The Doors: Live At The Bowl ´68

The Doors: Live At The Bowl ´68

Rhino/Warner

VÖ: 19.10.2012

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Rhino ist ja bekannt dafür immer und immer wieder kleine Schätze zu bergen. Eigentlich kann man das immer blind kaufen, denn der Name alleine bürgt ja schon für Qualität. Jetzt kriegen The Doors-Fans ein ganz feines Schmankerl geboten. „Live At The Bowl ´68“ wird nun erstmals in voller Länge offiziell veröffentlicht und selbstverständlich hat man sich bei der Überarbeitung die allergrößte Mühe gegeben. Der Sound und das Ereignis sollte natürlich nicht verfälscht werden, aber doch mehr als Bootlegqualität an den Tag legen. Das nun vorliegende Ergebnis ist in der Tat beeindruckend.

 

Die 20 Songs stellen ja sowieso ein Novum dar, da dies das einzige Konzert der Band war, welches in Gänze gefilmt wurde. Viele betiteln diesen Auftritt gar als den besten, den The Doors je gespielt haben. Die ganze Sause erschien ja bereits 1987 auf CD. Diese enthielt allerdings nur 7 von 16 Songs und die Reihenfolge der Songs entsprach ebenfalls nicht der Performance. Zwar fand man „Spanish Caravan“ auf dem Album vor, doch „When The Music’s Over“, „W.A.S.P.“, „Hello, I love You“ waren noch immer unzugänglich. Der Superhit „Light My Fire“ wurde gar nur als Edit verbraten und zerstückelt.

 

Die elegische Version von „When The Music´s Over“ schlägt sowieso alles in den Wind und breitet sich episch aus. Aber auch die kurzen Stücke wie „Horse Latitudes“, „A Little Game“ und „The Hill Dwellers“ verstehen sich mehr als Jam, denn als Song im herkömmlichen Sinne. Morrison singt, als wäre der Teufel hinter seiner Seele her. Dieser Konzertteil strahlt eine unglaubliche physische Präsenz aus. Beeindruckend! Das traurige „Spanish Caravan“ zieht einen von der ersten Sekunde an in einen Bann und lässt einen nicht wieder los. Im Mittelteil gibt es dann noch einen kurzen Teil, der Improvisationscharakter hat und im gewissen Sinne gar an den späteren Progrock erinnert.

 

Der unumstrittene Fixpunkt des Konzerts war, sofern die Zuschauerreaktionen richtig zu deuten sind, „Light My Fire“! Die Version besticht durch eine ungekannte Leichtigkeit. Die Dynamik ist ebenfalls beeindruckend. Mit dem 17minütigen „The End“ gibt es einen finalen Abgesang, der sich gewaschen hat. Wer nur eine ungefähre Ahnung über das Monster, welches The Doors selbst erschaffen haben, bekommen möchte, der hört sich diesen Song an. Jam, Improvisation, Ausbruch, Stille, Rock, Jazz, Gospel, Gebet – man könnte noch ewig weiterschreiben. „The End“ vereint den ganzen Wahnsinn dieser Band auf schmerzliche Art und Weise. The Doors bewegen sich hier in einem Rahmen, der für den Zuhörer eine Grenzerfahrung darstellt – Musik, die greif- und spürbar wird!

 

Fazit: Schön, dass es von The Doors „Live At The Bowl ´68“ nun endlich komplett gibt und die Songs nicht mehr zerstückelt sind. Bei der Bearbeitung hat man ganze Arbeit geleistet, denn in Anbetracht der Umstände ist der Sound beeindruckend. Die Performance der Band ist sowieso mit Worten kaum zu beschreiben, man muss diesen selbst fühlen! Hier wurde zudem vieles vorweggenommen, was eigentlich erst viel später in der Rockmusik Einzug gehalten hat! Am besten direkt zur DVD greifen!

 

http://www.thedoors.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

The Doors: L.A. Woman (40th Anniversary Edition)

The Doors: L.A. Woman    (40th Anniversary Edition)
Rhino/Warner
VÖ: 20.01.2012

 

Wertung: 11/12

Tipp!

 

Was sind schon vierzig Jahre? Im Gesamtkontext gesehen sicher nicht viel, denn unseren blauen Planeten soll es ja dann doch schon etwas länger geben. Bricht man das ganze aber auf das Musikgeschäft runter, dann scheinen wir mittlerweile Lichtjahre von 1971 entfernt zu sein. Die Erinnerungen an diese Zeit leben trotzdem immer weiter und immer neue Generationen tauchen musikalisch in jene Zeit ein. The Doors sind eine jener Bands, die Musik neu und anders definiert hat und die mittlerweile in die Halle der unsterblichen Künstler aufgenommen wurde. Die menschliche Hülle mag vergänglich sein, diese Musik hier wird ewig weiterleben und gehört zum Kulturgut der Menschheit.

„L.A. Woman“ war das letzte Monument und die Hinterlassenschaft der Originalbesetzung. Der Rolling Stone wählte diesen Meilenstein nicht ohne Grund unter die „500 Greatest Albums Of All Time“. Jetzt feiert dieses Album nun also schon den vierzigsten Geburtstag. In die Jahre sind die Songs trotzdem nicht gekommen. Hört man sich nämlich die Jubiläumsausgabe von „L.A. Woman“ an, dann wird man einen ganz gravierenden Unterschied zu heutigen Produktionen und Veröffentlichungen feststellen, der sich mit Worten kaum beschreiben lässt. Das Album strahlt mit jedem Ton eine unglaubliche Wärme aus, die man heute selten genug findet. Der erdige Klang braucht sich hinter den heutigen Veröffentlichungen nicht zu verstecken – im Gegenteil! Zurückgegriffen wurde hier übrigens auf die schon 1999 perfekte Remaster-Arbeit. Ob der Mix aus den 00er Jahren besser ist darf bezweifelt werden. Die Unterschiede sind aber sowieso marginal und in nahezu jeder Form ist der Klang perfekt und der ursprüngliche Charakter der Songs wird auch nicht verfälscht!

Zum ursprünglichen Album muss man ja nicht mehr viel erzählen. „Love Her Madly“ oder der Titeltrack „L.A. Woman“ zählen nicht umsonst zu den Klassikern des The Doors Backkatalogs. Mit „Riders On The Storm“ findet sich hier sowieso einer der Überhits und eine Art Blaupause für das Schaffen der Band wieder. Der oftmals bemühte Satz darf in keiner Sammlung fehlen ist derart passend, dass man dem nichts mehr hinzufügen kann.

Die 40th Anniversary Edition ist aber nicht nur Altbekanntes in neuer Verpackung. Die beiden Silberlinge werden in einem Pappschuber geliefert, der einige nette Bilder aus dem Studio zu bieten hat. Der Begleittext von David Fricke bereichert die neuerliche Veröffentlichung zusätzlich. Kann sich insgesamt sehen lassen, auch wenn man ähnliche Geschichten schon spektakulärer aufgemacht gesehen hat. Was zählt ist aber letztlich der Inhalt und der kann sich wirklich hören lassen.

Der Höhepunkt dieser Ausgabe dürften zweifelsohne die Studio-Outtakes auf der zweiten CD sein! Hier wurde tatsächlich ein kleiner Schatz gehoben. Es war nicht gerade zu erwarten, dass diese neun Songs derart druckvoll um die Ecke kommen. Oftmals muss man da ja einige Abstriche hinnehmen und nicht selten kommt das eben nicht über Bootlegcharakter hinaus. Da ist das hier doch eine ganz andere Hausnummer und gerade der satte Klang weiß zu überraschen. Teilweise kommt das sehr ungeschliffen rüber, man höre sich nur den Stampfer „Been Down So Long“ in der alternativen Version an – sensationelles Ding! Weitere Versionen von „Love Her Madly“ oder „The WASP“ sind nette Ergänzungen zum Original. „Riders On The Storm“ darf natürlich auch nicht fehlen und hier erfährt man dann auch noch mal hörbar, wie die Nummer letztlich zu diesem prägenden Anfang kam. Überhaupt wird die ganze Geschichte immer mit Studiogesprächen angereichert – ohne es allerdings zu übertreiben, dies kennt man auch anders. Und dann wäre da natürlich noch ein ganz besonderes Bonbon. Mit „She Smells So Nice“ hat man doch tatsächlich einen bisher unveröffentlichten Song in den Archiven gefunden. Das Ding ist jetzt nicht sensationell, aber das bluesige Grundthema reiht sich doch sehr gut hier ein, besonders in Verbindung mit „Rock Me“, wodurch diese zweite CD sich ganz langsam dem Sonnenuntergang entgegen schleppt.

Fazit: „L.A. Woman“ von The Doors kann man ohne die Gesichtsfarbe zu wechseln als zeitlosen Meilenstein der Rockmusik betiteln. Die Jubiläumsausgabe ist klanglich spitze, von der Aufmachung her sehr solide und was das Bonusmaterial betrifft eine kleine Schatztruhe! Die Studio-Outtakes und der Raritätenfund sind schon kleine Sensationen. Wer dieses epochale Werk noch nicht im Schrank stehen hat sollte nun aber schleunigst zugreifen – Fans werden jetzt eh die Läden stürmen.

http://www.thedoors.com/

Text: Torsten Schlimbach

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