The Kills: Blood Pressures

The Kills: Blood Pressures
Domino

VÖ: 01.04.2011

 

Wertung: 10/12

Tipp!


The Kills melden sich mit „Blood Pressures" zurück. Man ist geneigt zu sagen, dass sie dies sogar auf sensationelle Art und Weise tun. Vielleicht ist es aber auch nur der Tatsache geschuldet, dass der Indiesektor momentan etwas krankt und eine Platte von Jamie Hince und Alison Mosshart da genau zur richtigen Zeit kommt. Bei den Aufnahmen in den Key Club Studios in Michigan waren auch wieder Bill Skibbe und Jessica Ruffins mit von der Partie. Machen wir uns nichts vor, das ist letztlich eine Duo-Platte. Dabei wird natürlich wieder alles über den Haufen geworfen, was irgendwie mit Erwartungen zu tun hat.


Man kann jetzt wieder eine Drum-Machine erwähnen. Man kann vielleicht sogar festhalten, dass sich The Kills sogar ein Stück mehr in Richtung Pop orientiert haben. Punk, Rock und der Dreck der Garage ist natürlich auch vorhanden. Alles schön und gut, aber unter dem Strich ist das der pure Blues. Wer Traditionen pflegt, hat vermutlich eine andere Vorstellung davon, aber legt man Schicht um Schicht frei, dann wird man ganz weit unten den Blues in seiner Urform vorfinden.


Das sägende Gitarrenspiel von Hince fräst sich roh durch die Songs und Alison Mosshart singt auf ihre mysteriöse und düstere Art und Weise, als würde ab morgen die Musik verboten werden. Sie variiert ihren Gesang übrigens sehr gut, denn das ist schon ein deutlicher Unterschied zum manchmal nervigen Gekreische bei Dead Weather - das nur mal am Rande. „Blood Pressures" entfaltet zudem eine kleine Sogwirkung. Zunächst noch ein bisschen verkannt, steigert sich das Ding bei jedem Durchlauf immer mehr. Mancher Song erscheint simpel, aber das ist er gar nicht. The Kills treffen nur immer den richtigen Ton.


The Kills lassen sich von Beginn an auch gar nicht erst die Butter vom Brot nehmen. Es rumpelt und poltert mit „Future Starts Slow" gleich gut los. Mosshart und Hince zeigen mit der Nummer direkt, dass sie eine Einheit sind, bei der zumindest musikalisch kein Blatt Papier dazwischen passt. Den Gesangspart teilen sie sich dann auch komplett, wobei naturgemäß Alison etwas weiter im Vordergrund steht. „Satelllite" schleppt sich ganz langsam dahin. Der Regen fällt auf den matschigen Untergrund und es gibt in diesem Moment nichts, was den ganzen Weltschmerz von einem nehmen kann. Man tanzt einen Walzer auf der Rasierklinge und mit erhobenem Haupt geht es in die Hölle. Der neue Hang zum Popumfeld tritt bei „Heart Is A Beating Drum" deutlich hervor. Natürlich ist das immer noch in einer ganz anderen Galaxie angesiedelt, wie das ganze Mainstreamgedöns dieser Tage - gar keine Frage.

 

Mit „Nail In My Coffin" treiben es The Kills gar auf die Spitze. Es fiept, es poltert und es dröhnt. Die Riffs fräsen sich durch die Gehörgänge und der Beat pumpt wie wild. Wenn es mal nichts zu sagen gibt, dann reichen auch mal ein paar eingestreutet Ohohoh-Gesänge. Aber keine Sorge, Balladen gibt es auch. „Wild Charms" hört sich gar wie ein verschollener Lennon-Song an. Auf diesem Album präsentiert sich Alison Mosshart gut wie noch nie. Das düstere „DNA" trägt sie mit einer Erhabenheit einer großen Gospelsängerin vor. Vermutlich hat man die beiden auch noch nie - Achtung - lieblicher und zärtlicher gehört wie bei „Baby Says". Die spartanische Pianoballade „The Last Goodbye" lässt einen dann endgültig mit offenem Mund vor der Anlage sitzen. Knistert es da? Sind da etwa Streicher im Hintergrund? Mit „Damned If she Go" verzetteln sie sich zwar etwas uninspiriert in einer Sackgasse, aber das wird mit dem verozüglichen Stampfer „You Don´t Own The Road" wieder ausgebügelt. „Pots And Pans" feiert zum Schluss gar noch mal den Blues.


Fazit: Es braucht ein bisschen, bis man in „Blood Pressures" drin ist. The Kills zeigen sich vielschichtig wie nie und haben sogar eine große Portion Pop mit auf das Album gepackt. Blues, Blues und nochmals Blues versteht sich ja von selbst - aber Vorsicht, immer im Gewand des Duos. Besser waren The Kills bisher noch nie. Eine feine Indieplatte, sollte man 2011 auf dem Schirm haben!

 

http://www.thekills.tv/bloodpressuresstream.php


Text: Torsten Schlimbach

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