The Cure: Mixed Up (Deluxe Edition 3 CDs)

The Cure: Mixed Up (Deluxe Edition 3 CDs)

Universal

VÖ: 15.06.2018

 

Wertung: 9/12

 

Mit „Disintegration“ erklommen The Cure den Olymp. Mit dem düsteren Werk kamen sie aufgrund der Singles auch beim Mainstream an. Die „Prayer Tour“ glich einem Triumphzug und die Band hatte damit 1989 noch mal ein dickes Ausrufezeichen gesetzt und das Jahrzehnt glorreich beendet. Es stellte sich nach dem ganzen Wahnsinn, der damals rund um The Cure herrschte, allerdings die Frage, wie es denn in Zukunft weitergehen sollte. Spannungen innerhalb der Band waren unübersehbar. Robert Smith war und ist der Kopf und Mastermind von The Cure und er entschied zu dieser Zeit, dass zunächst kein neues Album aufgenommen werden sollte und beschäftigte sich mit den Remixen von The Cure-Songs.

 

Ursprünglich wollte Smith ein Album mit seltenen 12“-Mixen zusammenstellen. Erst dabei wurde ihm bewusst, dass er einige ältere Mixe qualitativ nicht mit den neueren mithalten konnten. Initialzündung war in vielerlei Hinsicht der Dub-ähnliche Remix von „Pictures Of You“. Der Plan für „Mixed Up“ wurde von Smith über den Haufen geworfen und es sollte zwar eine Reise in die Vergangenheit sein, aber das Material sollte trotzdem frisch klingen. „A Forest“ und „The Walk“ wurden sogar komplett neu aufgenommen. Die Mehrspurbänden waren verschwunden und somit machte sich Smith mit Produzent Mark Saunders an die Arbeit und rekonstruierte die Titel mit den den Originalinstrumenten und der Originaltechnik. Ein ungewöhnliches Vorgehen für ein eigentliches Remixalbum. Es funktionierte aber.

 

Jetzt wird „Mixed Up“ erneut veröffentlicht. Das Album wurde remastert und erfreut sich in der Deluxe Variante nun auch noch an neuem Material. Auf einer dritten CD gibt es nun nämlich sechzehn(!) neue Mixe. Die neuen Versionen sind nun unter „Mixed Up Extras 2018“ zu finden. Selbige wurden allesamt von Robert Smith angefertigt. Es ist somit auch für Fans ein echter Mehrwert gegeben. Die Farben des Covers wurden übrigens auch angepasst und so wirkt die Gestaltung wesentlich natürlicher. Zudem ist das Booklet mit vielen Fotos und den Informationen zu den einzelnen Songs angereichert. Das ist insgesamt eine wertige Angelegenheit. Haptiker dürfen sich freuen.

 

Remixe sind ja immer eine besondere Geschichte. Braucht es die? Werden die Songs dadurch eher auf- oder abgewertet? Daran scheiden sich die Geister. Man darf das aber auch nicht mit der heutigen Remix-Kultur vergleichen, wo jeder im Grunde mal schnell mit ein paar Bollerbeats einen Remix anfertigen kann. Die auf „Mixed Up“ vertretenen Remixe sind da schon wesentlich ausgefeilter und durchdachter. Größtenteils ist das ja immer noch mit herkömmlichen Instrumenten angefertigt worden. Man kann sogar soweit gehen und „A Forest“ im „Tree Mix“ als Aufwertung sehen. Mitunter ist das sogar die bessere Version

 

Es gibt natürlich auch die „Extended Mixe“, die seinerzeit extrem angesagt waren. „Lullaby“ und „Lovesong“ erfahren dabei gar nicht so viele Änderungen gegenüber den Albumversionen, wurden aber eben in die Länge gezogen und weiter ausstaffiert. Man muss dabei aber auch sagen, dass „Pictures Of You“ im Extended Dub Mix auch teilweise so dahin mäandert. Wenn Smith mit dem Gesang einsteigt, ist das Stück fast bis auf das nackte Gerüst reduziert. Die musikalisch markanten Stellen gibt es trotzdem noch.

 

„Hot Hot Hot!!!“ hört sich wie ein typischer Extended Mix seiner Zeit an. Die Nummer hat aber immer noch diesen unwiderstehlichen Drive. Eine Portion Lässigkeit hat da Einzug gehalten. Der „Shiver Mix“ von „Inbetween Days“ baut sich zunächst langsam auf bevor der aufgepeppte Rhythmus einsetzt. Kann man machen, aber das kommt an das Original in keinster Weise heran. Dafür knallt „Never Enough“ ordentlich rein.

 

„Let´s Go To Bed“ liegt im „Extended Mix“ von 82 vor. Sehr schöner Bass. Klanglich ist das übrigens ziemlich gut – wie das gesamte Set. Das Remaster macht sich durchaus bemerkbar. Im Grunde sind diese ganzen Remixe auch ein Spiegelbild ihrer Zeit, umso erstaunlicher ist die Tatsache, dass das alles immer noch ziemlich frisch klingt und überhaupt nicht altbacken. Im Gegenteil, wenn man das mit der heutigen Remixkultur vergleicht, dann ist die vorliegende Zusammenstellung wesentlich authentischer. „Mixed Up“ ist von seiner Atmosphäre etwas freundlicher und heller ausgefallen. „Just One Kiss“ hat allerdings auch diese Düsternis für die The Cure von so vielen Menschen verehrt werden. „Boys Don´t Cry“ ist und bleibt eben unverwechselbar. Die „Extended Version“ von „Why Can´t Be You“ nimmt sich über acht Minuten sehr viel Zeit. Schöner Bass, dringliches Schlagzeugspiel, eben gute Rhythmen. „Pictues Of You“ läutet dann die 90er ein, denn die „Extended Version“ ist – wie auch „Let´s Go To Bed“, „Just Like Heaven“, „Primary“ und „The Lovecats“ - von 1990, allerdings im aktuellen Remaster von 2018. Ob man das braucht, sollte man nicht hinterfragen, denn das lässt sich alles gut hören und wertet die Songs nicht ab, aber verleiht selbigen eine etwas andere Facette. Der Gesang bei „Pictues Of You“ ist beispielsweise etwas langsamer, fast schon als zärtlich zu bezeichnen. Gute Version!

 

Die sechzehn neuen Robert Smith-Remixe auf der dritten CD sind nicht die üblichen Verdächtigen. „The Imaginary Boys“ leitet das Geschehen düster ein, bevor der „Attack Mix“ von „M“ schon etwas Bedrohliches ausstrahlt. „The Drowning Man“ im „Bright Birds Mix“ ist mit viel Hall unterlegt, zieht sich aber leider auch wie Kaugummi über die viereinhalb Minuten. „A Strange Day“ schwurbelt zunächst auch etwas zu viel, aber dann stellt sich doch noch eine schön schaurige Szenerie ein. Dazu passt auch „Just One Kiss“ im Remember Mix, allerdings kann der gegen die Version von 82 nur verlieren. „Shake Dog Shake“ hört sich im „New Blood Mix“ wie ein frischer und neuer Song von The Cure an. Geiles Ding. „A Night Like This“ ist zunächst unspektakulär, das Saxofonsolo wertet die Nummer aber ungemein auf, abgesehen davon strahlt das Stück eine schöne und luftige Grundstimmung aus. „Like Cockatoos“ ist das komplette Gegenteil. Auf seine beklemmende Art und Weise erinnert das an die Nine Inch Nails. „Plainsong“ im „Edge Of The World Mix“ ist langweilig. So ehrlich muss man dann auch mal sein dürfen. Da ist Smith nicht viel eingefallen. Im Gegensatz zu „Never Enough“, das ist nämlich eine starke Version. Marilyn Manson wäre froh, er könnte noch mal solche Songs schreiben. Das gilt auch für das aggressive „Want“ im Time Mix. Dann verflacht es zunächst, bevor „Cut Here“ noch mal ein paar Akzente setzen kann. „Lost“ ist ein bisschen beim Drum ´n´ Bass angelehnt. Der „Whisper Mix“ von „It´s Over“ beendet das Gesamtkunstwerk „Mixed Up“ standesgemäß.

 

Fazit: „Mixed Up“ von The Cure wird als Remaster erneut veröffentlicht. Der Sound ist hervorragend und das alles hat überraschend gut den Test der Zeit bestanden. Viele neue Facetten von bekannten The Cure-Songs lassen sich hier entdecken. Eine schöne Alternative zu den eigentlichen Studiotracks. Als besonderes Schmankerl hat sich Robert Smith sechzehn weitere Songs vorgenommen und diese mit neuen Mixen versehen. Fans kommen also auch auf ihre Kosten. Insgesamt eine schöne Veröffentlichung und die einzelnen CDs wird man ganz sicher als nur das obligatorische eine Mal auflegen!

 

http://www.thecure.com/

 

Torsten Schlimbach

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