymns – 20th Anniversary Edition (Deluxe 2 CD)

Virgin/USM

VÖ: 01.09.2017

 

Wertung: 11/12

Tipp!

 

Als im September 1997 „Urban Hymns“ von The Verve erschien, war die Welt gleichzeitig um ein Jahrhundertalbum reicher. Bis dahin hatte die Band zwar respektable Musik veröffentlicht, kam über den Status eines Geheimtipps oder Indieband kaum hinaus. Und dann kam dieses epochale Werk und katapultierte The Verve nach ganz oben. „Urban Hymns“ war keines jener Alben, welches sich an die weltweite Spitze der Charts setze, aber eines mit langem Atem. Dies zeigt sich auch heute noch sehr eindrucksvoll, denn die Songs sind auf ihre Art und Weise zeitlos und „Urban Hymns“ ist längst zu einem Klassiker aufgestiegen. Der Longplayer gehört nicht umsonst zu den 20 meistverkauften Alben Großbritanniens! Weltweit wurden davon mehr als zehn Millionen Exemplare an die Frau und den Mann gebracht.

 

Jetzt feiert dieses Meisterwerk Geburtstag und somit lag es auf der Hand, dass nun eine 20th Anniversary Edition veröffentlicht wird. Dem Zeitgeist entsprechend gibt es verschiedene Konfigurationen und da ist für jeden Geldbeutel etwas dabei. Fans werden sich wohl die Super Deluxe 5-CD+DVD-Box in den Schrein stellen. Vinyl-Liebhaber tragen die schwere Box mit drei Doppel-LPs (Download Code liegt bei!) nach Hause. Wer mit weniger zufrieden ist, kann auch bei der Deluxe Version (Album plus Live-CD) oder der Standard CD (Album klanglich optimiert) zugreifen!

 

„Bitter Sweet Symphony“ ist der vielleicht meistgespielte Song der Band. Es ist ja bekannt, dass der Song auf die orchestrale Version des Stones-Hits „The Last Time“ aufbaut. Die Streitereien darum sind ja längst ausgetragen. Jagger und Richards werden ja auch als Autoren der Musik genannt. Zu der opulenten, aber auch melancholischen Nummer wurde sogar schon geheiratet. Ein Jahrhundertsong, der nach all den Jahren immer noch eine dicke Gänsehaut verursacht. „Sonnet“ und „The Drugs Don´t Work“ bauen sich letztlich auf dem gleichen Bassmotiv auf, sind trotzdem sehr unterschiedlich. „The Drugs Don´t Work“ ging im UK auf die 1 und ist düsterer als sein etwas fröhlicheres Pendant „Sonnet“. Beides sind natürlich herausragende Nummern!

 

Auch, wenn „Urban Hymns“ als zeitlos bezeichnet wird, gar bezeichnet werden muss, gibt es hier jede Menge Verweise zur psychedelischen Musik der 60ies. Der Wahnsinnsritt von „The Rolling People“ ufert gar regelrecht aus. „Catching The Butterfly“ ist aufgrund seiner Hookline etwas zugänglicher, bedient sich aber ebenfalls bei diesen Elementen. „Neon Wilderness“ lässt sogar ein bisschen The Doors-Flair durch die Musik wehen. „Space In Time“ wiederum ist Britpop der Extraklasse. Wem Blur zu dieser Zeit zu verkopft und Oasis zu banal wurden, bekam mit The Verve die Band der Stunde geliefert. „Lucky Man“ ist melodisch ein Kleinod und aufgrund der Instrumentierung sehr beeindruckend. Balladen wie „One Day“ oder „Velvet Morning“ runden das sehr schön ab. Dass The Verve exzellente Musiker waren, dürfte „This Time“ unterstreichen, denn die Mischung aus Jazz-, Funk und Hip Hop-Elementen beeindruckt auch im Jahr 2017 immer noch.

 

Die zweite CD startet mit Live-Aufnahmen vom Haigh Hall Konzert vom 24. Mai 1998. Der Sound ist überraschend gut, um nicht zu sagen: überragend. Das wird schon beim psychedelischen Auftakt mit „This Is Music“ klar. Besonders der ruhige Part, mit den schwebenden Gitarrenmotiven und dem treibenden Bass, entführt den Hörer in andere Sphären. Unter dem Strich ist das natürlich ein sehr schönes Britrock-Stück. Damals waren The Verve auch auf dem Live-Höhepunkt. Dies unterstreicht „Space In Time“ nachhaltig. Der Gesang von Ashcroft schafft den Spagat zwischen Lässigkeit und Ausdrucksstärke und die Band spielt gar sensationell auf. Die Balance zwischen laut und leise, zwischen treibend und schwebend war damals sicher mit das Beste, was es im UK zu bewundern gab. Beim schönen „Catching The Butterfly“ schafft es die Band, den psychedelischen Klang, den die Nummer auf dem eigentlichen Album verströmt, perfekt zu reproduzieren.

 

„Sonnet“ ist derart entspannt, dass es dafür nicht mal mehr einen Spliff braucht. Die Melancholie, die über dem Song schwebt, dürfte auch live für jede Menge Gänsehaut gesorgt haben. Große Nummer. „The Rolling People“ klingt live noch bissiger und angriffslustiger. „Weeping Willow“ hat zwar eine lärmende Gitarre, ist aber aufgrund der Songstruktur eine Nummer, die eher vom Bass kommt. Dies wird live noch mal sehr eindrucksvoll deutlich. Die Übersingle „The Drugs Don´t Work“ wird gar langsamer als auf dem Album gespielt, wodurch sich die Intensität noch mal verstärkt. „Lucky Man“ ist eine weitere Großtat von The Verve. Man kann eigentlich nur jeden beglückwünschen, der damals dabei war. So viele Klassiker von einem Album im perfekten Livegewand zu hören, ist schon was.

 

„Life´s An Ocean“ zeigt aber auch, dass die Band in den 90ern, unabhängig von „Urban Hymns“, vorzügliche Songs geschrieben hat. Das getragene „Velvet Morning“ verströmt in der Live-Version eine feierliche Stimmung. Und na klar, „Bitter Sweet Symphony“ sorgt dann auch noch mal für eine dicke Gänsehaut. Ashcroft geht auch noch mal ganz kurz darauf ein, dass einige Leute der Meinung sind, dass The Verve den Song gestohlen hätten. Der Ausgang ist ja bekannt. „A New Decade“ (aus Washington) und „Slide Away“ (aus Manchester) aus dem Jahre 1997 schließen sich an und sind klanglich ebenfalls hervorragend. Die Abmischung ist nahezu perfekt. „History“ aus der Brixton Academy vom 16.01.98 unterstreicht nachhaltig, dass an The Verve in der zweiten Hälfte der 90er kein Weg dran vorbeiführte.

 

Fazit:  „Urban Hymns“ ist längst zu einem Klassiker der Musikgeschichte geworden. Die Songs sind, trotz aller Referenzen an die 60er, zeitlos. Das Songwriting, die Arrangements und die musikalische Umsetzung sind nahezu perfekt. Jetzt feiert dieses Meisterwerk Geburtstag und wird nun in verschiedenen Konfigurationen erneut veröffentlicht. Klanglich natürlich optimiert. „Urban Hymns“ gehört selbstverständlich in jede anständige Musiksammlung! Wer da noch eine Lücke klaffen hat, sollte diese nun schleunigst schließen!

 

Text: Torsten Schlimbach

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