The Mars Volta: Noctourniquet

The Mars Volta: Noctourniquet

Warner

VÖ: 23.03.2012

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Wenn es dieser Tage um Omar Rodriguez-Lopez und Cedric Bixler-Zavala geht, dann dreht sich alles um At The Drive-In. Eine Reunion schien jahrelang unmöglich und dann ist diese plötzlich nicht nur Spekulation, sondern scheint zumindest für die Bühne Realität zu sein. Ob sich die beiden Wirrköpfe über das Ausmaß dieser Auferstehung im Klaren waren? Da tritt ein neues Album ihrer eigentlichen Hauptbeschäftigung doch glatt in den Hintergrund. The Mars Volta haben nämlich auch wieder ein komplettes Album eingespielt!

 

„Noctourniquet“ reiht sich vom Titel her schon zu den merkwürdigen Vorgängern nahtlos ein. Die Erwartungshaltung in musikalischer Hinsicht tendiert dann auch in Richtung der Absonderlichkeiten und Kuriositäten. Wie man es von den beiden Schraten aber nicht anders erwarten konnte, stellen sie mal wieder alles komplett auf den Kopf. „Noctourniquet“ ist nämlich das zugänglichste Album der beiden. Regelrecht poppig ist diese Platte ausgefallen. Keine Sorge, The Mars Volta werden bestimmt nicht im Mainstream landen – nie. Dafür ist die Musik auch einfach zu verschroben, versponnen und schwer verdaulich. Aufatmen ist also angesagt. In dieser Hinsicht birgt das neue Werk dann doch keine Überraschungen und ist der erwartet schwere Brocken.

 

Erlaubt ist natürlich alles. Das kann ein 5/8 Takt sein, wenn es der Klanglandschaft dienlich ist eben auch ein 6/8 Takt. Die Freigeister scheuen auch den 7/4 Taktschlag nicht. Alles ist eben möglich, nur frei von Konventionen muss es sein. In der Vergangenheit war das Ergebnis dann oftmals zu verkopft. Es scheint, als hätten sie sich für das aktuelle Werk von allen selbstauferlegten Fesseln befreit. Es muss nun nicht mehr auf Biegen und Brechen die große Art-Rock Keule geschwungen werden. Sie hatten ja für „Noctourniquet“ angekündigt, dass dies eine Art Space-Punk sein sollte. Das ist mal wieder eine dieser Rauchbomben, die man schnell wieder vergessen kann. Mit „Molochwalker“ kommen sie aber den eigenen Punk und Hardcore Wurzeln schon sehr nahe und die Nummer wirkt sogar einigermaßen strukturiert.

 

Das ist überhaupt eines der Zauberworte für diese Platte. Denn irgendwie haben es die beiden diesmal geschafft alles zu ordnen und Struktur in den Klang zu bringen. Selbst das wabernde „Trinkets Pale Of Moon“ wirkt regelrecht harmonisch. Schreiben Radiohead eigentlich noch solche Songs? Oder wurden die Rollen getauscht? Da verschreckt nichts mehr und es ist – und jetzt Achtung, denn es geht immer noch um The Mars Volta – regelrecht schön. „Vedamalady“ entpuppt sich gar als waschechter Popsong. Schön an dieser Platte ist, dass sie den ganzen unnötigen Klimbim fast komplett vor der Tür gelassen haben. Keine Harfen, Flöten, Congas und Kirmesgedöns im Überfluss. Reduktion bei The Mars Volta hätte man nicht unbedingt vermutet.

 

Es zirpt, pluckert, wabert und blubbert natürlich immer noch. Wenn dabei aber ein solch schönes Stück Musik wie der Titeltrack „Noctourniquet“ bei herausspringt, dann ist die Welt doch in Ordnung. Auch die Gesangslinien können an dieser Stelle überzeugen. Die Fistelstimme gibt es vermehrt im vorderen Teil der Platte. Es wirkt gar so, als würden einen die beiden mit Songs wie „Aegis“ oder Dyslexicon“ an die Hand nehmen und ganz langsam den Übergang in die neue Ausrichtung vorbereiten.

 

Früher waren The Mars Volta maßlos – in allem! Heute ist der längste Song gerade mal etwas über geschmeidige sieben Minuten kurz. Natürlich werden Bandmaschinen immer noch rückwärts laufen gelassen, aber die Experimente halten sich in Grenzen und sind immer dem Song zuträglich. Ist sowieso komisch, dass man jetzt bei The Mars Volta von Songs spricht.

 

Fazit: Die beiden Waldschrate von The Mars Volta legen mit „Noctourniquet“ ihr zugänglichstes Album seit Bandbestehen vor. Das ist natürlich immer noch weit vom Mainstream entfernt. Der Sound wurde merklich entschlackt und strukturiert. Interessanterweise haben sie die sperrigsten Dinger gleich zu Anfang verbraten. Als Einstieg in den Klangkosmos dieser beiden Tüftler eignet sich dieses Album hervorragend. Vergesst Radiohead und empfangt The Mars Volta mit offenen Armen! Um At The Drive-In kann man sich übrigens auch noch später kümmern!

 

http://www.themarsvolta.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

 

The Mars Volta – “Noctourniquet Promo” (made by fans): http://youtu.be/NejmzSDpBlg
THE MARS VOLTA - Questions From Fans #5: http://youtu.be/byWMr0Z5pzs
THE MARS VOLTA - Questions From Fans #4: http://youtu.be/6SKWt3vDLeA
THE MARS VOLTA - Questions From Fans #3: http://youtu.be/rwIEdN4FpIs
THE MARS VOLTA - Questions From Fans #2: http://youtu.be/2t-SqByCNvM
THE MARS VOLTA - Questions From Fans #1: http://youtu.be/ZWMTyMIMJpg 

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