The Horrible Crowes: Live At Troubadour

The Horrible Crowes: Live At Troubadour

Side One Dummy/Cargo

VÖ: 20.09.2013

 

Wertung: 8,5/12

 

Gibt es The Horrible Crowes eigentlich noch oder war das eine einmalige Geschichte, die Brian Fallon und Ian Perkins da ins Leben gerufen haben? Das Debüt hat ziemlich genau zwei Jahre auf dem Buckel, da gibt es jetzt den Nachschlag in Form einer Liveplatte. Dies beantwortet zwar noch nicht die Frage, aber immerhin bekommt man dieses wunderbare Projekt nun so, wie es eigentlich sein sollte, nämlich live. The Horrible Crowes gehören einfach auf die Bühne und so toll „Elsie“ auch war und immer noch ist, man sollte die Songs eben auch mal in diesem ungeschliffenen Gewand hören.

 

Am 14. September 2011 spielten The Horrible Crowes im legendären Troubadour in West Hollywood auf. Sowohl Fallon wie auch Perkins schwärmen immer noch in den höchsten Tönen von der Show. Fallon geht sogar soweit und sagt, dass dies die beste Show war, die er je gespielt hat. Natürlich gehört ein bisschen Säbelrasseln vor einer solchen Veröffentlichung dazu, ist doch klar. Man darf den Herrschaften aber durchaus abnehmen, dass es eine Herzensangelegenheit für sie war und dieser legendäre Ort ganz sicher etwas Besonderes darstellte und nicht vergleichbar mit irgendwelchen Mehrzweckhallen oder seelenlosen Festivalgeländen ist.

 

„Live At Troubadour“ hat hier und da einen kleinen Schwachpunkt. Hin und wieder wird zwischen den einzelnen Songs einfach viel zu viel erzählt. Das ist für den Moment zwar sehr charmant und mit visueller Umsetzung auch toll, aber auf CD wird der Albumfluss doch etwas gestört. Das ist aber nur ein klitzekleiner Makel. Manch einer mag auch die immer wieder wegbrechende Stimme als solchen ansehen. Da sitzt auch nicht immer jeder Ton, aber die Songs gewinnen dadurch sogar noch. Im Studio wird immer alles auf perfekt geschliffen, hier ist dies nicht der Fall. Die Songs kriegen so eine ganz spezielle Note. Die Atmosphäre ist ebenfalls ganz bezaubernd. „Ladykiller“ ist so wesentlich besser wie auf dem Album und „Pictures Of You“ von The Cure im Mittelteil kommt da sehr passend.

 

Die Songs werden übrigens in der Reihenfolge des Albums gespielt. Die beiden Coverversion „Teenage Dream“ und „Never Tear Us Apart“ sind die einzigen Stücke, die noch zusätzlich gespielt werden. Die Katy Perry Nummer dürfte dabei sicher mehr überraschen. In diesem Gewand und mit der Stimme von Fallon ist das ja plötzlich ein richtig guter Song. Mit dem langsamen „Last Rites“ grooven sich The Horrible Crowes langsam ein. Bei „Sugar“ ist die Stimme noch recht brüchig, was Fallon bei „Behold The Hurricane“ aber scheißegal ist. Spätestens hier legte die Band den Respekt vor diesem Ort ab und fing an das Konzert zu genießen. Die Instrumentierung ist famos. Und wie schön ist denn bitte „Cherry Blossoms“? „Mary Ann“ kommt live arschcool rüber und „Blood Loss“ hält die Spannung noch mal hoch. Selbst das abgenudelte „Never Tear Us Apart“ gewinnt im The Horrible Crowes Gewand noch mal ein paar windschiefe Nuancen hinzu.

 

Fazit: The Horrible Crowes legen mit „Live At Troubadour“ kein perfektes, aber sehr schönes und schmissiges Album vor. Die Schönheit dieser Scheibe liegt eindeutig im Unperfekten. Dies ist Livemusik in seiner Urform. Das Songmaterial ist sowieso derart gut, dass auch die kleinen Unebenheiten in dieser Umsetzung dem nichts anhaben können – im Gegenteil. „Live At Troubadour“ macht jedenfalls eine Menge Spaß. Hoffentlich kommt von The Horrible Crowes irgendwann aber auch noch mal neues Material!

 

http://thehorriblecrowes.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

The Horrible Crowes: Elsie

The Horrible Crowes: Elsie

Side One Dummy/Cargo

VÖ: 09.09.2011

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

The Horrible Crowes sollen alles sein, nur nicht das Soloprojekt von Brian Fallon. Jenem Brian Fallon, der sich gerade anschickt mit seiner Hauptband The Gaslight Anthem nach und nach den Rockthron zu erklimmen. Lob und Anerkennung erfährt die Band aus berufenem Munde und somit ist die Aufmerksamkeit auch The Horrible Crowes gewiss. Verdammte Popularität, denn wenn Fallon könnte, dann würde er seinen Namen vermutlich gar nicht groß mit diesem Album in Verbindung bringen. So wird im Vorfeld ja auch immer darauf hingewiesen, dass dies kein Alleingang wäre, sondern sein alter Freund Ian Perkins einen ebenso großen Anteil an der Platte hätte.

 

Wer, wie, wo, was und warum ist im Grunde aber auch total egal, denn unter dem Strich zählt auf dem Platz, also der Platte. „Elsie“ ist gut. Verdammt gut sogar. Eindringliche Songs, die – soweit man den ganzen Gerüchten und Mythen glauben darf – im Tourbus auf der letzten The Gaslight Anthem Tour entstanden sind. Zumindest ein Großteil davon. Fallon hat für diese Platte übrigens erstmals mit Streichern gearbeitet. „Elsie“ sollte ja sowieso in eine dunklere Richtung gehen. Es wurde kolportiert, dass die Afghan Whigs und Tom Waits eine Inspiration gewesen wären.

 

Die Wahrheit liegt dann irgendwo in der Mitte. Natürlich sind auch die The Horrible Crowes nicht meilenweit von The Gaslight Anthem entfernt. Wie sollten sie auch? Immerhin hat Fallon ein derart markantes Organ, dass da kaum noch Fragen offen bleiben. „Behold The Hurricane“ könnte sowieso von seiner Hauptband sein. Das ist aber überhaupt nicht weiter tragisch. Das Ding ist eine verdammte Hymne, gar ein Hit. Selbst die Ohohoh-Chöre stören nicht weiter. Die halbe Mannschaft von The Gasligh Anthem ist ja sowieso an der Scheibe beteiligt, von daher ist das jetzt alles wenig überraschend.

 

Überraschend sind da schon eher die Klänge bei „I Witnessed A Crime“. Huch, haben Perkins und Fallon etwa den Reggae für sich entdeckt? Leugnen lässt es sich jedenfalls nicht. Was ist denn nun mit den düsteren und ruhigen Songs? „Last Rites“ wird immerhin von ruhigen Klänge getragen und „Sugar“ löst dann durch die dunkle Bassbegleitung endlich sämtliche Versprechen aus dem Vorfeld ein. Das ist wunderschöner(!) Pop(!!) mit Hitpotenzial(!!!). Dass Letzteres (der Hit) natürlich nicht passieren wird, liegt einzig und alleine an der Tatsache, dass die Nummer dafür viel zu dringlich und natürlich auch immer noch irgendwie im Indiebereich zu verorten ist.

 

Auch, wenn Fallon es nicht mehr hören kann, aber „Go Tell Everybody“ ist der beste Springsteen-Song seit Jahren. Der Sänger muss jedenfalls bei diesem leidenschaftlichen Vortrag ein riesengroßes Herz haben. Mit dem Jungen würde man sicher gerne mal ein Bierchen trinken gehen. Vielleicht hat er dann auch die Gitarre dabei. Ian Perkins darf er auch gerne mitbringen. Zusammen sitzen sie dann sicher da und lassen den ganzen Weltschmerz mit „Cherry Blossoms“ raus. Das Wort „Ballade“ hat ja immer einen etwas negativen Anstrich, aber was The Horrible Crowes hier veranstalten, gehört ganz sicher zum Besten in diesem Metier. Zunächst erinnert der Gesang an Mark Lanegan wird dann aber zu einer Art Tom Waits Anklage. Ja, das kann einem schon durch Mark und Bein fahren. Es ist diese ehrliche Art, die so harmlose Nummern wie „Ladykiller“ oder „Black Betty And The Moon“ dann doch wieder zu etwas Besonderem macht. Authentische Musik – es kann manchmal so einfach sein! Den Vogel schießen sie aber mit „Mary Ann“ ab. Dieses Gebell dürften viele als einen neuen Tom Waits Song ausmachen. Großartig! Wer dachte, dass aus „Elsie“ jetzt ein weiteres reines Singer/Songwriterprojekt werden würde und der Rock vor der Tür bleiben müsste, wird bei derart viel Rotz staunend vor den Boxen stehen. „Blood Loss“ und „I Believe Jesus Brought Us Together“ sind die erhabenen Manifeste zweier suchender Seelen.

 

Fazit: „Elsie“ von The Horrible Crowes ist jetzt keine totale Abkehr von The Gaslight Anthem. Brian Fallon und Ian Perkins werden mit diesen kleinen Songs auch nicht die Welt in den Grundfesten erschüttern. Es geht hier um ehrliche Musik die selten ganz laut, dafür ganz oft sehr nachdenklich und eindringlich um die Ecke gebogen kommt. Das Songwriting ist nicht zu unterschätzen, das ist nämlich durch die Bank hervorragend! Musik, die von Herzen kommt. Ist selten geworden!

 

http://thehorriblecrowes.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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