Kinks: Everybody´s In Show-Biz (Legacy Edition)

Kinks: Everybody´s In Show-Biz (Legacy Edition)

Legacy/Sony

VÖ: 03.06.2016

 

Wertung: 9/12

 

„Everybody´s In Show-Biz“ von den Kinks ist nicht nur ein tolles Konzeptalbum, sondern auch besser als sein Ruf. Warum diese Platte damals so schlecht bei den Kritikern wegkam, ist und bleibt ein Rätsel. Ändern lässt es sich sowieso nicht mehr, konzentrieren wir uns lieber auf die Gegenwart. Jetzt hat man mal in den Archiven gewühlt und noch einige Schätze aus dieser Zeit gehoben. Das von Ray Davies produzierte Album wird nun erneut veröffentlicht und hat zusätzlich noch unveröffentlichte Aufnahmen der Studiosessions, sowie bisher ebenfalls unveröffentlichte Live-Tracks zu bieten. In der Summe kommt man so auf 38 Tracks.

 

In der Vergangenheit wurden die Standards von Legacy schon recht hoch gesetzt und so geht man natürlich mit einigen Erwartungen – gerade was die Aufmachung betrifft - an eine solche Veröffentlichung heran. So natürlich auch hier. Und was soll man? „Everybody´s In Show-Biz“ ist abermals keine Enttäuschung. Das Digipack passt sich selbstverständlich der ursprünglichen Gestaltung an.Die Farben mögen optisch nicht gerade ein Knaller sein, aber das war im Vorfeld ja bekannt. Man hat hier aber ein Booklet beigelegt, welches einiges an Mehrwert zu bieten hat. Viele Fotos dieser Ära dürfen da bewundert werden. Ebenso wurden die Texte der Songs abgedruckt und zum Schluss werden auch noch die rudimentären Informationen zu den einzelnen Tracks abgebildet. Sehr ausführliche Liner Notes von David Fricke sind das Sahnehäubchen obendrauf.

 

Angeblich war ja selbst Ray Davies mit diesem Konzeptalbum nicht zufrieden und sagte einmal, dass die Kinks zu dieser Zeit besser eine Pause eingelegt hätten. Die Aufteilung in Studio- und Livesongs war und ist ungewöhnlich, klar. Die Hochs und Tiefs des Tourlebens werden mit Everybody´s In Show-Biz beleuchtet. Und wer kennt das besser als die Kinks? Jetzt kann man das alles noch mal in voller Pracht erleben und hören.

 

Natürlich hat dieses Werk aus musikalischer Sicht Licht und Schatten zu bieten. Das haut nicht alles hin, auf der anderen Seite gibt es aber eben auch ein paar Nummern, die mit zum Besten gehören, was die Kinks je gemacht haben. Handwerklich ist das sowieso ganz formidabel umgesetzt worden. Ray Davies, sein Bruder Dave an der Gitarre, Bassist John Dalton, Keyboarder John Gosling und Drummer Mick Avory wurden von der Bläsersektion Mike Cotton (Trompete), John Beecham (Posaune) und Alan Holmes (Saxophon/Klarinette) unterstützt. Insofern sind die Songs dann teilweise auch nicht mehr britisch. „Maximum Consumption“ oder „Unreal Realtiy“ passen wesentlich besser nach New Orleans.

 

Das entspannte „Hot Potatoes“ ist sowieso eine Sternstunde und mit „Celluloid Heroes“ ist auch ein Bandklassiker enthalten. Die Ballade „Sitting In My Hotel“ ist kompositorisch ebenfalls ganz großes Kino. Schon alleine für diese beiden Songs muss man dieses Album lieben.

 

Die Live-Aufnahmen setzen sich aus Ausschnitten des Konzerts aus der Carnegie Hall vom März 1972 zusammen. Der Sound ist recht gut und von „Top Of The Pops“ über „Alcohol“, „Skin And Bones“ bis zum unvermeidlichen „Lola“, welches wunderbar vom Publikum getragen wird, reicht da die Auswahl. Auf der zweiten CD gibt es nun noch mehr Livematerial zu hören. „Til The End Of The Day“ ist dabei gleich ein Knallereinstieg. Das bassgetriebene „You´re Looking Fine“ erfreut ebenfalls das Herz. Insgesamt zeigen diese Versionen, dass die Kinks eine sehr gute Rockband waren. Da darf auch mal ein folkinfiziertes Stück wie „Get Back In Line“ sein, welches dann durch das Keyboard auch noch mal an Fahrt aufnimmt. „Brainwashed“ ist ja sowieso eine Bank. Der famose Sound ist dann allerdings doch überraschend. Alternative Studioversionen von „Supersonic Rocket Ship” und „Unreal Reality” runden das sehr schön ab. Der Outtake von „History“ wird sogar zum ersten Mal veröffentlicht.

 

Fazit: „Everybody´s In Show-Biz“ von den Kinks ist wesentlich besser als sein ramponierter Ruf. Auf dem Album sind schon einige Perlen zu finden. Es glänzt zwar nicht alles, aber so richtig für die Tonne ist das dann auch nicht. Das Niveau der Kinks war eben immer derart hoch, dass schwächere Songs eben heftiger ins Kontor schlugen. Die Live-Aufnahmen wurden nun auf einer zweiten CD erweitert und auch die Outtakes aus dem Studio üben durchaus ihren Reiz aus. Die Aufmachung ist auf gewohnt hohem Niveau.

 

http://www.thekinks.info/

 

Text: Torsten Schlimbach

The Kinks: Phobia

The Kinks: Phobia

Sony

VÖ: 02.01.2015

 

Wertung: 8/12

 

The Kinks zählten einst zu den besten und innovativsten britischen Bands überhaupt. Der Erfolg der Band nahm zwar nicht solche Ausmaße an, wie man es von anderen Kapellen aus UK kennt, aber doch verlief ihre Karriere nicht schlecht und die Davies Brüder waren eine Art Blaupause für die Gallaghers. The Kinks konnten immerhin einige Klassiker der Musikgeschichte landen, die auch in vielen Jahrzehnten immer noch gehört werden. Vom Album „Phobia“ ist da mit Sicherheit nichts dabei. Die Platte erschien 1993 und da interessierte sich für die Relikte aus der Vergangenheit schon keiner mehr. Auch die neuerliche Veröffentlichung wird wenig daran ändern.

 

Es ist ja fast schon kurios, dass „Phobia“ in der alternativen Indiebewegung der 90er unterging. Die Songs auf diesem Album sind vertrackt, grooven und lärmen. Dabei folgen die Kinks keinem herkömmlichen Schema und hätten somit eigentlich bestens – von ein paar Ausfällen abgesehen – vorzüglich in diese Zeit gepasst. Jetzt könnte man ja anführen, dass die Herren damals einfach schon zu alt waren und man sich lieber an den jungen Wilden orientierte, aber ein Neil Young wurde ja plötzlich auch wieder von einem jungen Publikum goutiert.

 

Jetzt also die Neuauflage. „Wall Of Fire“ beginnt wie ein rockiger Song von Tom Petty & The Heartbreakers. Auch von der Interpretation des Gesangs ist das teilweise ähnlich angelegt. „Drift Away“ kommt sogar im unkonventionellen und knackigen Hardrockgewand daher, nur um dann im Refrain die Popschiene zu bedienen. „Still Searching“ verklebt einem allerdings die Boxen – der vertonte Kitsch im Altherrengewand. Der Titelsong pumpt und walzt alles nieder, hat aber auch ein paar Glam-Anleihen zu bieten, die Queen nicht unähnlich sind. Dann wird zwischendurch Tempo und Rhythmus geändert und damit unterstreichen The Kinks noch mal ihre Brillanz. „Only A Dream“ ist auch so eine Nummer, die eigentlich großartig in den Strophen an Lou Reed angelehnt ist. Eigentlich, denn dieser furchtbare schmalzige Refrain macht wieder alles zunichte.

 

Erst mit dem schmissigen „Babies“, welches an The Who erinnert, wird es wieder besser. „Over The Edge“ ist leider ein weiterer Tiefpunkt des Albums, furchtbarer und einfallsloser Pop. „It´s Alright (Don´t Think About It)“ lässt dann aber noch mal das Hardrockpferd von der Leine. Gut so! Der nächste Kitsch kommt ja bestimmt. Mit „The Informer“ schneller wie gedacht. Chris Norman ist da nicht mehr weit entfernt. Himmel. „Hatred (A Duet)“ wird von Ray und Dave Davies als Duett vorgetragen. Schnörkellos und auf den Punkt ist das eine schöne Punkrocknummer. „Somebody Stole My Car“ surft erneut auf der Lou Reed Schiene, während „Close To The Wire“ eher die Mark Knopfler-Ecke bedient. „Scattered“ ist zum Schluss wenig spektakulär, da ist der Bonustrack „Did Ya“ schon gehaltvoller.

 

Fazit: The Kinks haben sich zwar nie offiziell aufgelöst, aber die Band dürfte wohl keine Fortsetzung mehr erfahren. „Phobia“ ist somit das letzte Vermächtnis der Band. Es ist ein gutes, letztes Album mit einigen Durchhängern oder anders formuliert: die Platte ist um drei bis vier Songs zu lang. Ansonsten gibt es hier gepflegten, rotzigen Rock, der auch gut in die erste Hälfte der 90er passte, aber keinen interessierte. Sei es drum, wer das Album bisher nicht auf dem Radar hatte, kann diese Wissenslücke nun schließen.

 

http://www.thekinks.info/

 

Text: Torsten Schlimbach

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The Kinks: Lola Versus Powerman And The Moneyground & Percy

The Kinks: Lola Versus Powerman And The Moneyground & Percy

Sony

VÖ: 15.08.2014

 

Wertung: 9/12

 

Beatles oder Stones? Stones oder Beatles? Darum kreist doch im Rockgeschäft immer noch alles. Es gibt aber auch genug Menschen, die aus vollem Herzen mit die Kinks antworten würden. Die Band um das Brüderpaar Dave und Ray Davies, welcher übrigens gerade seinen 70. Geburtstag gefeiert hat, sind für viele die wahren Könige! Warum dies so ist, kann man nun anhand einer groß angelegten Veröffentlichungsoffensive überprüfen. Die Kinks Reissue-Kampagne würdigt die Band, die gerade bei der jüngeren Generation in Vergessenheit geraten ist, erneut auf wundervolle Art und Weise. Den Anfang macht nun „Lola Versus Powerman And The Moneyground & Percy“

 

Die Doppel-CD kommt zwar in einem schlichten Case, aber das Booklet hat schon einiges an Mehrwert zu bieten. Hier gibt es einige rare Fotos zu sehen und dazu wird auch noch ein sehr aufschlussreicher Text gereicht. Informationen zu den einzelnen Songs gibt es selbstverständlich auch noch. Alles in allem haben die Macher dieser Zusammenstellung die nötige Sorgfalt und Mühe walten lassen und somit gibt diese Veröffentlichung auch optisch einiges her.

 

Überhaupt ist das Gesamtpaket schon sehr nett. Neben den Mono- und Stereoaufnahmen der Songs wurden die beiden Tonträger nämlich auch noch mit reichlich Bonusmaterial angereichert und somit werden selbst die Hardcorefans, die vermeintlich schon alles im Schrein stehen haben, hier ein paar Stücke vorfinden, die noch Neuland sind. Schön, dass man da in den Archiven gegraben hat und die Alben so glatt noch mal aufgewertet werden.

 

„Lola Versus Powerman And The Moneyground“ ist ein Album, welches den Weg von The Kinks von England über den großen Teich zeichnet. Hier gibt es definitiv noch Songs die später mal als Inspiration für den Britpop der 90er herhalten mussten – bei einigen dürfte ein gewisser Noel Gallagher genauer hingehört haben – aber auch schon Folk und Country. „Got To Be Free“ und „A Long Way From Home“ gehen ganz deutlich in diese Richtung. „Powerman“ fängt an, als ginge es in die psychedelische Ecke, groovt sich dann aber wie Sau in Richtung Hardrock – zumindest angedeutet. Bei „Rats“ gehen The Kinks sogar noch konsequenter vor.

 

Textlich ist die Platte eine Art bittere Abrechnung mit dem Musikgeschäft und den falschen Freunden. „Denmark Street“ und besonders „Top Of The Pops“ finden da deutlich Worte. Der Überhit „Lola“ ist hier natürlich auch vertreten. Zu der ganzen Sause werden dann noch sieben Bonussongs gereicht, die mal als Instrumental Demo oder als alternative Version vorliegen. Die Sprachfetzen – beispielsweise bei „Lola“ - lassen den jeweiligen Arbeitsstatus des Songs erahnen.

 

Auf der zweiten CD befindet sich mit „Percy“ der Soundtrack zum gleichnamigen Film, der heute zum Glück längst vergessen ist. Leider ist der Soundtrack auch nur unwesentlich besser. Die vielen Instrumentalstücke sind nicht mehr als Füllmaterial und im Kinks-Katalog völlig unbedeutend. „God´s Children“ ist – trotz des ganzen Schmalz, der da aus den Boxen trieft – sicher eine Ausnahme. „Lola“ in einer Instrumentalversion geht auch noch in Ordnung. Mit „Moments“ und „Dreams“ hat Davies noch zwei weitere Songs auf den Soundtrack gepackt, die durchaus würdig für die Kinks sind, den Rest hat man allerdings auch schnell wieder vergessen. Wer davon nicht genug kriegen kann, hat noch die Möglichkeit sich mit dem Bonusmaterial zu beschäftigen. Das braucht man zwar auch nicht wirklich, aber kurioserweise darf man auch hier einigen Tracks in alternativen Versionen von „Lola Versus Powerman And The Moneyground“ lauschen.

 

Fazit: „Lola Versus Powerman And The Moneyground“ ist ein tolles Album, welches sich dem Musikgeschäft, dem Erfolg und allen damit verbundenen Nebenerscheinungen satirisch nähert, hin und wieder aber auch bitterböse abrechnet. Die Songs sind sehr vielseitig angelegt und reichen von Britpop, über Hardrock bis hin zum Folk und Country. Dieses Album darf in keiner gut sortierten Musiksammlung fehlen! Dies gilt nicht für „Percy“, den Soundtrack zum gleichnamigen Film. Das ist nun wahrlich keine Sternstunde der Kinks. Als Beilage zu „Lola Versus...“ nimmt man die Platte natürlich gerne dazu. Beide mit reichlich Bonusmaterial. Demnächst folgen noch weitere Re-Releases von den Kinks!

 

http://www.thekinks.info/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch