The Roots: undun

The Roots: undun

Universal

VÖ: 02.12.2011

 

Wertung: 9/12

 

The Roots veröffentlichen in schöner Regelmäßigkeit neue Alben. Hat man nicht gerade erst eine Platte des Musikerkollektivs rezensiert? Dieses Gefühl stellt sich bei jedem neuen Album der hervorragenden Songschreiber und Musiker ein. Dabei ist es eigentlich gar nicht so selbstverständlich, dass die immer wieder Alben auf derart hohem Niveau aufnehmen. The Roots werden ja gerne mal von ihren Kollegen um Hilfe gebeten und dann haben sie auch ja noch die Festanstellung als Showband von Jimmy Fallon. Die Zeit ist also knapp und man – also The Roots – sind auf vielen Feldern aktiv.

 

Umo erstaunlicher ist die Tatsache, dass sie mit der neuen Platte „undun“ nun sogar ein Konzeptalbum vorlegen. Es geht um einen gewissen Redford Stephens, der früh gestorben ist und nun kurz nach seinem Tod den eigentlichen Sinn seines Lebens zu ergründen versucht. Diese Thematik beschäftigt und betrifft früher oder später jeden Menschen. The Roots haben diese teilweise schwere Kost textlich und musikalisch erstklassig aufbereitet.

 

Thematisch geht es auf „undun“ düster zu, musikalisch ist da aber auch so manches Licht am Horizont auszumachen. Der gute Soul hält mehr als nur einmal Einzug in das Musikkonzept. „Lighthouse“ überzeugt ebenso mit seinen Rapparts wie aber auch mit dieser butterweich vorgetragenen Strophe von erstklassiger Popqualität. Über das Selbstverständnis der Band die Musik zu vertonen wurde in den letzten Jahren ja schon genug erzählt und diskutiert. Fakt ist immer noch, dass man es mit der ungewöhnlichen Tatsache zu tun hat, dass die HipHop-Formation – im weitesten Sinne jedenfalls – Instrumente verwendet und es dürfte auch kein Geheimnis mehr sein, dass Ahmir „?uestlove“ Thompson hinter der Schießbude zu den Besten seines Fachs zählt.

 

Aber zurück zu „undun“. Wer hätte gedacht, dass man hier auch waschechte Klassikelemente findet? Die „Redford Suite“ besteht aus drei Teilen, wohingegen der mittlere Abschnitt sogar ein bisschen in Richtung Free Jazz abdriftet. Der berührende Schluss läutet dann das Ende ein. Der komplette Schlusspunkt wird durch einen einzelnen Pianoton gesetzt, der die komplette Düsternis der Scheibe einfängt.

 

Das Konzept von „undun“ ist keine leichte Kost. Der Einstieg mit „Dun“ und „Sleep“ richtet mit seinem ganzen Minimalismus sogar seinen Blick in Richtung Island. Das könnte auch von Björk sein, jedenfalls bis der Rappart einsetzt. Die Umsetzung ist äußerst gelungen, hier ist wirklich kein Ton zu viel gespielt worden – aber eben auch keiner zu wenig. Oftmals läutet ein dezentes Pianothema zum eigentlichen Song über. The Roots haben sich von Dice Raw über Greg Porn bis hin zu Phonte auch ein paar Gäste ins Studio eingeladen. Dies entpuppt sich dann tatsächlich als das Salz in der Suppe und wenn Bilal Oliver bei „The Other Side“ im Stile eines Crooners zu den sphärischen Klängen loslegt, hüllt das den Zuhörer wie eine wärmende Decke ein. Wer es lieber mag, wenn The Roots mehr auf den Putz hauen, wird an diesem Album nicht viel Freude haben. Einzig „Stomp“ und mit Abstrichen „One Time“ toben sich in dieser Hinsicht ordentlich aus. „undun“ überzeugt mit einer unglaublich atmosphärischen Dichte und zieht einen unweigerlich in seinen Bann.

 

Fazit: Mit „undun“ unterstreichen The Roots abermals, dass sie eine Ausnahmestellung einnehmen. Zwischen dem ganzen Rap- und HipHop-Einheitsbrei ist diese Band und ganz speziell diese Platte eine erfrischende Alternative! Das Konzeptalbum überzeugt zwischen Rap und Soul mit einer dichten Atmosphäre und sphärischen Klängen. Zum Schluss wird gar eine Brücke zur Klassik geschlagen. Bei The Roots ist eben alles möglich. Interessante Platte, die näher an Pink Floyd dran ist wie an den eigentlichen Genrekollegen.

 

http://theroots.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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